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	<title>Nation of Swine &#187; WOZ</title>
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	<description>Politik &#38; Freefight</description>
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		<title>Zeuge Nr. 36: Präsident Barack Obama</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2011/12/07/zeuge-nr-36-prasident-barack-obama/</link>
		<comments>http://nationofswine.ch/2011/12/07/zeuge-nr-36-prasident-barack-obama/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 14:08:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carlos Hanimann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geheimdienste]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Barack Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Bradley Manning]]></category>
		<category><![CDATA[Wikileaks]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>

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		<description><![CDATA[USA vs. Bradley Manning: Der US-Präsident im Zeugenstand?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2011/12/free_bradley_manning.png"><img class="alignleft size-full wp-image-5525" title="free_bradley_manning" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2011/12/free_bradley_manning.png" alt="" width="250" height="249" /></a></p>
<p>Am 16. Dezember beginnt in Fort Meade, Maryland, einer der grössten und bedeutendsten Gerichtsverfahren unserer Zeit: United States vs. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bradley_Manning" target="_blank">PFC Bradley E. Manning</a>. Der US-Soldat Manning befindet sich seit rund eineinhalb Jahren in Haft, fast ein Jahr lang davon in Isolationshaft, weil ihm vorgeworfen wird, Wikileaks mehrere hunderttausend streng geheime Dokumente zugespielt zu haben: Unter anderem das Video <a href="http://www.youtube.com/watch?v=5rXPrfnU3G0" target="_blank">Collateral Murder</a>, die <a href="http://www.guardian.co.uk/world/the-war-logs" target="_blank">Afghanistan-Protokolle</a>, die <a href="http://www.guardian.co.uk/world/iraq-war-logs" target="_blank">Irak-Protokolle</a>, die <a href="http://www.guardian.co.uk/news/datablog/2010/nov/29/wikileaks-cables-data" target="_blank">Diplomatendepeschen</a>, sowie die <a href="http://www.guardian.co.uk/world/guantanamo-files" target="_blank">Guantanamo-Akten</a> … Manning werden über zwanzig Vergehen vorgeworfen, dafür könnte er lebenslang ins Gefängnis wandern.</p>
<p>Letzten Frühling habe ich an einem Kongress in Berlin den jungen Computerwissenschafter und Aktivisten David House getroffen <a href="http://www.woz.ch/artikel/rss/20705.html" target="_blank">und für die WOZ eine grössere Geschichte</a> über ihn und Bradley Manning geschrieben. House gehört zum kleinen Kreis derer, die Manning im Militärgefängnis in Quantico besuchen durften, wo dieser unter höchster Sicherheitsstufe festgehalten wurde. Selbst Juan Mendez, UN-Sonderbeauftragter gegen Folter, <a href="http://www.bradleymanning.org/news/releases/top-un-official-on-torture-still-denied-unrestricted-meeting-with-manning" target="_blank">wurde der unbeaufsichtigte Zugang zu Manning verweigert.</a> House beobachtete also als einsamer Zeuge, wie Manning mehr und mehr unter der psychischen Belastung der Isolationshaft litt. (Die Familie besuchte Manning erst viel später. Ausser House besuchte ihn in der ersten Zeit nur sein Anwalt.) In einem <a href="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2011/12/Bradley-Manning_Rebuttal-article-138-complaint-quantico.pdf" target="_blank">elfseitigen Dokument (pdf) </a>beklagte sich Mannings Anwalt <a href="http://www.armycourtmartialdefense.com/" target="_blank">David E. Coombs</a> im März 2011 über die rigiden Haftbestimmungen. Zwei Monate später wurde Manning nach Fort Leavenworth in Kansas verlegt, wo er bessere Haftbedingungen erfuhr.</p>
<p>Nächste Woche also beginnt sein Prozess. Beim Verfahren, das vor einem Militärgericht stattfindet, wird Mannigs Anwalt David Coombs auch hochrangige Politiker in den Zeugenstand rufen. Vergangenen Freitag <a href="https://docs.google.com/viewer?a=v&amp;pid=explorer&amp;chrome=true&amp;srcid=0B_zC44SBaZPoNDBjZmNiYWItNDk0YS00MmNjLTllZDAtMjVlZTYwOTRjOGE3&amp;hl=en_US" target="_blank">publizierte Coombs seine Liste mit Zeugen</a>. Sie ist zwar geschwärzt, aber es ist ein leichtes herauszufinden, dass Zeuge Nummer 36 kein geringerer ist als Präsident Barack Obama.</p>
<div id="attachment_5528" class="wp-caption aligncenter" style="width: 565px"><img class="size-large wp-image-5528" title="Zeuge Nr. 36 - Barack Obama" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2011/12/Zeuge-Nr.-36-Barack-Obama-555x292.png" alt="Zeuge Nr. 36 - Barack Obama" width="555" height="292" /><p class="wp-caption-text">Zeuge Nr. 36 - Barack Obama</p></div>
<p>Der Präsident hatte <a href="http://www.youtube.com/watch?v=IfmtUpd4id0&amp;t=35s" target="_blank">an einer Veranstaltung gegenüber Dritten gesagt</a>, Bradley Manning habe gegen das Gesetz verstossen. Da Obama als oberster Befehlshaber ein Urteil über Manning fällte, obwohl die Untersuchung gegen Manning noch nicht abgeschlossen war, will Coombs von Obama wissen, ob er damit Einfluss auf den Ausgang der Verfahrens genommen und Mannings Recht auf einen fairen Prozess verletzt habe (im Video ab 00:35).</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/IfmtUpd4id0" frameborder="0" width="550" height="315"></iframe></p>
<p>Wir warten gespannt, ob Obama tatsächlich im Zeugenstand auftaucht. Oh, und übrigens: Zeugin Nummer 38 ist Aussenministerin Hillary Clinton …</p>
<p><span style="color: #ff0000;"><strong>++ UPDATE, 9. Dezember ++ </strong></span></p>
<p>Barack Obama wird wohl leider doch nicht als Zeuge zugelassen. Die meisten Zeugen des Manning-Anwalts David Coombs wurden abgelehnt, wie <a href="http://www.armycourtmartialdefense.info/2011/12/defense-response-to-government-denial.html" target="_blank">er auf seinem Blog schreibt</a>.</p>
<blockquote><p>In the government&#8217;s response, it opposed the presence of all defense requested witness (with the exception of ten witnesses who were also on the government&#8217;s witness list)</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mehr Infos gibt es hier:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.armycourtmartialdefense.info/" target="_blank">Blog </a>von Anwalt David E. Coombs</li>
<li>Die <a href="https://docs.google.com/viewer?a=v&amp;pid=explorer&amp;chrome=true&amp;srcid=0B_zC44SBaZPoNDBjZmNiYWItNDk0YS00MmNjLTllZDAtMjVlZTYwOTRjOGE3&amp;hl=en_US" target="_blank">Zeugenliste</a> von Coombs</li>
<li>Bradley <a href="http://www.bradleymanning.org/" target="_blank">Manning Support Network</a></li>
<li>Der Journalist <a href="http://www.salon.com/writer/glenn_greenwald/" target="_blank">Glenn Greenwald</a> schreibt bei Salon immer wieder Exzellentes über Manning</li>
</ul>
<p>Den Artikel, den ich für die WOZ geschrieben habe, gibts, wenn man auf <em>Weiterlesen</em> klickt.</p>
<p><span id="more-5524"></span></p>
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<h4></h4>
<h4><strong>Wikileaks-Enthüllungen</strong></h4>
<h3><strong>Wie die USA einen Staatsfeind produzieren</strong></h3>
<p>Von Carlos Hanimann</p>
<h6>Fast ein Jahr sass der US-Obergefreite Bradley Manning in Isolationshaft. Er wird beschuldigt, geheime Dokumente über die US-Kriege in Afghanistan und im Irak an Wikileaks weitergegeben zu haben. David House hat Manning als einer der wenigen im Gefängnis besuchen dürfen. Porträt eines Skandals.</h6>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote><p>«Wir erkunden &#8230; und ihr nennt uns Verbrecher. Wir sind auf der Suche nach Wissen &#8230; und ihr nennt uns Verbrecher. Wir existieren ohne Hautfarbe, ohne Nationalität und ohne religiöse Vorurteile &#8230; und ihr nennt uns Verbrecher.<br />
Ihr baut Atombomben, zettelt Kriege an, ihr tötet, betrügt und lügt uns an &#8230; und dann versucht ihr uns einzu­reden, es sei nur um unseretwillen, und trotzdem sind wir die Verbrecher.<br />
Ja, ich bin ein Verbrecher. Mein Verbrechen ist Neugier.»<br />
<em> The Mentor: «The Conscience Of A Hacker» (1986)</em></p></blockquote>
<p>An einem Tag im Juni 2010 klopften die USA bei David House an die Tür und wollten ihn bestechen. Die Agenten des FBI traten in die Wohnung des damals 23-jährigen Computerwissenschaftlers und sagten, sie wüssten, dass er E-Mail-Kontakt zum Obergefreiten Bradley Manning habe. Manning wurde verdächtigt, Hunderttausende geheimer Dokumente an die Online-Enthüllungsplattform Wikileaks übermittelt zu haben. Im Mai war er auf einem Stützpunkt im Irak festgenommen und in ein Militärgefängnis in Kuweit gebracht worden.</p>
<p>Die Agenten fragten David House, was er vom Krieg in Afghanistan und im Irak halte, wie er zu Manning stehe und was er zu Wikileaks meine. David House antwortete, ohne genau zu wissen, was die Agenten von ihm wollten: Er unterstütze grundsätzlich die Anliegen von Wikileaks als einer Organisation, die mehr Transparenz in der Politik fordere. Die Idee, dass Bürger­Innen Zugang zu politischer Information haben sollten, sei fundamental für jede Demokratie.</p>
<p>Als sich das FBI verabschiedete, machte ihm einer der Agenten ein Angebot: «Für dich liegt eine grosse Summe Geld drin», sagte er. «Du brauchst in der Hackerszene bloss Augen und Ohren in Sachen Wikileaks offen zu halten.»<br />
Das war die erste Begegnung mit den US-Behörden, die David House beunruhigte.</p>
<p>Als ich David House Anfang April dieses Jahres in Berlin traf, befand sich Bradley Manning bereits seit neun Monaten als Gefangener der höchsten Sicherheitsstufe in Einzelhaft im Militärgefängnis von Quantico in Virginia – ohne dass er je vor einem Richter gestanden hätte. Zuvor war er zwei Monate lang in einem Militärgefängnis in Kuweit inhaftiert gewesen. Unter welchen Umständen, ist bis heute ungeklärt. House sagte mir: «Die Bedingungen in Quantico grenzen an Folter. Aber niemand hat recherchiert, was in Kuweit los war. Ich weiss nicht, was da genau geschehen ist. Aber selbst die Bedingungen in Quantico sind mit Bestimmtheit bedeutend besser als in Kuweit.»</p>
<p>Seit der Verhaftung im Mai 2010 im Irak konnte keine Journalistin und kein Politiker direkt mit dem mutmasslichen Wikileaks-Informanten sprechen. Nur ein enger Kreis von Vertrauten durfte Manning in der Haft besuchen: seine Familie, sein Anwalt – und David House. Seit letztem Herbst traf er Manning regelmässig, meist zweimal im Monat. Und er beob­achtete, wie die rigiden Haftbestimmungen den 23-jährigen Nachrichten­analysten der US-Armee langsam zermürbten.</p>
<div id="attachment_5560" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-full wp-image-5560" title="david house" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2011/12/david-house.jpg" alt="David House" width="300" height="275" /><p class="wp-caption-text">David House</p></div>
<p><strong>Die Verhaftung</strong><br />
Der Saal war voll. Bis auf den letzten Platz. Und die Türsteherin erklärte, jetzt könne wirklich niemand mehr rein – Feuerschutzbestimmungen. David House stand vorne an einem kleinen Tisch, neben ihm John Goetz, ein Journalist des «Spiegels», Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club und Monica Lüke von Amnesty International. House war stellvertretend für das Bradley Manning Support Network von den deutschen Zeitungen «taz» und «Der Freitag» nach Berlin eingeladen worden, um an einem Medienkongress über Mannings Situation zu sprechen. Nach dem Panel wurde House von Journalistinnen, Hackern und Zuschauern überrannt. Der 24-Jährige, der ein schwarzes kleines Buch bei sich trug, nahm sich Zeit, sprach geduldig in die Mikrofone, schrieb dann seine Telefonnummer und seine E-Mail-Adresse in das Notizbuch, riss die Seite heraus und gab sie dem Gegenüber: «Falls du noch mehr Fragen hast, schreib mir eine Mail.»</p>
<p>Dann sagte House, er brauche jetzt eine Zigarette, und bat mich, mit ihm hinauszugehen. David House ist ein schmächtiger junger Mann aus Mobile im US-Bundesstaat Alabama, ein Computerfreak, der aber, wie er sagt, überhaupt nicht ins Klischee passt. Er studierte erst Englisch und Politikwissenschaften an der Universität von Boston, wechselte dann auf Computerwissenschaften und schloss vergangenes Frühjahr sein Studium ab. Seit einem Jahr arbeitet er am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) und forscht im Bereich der Informationsökonomik. Im Sommer will House nach Ägypten reisen, um sich mit BloggerInnen aus der arabischen Welt zu treffen und mit ihnen an einem Projekt für dezentrale Netzwerke zu arbeiten, die verhindern, dass die Telekommunikation von einem autokratischen Regime ausgeschaltet werden kann.</p>
<p>Wir setzten uns auf eine Treppe vor der Tür, und House begann zu erzählen.</p>
<p>«Eigentlich waren wir noch gar keine Freunde, als Bradley verhaftet wurde», sagte House. «Wir haben uns nur einmal kurz getroffen, ein wenig gequatscht. Und dann war er schon wieder weg.» Das war im Januar 2010. David House stand kurz davor, sein Studium abzuschliessen. Mit ein paar Freunden eröffnete er das «Builds» als einen Hackerspace – einen kleinen Raum auf dem Universitätsgelände, wo es Farbe gab, Werkzeug und Computer, vor allem aber viel Wissen.</p>
<p>«Das Wort ‹Hacker› hat manchmal einen negativen Beigeschmack. Ich benutze das Wort aber in einem reineren, einem ursprünglicheren Sinn. Es geht für mich um Selbstermächtigung. Es geht darum, die Fähigkeiten, die man hat, richtig einzusetzen. Der Begriff enthält für mich auch einen Do-it-yourself-Gedanken und ein Misstrauen gegenüber Autoritäten. Die Leute kamen also vorbei und fragten: ‹Wie sprayt man ein Graffiti?› Und wir halfen dabei. Oder: ‹Wie baue ich einen Roboter?› Wir halfen dabei.»</p>
<p>Zur Eröffnung von Builds kam auch Bradley Manning vorbei. Kurz darauf flog er in den Irak, von wo er House noch einmal schrieb. «Aber ich schaffte es leider nicht mehr, die Mail zu beantworten. Darin bin ich furchtbar schlecht.» House zog sein Blackberry aus der Tasche, lachte und sagte: «Hier, 150 E-Mails, alle noch zu beantworten.»</p>
<p>Im April 2010 sah House – wie Millionen anderer Menschen auch – einen von Wikileaks unter dem Titel «Collateral Murder» veröffentlichten Film. Das achtzehnminütige Video zeigt, wie Angehörige der US-Armee 2007 in Bagdad aus einem Helikopter auf unschuldige Zivilisten und Journalisten schiessen und einen nach dem anderen umbringen. Für Wikileaks war es ein Coup, der die Weltöffentlichkeit aufrüttelte und die Abscheulichkeiten des Kriegs zeigte. Für Bradley Manning war es der Anfang eines Albtraums.</p>
<p><strong>Folter im Knast von Quantico</strong><br />
Einen Monat später wurde Manning verhaftet. Man warf ihm vor, das Video «Collateral Murder» an Wikileaks übermittelt zu haben. Darüber hinaus: rund 90 000 geheime US-Dokumente zum Afghanistankrieg, rund 400 000 geheime Dokumente zum Irakkrieg, rund 250 000 geheime Diplomatendepeschen, über 700 geheime Dokumente zu den Guantánamo-Insassen und das sogenannte Garani-Video, das angeblich einen weiteren Luftangriff zeigen soll. Alle Dokumente (bis auf das Garani-Video) wurden seit der Verhaftung Mannings von Wiki­leaks publiziert.</p>
<p>Am Aprilwochenende in Berlin wirkte House selbstbewusst, überzeugend, abgeklärt. Wann immer über Bradley Manning Fragen gestellt wurden, die niemand zu beantworten wusste, ergriff House das Wort, erklärte sachlich, aufs Wesentliche konzentriert, belegte seine Aussagen mit Beispielen. Das vergangene Jahr und seine Rolle als Freund des mutmasslichen «Verräters» Manning haben ihn argumentieren gelehrt. Nachdem ihn das FBI vergangenen Sommer das erste Mal besucht hatte, fand er sich plötzlich inmitten einer Untersuchung wieder, deren Ausmass er sich nicht einmal hätte träumen lassen. «Meine Bekannten in Boston holten sich alle Anwälte», erzählte er mir. «Das FBI verhörte zahlreiche Freunde, verfolgte und überwachte sie. Studenten wurden vor der Uni abgefangen und zu Bradley Manning befragt. Es war verrückt: Wie die Behörden die Untersuchungen führten, gegen Freunde ermittelten, sie als Informanten gewinnen wollten – das war so widerwärtig.» Während sich also fast alle Freunde juristische Hilfe holten und möglichst wenig mit dem Fall Manning zu tun haben wollten, entschied House, sich erst recht für den verdächtigten Soldaten einzusetzen. «Viele am MIT oder an der Boston University sind vom Staat abhängig. Sie erhalten Stipendien oder hoffen auf staatliche Forschungsaufträge. Da macht es sich nicht gut, mit jemandem wie Manning in Verbindung gebracht zu werden.»</p>
<p>Im September besuchte House Bradley Manning zum ersten Mal, auf Wunsch eines gemeinsamen Freunds. «Mein Freund sagte mir, seine Anwälte hätten ihm geraten, Manning nicht mehr zu besuchen. Deshalb sollte ich mitkommen, mit Manning reden – und das später vielleicht wieder tun.» House fuhr mit ihm ins 700 Kilometer entfernte Quantico, führte im Gefängnis ein «gutes Gespräch» mit Manning und wurde am Schluss von diesem gebeten, in der folgenden Woche wiederzukommen. «Das tat ich. Ich stopfte am nächsten Freitagabend ein paar Kleider in einen Armyrucksack, stieg in den Zug nach Washington und übernachtete dort im Hostel. Am nächsten Morgen mietete ich einen Wagen und fuhr nach Quantico.»</p>
<p>Zu diesem Zeitpunkt war House – neben einem Anwalt – der Einzige, der Manning besuchte. Mannings Familie, zu der dieser ein schwieriges Verhältnis hat, kam erst diesen Februar zu Besuch. House fühlte sich geradezu verpflichtet, Manning zu treffen: «Wenn international Druck auf dich gemacht wird, wenn US-Senatoren im Fernsehen fordern, dass du sofort exekutiert werden sollst – wer kommt dich da noch besuchen?»</p>
<p>Manning war in Quantico von Beginn an in Einzelhaft, lebte über neun Monate unter Bedingungen, die üblicherweise höchstens kurzfristig vorgesehen sind. Besuche waren nur am Wochenende erlaubt, für eine Dauer von drei Stunden. «Aber das war reine Theorie. Ich konnte erst nach Mittag rein. Dann durchsuchten die Marines mich und mein Auto, ich wurde in einem Konvoi zum Gefängnis gefahren. Dort musste ich warten, bis mich die Marines von meinem Wagen ins Gefängnis eskortierten. Und dort wartete ich wieder, bis sie Bradley brachten.» Am Ende blieb meist eine Besuchszeit von rund eineinhalb Stunden.</p>
<p>Anfangs, sagte House, habe er sich gut mit Manning unterhalten können – über die Erwartungen ans Leben, über die Zeit im Militär, über Physik, Ethik, Computer. «Bradley erzählte mir, er wolle irgendwann Physik studieren.» Je länger House ihn aber besuchte, desto schwieriger wurde es, ein Gespräch zu führen. Die Antidepressiva, die Manning einnehmen musste, die Sicherheitsbestimmungen und die totale Isolation setzten Manning stark zu. «Gegen Jahresende ging es ihm sehr schlecht, er schien gebrochen», sagte House. Manning mochte kaum mehr reden, vor allem nicht über seine Haftbedingungen. «Als ich ihn im Januar fragte, wie es ihm im Gefängnis gehe, antwortete er nicht. Er machte nur eine ängstliche Bewegung in Richtung der drei Marines, die immer mit uns im Raum standen, und wechselte das Thema.»</p>
<p>Manning werden über zwanzig Vergehen angelastet, für die er 52 Jahre Gefängnis bekommen könnte. Und für das schwerwiegendste, «Kollaboration mit dem Feind», könnte er gar mit dem Tod bestraft werden. Trotzdem gibt es bis heute keine formelle Anklage gegen ihn. Für House ist klar, weshalb: «Das primäre Ziel der US-Regierung sind immer noch Wikileaks und Julian Assange.» Manning sei vor allem deshalb so lange in Untersuchungshaft, als Gefangener höchster Sicherheitsstufe, damit er, zermürbt, der US-Regierung irgendeine Aussage liefere, die Assange belaste.</p>
<p>In Quantico hiess das: 23 Stunden pro Tag in einer kleinen Zelle ohne natürliches Licht. Keine persönlichen Gegenstände. Kein Zugang zu Zeitungen oder Nachrichten. Kein Sport in der Zelle. Der Versuch, Liegestützen zu machen, wurde von Wärtern unterbunden. Tagsüber: kein Schlaf. Alle fünf Minuten Kontrolle durch Wärter. Eine Stunde Erholung pro Tag. Während dieser Stunde: in einem geschlossenen Raum eine Acht gehen, fernsehen oder schreiben. Davor Einnahme von Antidepressiva. Nachts: Beleuchtung der Zelle durch eine Lampe im Zellengang. Ständige Kontrolle durch Wärter – wegen Gefahr der Selbstverletzung. Kein Kissen. Kein Leintuch. Keine Kleider – wegen Selbstmordgefahr.</p>
<p><strong>«Konditionierungstechniken»</strong><br />
Obwohl ein Gefängnispsychiater seit August 2010 mehr als ein Dutzend Mal erklärte, Manning sei nicht suizidgefährdet, und empfahl, ihn auf eine niedrigere Sicherheitsstufe zu setzen, geschah das Gegenteil: Anfang März musste Bradley Manning abends sogar die Boxershorts ausziehen und erhielt sie am nächsten Morgen erst nach dem Appell, bei dem alle Gefangenen im Zellengang strammstehen müssen, zurück. Die Massnahme war ergriffen worden, nachdem Manning in Gegenwart von Wärtern sarkastisch bemerkt hatte, er hätte sich längst mit den Boxershorts aufhängen können, wenn er wirklich suizidal wäre.</p>
<p>Nacktheit und Schlaf­entzug – Verhörmethoden, die als «Konditionierungstechniken» auch in geheimen CIA-Papieren aufgelistet sind; Massnahmen, die laut einem offenen Brief von dreihundert führenden US-JuristInnen an Präsident Barack Obama «entwürdigend», «unmenschlich», «illegal» und «unmoralisch» sind, allenfalls gar gegen die Antifolterkonvention verstossen.</p>
<p>Nachdem Mannings Haftbedingungen bekannt geworden waren, erklärte Philip J. Crowley, der Sprecher der US-Aussenministerin Hillary Clinton, er halte die Militärhaft von Manning für «lächerlich», «kontraproduktiv» und «dumm». Kurz darauf musste Crowley zurücktreten.</p>
<div id="attachment_5559" class="wp-caption alignleft" style="width: 234px"><img class="size-medium wp-image-5559" title="iwasbradleymanning" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2011/12/iwasbradleymanning-224x300.jpg" alt="Daniel Ellsberg, Whistleblower" width="224" height="300" /><p class="wp-caption-text">Daniel Ellsberg, Whistleblower</p></div>
<p>Der Widerstand gegen Mannings Haft wuchs. Amnesty International, das UN-Hochkommissariat gegen Folter, US-PolitikerInnen und Prominente wie der Filmer Michael Moore schalteten sich ein und protestierten gegen Mannings Haft. Wenige Wochen vor unserem Treffen in Berlin nahm David House vor dem Gefängnis in Quantico an einer Demonstration von rund fünfhundert Manning-UnterstützerInnen teil, darunter zahlreiche Kriegsveteranen. Mit dabei war auch der 79-jährige Whistleblower Daniel Ellsberg, früherer Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, der in den siebziger Jahren den Medien die sogenannten Pentagonpapiere zugespielt hatte, ein 7000-seitiger geheimer Bericht, der die Verbrechen der USA im Vietnamkrieg offengelegt und dessen Veröffentlichung wesentlich zum Ende des Kriegs beigetragen hatte. Ellsberg wurde an der Demonstration mit rund dreissig weiteren Personen verhaftet, weil sie die Strasse blockiert hatten.</p>
<p>Doch der anhaltende Protest gegen Mannings Verhaftung scheint seine Wirkung zu zeigen. Ende April verlegten die US-Behörden den Gefangenen nach Fort Leavenworth im Bundesstaat Kansas. Das Gefängnis soll besser für die lange Untersuchungshaft geeignet sein. Manning habe dort mehr Platz, liessen die Behörden verlauten, er könne Sport treiben, sich mit anderen Häftlingen austauschen und dreimal täglich in einem Gemeinschaftssaal essen. Das Bradley Manning Support Network rechnet damit, dass Manning Ende Mai oder Anfang Juni erstmals vor einen Richter geführt wird.<br />
Auch Mannings Anwalt schrieb auf seinem Blog, dass sich Mannings Situation in Kansas verbessert habe: In der neuen Zelle gebe es ein Fenster, einen Tisch, ein Bett, ein Kissen, eine Decke, Manning dürfe zudem persönliche Dinge wie Bücher, Briefe und eigene Kleidung darin aufbewahren. Neuerdings erhält er auch private Post.</p>
<p>House aber hat Manning seit März nicht mehr besucht. Er wurde – ohne jegliche Erklärung – von der Besucherliste gestrichen. Von wem und warum, ist unklar.</p>
<p><strong>Der Verräter und die Agenten</strong><br />
In Berlin während des Medienkongresses war es draussen dunkel geworden, und House und ich begaben uns wieder in das Gebäude. Kaum sassen wir, sprach ihn jemand an, ein junger Mann von der deutschen Piratenpartei, der einen Termin mit House vereinbaren wollte. Hacker, Piraten, Computerfreaks – das sind die Leute, die sich (neben den JournalistInnen) am meisten für House interessierten. Wir diskutierten über Wikileaks, die Bedeutung der Enthüllungsplattform und ihre Widersprüche. Irgendwann sagte House, alle Informationen müssten frei zugänglich sein. Ein Satz, den auch Manning geschrieben haben soll, als er vom Irak aus mit dem bekannten US-amerikanischen Hacker Adrian Lamo chattete und ihm schrieb, geheime Daten an Wikileaks übermittelt zu haben. (Laut House ist Lamo ein «Egoman», «Narzisst», «Drogensüchtiger» und «allseits bekannter Informant der US-Regierung».) In den redigierten Chatlogs, die Lamo dem Magazin «Wired» zur Veröffentlichung gab, fragte er Manning, warum er die Daten nicht einfach an einen Staat oder eine Firma verkauft habe. Manning: «Weil sie der Öffentlichkeit gehören. Informationen sollten frei zugänglich sein.»</p>
<p>Im vergangenen Jahr wurde in den Medien oft gemutmasst, was Manning dazu veranlasst hatte, die geheimen Daten an Wikileaks zu leiten: Einsamkeit, Zweifel am Kriegseinsatz, Geltungsdrang; selbst seine Homosexualität wurde in diesem Zusammenhang erwähnt. Selten aber wurde darauf verwiesen, was Manning mit House, Assange und gar Lamo verbindet: Sie sind Hacker und verstehen sich als solche, ganz so, wie es auch in Steven Levys Buch «Hackers» heisst: «Misstraue Autoritäten» und «Alle Informationen müssen frei zugänglich sein».</p>
<p>Der Philosoph Slavoj Zizek schrieb kürzlich in einem Essay: «Wikileaks bedroht die formale Verfahrensweise des Funktionierens der Macht. Das wahre Ziel waren nicht die schmutzigen Details und die Individuen, die dafür verantwortlich waren, sondern Ziel war die Macht selbst, ihre Struktur.» Die Aufdeckungen richteten sich nicht an uns Bürger, «die wir bloss unbefriedigte Individuen sind und darüber Bescheid wissen wollen, was sich hinter den verschlossenen Türen in den Korridoren der Macht abspielt». Die Enthüllungen seien eine Aufforderung, «uns zu einem langen Kampf aufzuraffen mit der Absicht, ein anderes Funktionieren der Macht hervorzubringen».</p>
<p>Ein Kampf, der zurzeit vor allem die US-Regierung herausfordert. Als David House von seiner ersten Begegnung mit den FBI-Agenten in Boston berichtete, sagte er: «Die US-Regierung sieht Hacker, Anwälte, Aktivisten – im Prinzip jeden, der Bradley Manning unterstützt – als potenzielle Gefahr, genauso wie sie Wikileaks als Gefahr wahrnimmt.» Dann erzählte er von einem seiner Freunde, der wegen dieser Freundschaft vom FBI verhört wurde und dem nun die Entlassung drohe, weil er sich weigere, mit dem FBI zusammenzuarbeiten. «Ich hatte das nicht erwartet. Aber je länger ich mit diesen Leuten zu tun habe, desto mehr Sinn ergibt es. Es ist wie mit den radikalen Bewegungen in den sechziger Jahren – nur die Ziele sind anders: Heute sind es Computerfreaks, Hacker. Diese Leute werden als riesige Bedrohung gesehen.»</p>
<p>House zückte sein Blackberry und zeigte mir kurze Videos, die er kürzlich in London gedreht hatte: Darin waren drei Männer zu sehen, einer mit Glatze, die hinter ihm in einer Schlange standen. «Agenten», sagte House. «Sie begleiteten mich von Bos­ton nach London.» Der eine habe im Flugzeug hinter ihm gesessen, die anderen zwei neben ihm. Sie seien ihm, immer wieder in anderer Zusammensetzung, gefolgt. Er sei mit der U-Bahn absichtlich mehrmals auf ungewöhnlichen Routen durch die Stadt gefahren, um zu prüfen, ob sie ihm folgten, bevor er schliesslich im Hotel eincheckte. Er war sich nicht sicher, ob er sich das einbildete oder ob er wirklich beobachtet wurde. Aber dann, einige Tage später, sah er zwei von ihnen wieder – im Café vor seinem Hotel.</p>
<p>House lachte. «Sie sehen ja auch wirklich aus wie Agenten, nicht?»</p>
<h2><strong>Die Wikileaks-Dokumente</strong></h2>
<p><span style="color: #888888;">Die Online-Enthüllungsplattform Wikileaks wurde 2006 gegründet. Seither veröffentlichte Wikileaks immer wieder zugespielte Dokumente, die für internationale politische Skandale sorgten. Eine der ersten Enthüllungen betraf die Schweizer Privatbank Julius Bär. 2008 publizierte Wikileaks interne Dokumente und Kundendaten einer Tochterfirma auf Cayman Islands, die fragwürdige Steuerpraktiken der Bank offenlegten.</span><br />
<span style="color: #888888;">Die bislang grösste Aufmerksamkeit erreichte Wikileaks 2010, als die Enthüllungsplattform in Zusammenarbeit mit internatio­nalen Zeitungen Hunderttausende geheimer Dokumente des US-Militärs veröffentlichte. Im April 2010 publizierte Wiki­leaks ein Video unter dem Titel «Collateral Murder», das einen Angriff von US-Soldaten im Irak auf Zivilistinnen und Journalisten zeigte. Später folgten über 90 000 Dokumente zum Afghanistankrieg, über 400 000 Dokumente zum Irakkrieg, rund 250 000 Diplomatendepeschen – und zuletzt: über 700 Akten zu den Gefangenen auf Guantánamo.</span><br />
<span style="color: #888888;">Die USA vermuten, dass der Obergefreite Bradley Manning die Dokumente Wikileaks zugespielt hat. Seit einem Jahr befindet sich Manning in Untersuchungshaft – ohne einem Richter vorgeführt worden zu sein.</span></p>
<p><em>© WOZ vom 12.05.2011</em></p>
<h2>Was weiter geschah: Nachtrag vom 19.05.2011</h2>
<p><strong>Klage gegen US-Behörde</strong></p>
<p>David House ist einer der wenigen, die mit dem mutmasslichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning befreundet sind und diesen vergangenes Jahr in Isolationshaft besuchen konnten. Diese Freundschaft mit dem «Staatsfeind» hatte für House eine Reihe von unangenehmen Begegnungen mit den US-Behörden zur Folge.<br />
Jetzt wehrt sich House: Vergangene Woche reichte er mit der US-amerikanischen Bür­ger­rechts­­union ACLU Klage gegen das Minis­terium für Innere Sicherheit (Homeland Security) ein. House war letzten November am Chicagoer Flughafen von zwei Agenten des Ministeriums angehalten und verhört worden. Dabei beschlagnahmten sie Laptop, Handy, Videokamera und USB-Stick des 24-jährigen Computerwissenschaftlers. Erst nach sieben Wochen und nachdem House die ACLU eingeschaltet hatte, erhielt er die elektronischen Geräte zurück. In dieser Zeit, so heisst es in der Anklage, habe das Minis­terium persönliche Daten kopiert und an andere Behörden weitergegeben.</p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=5524&amp;md5=77bef6cf2282d761640fb6edc44baabe" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Fa-FIFA-Fa-Familienangelegenheiten</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Nov 2011 10:42:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carlos Hanimann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Korruption]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Der Fifa-Präsident Joseph Blatter hat Ende Oktober grosse Reformen und Transparenz gegen Korruption angekündigt – als Aushängeschilder und Garanten für Seriosität benutzte er Transparency International und den Basler Strafrechtsprofessor und Korruptionsexperten Mark Pieth. Wenn sie sich da mal nicht die Finger verbrennen. Denn während Blatter die Öffentlichkeit auf Taten warten lässt, verschafft er seinem Neffen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Fifa-Präsident Joseph Blatter hat Ende Oktober grosse Reformen und Transparenz gegen Korruption angekündigt – als Aushängeschilder und Garanten für Seriosität benutzte er Transparency International und den Basler Strafrechtsprofessor und Korruptionsexperten Mark Pieth. Wenn sie sich da mal nicht die Finger verbrennen. Denn während Blatter die Öffentlichkeit auf Taten warten lässt, verschafft er seinem Neffen Philippe schon mal lukrative Verträge. Um zu meinem kurzen WOZ-Beitrag (bloggerecht aufbereitet) über den Fifa-Nepotismus zu gelangen, hier weiterlesen …<span id="more-5164"></span></p>
<h3 title="title">Family Business</h3>
<p title="author"><em><span style="color: #c0c0c0;">Von Carlos Hanimann</span></em></p>
<p>Es war ein <a href="http://de.fifa.com/aboutfifa/organisation/bodies/news/newsid=1530345/index.html" target="_blank">grosser Auftritt</a> für den neuen Fifa-Mann: <a href="http://www.woz.ch/artikel/rss/20628.html" target="_blank">Walter de Gregorio</a>, «Sportjournalist des Jahres 2010» und zuletzt tätig für «Das Magazin» und «Weltwoche», sass erstmals auf der anderen Seite, gleich neben dem Präsidenten, als dieser vor zwei Wochen auf dem Zürichberg der versammelten Sportpresse erklärte, <a href="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2011/11/ReformProposal_JSB_21102011.pdf" target="_blank">wie die Fifa für mehr Transparenz sorgen möchte (pdf)</a>. Joseph Blatter rief – einmal mehr – eine Kommission und verschiedene Taskforces ins Leben, die bis zum Juni 2013 Reformen in der Fifa umsetzen sollen – ein «ehrgeiziger Zeitplan, ein Formel-1-Fahrplan», wie Blatter sagte. Dann kündigte der Präsident an, was er zuvor bereits ge­gen­über einzelnen, ausgewählten Journalisten hatte durchsickern lassen: Die Fifa beabsichtige, Dokumente im Fall ISL zu veröffentlichen.</p>
<p><a href="http://www.woz.ch/artikel/2009/nr04/schweiz/17395.html" target="_blank">Der Fall ISL ist die grösste bekannte Schmiergeldaffäre der Schweizer Wirtschaftsgeschichte</a>. Die Sportrechtehändlerin ISL mit Sitz in Zug war jahrelang bevorzugte Partnerin der Fifa gewesen und hatte von 1989 bis zu ihrem Konkurs 2001 rund 140 Millionen Franken Schmiergelder gezahlt – auch an hohe Fifa-Funktionäre. Im Sommer 2010 zahlten zwei <a href="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2010/06/2010_06_24_Fifa_ISL_Verfahren-eingestellt.pdf" target="_blank">Fifa-Funktionäre 5,5 Millionen Franken Wiedergutmachung (pdf)</a>, damit die Zuger Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung im Zusammenhang mit der Affäre einstellte. In der Folge forderten diverse Zeitungen Einsicht in die Einstellungsverfügung – die Staatsanwaltschaft Zug gewährte sie, die Fifa erhob Einspruch und verhindert seither auf juristischem Weg, dass die Dokumente an die Öffentlichkeit gelangen. <a href="http://www.handelszeitung.ch/management/fifa-englische-medien-erklaeren-blatter-zum-saubermann" target="_blank">Schon dar­um ist dem angeblichen Reformwillen der Fifa nicht zu trauen</a>: Sie könnte die ISL-Dokumente längst freigeben – wenn sie denn wollte.</p>
<p>Doch da ist noch mehr.</p>
<p>An der Pressekonferenz Ende Oktober war viel von Transparenz die Rede, die Fifa präsentierte die Antikorruptionsorganisation <a href="http://transparency.ch/de/index.php?navid=1" target="_blank">Transparency International</a> und Strafrechtsprofessor <a href="http://ius.unibas.ch/lehre/dozierende/strafrecht/profil/person/pieth_mark/" target="_blank">Mark Pieth</a> als Garanten für die neue Seriosität im Weltfussballverband. Sie sollen der Fifa künftig beratend zur Seite stehen.</p>
<p>Aber Transparenz ist in der Fifa höchstens ein Modewort. Fernab der Kameras wird weiter nach dem Motto geschäftet: Family Business. Letzte Woche <a href="http://de.fifa.com/aboutfifa/organisation/news/newsid=1533496/index.html" target="_blank">vergab der Weltfussballverband die Fernsehrechte für den asiatischen Raum von 2015 bis 2022</a>, also für die Zeit, in der auch die beiden Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar stattfinden: Die Fifa verkaufte die Rechte <del>für 1,85 Milliarden US-Dollar</del> [1,85 Mia. beträgt das Gesamtvolumen der Medienrechteabschlüsse 2015-22, ch.] an die Infront Sports &amp; Media AG. <a href="http://www.infrontsports.com/about-us/" target="_blank">Infront</a> ist eine weltweit führende Sportmarketingfirma mit Sitz in Zug. Und ihr Präsident und CEO ist seit April 2006 <a href="http://www.infrontsports.com/about-us/group-management/" target="_blank">Philippe Blatter – Josephs Neffe.</a></p>
<div id="attachment_5173" class="wp-caption alignleft" style="width: 128px"><img class="size-full wp-image-5173" title="Philippe Blatter, Infront" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2011/11/Philippe-Blatter.png" alt="" width="118" height="160" /><p class="wp-caption-text">Philippe Blatter, Josephs Neffe</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Infront wurde nicht zum ersten Mal von der Fifa berücksichtigt. Bereits für die Weltmeis­ter­schaf­ten 2002 und 2006 konnte sie weltweit die TV-Rechte vermarkten. Und auch 2010 erhielt sie ihr Stück vom Kuchen. Infront ist in den vergangenen Jahren zu einem der grössten Player im Markt für Sportrechte geworden. Seit dem Konkurs der ISL im Jahr 2001 ist Infront im wahrsten Sinne des Wortes an deren Stelle getreten: Das Unternehmen hat den Sitz an derselben Adresse in Zug.</p>
<p>Infront ist auch an <a href="http://www.match-ag.com/hospitality.html" target="_blank">Match</a> beteiligt, einem Zürcher Unternehmen, das Rundumpakete für Sportveranstaltungen anbietet, sogenannte Hospitality Packages. Das tat sie auch an der letzten WM in Südafrika. Dort waren die Preise viel zu hoch, was zu einer geringen Nachfrage führte, die in Folge Stadien halbleer liess. Das ärgerte sogar den Präsidenten Blatter, der damals im Schweizer Fernsehen zugab, es sei «nicht gut gelaufen». Deshalb werde man künftig den Ticketverkauf selber in die Hand nehmen. Tatsächlich gründete die Fifa daraufhin die Fifa Ticketing AG, die die Gesamtverantwortung für das Kartenprogramm für die kommende WM 2014 in Brasilien trägt. In der «operationellen Umsetzung» wird sie allerdings weiter von Match «unterstützt».</p>
<p><a href="http://de.fifa.com/worldcup/russia2018/media/newsid=1535457/index.html" target="_blank">Die Fifa gab nun bekannt, wer danach bis 2023 die Hospitality-Rechte erhält</a>: Es ist aus­gerechnet Match, also die Firma, an der auch Philippe Blatters Firma Infront Anteile besitzt. Die Fifa teilt mit, Match sei aus ihrer eigenen «Branchenanalyse» als «bester Anbieter» hervorgegangen. Eine öffentliche Ausschreibung habe es zwar nicht gegeben, sagt die Fifa. Man habe aber «Sondierungsgespräche» geführt.</p>
<p>Im Sinne der angekündigten Transparenz hätte die WOZ diese «Branchenanalyse» gerne eingesehen. Die Fifa lehnte ab.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p id="artikel_bottom_links"><span style="color: #c0c0c0;"><em>© WOZ &#8211; Die Wochenzeitung vom 03.11.2011</em></span></p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=5164&amp;md5=f614f5f4287ac5a5fc9cd2a821b56fff" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Tag der Toten und Nacht der Zombies</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 08:13:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Gonzo</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>1. November, Tag der Toten: Gestern Nacht hat «Ärzte»-Schlagzeuger Bela B. für «Arte» den Grossmeister der Zombiefilme besucht, den Regisseur George Romero. Und obwohl ihr lieber geschlafen habt, sollt ihr nicht bestraft werden. Ihr könnt das tatsächlich nachgucken, und zwar <a href="http://videos.arte.tv/de/videos/hotel_bela_george_romero-4227838.html" target="_blank">hier</a>. Wie packt Romero seine Filme an? Wie schafft man Zombies? Und warum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1. November, Tag der Toten: Gestern Nacht hat «Ärzte»-Schlagzeuger Bela B. für «Arte» den Grossmeister der Zombiefilme besucht, den Regisseur George Romero. Und obwohl ihr lieber geschlafen habt, sollt ihr nicht bestraft werden. Ihr könnt das tatsächlich nachgucken, und zwar <a href="http://videos.arte.tv/de/videos/hotel_bela_george_romero-4227838.html" target="_blank">hier</a>. Wie packt Romero seine Filme an? Wie schafft man Zombies? Und warum hat er immer zwei Gummienten dabei? Wichtige Fragen an den «Godfather of all Zombies», Regisseur von «Night of the Living Dead», «Dawn of the Dead», «Day of the Dead».</p>
<p>In Mexico ist inzwischen aller Tage <a href="http://www.newyorker.com/reporting/2008/11/10/081110fa_fact_guillermoprieto" target="_blank">Tag der Toten</a>. Die Hackergruppe Anonymous hat deshalb gestern die Webseite des ehemaligen Staatsanwaltes Gustavo Rosario gekapert und ihn als Mitglied der Mafiagruppe «Los Zetas» geoutet. Damit hat die Gruppe, die mit der Aktion um die Freilassung eines entführten Mitgliedes kämpft, dem möglichen Kartellmitglied einen ganz <a href="http://www.youtube.com/watch?v=x3oVILX1xVk&amp;feature=player_embedded" target="_blank">privaten Tag des Todes beschert</a>.</p>
<div id="attachment_5133" class="wp-caption aligncenter" style="width: 468px"><a href="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2011/11/Anonymous_02.jpg"><img class="size-full wp-image-5133 " title="Anonymous_02" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2011/11/Anonymous_02.jpg" alt="" width="458" height="229" /></a><p class="wp-caption-text">Kein Halloween; Leben oder Tod: Anonymous-Drohung gegen die Drogenmafia.</p></div>
<p>*</p>
<p>Kollege S. war früher ein grosser Fan von Tocotronic. Er hat die Band seitenweise in <a href="http://www.woz.ch/artikel/archiv/18914.html" target="_blank">wortgewaltigen Artikeln</a> irre gut klingen lassen, so dass man selbst nicht darum herumkam, irgendwann reinzuhören. Kollege S. war ein ganz privater Anwalt der Hamburger Band. Dort, wo er herkam, nannten sie ihn deshalb «Toco». Wir wissen nicht, wie es um das heutige Verhältnis von «Toco» und Tocotronic bestellt ist, zu Tocotronics schön verspultem «Tag der Toten» geht es jedenfalls <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Z8WnIkK7OVk" target="_blank">hier</a>.</p>
<p>Für immer ein gutes Verhältnis werden wir zum Vater aller Zombiefilme haben – «Night of the Living Dead», 1968:</p>
<p><object width="595" height="446"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/Zd04SwR2eU8?version=3&#038;feature=oembed"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/Zd04SwR2eU8?version=3&#038;feature=oembed" type="application/x-shockwave-flash" width="595" height="446" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=5132&amp;md5=49d810c3564432a0f2d404aa0802020e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wikileaks: Virtuelles Steineschmeissen und ein Appell gegen die Kriminalisierung von Wikileaks</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2010/12/16/wikileaks-virtuelles-steineschmeissen-und-ein-appell-gegen-die-kriminalisierung-von-wikileaks/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Dec 2010 11:26:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oscar Acosta</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Der Freitag]]></category>
		<category><![CDATA[Wikileaks]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2010/12/15-12-10-wikileaks-b.jpg"></a>In einer Zeit, in der von allen möglichen Seiten auf Wikileaks eingeprügelt und <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,734921,00.html" target="_blank">Medienzensur</a> in einem angeblich demokratischen Land salonfähig wird, kann man sich gar nicht genug FÜR Wikileaks einsetzen. Natürlich müssen auch jetzt kritische Fragen erlaubt sein: Warum werden die Diplomatendepschen – im Gegensatz zu anderen Wikileaks-Enthüllungen – <a href="http://www.freitag.de/politik/1049-verrat-an-dem-wof-r-wikileaks-stehen-sollte" target="_blank">nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2010/12/15-12-10-wikileaks-b.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-4475" title="15-12-10-Appell für Wikileaks" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2010/12/15-12-10-wikileaks-b.jpg" alt="" width="550" height="381" /></a>In einer Zeit, in der von allen möglichen Seiten auf Wikileaks eingeprügelt und <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,734921,00.html" target="_blank">Medienzensur</a> in einem angeblich demokratischen Land salonfähig wird, kann man sich gar nicht genug FÜR Wikileaks einsetzen. Natürlich müssen auch jetzt kritische Fragen erlaubt sein: Warum werden die Diplomatendepschen – im Gegensatz zu anderen Wikileaks-Enthüllungen – <a href="http://www.freitag.de/politik/1049-verrat-an-dem-wof-r-wikileaks-stehen-sollte" target="_blank">nur Stück für Stück veröffentlicht</a>? Wieviel Transparenz, bzw. wieviel Vertraulichkeit braucht es für eine funktionierende Demokratie? Sind Klatschmeldungen über die «Teflon»-Kanzlerin Merkel wirklich relevant? Oder handelt es sich, so der Netzaktivist padeluun<a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr50/schweiz/20186.html" target="_blank"> in der aktuellen WOZ</a>, dabei wirklich um eine «Befriedigung einer voyeuristisch-pornografischen Sensationsgeilheit»?</p>
<p>Trotz allem: Es ist wichtig und richtig, dass heute verschiedene Medien einen Appell gegen die Kriminalisierung von Wikileaks veröffentlicht haben. Wie heisst es in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte?</p>
<blockquote><p><em>Artikel 19: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie   Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen    ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht   auf Grenzen  Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und   zu verbreiten.“</em></p></blockquote>
<p>Zum Appell geht es <a href="http://www.freitag.de/politik/1050-appell-gegen-die-kriminalisierung-von-wikileaks" target="_blank">hierlang</a>. WOZ-Artikel zum Thema Wikileaks, Cyberwar und Hacking findet man <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr50/schweiz/20186.html" target="_blank">hier</a>, <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr50/kultur%20_%20wissen/20177.html" target="_blank">hier</a> und <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr50/leben/20166.html" target="_blank">hier</a>.</p>
<p><em><br />
</em></p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=4474&amp;md5=63e52e5c05ecc7f6124050569079ef5d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Eine Alpenregion erstickt im Geld</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2010/12/11/eine-alpenregion-erstickt-im-geld/</link>
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		<pubDate>Sat, 11 Dec 2010 18:27:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nationofswine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Die Wochenzeitung]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Samstags-Feuilleton: Das Oberengadin spritzt sich das Geld der Reichen in rauen Mengen. Jeder Schuss steigert das Verlangen nach Zweitwohnungen. Der entrückte Landstrich wird verwüstet. Bodenreise und Mieten explodieren. <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr49/thema/20140.html" target="_blank">Eine Grossreportage über den Zweitwohnungswahn von Andreas Fagetti</a>.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Samstags-Feuilleton:</strong> Das Oberengadin spritzt sich das Geld der Reichen in rauen Mengen. Jeder Schuss steigert das Verlangen nach Zweitwohnungen. Der entrückte Landstrich wird verwüstet. Bodenreise und Mieten explodieren. <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr49/thema/20140.html" target="_blank">Eine Grossreportage über den Zweitwohnungswahn von Andreas Fagetti</a>.</p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=4422&amp;md5=ecd78046d4427f5deb80a453e06abb02" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Wieviel kostet ein Abstimmungssieg, Herr Gentinetta?</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2010/10/07/wieviel-kostet-ein-abstimmungssieg-herr-gentinetta/</link>
		<comments>http://nationofswine.ch/2010/10/07/wieviel-kostet-ein-abstimmungssieg-herr-gentinetta/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 07 Oct 2010 14:52:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carlos Hanimann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Economiesuisse]]></category>
		<category><![CDATA[Pascal Gentinetta]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie Economiesuisse Einfluss auf die Politik nimmt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wenn die Schweiz und ihre Kantone zur Steuerhölle werden, dann wird es  vor allem für die Steuerzahler sehr teuer. Ich kann Ihnen sagen: Unser  Engagement richtet sich immer nach dem Gefährdungspotenzial einer  Vorlage für den Standort Schweiz.<br />
<em><strong><span style="color: #333333;">Pascal Gentinetta, Economiesuisse</span></strong><strong><br />
via: <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr40/schweiz/19873.html" target="_blank">WOZ</a></strong></em></p></blockquote>
<p>Der Wirtschaftsverband Economiesuisse lässt auf seinen Plakaten die Schweiz brennen, der Abstimmungskampf um die <a href="http://www.sp-ps.ch/index.php?id=5" target="_blank">Steuergerechtigkeitsinitiative der SP</a> hat begonnen. Wieviel Bührer, Gentinetta und Co. für die Kampagne springen lassen, darüber kann man nur spekulieren. Angeblich soll die Kampagne rund zehn Millionen Franken kosten.</p>
<p>Kollege Surber und ich machten uns Anfang Woche auf den Weg, bei der Economiesuisse nachzufragen. Wir waren uns nicht sicher, wieviel man uns sagen würde. Wir waren noch nicht mal sicher, ob wir das Interview nicht vielleicht vorzeitig abbrechen müssten. Denn, als wir im Büro von Pascal Gentinetta sassen, dem Direktor des Wirtschaftsverbands Economiesuisse, hatten wir vor allem eines im Sinn: Wir wollten wissen, wieviel Einfluss die Wirtschaftslobby auf die Politik nimmt – ohne Umwege, ohne «verlässliche Quellen sagen», sondern direkt, von Angesicht zu Angesicht.</p>
<p>Es geht hier nicht um politische Verschwörungen, wie uns das Gentinetta im Gespräch einmal unterstellen wollte. Es geht um Macht, um Kontakte und um Geld. Und es geht vor allem  darum, diese Einflussnahme transparent zu machen.</p>
<p>Pascal Gentinetta gab sich erstaunlich offen, sprach über die Departementsverteilung im Bundesrat, über die Wünsche der Wirtschaft und über die Schwierigkeiten, in einer direkten Demokratie zu lobbyieren. Bisweilen wich er aus, benutzte unverfängliche Bilder, aber er bestätigte … – oder um es anders zu formulieren: zwischen den Zeilen wird klar, dass der Wirtschaftsverband bei der Departementsverteilung ein Wörtchen mitzureden hatte.</p>
<p>Nur bei einem Thema wurde Gentinetta schweigsam: den Zahlen.</p>
<p>Das Interview mit dem vielsagenden Titel <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr40/schweiz/19873.html" target="_blank">«Gelegentlich redet man über die Farbe des Himmels»</a> findest du in der aktuellen WOZ – oder wenn du auf Weiterlesen klickst.</p>
<p>Apropos Transparenz: Wer in Deutschland welche Parteien mit wieviel Geld finanziert, sieht man <a href="http://labs.vis4.net/parteispenden/" target="_blank">auf dieser interaktiven Karte hier</a>.</p>
<p><span id="more-3705"></span></p>
<p title="lead"><strong><br />
</strong></p>
<h3 title="title"><strong>«Gelegentlich redet man über die Farbe des Himmels»</strong><strong><br />
</strong></h3>
<p><span style="color: #888888;"><em>Economiesuisse-Direktor Pascal Gentinetta im  Kreuzverhör. Er spricht über den Einfluss des Wirtschaftsverbandes auf  die Departementsverteilung im Bundesrat und erklärt seine  Lobbyingstrategien – nur zu den Zahlen schweigt er beharrlich.</em></span></p>
<p title="title">Interview: Carlos Hanimann und Kaspar Surber<img src="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr40/schweiz/images/transp.gif" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><strong>WOZ: Wir sitzen in der Economiesuisse-Zentrale in  Zürich, in einem Besprechungszimmer mit riesigem Flachbildschirm. Haben  Sie die Bundesratswahlen von hier aus verfolgt?</strong><br />
Pascal Gentinetta: Nein, ich war in unserer Filiale in Bern. In einer anderen Sache.</p>
<p><strong>Haben Sie sich über das Ergebnis gefreut?</strong><br />
Bei der Wahl haben wir immer betont, dass Economiesuisse  zur Konkordanz steht. Alle massgeblichen Kräfte des Landes sollen in  der Regierung vertreten sein – auch die Linke. Zudem haben wir immer  einen Bundesrat mit unternehmerischem Background als Vorteil für das  Kollegium angesehen. Dass unser jetziger Vizepräsident Johann  Schneider-Ammann gewählt worden ist, hat uns natürlich gefreut.</p>
<p><strong>Bei der Departementsverteilung beliessen Sie es nicht beim Wunsch: Da forderten Sie das Infrastrukturdepartement Uvek.</strong><br />
Es war keine Forderung. Wir sagten nur, dass es nach  fünfzehn Jahren linker Führung frischen Wind im Uvek brauchen könnte.  Klar, wir haben auch Interessen und Positionen. Wir haben aber nie  explizit Doris Leuthard fürs Uvek gefordert. Es liegt nicht an  Economiesuisse zu sagen, wer welches Departement kriegt. Das ist ein  alleiniger Entscheid des Gesamtbundesrates.</p>
<p><strong>Seit den Sommerferien ist es bei dieser Äusserung geblieben? Sie haben nichts weiter unternommen?</strong><br />
Wenn Sie jemand fragt, ob Sie lieber einen blauen Himmel  oder einen Himmel mit Wolken haben, dann dürfen Sie wohl Ihre Meinung  äussern.</p>
<p><strong>Und alles Weitere bleibt eine wundersame Fügung &#8230;</strong><br />
Bei der Departementsverteilung gaben persönliche Präferenzen den Ausschlag.</p>
<p><strong>Von Doris Leuthard weiss man, dass sie lange gezögert  hat, ins Uvek zu wechseln. Haben Sie zwischen der Bundesratswahl und  der Departementsverteilung Einfluss genommen auf die beteiligten  Personen?</strong><br />
Was heisst schon Einfluss nehmen? Wie die Gewerkschaften  stehen wir bei den Dossiers, die uns interessieren, im regelmässigen  Kontakt mit Politikern aus allen Lagern.</p>
<p><strong>Das tönt doch schon etwas anders, als wenn Sie sich  nur zur Farbe des Himmels äussern. Hatten Sie also mit Frau Leuthard  Kontakt?</strong><br />
Wir sind auch mit Micheline Calmy-Rey im Kontakt. Wir waren vor drei Wochen bei ihr.</p>
<p><strong>Zu ihr haben Sie auch Kontakt?</strong><br />
Selbstverständlich habe ich auch Kontakt mit ihr.</p>
<p><strong>Sie haben viele Kontakte.</strong><br />
Es wäre ein Fehler anzunehmen, dass Economiesuisse  personenorientiert arbeitet. Wir arbeiten themenorientiert. Mit Frau  Calmy-Rey zum Beispiel sprachen wir über die Europapolitik.</p>
<p><strong>Trotzdem: Bei der Departementsverteilung ging es um einen Personalentscheid.</strong><br />
Wenn wir uns über wirtschaftspolitische Fragestellun­gen  austauschen, dann kann es eben vorkommen, dass man auch noch über die  Farbe des Himmels spricht.</p>
<p><strong>Sie haben also vorgängig mit den EntscheidungsträgerInnen über die Departementsverteilung gesprochen.</strong><br />
Nochmals: Es war nicht das Ziel unserer vielfältigen  Kontakte zur Politik. Dass man dar­über en passant redet, ist normal.  Eine von Economiesuisse inspirierte Verschwörung gehört ins Reich der  Legenden.</p>
<p><strong>Verschwörung? Wir reden von Einflussnahme. Wohin soll sich das Uvek bewegen, wenn es nach der Economiesuisse geht?</strong><br />
Wir haben schon vor dem Rücktritt von Moritz Leuenberger  unseren Bericht «Netzinfrastrukturen» veröffentlicht. Das zeigt, dass  wir unsere Politik nicht an Wahlzyklen orientieren. Wir haben nicht  plötzlich Sonderwünsche an Frau Leuthard, weil sie ins Uvek gewechselt  hat. Wir haben hingegen langfristig orientierte Positionen.</p>
<p><strong>«Netzinfrastruktur» ist Ihr unverfänglicher Kampfbegriff gegen den Service public.</strong><br />
Economiesuisse steht uneingeschränkt für eine  landesweite Grundversorgung an guten Dienstleistungen. Hingegen sind wir  gegen überteuerte und kundenfeindliche Strukturen wie beim Postmonopol.</p>
<p><strong>Ihr ideologisches Ziel ist die Trennung von Infrastruktur und Netzbenutzern – etwa bei der Eisenbahn.</strong><br />
Nein, wir sind nicht für eine explizite Trennung. Wir  fordern eine buchhalterische Transparenz bezüglich der Rentabilität und  der Auslastung der einzelnen Linien. Unsere Kritik am Uvek ist, dass es  eine solche Transparenz bis heute nicht gibt. Damit man weiss, ob man  den zusätzlichen Steuerfranken besser in einem Alpenseitental oder in  der Agglomeration Zürich einsetzen soll. Das kann ich als gebürtiger  Walliser gut sagen.</p>
<p><strong>Das eigentliche Feld der Auseinandersetzung wird die Energieversorgung. Wie viele neue Atomkraftwerke fordern Sie?</strong><br />
Es geht nicht um die Zahl, sondern um die zukünftige  Sicherstellung der Energieversorgung. Unsere heutigen AKWs werden  auslaufen. Und weder mit erneuerbaren Energien noch mit baulichen  Effizienzmassnahmen kann auf absehbare Zeit die entstehende Stromlücke  geschlossen werden. Man muss auch die Vorteile von AKWs sehen &#8230;</p>
<p><strong>Zum Beispiel die Entsorgung von radioaktivem Abfall?</strong><br />
Wir sagen nicht, dass dies kein Problem ist. Doch klima-  und umweltpolitisch ist es deutlich sinnvoller, ein Kernkraft- statt  ein Kohlekraftwerk zu bauen.</p>
<p><strong>Ist das Lobbying eigentlich einfacher, wenn der  entsprechende Bundesrat bürgerlich ist, im Fall von Doris Leuthard sogar  eine AKW-Befürworterin?</strong><br />
Ich bin jetzt seit drei Jahren im Amt und hatte  verschiedentlich Kontakt mit meinen Kollegen aus dem Ausland: Das  Lobbying funktioniert in der Schweiz anders. Im Gegensatz zu  Mehrheitsregierungen mit Koalitionsverträgen bietet die Parteicouleur im  Bundesrat noch keine Gewähr für die Durchsetzung einer bestimmten  Linie. Wir haben ein Konkordanzsystem mit dem entscheidenden Merkmal der  direkten Demokratie. Nicht selten krempeln Parlament oder  Volksentscheide Regierungsbeschlüsse um. Dies müssen wir immer im  Hinterkopf behalten. Das würden Gewerkschaftsvertreter aber auch sagen.</p>
<p><strong>Deshalb arbeiten Sie themenorientiert?</strong><br />
Genau, thematisch entlang der Politkette. Wir versuchen, frühzeitig Themen zu besetzen.</p>
<p><strong>Am Ende steht häufig ein Urnengang. Wie viel kostet es, in der Schweiz eine Abstimmung zu kaufen?</strong><br />
Eine Abstimmung kann man nicht kaufen, man muss überzeugen.</p>
<p><strong>Wie viel kostet diese Überzeugungsarbeit?</strong><br />
Die ist nicht käuflich. Man muss gute Argumente haben.  Selbst mit einer teuren Kampagne können Sie nicht überzeugen, wenn Sie  schlechte Argumente haben.</p>
<p><strong>Man kann auch die besten Argumente haben, ohne Geld geht man trotzdem unter.</strong><br />
Das stimmt so nicht. Das ist der besondere Charme der  direkten Demokratie. Abstimmungen verlaufen auch nicht immer zu unseren  Gunsten. Ich glaube, es ist gesund und gut, dass hier die direkte  Demokratie gelebt wird.</p>
<p><strong>Würde es nicht gerade für das Demokratieverständnis sprechen, die Zahlen Ihrer Kampagnenfinanzierung offenzulegen?</strong><br />
Nein, wir sind eine private Institution.</p>
<p><strong>Beim öffentlichen Verkehr haben Sie gerade noch Transparenz gefordert.</strong><br />
Wir sind eben nicht vom Staat finanziert. Das ist doch ein Unterschied.</p>
<p><strong>Wie viel haben Sie bei der AVIG-Revision investiert?</strong><br />
Man kann grob nachrechnen, was Plakate und Inserate kosteten.</p>
<p><strong>Auf Flyern gegen die Steuergerechtigkeitsini­tiative  lässt die Economiesuisse bereits die Schweiz brennen. Wie teuer wird  diese Kampagne? Sie scheint Ihnen wichtig zu sein.</strong><br />
Wenn die Schweiz und ihre Kantone zur Steuerhölle  werden, dann wird es vor allem für die Steuerzahler sehr teuer. Ich kann  Ihnen sagen: Unser Engagement richtet sich immer nach dem  Gefährdungspotenzial einer Vorlage für den Standort Schweiz.</p>
<p><strong>Wie hoch ist das «Gefährdungspotenzial» bei der Steuergerechtigkeit?</strong><br />
Es ist gross. Hier wird an einem wichtigen Grundprinzip  gerüttelt, das unsere Stärke im internationalen Vergleich ausmacht: Die  Initiative greift die Autonomie der Kantone und der Gemeinden an und  vertreibt gute Steuerzahler ins Ausland. Das verursacht merkbare  Mindereinnahmen in den Staatskassen, was auch nicht im Interesse der  unteren Schichten sein kann.</p>
<p><strong>Die Rentenkürzungen bei der Arbeitslosenversicherung  waren nicht im Interesse der unteren Schichten. Ist es nicht so, dass  die Economiesuisse vor allem dann eine Gefahr sieht, wenn die Interessen  der oberen Zehntausend gefährdet sind?</strong><br />
Nein. Die langfristige Sicherung der ALV war im  Interesse aller Schichten. Doch zurück zu den Steuern: Die Steuersätze  sind zwar gesunken, aber die Steuererträge sind insgesamt massiv  gestiegen. Der Steuerwettbewerb hat zu keinem «Race to the bottom»  geführt. Im Gegenteil.</p>
<p><strong>Die Folgekosten des Steuerwettbewerbs sind horrend:  Die Mieten steigen, das Land wird zersiedelt, eine soziale Segregation  entsteht.</strong><br />
Man darf die Themen nicht vermischen. Die Zersiedlung ist eine Frage der Raumplanung.</p>
<p><strong>Zum Schluss: Sind Sie zufrieden mit dem diese Woche  erschienenen Bericht der Too-big-to-fail-Expertengruppe, bei der auch  Ihr Präsident Gerold Bührer dabei war?</strong><br />
In einem international vernetzten Finanzsystem kann die  Schweiz keine isolierten Massnahmen treffen. Massnahmen, die deutlich  von den internationalen Standards von Basel III abweichen, sind  kontraproduktiv. Wir vertreten nicht nur die Finanzbranche, sondern auch  den Industrie- und Werkplatz. Dieser ist auf die Grossbanken  angewiesen, zum Beispiel zur Finanzierung des Exportgeschäfts.</p>
<p><strong>Wie viel bezahlen Ihnen die Grossbanken für Ihre Arbeit?</strong><br />
Wir haben ein System, in dem jede Branche entsprechend  ihrer Bruttowertschöpfung einen Beitrag zahlt. Die grössten neun  Branchen bezahlen etwa siebzig Prozent unserer Mitgliederbeiträge. Der  Bankensektor zahlt nicht einmal ein Viertel.</p>
<div id="content_infobox_width">
<p><span style="color: #888888;"><strong>Pascal Gentinetta</strong> (40), studierte  Wirtschaft und Recht an der Universität St. Gallen. Seit 2007 ist er  Direktor von Economiesuisse. Dem Wirtschaftsdachverband sind hundert  Branchenverbände angeschlossen. Das jährliche Budget beträgt fünfzehn  Millionen Franken (ohne Kampagnen).</span></p>
</div>
<p id="artikel_bottom_links"><span style="color: #888888;"><em>WOZ  vom 07.10.2010</em></span></p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=3705&amp;md5=37cddae6e63063b2806f43db7fc44fbb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Wu-Tang-WOZ! Das Logo! (RELOADED!)</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2010/10/01/wu-tang-woz-das-logo/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 09:03:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nationofswine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Die Wochenzeitung]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>
		<category><![CDATA[Wu-Tang Clan]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>+++ RELOADED! UPDATE! +++ Das nennt man erfolgreiches Crowd-Sourcing! Nur Minuten nach dem Eintrag, <a href="http://nationofswine.ch/2010/10/01/«auch-heterosexuelle-konnen-aufregend-sein»-nation-of-swine-bei-marco-fritsche-die-woz-der-wu-tang-clan-des-schweizer-journalismus/" target="_blank">die WOZ sei ja eigentlich der Wu-Tang Clan der Medienszene</a> – es fehle bloss noch das Wu-Tang-WOZ-Logo –, hat sich der sehr geschätzte Grafiker <a href="http://www.paintertainment.ch/zee1/" target="_blank">Michi Lüthi</a> mit dicker Post gemeldet – Nation of Swine präsentiert stolz:</p> <p></p> <p [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #ff0000;">+++ RELOADED! UPDATE! +++</span> Das nennt man erfolgreiches Crowd-Sourcing! Nur Minuten nach dem Eintrag, <a href="http://nationofswine.ch/2010/10/01/«auch-heterosexuelle-konnen-aufregend-sein»-nation-of-swine-bei-marco-fritsche-die-woz-der-wu-tang-clan-des-schweizer-journalismus/" target="_blank">die WOZ sei ja eigentlich der Wu-Tang Clan der Medienszene</a> – es fehle bloss noch das Wu-Tang-WOZ-Logo –, hat sich der sehr geschätzte Grafiker <a href="http://www.paintertainment.ch/zee1/" target="_blank">Michi Lüthi</a> mit dicker Post gemeldet – Nation of Swine präsentiert stolz:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3640" title="Bild 4" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2010/10/Bild-4.png" alt="" width="363" height="285" /></p>
<p style="text-align: center;"><em><img class="aligncenter size-full wp-image-3646" title="Bild 5" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2010/10/Bild-5.png" alt="" width="311" height="254" /><br />
</em></p>
<p><em><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="550" height="350" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/hxPyeU5-lis" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="550" height="350" src="http://www.youtube.com/v/hxPyeU5-lis"></embed></object></em></p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=3630&amp;md5=2d9a56f2a9739acf2a400e37477887a7" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>«Auch Heterosexuelle können aufregend sein»: Nation of Swine bei Marco Fritsche. Und: Ist die WOZ der Wu-Tang Clan des Schweizer Journalismus?</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2010/10/01/%c2%abauch-heterosexuelle-konnen-aufregend-sein%c2%bb-nation-of-swine-bei-marco-fritsche-die-woz-der-wu-tang-clan-des-schweizer-journalismus/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 08:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Gonzo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Marco Fritsche]]></category>
		<category><![CDATA[Nation of Swine]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Jetzt, wo die Werbekampagnen Rollen, die WOZ das beste Geschäftsjahr in ihrer Geschichte hingelegt hat und die Abo-Zahlen sanft steil nach oben gehen, kann es ja gleich weiter gehen in Sachen Werbung: Ryser und Fagetti für die WOZ bei <a href="http://www.marcofritsche.ch/v2008/00_home01.php" target="_blank">Fritsche</a> über <a href="http://www.tvo-online.ch/index.php?article_id=27" target="_blank">echte Liberale, Journalismus, der am Geist nicht spart, und das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt, wo die Werbekampagnen Rollen, die WOZ das beste Geschäftsjahr in ihrer Geschichte hingelegt hat und die Abo-Zahlen sanft steil nach oben gehen, kann es ja gleich weiter gehen in Sachen Werbung: Ryser und Fagetti für die WOZ bei <a href="http://www.marcofritsche.ch/v2008/00_home01.php" target="_blank">Fritsche</a> über <a href="http://www.tvo-online.ch/index.php?article_id=27" target="_blank">echte Liberale, Journalismus, der am Geist nicht spart, und das Fiasko FC St. Gallen</a>. Eine heitere Runde, ho ho ho. Prost!</p>
<p>Es ist Freitag. Das funktioniert nicht ohne Musik. Habe ich «Bricks» hier schon gepostet? Wie auch immer: Einer der ersten Nation of Swine-Einträge war die Behauptung, Only Built For Cuban Linx, Part 2 von Wu-Tang-Rapper Raekwon sei das <a href="http://nationofswine.ch/2010/01/11/raekwon-only-built-for-cuban-linx-pt-ii/" target="_blank">Rap-Album des Jahres</a>. Das war definitiv untertrieben: Zu <a href="http://www.youtube.com/watch?v=JzS2dN99KxM" target="_blank">«Bricks»</a> mit <em>überragendem</em> Cappadonna geht es hier, das hier ist <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lRxozOcPLR4" target="_blank">«About Me»</a> und immer wieder <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ITZ-519YfJk" target="_blank">«Broken Safety»</a> mit Styles P und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=E6MTbZWpkos" target="_blank">«Mean Streets»</a> mit Ghostface und dem <em>unglaublichen </em>Inspectah Deck. Kauft euch am besten das Teil noch heute und dreht es laut auf, bis die Nachbarn geschüttelt vom Bass Fontänen vom Balkon kotzen. Aber zuerst schaut euch natürlich Ryser und Fagetti bei Fritsche an. Das passt ja, denn die WOZ ist ja eigentlich der Wu-Tang Clan der Schweizer Medienszene. Wer kreiert mir das WOZ-Logo mit dem <a href="http://oldtothenew.wordpress.com/2008/07/20/live-review-wu-tang-clan/" target="_blank">Wu-W</a>? Hopp! Es locken Rum und Ehre. Und das Logo wird definitiv in diesem Blog gross gefeiert!</p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=3615&amp;md5=d5a0595b6749080cfc9539be8c78febd" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>IV-Willkür</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2010/08/18/iv-willkur/</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Aug 2010 20:19:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nationofswine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Fagetti]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ein starkes Stück: Der Reporter Andreas Fagetti über <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr33/schweiz/19638.html" target="_blank">Behinderte unter Pauschalverdacht</a>.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein starkes Stück: Der Reporter Andreas Fagetti über <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr33/schweiz/19638.html" target="_blank">Behinderte unter Pauschalverdacht</a>.</p>
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		<title>Machtlos in Muttenz</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2010/03/18/machtlos-in-muttenz/</link>
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		<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 18:46:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carlos Hanimann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Clariant]]></category>
		<category><![CDATA[Hariolf Kottmann]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Studer]]></category>
		<category><![CDATA[Unia]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Der Spezialchemiekonzern Clariant entlässt bis 2013 ein Drittel der Belegschaft in Muttenz. Hoffnung gibt es wenig, doch die Angestellten wollen kämpfen. Letzten Woche haben sie damit begonnen. </p> <p>Beinahe hätten sie ihn vergessen, «den wichtigsten Mann hier», wie er eben genannt wurde. Jörg Studer verlässt das Regierungsgebäude in Liestal. Aber vor der Tür wartet niemand, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1428" title="Bild 1" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2010/03/Bild-12.png" alt="" width="193" height="258" /><strong>Der Spezialchemiekonzern Clariant entlässt bis 2013 ein Drittel der Belegschaft in Muttenz. Hoffnung gibt es wenig, doch die Angestellten wollen kämpfen. Letzten Woche haben sie damit begonnen. </strong><span id="more-1425"></span></p>
<p>Beinahe hätten sie ihn vergessen, «den wichtigsten Mann  hier», wie er eben genannt wurde. Jörg Studer verlässt das  Regierungsgebäude in Liestal. Aber vor der Tür wartet niemand, keine  Freunde, keine Journalistinnen, keine Demonstranten, nur die eisige  Kälte.</p>
<p>Bevor er das Parlament besuchte, hatte Studer, der  Präsident der Betriebskommission von Clariant, vor knapp 250  DemonstrantInnen eine flammende Rede gehalten. «Seid ihr bereit, für  eure Arbeitsplätze zu kämpfen?», hatte er gefragt. Lautes Gejohle,  Pfiffe, Applaus. «Die Herzen der Bevölkerung», wird Studer später sagen,  «die schlagen für uns.»</p>
<p>Aber jetzt, als Studer das Regierungsgebäude mit dem  Megafon in der Hand verlässt, steht er ziemlich einsam da. Er nimmt es  mit Humor. «Stopp, Stopp Stellenabbau», sagt er ein letztes Mal und  schmunzelt. Dann suchen wir die DemonstrantInnen. Sie sind aber bereits  auf dem Weg zurück nach Muttenz, zum Hauptsitz von Clariant. «Wie  fandest du meine Rede?» – «Ist gut bei den Leuten angekommen. Vielleicht  etwas zu gut, so euphorisch, wie sie losgelaufen sind und uns hier  vergessen haben.» Studer lacht. «Dabei habe ich erst heute Morgen ein  paar Stichworte notiert. Mehr nicht.»</p>
<p>Viel Vorbereitung benötigte Studer ohnehin nicht. Seit  Wochen treibt ihn nur noch ein Thema um: der Stellenabbau beim  Chemieunternehmen Clariant. CEO Hariolf Kottmann kündigte vor einem  Monat an, bis 2013 400 Angestellte am Standort Muttenz zu entlassen, ein  Drittel der gesamten Belegschaft. Die Produktion von Farbstoffen und  Chemikalien für die Textilindustrie rentiere in Europa nicht, sie soll  nach China verlagert werden. «Ausgerechnet nach China», ruft Studer  empört aus. «In eine Diktatur, die sich weder um Menschenrechte noch  Umweltschutz kümmert.» Aber nicht nur am Hauptsitz in Muttenz baut der  Chemiekonzern Arbeitsplätze ab. Im französischen Huningue, keine  fünfzehn Kilometer entfernt, schliesst Clariant das ganze Werk. 260  Menschen verlieren ihren Job.</p>
<p><strong>Einige kommen aus Huningue</strong></p>
<p>Es ist der 11. März, kurz nach sechs Uhr in der Früh.  Die Nachtschicht ist soeben zu Ende gegangen. Vor dem Haupteingang des  Clariant-Sitzes in Muttenz steht ein Zelt. Drinnen gibt es Kaffee und  Gipfeli. Draussen drängen sich die RaucherInnen um einen Heizpilz.  Transparente werden ausgerollt und an die Zäune des Firmengeländes  gehängt. Kurz nach fünf Uhr haben sich die ersten besammelt, jetzt  stehen knapp hundert Angestellte und GewerkschafterInnen hier. Einige  stammen aus Huningue. «Es werden noch mehr kommen. Aber sie stecken im  Stau», sagt ein stämmiger Mann mit Schnauz. Er trägt eine Leuchtweste  der französischen Gewerkschaft CGT, er arbeitet hinter der Grenze. «In  Huningue schliessen sie das ganze Werk. Seit November streiken wir immer  wieder: mal zwei Stunden, mal einen ganzen Tag. Heute streiken wir, um  in Muttenz gegen Kottmann zu protestieren.»</p>
<p><strong>«Kotzmann, nicht Kottmann!»</strong></p>
<p>Es ist das einzige Mal an diesem Tag, dass er den Namen  des CEO so ausspricht. Später wird er andere immer wieder korrigieren,  wenn sie den Namen des Clariant-Chefs in den Mund nehmen: «Kotzmann,  nicht Kottmann!» Die Lacher sind ihm sicher. Er sagt: «Es heisst, in  Huningue fehlten dreissig Millionen Franken. Aber die Schliessung des  Werks kostet sechzig Millionen. Warum schliessen sie es dann?»</p>
<p>Während in Huningue die Kündigungen ausgesprochen sind  und sich fast die ganze Belegschaft an Streiks und Protestaktio­nen  beteiligt, ist man in Muttenz noch weit davon entfernt. «Wir müssen  zusammenhalten, eine Bewegung werden. Nur so können wir etwas  erreichen.» Das sagen fast alle hier. Bei den wenigsten tönt es  überzeugend. Wie auch? Als die Angestellten von der Massenentlassung  erfuhren, war sie bereits beschlossene Sache. Der Betriebskommission  wurde der Stellenabbau am 15. Februar um 17 Uhr nach Börsenschluss  mitgeteilt. Tags darauf informierte Clariant die Öffentlichkeit. «Und  jetzt erst, rund einen Monat später, wurde die bei Massenentlassungen  vorgeschriebene Konsultationsfrist eröffnet», sagt Jörg Studer. «Wo der  Entscheid doch längst gefallen ist.»</p>
<p>Gegen halb neun bewegen sich die Anwesenden Richtung  Bahnhof, wo sie mit Bussen nach Liestal gebracht werden. Rund 250  DemonstrantInnen ziehen vor das Regierungsgebäude. Janka Schmid (38,  Name geändert) hat vorher noch gelacht, als ihr Kollege sagte: «Das  machen wir wieder, auch wenn wir nicht mehr hier arbeiten.» Aber jetzt  ist sie aufgebracht. Seit zehn Jahren arbeitet sie als Labortechnikerin  in Muttenz. Sie wird ihren Job verlieren. Das weiss sie: «Wahrscheinlich  bringt das hier nicht viel. Wir sind machtlos. Aber soll ich arbeiten,  wie wenn nichts wäre?»</p>
<p>Als Schmid vor der Demo kurz ins Labor ging, waren da  vier Leute, sonst seien es zwölf. «Die fluchen ständig über die Chefs,  reden viel, aber dann stehen sie nicht mal hin, wenn es um ihren Job  geht. Die schauten mich nur von oben herab an. Als ich meine Kappe holen  wollte, lachten sie spöttisch: Ob ich schon genug hätte von der Kälte.»  Janka Schmid ist enttäuscht, dass nicht mehr Arbeitskolleginnen  gekommen sind. «Die haben Angst. Die Kündigungen sind ja noch nicht  ausgesprochen. Sie hoffen, dass sie länger bleiben können, wenn sie  schweigen.» Und sie? Hat sie keine Angst? «Bevor ich zu Clariant kam,  arbeitete ich als Putzfrau. Ich habe alleine zwei Kinder grossgezogen.  Ich habe keine Angst. Wir werden unseren Arbeitsplatz sowieso verlieren.  Und dann gehe ich eben wieder putzen. Aber bis dann kämpfe ich.»</p>
<p>Die DemonstrantInnen versammeln sich alle vor dem  Regierungsgebäude in Liestal, die ParlamentarierInnen gehen an ihnen  vorbei, einige bleiben stehen und hören zu. Es folgen Reden, in denen  gegen das Management gewettert und den Clariant-ArbeiterInnen Mut  zugesprochen wird. Man fordert ein angemessenes Mitwirkungsrecht für die  Betroffenen, eine Taskforce, die sich mit allen Beteiligten  zusammensetzt, und einen Sozialplan, der diesen Namen verdient.</p>
<p><strong>«Der muss mich raustragen!»</strong></p>
<p>Und dann wird Jörg Studer angekündigt, «der wichtigste  Mann hier». Grosser Applaus. Man kennt ihn. Er arbeitet seit Mitte der  neunziger Jahre als Logistikassistent bei Clariant und sitzt seit über  zehn Jahren in der Betriebskommission. «Wir müssen zusammenhalten,  kämpfen, Druck von unten aufbauen», sagt Studer. Dann ruft er: «Der  Kottmann, der kann mich rauswerfen! Aber meinen Stolz und meine Würde  werde ich nicht verlieren. Der Kottmann kann mich nicht brechen! Der  muss mich schon aus der Bude raustragen!»</p>
<p>Die anwesenden Labortechnikerin­nen, Chemiker,  Gewerkschafterinnen, Journalisten johlen, jubeln, pfeifen. Sie lassen  400 schwarze Ballone in den Himmel steigen, einen für jede gestrichene  Stelle. Die Demonstrant­Innen schreiten euphorisch in Richtung Bahnhof.  Studer und eine kleine Delegation betreten das Regierungsgebäude.  SP-Landrat Andreas Giger hat eine dringliche Interpellation zur  Massenentlassung eingereicht. Studer will ein paar Worte ans Parlament  richten. Er steht auf der Zuschauertribüne, ein Transparent wird über  die Brüstung gehängt. «Kann ich jetzt etwas mit dem Megafon sagen?»,  fragt Studer. «Noch nicht. Sie behandeln die Interpellation erst am  Nachmittag.»</p>
<p>Studer zuckt mit den Schultern. Dann zieht er ab. «Wir  kommen später wieder.»</p>
<p><span style="color: #888888;"><em><strong>WOZ  &#8211; Die Wochenzeitung, 18.03.2010</strong></em></span></p>
<p><!-- ISEARCH_END_INDEX --> </p>
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		<title>Eine Flasche Tequila zum Abschied</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 06:21:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carlos Hanimann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[UBS]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Art Basel]]></category>
		<category><![CDATA[Bradley Birkenfeld]]></category>
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		<category><![CDATA[Martin Liechti]]></category>
		<category><![CDATA[Miami]]></category>
		<category><![CDATA[Raoul Weil]]></category>
		<category><![CDATA[Schurkenstück UBS]]></category>
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		<description><![CDATA[<p style="text-align: left;">Kunstausstellungen, Opern, Tennisturniere – die UBS ging jahrelang unter reichen Leuten auf Kundenfang. Dabei missachtete sie US-Gesetze. Der dritte Teil der Serie «Schurkenstück UBS» wirft einen Blick hinter die Kulissen.</p> <p style="text-align: right;">«Business or pleasure on this trip? – Business. Always business.»<br /> The Greek.</p> <p style="text-align: left;">Art Basel? Da denkt man: Kunst, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1419" class="wp-caption aligncenter" style="width: 522px"><img class="size-large wp-image-1419" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2010/03/Bild-22-1024x517.png" alt="Illustration: Patric Sandri. http://patricsandri.com" width="512" height="258" /><p class="wp-caption-text">Illustration: patricsandri.com</p></div>
<p style="text-align: left;"><strong><span style="color: #000000;">Kunstausstellungen, Opern, Tennisturniere – die UBS ging jahrelang unter reichen Leuten auf Kundenfang. Dabei missachtete sie US-Gesetze. Der dritte Teil der Serie «Schurkenstück UBS» wirft einen Blick hinter die Kulissen.</span></strong><span id="more-1410"></span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #888888;"><em>«Business or pleasure on this  trip? – Business.  Always business.»<br />
</em>The Greek</span><em><span style="color: #888888;">.</span></em></p>
</blockquote>
<div id="content_infobox_width" style="text-align: center;">
<p style="text-align: left;">Art Basel? Da denkt man: Kunst, Bilder, Installationen.  Vielleicht sogar: Hauptsponsor UBS. Aber woran die wenigsten denken:  geheime Bankkonten, Briefkastenfirmen, illegale Bankgeschäfte. Aber  genau darum ging es in den Jahren 2002 bis 2008 an der Art Basel Miami  Beach, der amerikanischen Schwesterveranstaltung der Schweizer  Kunstmesse. Das heisst: nicht direkt.</p>
<p style="text-align: left;">«Sei vorsichtig. Du darfst meinen Namen nicht nennen.  Sonst bekomme ich Probleme.» Das heisst es gleich zu Beginn, wenn man  mit ehemaligen UBS-Angestellten spricht. Das sagt auch einer, mit dem  sich die WOZ in einem Zürcher Café zum Gespräch trifft. Er kommt spät,  ist in Eile, hat sich verfahren. Aber dann zieht er seine Handschuhe  aus, legt die Sonnenbrille auf den Tisch und nimmt sich Zeit. Der Mann  im dunklen Anzug mit aufgeknöpftem Hemd bestellt Kaffee, trommelt mit  seiner Lippenpomade auf den Tisch und erklärt, was die Art Basel Miami  Beach mit der UBS verbindet: «Kunstausstellung, Tennisturnier, Orchester  oder Oper – der Anlass spielte keine Rolle. Das Ziel war, mit reichen  Leuten ins Gespräch zu kommen, die das Poten­zial hatten,  Private-Banking-Kunden der UBS zu werden.» Er erzählt, was sich in den  USA abspielte; wie rund um die Art Basel Miami Beach Partys und Dinners  stattfanden, an denen die Bank Kunden anlockte, die später  verbotenerweise von Schweizer Kundenberatern angegangen wurden und ein  geheimes UBS-Konto in der Schweiz eröffneten; wie die verantwortlichen  Manager mitzogen, die Berater gar mit hohen Boni dazu anspornten und  ihnen in Workshops beibrachten, wie sie sich bei diesen illegalen  Geschäften nicht vom FBI erwischen lassen.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Vom Fall UBS zum Fall Schweiz</strong></p>
<p style="text-align: left;">Obwohl das Schurkenstück UBS ein politisches Drama ist,  geht es dabei vor allem um die Handlungen der UBS – der Kundenberater,  der Manager und der obersten Chefs. «Folgst du der Spur des Geldes, dann  weisst du nicht, wo zur Hölle es dich hinführt», sagt der Polizist im  Fernsehen. Und im Fall UBS führt die Spur in die USA, an die Wall Street  und nach Miami. Denn erst die US-Geschäfte der Grossbank verwandelten  den Fall UBS in einen Fall Schweiz.</p>
<p style="text-align: left;">Einerseits das Investmentbanking: Marcel Ospels Ziel,  die UBS zu einer der grössten Investmentbanken an der Wall Street zu  machen, führte dazu, dass die Bank auf ihrem Weg nach oben sämtliche  Warnungen in den Wind schlug und sich stark im US-Hypothekenmarkt  exponierte. Die Folge: Zusammenbruch, Krise,  68-Milliarden-Rettungspaket.</p>
<p style="text-align: left;">Andererseits das Private Banking: Die UBS kaufte 2000  die US-Bank Paine Webber und stieg zur weltweit grössten  Vermögensverwalterin auf. Über 3000 Milliarden Franken verwaltete sie  Ende 2007. Die zum Teil illegale grenz­über­schreitende  Vermögensverwaltung bot der UBS einen entscheidenden Vorteil. Sie war  laut dem Journalisten und UBS-Kenner Lukas Hässig eine güns­tige  Refinanzierungsquelle: «Wäre die UBS nicht die Nummer eins im  Privatkundengeschäft gewesen, hätte sie auch niemals eines der grössten  Finanzwettbüros zimmern können.»</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Zelt oder Villa?</strong></p>
<p style="text-align: left;">Am 7. November 2000 unterzeichnet Kaspar Villiger,  damals FDP-Finanzminister, heute UBS-Präsident, den Antrag der  Bankiervereinigung, dem sogenannten Qualified-Intermediary-System der  USA beizutreten. In der Folge schliesst die UBS ein Abkommen mit den  USA: Die Bank darf neu US-Wertpapiere für Nicht-US-KundInnen handeln. Im  Gegenzug muss die Bank die Vermögen ihrer US-KundInnen offenlegen.</p>
<p style="text-align: left;">Das QI-Abkommen sorgt unter UBS-JuristInnen für  Stirnrunzeln. In einem internen Schreiben weist der US-Teamleiter Ende  2001 auf mögliche Probleme hin. Das QI-Abkommen mache die Bank «in den  USA angreifbar» und berge die Gefahr, «dass die Art und das Ausmass  unseres Offshoregeschäfts aufgedeckt werden».</p>
<p style="text-align: left;">Die Kundenberater dürfen auf amerikanischem Boden ohne  Bewilligung keine Bankgeschäfte mit ihren US-Kunden mehr ausführen. Noch  nicht mal besprechen. Das trifft vor allem die Schweizer Kundenberater,  bei denen reiche US-KundInnen ihr Geld vor der Steuerbehörde IRS  verstecken. Keine Telefonate, keine E-Mails, keine Treffen in den USA.  Doch die UBS umgeht dieses Verbot. Sie schickt ihre rund sechzig  Kundenberater aus Genf, Zürich und Lugano immer wieder in die USA. Sie  reisen mehrmals im Jahr in die USA, verbringen ein bis zwei Wochen in  einem Hotel, führen täglich zahlreiche Kundengespräche im Hotelzimmer,  nehmen Aufträge entgegen, gehen an Partys, pflegen Kontak­te – und  akquirieren neue KundInnen.</p>
<p style="text-align: left;">Hier führt die Spur des Geldes nach Miami: Die UBS ist  seit 2002 Hauptsponsor der Art Basel Miami Beach. Vor dem Luxushotel  Delano baut sie 2004 ein Zelt für 500 Gäste auf. Nebenbei lädt sie zu  privaten Partys und Dinners. Die Bank bezahlt und organisiert sie, aber  ihr Name taucht nirgends auf. Keine UBS-Fahnen, keine Firmenlogos. Die  Leute an diesen Partys sind kunstinteressiert, begehrt, erhalten zehn,  fünfzehn Einladungen pro Abend für verschiedene Partys, vor allem aber  sind sie eines: verdammt reich. Und jetzt mal ehrlich: Wo würdest du  hingehen? In ein offizielles UBS-Zelt, wo du beim Ausgang eine  Bankbroschüre erhältst, oder in eine Villa, wo sie dir zum Abschied eine  Flasche Tequila in die Hand drücken?</p>
<p style="text-align: left;">Die UBS stellt Leute ein, die nur dafür da sind, ihre  Kontakte spielen zu lassen, die richtigen Partys zu schmeis­sen und die  wichtigen Leute einzuladen. Und dann bringen sie sie mit Kundenberatern  ins Gespräch. Ein ehemaliger UBS-Mann sagt: «Diese Leute kümmerten sich  um das Netzwerk: Wo sind reiche Leute? Wie kommen sie an die ran? Welche  Kundenberater dürfen mit? Und dann stellten sie Berater und potenzielle  Kunden einander vor und sahen zu, dass sie sich noch einmal treffen  können. Das war ihr Job.»</p>
<p style="text-align: left;">Eines muss man an dieser Stelle wissen: Das oberste Ziel  einer Bank ist Wachstum. Und dafür überschreitet die UBS die Grenze zur  Illegalität. Die Schweizer Kundenberater reden mit den Gästen nicht nur  über Kunst, Golf und Jachten, sondern auch über Steu­ervehikel und  Geheimkonten in der Schweiz. Dafür werden die Banker fürstlich entlöhnt,  Boni über 100 000 sind die Regel. Und sie verstehen ihr Geschäft. Im  Jahr 2004 bringt jeder im Schnitt rund 4 Millionen Franken Neugeld, die  wichtigste Grösse in der Vermögensverwaltung. 2006 sind es 17 Millionen.  Ihr Chef, Martin Liechti, ein Westschweizer Banker, der sich vom  Lehrling beim Bankverein zum Chef der Vermögensverwaltung in Nord- und  Südamerika hochgearbeitet hat, treibt sie an, noch mehr Geld für die  Bank zu sammeln, denn auch sein Bonus wächst. Anfang 2007 schreibt er in  einer Mail: «Um unsere Zukunft zu sichern, brauchen wir WACHSTUM!» Sein  Ziel: 60 Millionen Franken pro Kundenberater. Jährlich.</p>
<p style="text-align: left;">
<div id="attachment_1434" class="wp-caption aligncenter" style="width: 537px"><img class="size-full wp-image-1434" title="Bild 1 07-42-32" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2010/03/Bild-1-07-42-321.png" alt="" width="527" height="241" /><p class="wp-caption-text">Was tun, wenn einen das FBI beschattet? Fallbeispiel aus einem UBS-Workshop für Kundenberater</p></div>
<p style="text-align: left;">Das einzige Problem dabei: Die Schweizer Banker dürfen  laut US-Gesetz in den USA gar keine neuen Kund­Innen akquirieren.</p>
<p style="text-align: left;">Einer, der das merkt, ist der Kundenberater Bradley  Birkenfeld, ein hochgewachsener und lauter Amerikaner mit Schnauzbart,  der in Genf arbeitet. Martin Liechti hat ihn zur UBS geholt, obwohl er  unter den sechzig Kundenberatern ein relativ kleiner Fisch ist. Er ist  jung, nicht lange dabei. Aber er hat den einen wichtigen Kunden: Igor  Olenicoff, ein russischer 200-Millionen-Dollar-Mann, der viel Wert auf  Diskretion, aber wenig auf eine ehrliche Steuererklärung legt. Er ist  Birkenfelds Kapital. Olenicoffs Vermögen bringt der Bank jährlich rund  vier Millionen Dollar an Gebühren. Aber weil Birkenfeld kaum Neugeld  bringt, nicht mit Liechtis Wachstumsforderungen Schritt halten kann,  gerät er unter Druck. Bis er ein Schreiben entdeckt, auf dem deutlich  steht, dass seine tägliche Arbeit – die Ausflüge in die USA, die Jagd  auf Neugeld, die Treffen mit KundInnen – illegal ist. «Paradoxer kann  ein System nicht sein: Du musst unter pekuniärer Strafandrohung – kein  Neugeld, kein Bonus – in die USA reisen, um Kundengespräche zu führen,  und die Reisen jeweils von deinem Vorgesetzten absegnen lassen. Aber  gleichzeitig heisst es, das sei alles verboten.»</p>
<p style="text-align: left;">Birkenfeld wird zum Whistleblower, meldet sich bei der  Konzernleitung und weist sie auf den Widerspruch hin. Die UBS leitet  eine Untersuchung ein, die nach kurzem versandet. Massnahmen ergreift  die Bank nicht.</p>
<p style="text-align: left;">Schliesslich überwirft sich Birkenfeld mit Liechti,  angeblich weil Liechti keinen Bonus zahlen wollte. Einem Freund soll  Birkenfeld gesagt haben: «I will take this fucker down.» Birkenfeld  meldet sich bei den US-Behörden, liefert ihnen Dokumente, erläutert die  kriminelle Geschäftspraxis der UBS: mit komplizierter  Verschlüsselungstechnik gesicherte Laptops, in Zahnpastatuben  geschmuggelte Diamanten, Workshops, in denen die Banker lernen, wie man  sich bei Beschattungen durch das FBI verhält &#8230; «Paranoia», schrieb ein  amerikanischer Reporter einmal, «ist nur ein anderes Wort für  Ignoranz.» Die UBS hat sich daran gehalten.</p>
<p style="text-align: left;">Die US-Behörden ermitteln gegen die UBS, Liechti wird  als Kronzeuge festgehalten. Wenig später lassen ihn die USA in die  Schweiz ausreisen – als freien Mann. Warum, ist bis heute unklar. Weder  Liechtis Anwälte noch das US-Justizministerium wollen sich dazu äussern.  Klar ist nur, dass bald darauf ein anderer ins Fadenkreuz der  US-Behörden gerät: Raoul Weil, weltweiter Chef der  UBS-Vermögensverwaltung und Nummer drei der Bank. Die USA zielen auf  eine Klage gegen die UBS. Aber im Februar 2009 schafft die Grossbank die  Klage aus der Welt. Sie zahlt 800 Millionen Franken Busse, damit sie  nicht vor Gericht muss. Die Finma liefert gleichzeitig auf Geheiss des  Bundesrates rechtswidrig 285 Kundendossiers an die USA und lüftet das  Bankgeheimnis. Im Sommer 2009 muss die Schweiz 4450 Kundendossiers an  die USA übermitteln. Die Prüfung der Herausgabe kostet den Bund vierzig  Millionen Franken.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>«Auf höchster Managementstufe»</strong></p>
<p style="text-align: left;">In der Klageschrift gegen Raoul Weil heisst es, das  grenzüberschreitende Geschäft der UBS habe 20 000 Kunden mit zwanzig  Milliarden Dollar Vermögen betreut. 17 000 hätten ihre Identität  verschleiert und ihre Konten vor den US-Behörden versteckt. Wer wusste  in der UBS über diese illegalen Geschäfte Bescheid? Seit wann? Und warum  gingen die Topmanager nicht dagegen vor, als sich Birkenfeld bei ihnen  meldete?</p>
<p style="text-align: left;">Bis jetzt ist das nicht geklärt. In der Klageschrift ist  von «nicht angeklagten Mitverschwörern» die Rede, die «Positionen auf  höchster Managementstufe besetzten». Sie beaufsichtigten rechtliche,  steuerliche und regulatorische Belange im grenzüberschreitenden Geschäft  der UBS. Die namentlich nicht genannten «Mitverschwörer» mussten bis  heute vor keinem Gericht erscheinen. Die Staatsanwalt Zürich lehnt eine  Untersuchung gegen sie ab. Und von der parlamentarischen  Geschäftsprüfungskommission, die den Fall UBS untersuchen soll, wurden  sie noch nicht einmal einvernommen.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>*</strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>ABSPANN: Martin Liechti</strong> wurde kürzlich lächelnd mit einem Glas  Wein in der Hand im Hotel Dolder Grand gesehen. Er war an der  Preisverleihung des «Champagne de Perle».</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Raoul Weil</strong> ist von den USA  nach wie vor als «flüchtig» ausgeschrieben. Er lebt in der Schweiz.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Bradley Birkenfeld</strong> ist der einzige der sechzig  Kundenberater, der gegen die UBS ausgesagt hat. Er sitzt in den USA eine  vierzigmonatige Haftstrafe ab. Die anderen Kundenberater wurden  entlassen oder versetzt. Die UBS verweigert genaue Angaben über einzelne  Angestellte.</p>
<p style="text-align: left;">
<div id="content_infobox_width" style="text-align: left;">
<p><span style="color: #888888;"><strong>Serie:  Schurkenstück UBS</strong></span></p>
<p><span style="color: #888888;">In einer Serie thematisiert die WOZ  Aufstieg und Fall der Grossbank UBS sowie den politischen Hinter­grund  des Finanzplatzes. Das Ziel sind keine abschliessenden Antworten,  sondern offene Fragen, beispielsweise zuhanden einer allfälligen PUK.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #888888;">Bisher erschienen: Der Prolog, <a href="http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2010/nr08/Schweiz/19004.html" target="_blank"> «Ju­bel hinter der Bühne»</a>, und Teil 1,  <a href="http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2010/nr09/Wirtschaft/18988.html" target="_blank">«Die Geburt des Monsters»</a>, sowie Teil 2, <a href="http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2010/nr09/Wirtschaft/19030.html" target="_blank"> «Ein Mythos, ein Tabu»</a>.</span></p>
<p style="text-align: left;"><strong><em>WOZ &#8211; Die Wochenzeitung, 18.3.2010</em></strong></p>
</div>
<p><!-- ISEARCH_END_INDEX --></p>
<p style="text-align: left;">
</div>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=1410&amp;md5=e8f60f5c907806c75649948078d8464b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Merz muss weg (258): «Persönliche Ordner»?</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2010/02/21/merz-muss-weg-258-%c2%abpersonliche-ordner%c2%bb/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 12:22:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carlos Hanimann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[PUK]]></category>
		<category><![CDATA[UBS]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[GPK]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Rudolf Merz]]></category>
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		<category><![CDATA[Peter Kurer]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagsblick]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>(ch.) … Und plötzlich geht alles sehr schnell. Letzte Woche verkündete die Geschäftsprüfungskommission, <a href="http://www.parl.ch/d/mm/2009/seiten/mm-gpk-n-s-2009-03-18.aspx" target="_blank">die das Verhalten der Behörden in der Finanzkrise untersuchen soll,</a> dass sie jetzt doch noch UBS-Manager vorladen wolle. Und heute erklären die ehemaligen UBS-Bosse Peter Kurer und Marcel Rohner im <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/politik/kurer-will-auspacken-140926" target="_blank">Sonntagsblick</a>, dass sie «selbstverständlich» vor der GPK aussagen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #888888;"><em>(ch.)</em></span> … Und plötzlich geht alles sehr schnell. Letzte Woche verkündete die Geschäftsprüfungskommission, <a href="http://www.parl.ch/d/mm/2009/seiten/mm-gpk-n-s-2009-03-18.aspx" target="_blank">die das Verhalten der Behörden in der Finanzkrise untersuchen soll,</a> dass sie jetzt doch noch UBS-Manager vorladen wolle. Und heute erklären die ehemaligen UBS-Bosse Peter Kurer und Marcel Rohner im <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/politik/kurer-will-auspacken-140926" target="_blank"><em>Sonntagsblick</em></a>, dass sie «selbstverständlich» vor der GPK aussagen werden. Kurer schlägt sogar vor, dass man nach US-amerikanischem Vorbild öffentliche Hearings machen solle. «Dies im Interesse einer vollen Transparenz für Medien und Öffentlichkeit.»</p>
<p>Das sind ja mal neue Töne. Aber Obacht! Es wird noch besser. Im gleichen <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/politik/kurer-will-auspacken-140926" target="_blank">Artikel</a> heisst es: «<strong>Auch bei Bundesrat Hans-Rudolf Merz hat ein Umdenken stattgefunden</strong>. Der Finanzminister liess der GPK eine Kopie seiner persönlichen Ordner zur Datenherausgabe an die USA zukommen.»</p>
<p>Merz? Umdenken? Wie auch immer –  jedenfalls ist es gut zu wissen, dass Merz zwischen all seinen <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Die-neueste-HerzschmerzMerzDichtung/story/12875239" target="_blank">literarischen Ergüssen</a> (bitte nach unten scrollen) auch noch ein paar berufliche Notizen gemacht hat. Etwas erstaunlich ist, dass Merz die jetzt plötzlich rausrückt. Noch vor wenigen Wochen <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/der-bundesrat-muss-spuren-138222" target="_blank">beklagte sich die GPK</a>, dass der Bundesrat ihr nicht alle Dokumente zur Verfügung stelle. Was bedeutet das? Versucht hier vielleicht jemand im allerletzten Moment, die PUK zu verhindern? Dafür gibt es mehrere Anzeichen: Einerseits Merz&#8217; «Umdenken», andererseits der plötzliche Energieschub der GPK.</p>
<p>Die GPK war fast ein Jahr lang ziemlich untätig. Als ich im Sommer 2009 (die GPK-Untersuchung war also schon ein halbes Jahr beschlossen) nachfragte, wie die Dinge so stehen und bis wann ein Bericht zu erwarten sei, lachte man mich auf dem Sekretariat der GPK nur aus: Die Untersuchungen hätten noch kaum begonnen, hiess es. Dann muss die GPK doch ein wenig gearbeitet haben. Denn vor einem Monat beschwerte sie sich vor den Medien, der Bundesrat betreibe Obstruktion, hindere die GPK an der Untersuchung, verweigere den Einblick in wichtige Dokumente. Die GPK drohte offen mit einer PUK. Als an jener Pressekonferenz jemand fragte, ob die GPK auch UBS-Manager angehört habe, verneinte das GPK-Präsidium. Es erweckte übrigens auch nicht den Eindruck, dass sich das bald ändern würde.</p>
<p>Jetzt sieht die GPK das offensichtlich anders. Sie macht Druck. Hört UBS-Manager an und will laut <em>Sonntagsblick</em> <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/politik/kurer-will-auspacken-140926" target="_blank">«bis Mitte Mai nochmals alle betroffenen Behörden und alle Bundesräte anhören.»</a> Sie versucht offensichtlich eine PUK zu verhindern. Das dürfte trotzdem schwierig werden. Das Ständeratsbüro wird am 3. März über die Einsetzung einer PUK entscheiden müssen. Das Zünglein an der Waage spielt dabei die CVP. Und die macht ihren Entscheid davon abhängig, ob bis dann ein zufriedenstellender Zwischenbericht der GPK vorliegt. Die Zeit ist knapp – wohl zu knapp.</p>
<p><strong>Nachtrag:</strong> «Merz muss weg», sagt mittlerweile ja sogar die <em>Weltwoche</em>. Lanciert wurde das Thema – vor über einem Jahr – allerdings in der WOZ. Deshalb zum einjährigen Merz-muss-weg-Jubiläum ein paar Höhepunkte aus der WOZ-Merz-Berichterstattung.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.woz.ch/artikel/rss/17232.html" target="_blank"><strong>Sein kleines Bankgeheimnis</strong></a> Wie Merz die Appenzeller Kantonalbank verkaufte. <span style="color: #888888;"><em>(4. Dezember 2008)</em></span></li>
<li><a href="http://www.woz.ch/artikel/rss/17478.html" target="_blank"><strong>Merz muss weg</strong></a> Ein Mann der Vergangenheit. <span style="color: #888888;"><em>(5. Februar 2009)</em></span></li>
<li><span style="color: #888888;"><span style="color: #000000;"><strong><a href="http://www.woz.ch/artikel/rss/17506.html" target="_blank">Merz ist Teil des Problems</a> </strong>Rudolf Strahm über freisinnige Seilschaften. <span style="color: #999999;"><em>(12. Februar 2009)</em></span></span><br />
</span></li>
<li><strong><a href="http://www.woz.ch/artikel/rss/18001.html" target="_blank">«Heimatland, Babettli!»</a></strong> Leiten den Finanzminister Zwangsvorstellungen? <span style="color: #888888;"><em>(11. Juni 2009)</em></span><br />
(auch schön als <a href="http://www.woz.ch/hoertext/dam8399_0019.mp3" target="_blank">Hörtext</a>)</li>
<li><a href="http://www.woz.ch/artikel/2009/nr27/schweiz/18091.html" target="_blank"><strong>Grober Unfug</strong></a> Merz, als hätte er nichts besseres zu tun, schreibt der WOZ einen Brief. <span style="color: #888888;"><em>(2. Juli 2009)</em></span></li>
<li><span style="color: #888888;"><strong><span style="color: #000000;"><a href="http://www.woz.ch/artikel/2009/nr40/wirtschaft/18428.html" target="_blank">Gaddafis Datteln</a> </span></strong><span style="color: #000000;">Plauderstunde in Trogen AR. <span style="color: #999999;"><em>(1. Oktober 2009)</em></span></span><br />
</span></li>
</ul>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=1005&amp;md5=5dc1459e5c399d85a58b762bc0d529f6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Reclaim The Streets 2010</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2010/02/11/reclaim-the-streets/</link>
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		<pubDate>Thu, 11 Feb 2010 10:44:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carlos Hanimann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Reclaim The Streets]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>
		<category><![CDATA[Zürich]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Vielleicht haben sich einige gewundert, wo der Reclaim The Streets-Artikel hingewandert ist. Er ist nur vorübergehend verschwunden, weil ich ihn nicht schon posten wollte, bevor er in der WOZ erscheint. Folgend also ein etwas ausführlicheres Protokoll des Nachtspaziergangs.</p> <p>Reclaim The Streets Am Wochenende demonstrierten über tausend Menschen in den Strassen der Zürcher Kreise 4 und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielleicht haben sich einige gewundert, wo der Reclaim The Streets-Artikel hingewandert ist. Er ist nur vorübergehend verschwunden, weil ich ihn nicht schon posten wollte, bevor er in der WOZ erscheint. Folgend also ein etwas ausführlicheres Protokoll des Nachtspaziergangs.<span id="more-806"></span></p>
<p><strong>Reclaim The Streets</strong> Am Wochenende demonstrierten über tausend Menschen in den Strassen der Zürcher Kreise 4 und 5.  Protokoll eines Nachtspaziergangs.<strong></strong></p>
<p><strong>«Aktion Respeck»</strong></p>
<p><span style="color: #808080;"><em>Von Carlos Hanimann</em></span></p>
<p>Stell dir vor, du steigst gerade in den Zug nach Zürich und erhältst eine SMS: «RECLAIM THE STREETS Heute Samstag 6.2. 22.00 Uhr pünktlich Carparkplatz Zürich Bitte Weiterleiten! Kommt zahlreich!»</p>
<p>Da freust du dich natürlich im ersten Moment, weil du vielleicht gute Erinnerungen an vergangene Reclaim The Streets hast. Und wenn du dich nicht erinnerst, hast du vielleicht schon ähnliche SMS erhalten, Einladungen an klandestine Partys. Du weisst aber auch, dass jede «Reclaim the Streets» sagen kann – was sie damit meint, weisst du aber nicht. Reclaim the Streets kann ja auch VoKü im Regen mit einem kaputten Generator und zwanzig Leuten heissen. Oder eine gewöhnliche Demonstration mit 150 Leuten. Das kennst du alles. Und du hast die SMS auch nicht von einer Organisatorin direkt erhalten, sondern von einem Freund, der selber gar nicht daran teilnimmt. Und der hat sie von einer Kollegin und so weiter. Und du weisst nicht so recht, was du von dem bevorstehenden Anlass halten sollst. Ist ja nicht immer gute Laune drin, wo «Reclaim the Streets» draufsteht. Dann erhältst du noch eine SMS und noch eine. Und darin stehen dann Fragen wie: «Wird das heute Spass oder Spannung?» Eine Antwort hast du natürlich nicht parat, aber du hoffst vielleicht, dass es eine Mischung aus beidem wird &#8230;</p>
<p><strong>Das wird ein guter Abend</strong><br />
Beim Carparkplatz in Zürich siehst du zwanzig, dreissig Leute. Du bist zwanzig Minuten zu früh, aber die SBB spricht ihre Zugverbindungen ja nicht mit den Demonstrantinnen ab. Also gehst du zum Kiosk und kaufst dir ein Bier – und als du zurückkommst, stehen da schon fast 200 Leute. Und dann kommt ein Wagen herangefahren, jemand schiesst Feuerwerk in den Himmel, und irgendwie merkst du: Das wird ein guter Abend.</p>
<p>Du triffst Bekannte und fragst, was denn jetzt passiert, auch nicht die üblichen Verdächtigen, die bei so was immer Bescheid wissen, können dir sagen, wohin es geht, wie lange es dauert und wer dahinter steckt.</p>
<p>Aber das ist egal. Weil: Plötzlich spielt die Musik, harte Bässe rollen über die Strasse, mehrere Hundert Szenis, Punks, Fussballfans, Hausbesetzer, Studentinnen laufen los in Richtung Limmatplatz. Einer bemalt VBZ-Billett-automaten mit einer Silberspraydose, und eine verstopft die Münzschlitze mit Silikonspray, und ein anderer sprayt mit roter Farbe: «Gratis ÖV!» Du denkst, das kann ja heiter werden – je mehr Sprayereien, desto schneller kommt die Polizei. Aber dann hörst du Dubstep-Beats von einem der zwei oder drei Soundwagen, wie viele es genau sind, siehst du nicht, weil der Demozug schon ziemlich gross geworden ist, und du bist erstaunt, woher plötzlich all die Leute gekommen sind. Dann siehst du vorne ein paar Vermummte rumrennen, die mit Schablonen Parolen sprühen, und andere, die ein riesiges, buntes Transparent mit sich tragen. «Reclaim the Streets» steht da drauf, und du denkst, da hat es jemand aber gut gemeint mit dem LSD, so bunt ist das gemalt.</p>
<p>Die Leute tanzen, trinken, rauchen – sie feiern, wie sie es sonst vielleicht auch tun. Aber sie müssen nicht anstehen, sich von Türstehern durchwinken lassen, 25 Franken Eintritt bezahlen, die Jacke an der Garderobe abgeben, «zwei Schtutz», und über die Bar brüllen, um ein Getränk zu bestellen, nur um erstaunt festzustellen, dass es für die Zwanzigernote halt nur noch einen Fünfliber Rückgeld gibt, obwohl sie doch nur einen Drink bestellt haben.</p>
<p>So geht das eine Stunde lang, vielleicht auch zwei. Zwischendurch klirren Scheiben: Hooters («Gegen Sexismus»), McDonald’s («Down Down USA») und die Mercedes-Garage müssen dran glauben. Und du fragst dich, warum die Polizei nicht eingreift. Weil, sonst sind die Polizisten an der Langstrasse auch immer schnell zur Stelle. Aber du lachst, als einer «Aktion Respeck» an die Wand sprayt, weil dich die Polizei vielleicht auch schon von deinem Velo gezerrt hat, als du in der falschen Richtung durch die Einbahnstrasse gefahren bist.</p>
<p>Als du vor Gebäude der Tamedia stehst und beobachtest, wie die Leute Pflastersteine gegen den Glaspalast schmeissen, nach vorne rennen, die Steine wieder aufsammeln und von neuem werfen, erinnert dich das an ein Squash-Spiel.</p>
<p>Und dann kommt die Polizei.</p>
<p>War ja klar, dass sie den Pöbel nicht in die Innenstadt ziehen lassen. Der Umzug löst sich kurz auf. Ein paar Dutzend bleiben auf der Brücke zurück, werfen Steine und Flaschen gegen die überforderten Polizisten. Diese antworten mit Tränengas und Gummischrot. Du beobachtest die Szene aus der Ferne, frierst das Bild ein und denkst: Irgendwie romantisch – dunkle Gestalten stehen auf der nebelverhangenen Brücke, rote Feuerwerkskörper fliegen gegen Blaulicht, und vom Himmel regnet es Tränengas.</p>
<p>Von nah betrachtet sind die jungen Kämpfer aber nicht mehr romantisch, sondern höchstens aggressiv, der Nebel beisst, und die Aktion ist ziemlich sinnlos.</p>
<p><strong>Abgeschriebener Polizeirapport</strong><br />
Später versammelt sich, was von den Demonstranten übrig geblieben ist, zieht wieder Richtung Langstrasse, und die Polizei siehst du erst wieder am Montagmorgen, als du an der Langstrasse auf den Bus wartest, der dich zur Arbeit fährt.</p>
<p>Du liest die Zeitungen und merkst, dass kein Reporter vor Ort war und alle nur die Polizeimeldungen abschreiben. Und du fragst dich, weshalb niemand über die Gründe für die Demonstra-tion schreibt – zum Beispiel über Quartieraufwertung, hohe Mieten, Polizeirepression und enge Räume – sondern nur über versprayte Wände. Erst bist du empört, aber dann sagst du dir: Vielleicht bist du naiv?</p>
<p>Und dann musst du für die Zeitung einen Bericht darüber schreiben, wie es wirklich war. Was schreibst du?</p>
<p><span style="color: #888888;"><span style="color: #808080;"><em>© </em>WOZ &#8211; Die Wochenzeitung, 11. 02. 2010</span></span></p>
<p><span style="color: #888888;"><span style="color: #808080;"><span style="color: #000000;"><strong>UPDATE: </strong>Mittlerweile hat es doch noch jemand geschafft, einen differenzierten Artikel zum RTS zu schreiben: <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Wie-die-Party-zur-Schlacht-wurde/story/29385768" target="_blank">Dario Venutti erklärt das RTS im Tagi von heute.</a> Lesebefehl.</span><br />
</span></span></p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=806&amp;md5=a37e0acd31541d77f126c4b33fb7214c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Nachtrag zu Daniel Model</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2010/01/15/nachtrag-zu-daniel-model/</link>
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		<pubDate>Fri, 15 Jan 2010 11:40:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Ryser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Amazee]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Model]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Blog-Leser Felix hat sich in einem Kommentar zu unserem meistgelesenen Artikel, der auf den aktuellen WOZ-Artikel «Dr.Model und die Nebel von Müllheim» verweist, gefragt, ob die Leute von «Amazee» den Artikel wohl auch gelesen haben. Zur Erklärung: Amazee ist eine Internet-Plattform mit Sitz in Zürich. Amazee über Amazee: «Die Internetplattform Amazee ermöglicht es Personen und Organisationen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Blog-Leser Felix hat sich in einem Kommentar zu unserem meistgelesenen Artikel, der auf den aktuellen WOZ-Artikel «Dr.Model und die Nebel von Müllheim» verweist, gefragt, ob die Leute von «Amazee» den Artikel wohl auch gelesen haben. Zur Erklärung: Amazee ist eine Internet-Plattform mit Sitz in Zürich. Amazee über Amazee: «Die Internetplattform Amazee ermöglicht es Personen und Organisationen, ihre Ideen und Vorhaben in Projekten zu initiieren, diese zu promoten, Gleichgesinnte zu finden und sich finanzielle Unterstützung zu sichern. Amazee ist das globale Aktionsnetzwerk!» Sozusagen wie Facebook also, nur anders. «Beispiele für erfolgreiche Projekte bei Amazee sind der Aufbau eines Internet-Ausbildungszentrums in Sri Lanka, die Planung von Internet-Unternehmertreffen in Zürich oder die Sicherstellung einer lückenlosen Wasserversorgung in einem südafrikanischen Dorf. Amazee richtet sich an ein global denkendes, aktives Publikum, welches die Liquidität des virtuellen Raums für die Erreichung gesellschaftsrelevanter Ziele zu nutzen weiss. Auf Amazee werden Ziele zu Projekten und Projekte zu konkretem Handeln.» Und, ach ja, genau, das hat Leser Felix wohl damit gemeint (Wir bedanken uns für den Hinweis): Verwaltungsrat ist <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr02/schweiz/18810.html" target="_blank">Daniel Model</a>. <em>Daniel Ryser</em></p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=238&amp;md5=5f7f22f40fdeff38e93e2e49c46617c4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Dr. Model und die Nebel von Müllheim</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 09:29:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Ryser</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Fantastischer Artikel von Wolfgang Steiger in der aktuellen WOZ über den Thurgauer Verpackungsfabrikanten Daniel Model, der offenbar einen ziemlich Hick in der Dattel hat. Models demokratiefeindliche Verbindungen führen bis zu «rebell.tv». Ein Artikel wie ein Krimi, und der geht so: Daniel Model will die Demokratie abschaffen und arbeitet an einem eigenen Privat-Staat namens Avalon &#8211; der Name kommt entweder aus der Esoterik oder von den Nazis oder von beidem. Modell lässts offen. Doch was hat das alles mit dem Liberalen Institut, mit <a href="http://rebell.tv/" target="_blank">«rebell.tv»</a> und dem Dadahaus zu tun? Rechtsaussen Model ist unter anderem Verleger von «rebell.tv». Gewusst?  Genug der Rede: <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr02/schweiz/18810.html" target="_blank">Hier geht es zum Artikel</a>, in dem auch <a href="http://www.cabaretvoltaire.ch/" target="_blank">Dadahaus</a>-Kurator Philipp Meier nicht so gut wegkommt wie sonst. Auch zu Wort kommt im Artikel übrigens René Scheu (36) von den konservativen <a href="http://www.schweizermonatshefte.ch/" target="_blank">«Monatsheften»</a>, den ich persönlich kenne, den ich aber im Gegensatz zu Philipp Meier nicht sonderlich schätze. Scheu wollte kürzlich Chefredaktor des «St.Galler Tagblatts» werden. Das scheiterte laut gut unterrichteten Quellen daran, dass Scheu sich nicht bewerben, sondern berufen werden wollte. Scheu sieht sich, wie etwa SVP-Nationalrat Lukas Reimann, als Radikal-Liberalen und sagt damit durch die Blume: Ich bin einfach ein saucleveres Bürschchen, viel cleverer als ihr alle. Der Artikel verdeutlicht: Was früher Rechtsaussen war, nennt sich heute «liberal und freiheitlich im Sinn von Friedrich August von Hayek». <em>Daniel Ryser</em></p>
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