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	<title>Nation of Swine &#187; Ultras</title>
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	<description>Politik &#38; Freefight</description>
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		<title>Südkurven-Gesang</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2011/01/03/sudkurven-gesang/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Jan 2011 08:39:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nationofswine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hooligans]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Espenmoos]]></category>
		<category><![CDATA[FC St. Gallen]]></category>
		<category><![CDATA[Pyro]]></category>
		<category><![CDATA[Südkurve]]></category>
		<category><![CDATA[Ultras]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Dann kam 1985 die Sache mit dem Helikopter<br /> St.Gallen hatte mehrere Spiele unglücklich verloren<br /> dann verloren wir auch gegen Xamax<br /> wir alle waren uns einig, dass der Schiedsrichter schuld ist<br /> wir versammelten uns vor dem Ausgang<br /> Leute von der Haupttribüne, von überall<br /> kamen und brüllten «Komm raus, du Sau!»<br [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Dann kam 1985 die Sache mit dem Helikopter<br />
St.Gallen hatte mehrere Spiele unglücklich verloren<br />
dann verloren wir auch gegen Xamax<br />
wir alle waren uns einig, dass der Schiedsrichter schuld ist<br />
wir versammelten uns vor dem Ausgang<br />
Leute von der Haupttribüne, von überall<br />
kamen und brüllten «Komm raus, du Sau!»<br />
die Polizei hat alles abgesperrt und die Rega angefordert<br />
die Rega ist mit dem Helikopter in das Stadion geflogen<br />
und hat den Schiedsrichter nach Gossau geflogen<br />
dort wartete einer mit dem Auto des Schiedsrichters<br />
und dort ist er eingestiegen und heimgefahren<br />
der «Blick» hat zehntausend Franken für ein Bild geboten<br />
aber dieses Bild vom Helikopter, der im Espenmoos landet<br />
dieses Bild gibt es nicht<br />
aber wenn du «Globi bei der Rega» liest, dort ist es verewigt<br />
dort fliegt Globi mit der Rega los<br />
und evakuiert einen Schiedsrichter aus einem Fussballstadion</p>
<p>*</p></blockquote>
<p><em><strong>Aus dem Archiv:</strong></em> Auf vielfachen Wunsch nun im Netz: Ein im Detail nicht mehr aktueller Text aus dem seit zwei Jahren vergriffenen Buch <a href="http://www.rezensionen.ch/buchbesprechungen/espenmoos/3858824631.html" target="_blank">«Espenmoos – Fussball und Fankultur»</a>. Der folgende Text von Daniel Ryser aus dem Jahr 2007 basiert auf Interviews mit mehr als dreissig St.Galler Ultras und anderen Fans, geführt in der Südkurve, auf Auswärtsfahrten, in St. Galler Bars abseits von Spieltagen.</p>
<p><span id="more-4663"></span></p>
<p><strong>SÜDKURVEN-GESANG</strong></p>
<p><em>Von <a href="http://www.echtzeit.ch/buecher.php?id=66&amp;s=1" target="_blank">Daniel Ryser</a></em></p>
<p>In der Südkurve des Espenmoos zelebrieren die Ultras, wie sich jene Fans selbst bezeichnen, eine lebendige, leidenschaftliche und auch umstrittene Fankultur mit Gesängen, Choreografien, Fahnen und Feuerwerk. Unterwegs im harten Kern.</p>
<p>*</p>
<p>Wenn wir auswärts spielen, reisen weniger Fans an<br />
aber die Stimmung ist meistens besser als daheim<br />
weil auswärts vor allem der harte Kern kommt<br />
es gibt weniger Aufruhr, wenn du Feuerwerk zündest<br />
wenn dir hier was nicht passt<br />
dann musst du es den Leuten ins Gesicht sagen<br />
das passiert selten, in Schaffhausen zum Beispiel<br />
da kam einer an und sagte zu mir<br />
«Verdammte Kinderkacke dieses Feuerwerk»<br />
wir hatten die ganze Kurve eingenebelt<br />
mit dickem, grünen Rauch und Vulkanen<br />
eine Woche später sind wir<br />
in der Nacht vor dem Yverdon-Spiel<br />
dorthin gefahren<br />
mit einer Drogenpause an jeder zweiten Raststätte<br />
das Kokain macht dich wieder wach<br />
auf dem Rücksitz liegt einer im Alkohol-Koma<br />
und bewegt sich nicht mehr<br />
es ist stockdunkel, als wir in Yverdon ankommen<br />
ein kalter, heftiger Wind weht vom See herüber</p>
<p>*<br />
Ich trage einen Rucksack<br />
einer hat sich eine Schaufel unter die Jacke geklemmt<br />
wir sind auf der Hut, nicht wie in Thun<br />
wo plötzlich ein Wächter<br />
mit einem Schäferhund vor uns stand<br />
als wir das Feuerwerk vergruben<br />
jetzt graben wir ein Loch<br />
in den Rasen hinter der Gästetribüne<br />
ein Loch für fünfzehn Pyro-Fackeln<br />
manchmal finden sie die Sachen, doch hier sicher nicht<br />
da rechnen sie einfach nicht damit<br />
dass irgendwelche St.Galler krank genug sind<br />
in der Nacht vor dem Spiel extra nach Yverdon zu fahren<br />
um dort einzubrechen und Feuerwerk zu vergraben<br />
doch genau das tun wir, und dann zurück nach Bern<br />
auf der Toilette der Reitschule-Bar fast ein Drogenkoma<br />
kurz schlafen, ein neues Bier köpfen und zurück nach Yverdon<br />
im Stadion die Securitas ablenken, das Feuerwerk ausbuddeln<br />
das ist eine Sache von Sekunden<br />
die Seenotfackeln unter den Fans verteilen<br />
und Anfang der zweiten Halbzeit brennt die ganze Kurve</p>
<p>*</p>
<p>Oben war kein Platz mehr, also gingen wir runter zum Zaun<br />
und hängten dort unsere «Green-Fires»-Zaunfahne auf<br />
das war im Jahr 2000<br />
das Zentrum der Kurve war damals oben<br />
dort wo noch heute die Pauker stehen<br />
die Alten sagen, «Ihr denkt nicht für alle und für den Verein»<br />
die Jungen sagen, «Ihr seid neidisch, eure Zeit ist vorbei»<br />
im unteren Teil der Südkurve war Platz, Neues aufzubauen<br />
nicht schon alles besetzt wie oben, keiner, der sagt<br />
«Weg hier, ich stehe hier schon seit zwanzig Jahren»<br />
schnell sind andere Gruppen dazugekommen<br />
die «Jokers», die «Green-Flash», «Green Power», «Kurve Süd»<br />
alle mit Ultra-Mentalität<br />
die Ultraszene entstand in den Sechzigern<br />
im ehemaligen Jugoslawien und in Italien<br />
und in St.Gallen fast vierzig Jahre später<br />
Ultra bedeutet, du gibst alles für deinen Verein<br />
du gehst an jedes Spiel<br />
du wachst auf an einem Dienstag<br />
mit der Idee für eine Choreografie<br />
du rufst Kollegen an, organisierst Farbe<br />
und Stoff und Spraydosen<br />
investierst hundert, oder dreihundert, oder sechshundert<br />
Stunden Arbeit in eine Choreografie<br />
die beim Einlaufen der Spieler die Kurve<br />
für eine Minute leuchten lässt<br />
sechshundert Stunden Arbeit für eine Minute<br />
das ist der Kick, eine Ekstase<br />
die Scheinwerfer, die einlaufenden Spieler, die Gesänge</p>
<p>*</p>
<p>Hampi treibt die Kurve an, er ist der Capo<br />
Hampi, das bin ich<br />
ich ging schon als kleiner Knirps an die Spiele<br />
die Geschichten, wie du aktiver Fan wirst, ähneln sich<br />
zuerst gehst du mit den Eltern in den blauen Sektor<br />
dann tastest du dich mit Kollegen heran an die Südkurve<br />
und irgendwann stehst du mittendrin<br />
jetzt sitze ich auf dem Gitter mit dem Megafon<br />
ich stimme die Lieder an, die ganze Kurve soll singen<br />
es ist eine Verpflichtung gegenüber der Mannschaft<br />
und die Mannschaft ist uns verpflichtet, dass sie kämpft<br />
eine Kurve, die unter einem Banner vereint singt<br />
das wäre der Traum<br />
wie in Italien<br />
wo fünftausend wie aus einer Kehle singen<br />
von Anpfiff bis Abpfiff</p>
<p>*</p>
<p>Der Moment beim Einlaufen der Spieler ist magisch<br />
zu Beginn der ersten Halbzeit oder der zweiten<br />
du stehst in der Kurve, plötzlich knallt es um dich herum<br />
die Kurve füllt sich mit dichtem Rauch<br />
und dem hellen Glühen der Seenotfackeln<br />
das Feuerwerk drückt die Hingabe der Kurve aus<br />
die Hingabe für die Mannschaft<br />
die Gesänge stimmen an<br />
die Kurve explodiert vor Leidenschaft, es ist magisch<br />
die Südkurve ist ein Kessel<br />
das Dach ist tief, und es ist bis weit nach vorne gezogen<br />
zwischen vorderem Ende der Tribüne und dem Zaun<br />
bleibt ein Meter Platz, wie ein Kanal ist das<br />
du stehst auf einer Stahlstangenkonstruktion<br />
vorne der Zaun zum Spielfeld, hinten zu den Schrebergärten<br />
du stehst auf Sand und Kies<br />
links und rechts die Bierstände und die Wurststände<br />
die Scheinwerfer, die Container, das Chaos<br />
die Zigaretten, die Holztribünen in den Sektoren<br />
woanders kämest du dafür ins Gefängnis<br />
wegen grober Fahrlässigkeit<br />
eine Holztribüne, alt und klapprig, auf der die Leute rauchen<br />
die herumgereichten Biere, die Schreie<br />
los Zelli, verdammt, lauf Zelli</p>
<p>*</p>
<p>Ich gehe seit der Meistersaison regelmässig<br />
und ich gehe seit 1987 regelmässig<br />
ich stehe seit zwölf Jahren in der Südkurve<br />
wir gründeten 2004 einen Fan-Dachverband<br />
um uns selbst zu stärken<br />
um das Verhältnis zum Verein zu verbessern<br />
Verein und Fans, das ist wie Tag und Nacht<br />
wir müssen um jeden Millimeter kämpfen<br />
wir müssen um Stehplätze im neuen Stadion kämpfen<br />
sie bauen ein Stadion, das auf VIPs ausgelegt ist<br />
und auf Konsumenten<br />
deshalb wollen sie keine Stehplätze<br />
im Espenmoos gab es keine VIP-Logen<br />
im Kopf hat sich das schon länger geändert<br />
wenn du in den Neunzigern mit dem Verein Ärger hattest<br />
dann bist du während des Spiels rüber auf die Haupttribüne<br />
und hast das diskutiert<br />
heute verkriecht sich der Präsident nach dem Spiel<br />
in der Loge mit Sponsoren</p>
<p>*</p>
<p>Der Verein sagt, Feuerwerk schadet uns<br />
wir müssen Bussen bezahlen<br />
wir sagen, diese Bussen sind zu verkraften<br />
der Verein schickte die Polizei in die Kurve<br />
wir haben zurzeit fünfzig Stadionverbote<br />
viele wegen Feuerwerk<br />
das ist der Punkt, an dem die Gespräche seit Jahren scheitern<br />
zwischen Ultras und Verein, die Feuerwerk-Frage<br />
der Verein sagt «Illegal»<br />
wir sagen «Illegal, aber&#8230;»<br />
die Südkurve ist das flammende Herz des Espenmoos<br />
der Tiefpunkt zwischen Verein und Fans des FC St.Gallen<br />
war ein Nachmittag im Jahr 2003<br />
der FCSG spielte an einem Dienstag oder Mittwoch<br />
ein Freundschaftsspiel gegen den FC Wil<br />
wir zündeten Feuerwerk<br />
der damalige Fanbeauftragte kam rüber zur Kurve und brüllte<br />
«Ihr seid sozialer Abschaum, wir wollen euch hier nicht»</p>
<p>*</p>
<p>Mitte der Neunziger war es noch erlaubt, Pyro zu zünden<br />
du bist ins Sekretariat des FC und hast gesagt<br />
«Ich habe hier dreissig Fackeln, die würde ich gerne zünden»<br />
und sie sagten «Okay»<br />
dann bist du mit dreissig Leuten auf das Feld<br />
und hast gezündet<br />
dann kam Ende der Neunziger das Sprengstoffgesetz<br />
und die Alten hörten auf, und die Jungen machten weiter</p>
<p>*</p>
<p>Wir finanzieren unsere Aktionen selbst<br />
die Farben, die Spraydosen, den Stoff für die Choreografien<br />
das kostet schnell mehr als tausend Franken<br />
wir finanzieren uns durch Spenden<br />
aber vor allem durch Fanartikel, die wir selbst produzieren<br />
Schals und Pullover und T-Shirts<br />
Alternativen zu den kommerziellen Angeboten des Vereins<br />
zu Axpo-Super-League-Aufnähern und Gate 24 und so weiter<br />
die Nachfrage ist enorm, der Erlös fliesst in die Fankasse<br />
Unabhängigkeit ist ein grosses Wort<br />
aber es ist der Ultra-Anspruch<br />
kein Sponsoring, keine Abhängigkeit<br />
keine dreizehn verschiedenen Anspielzeiten<br />
diktiert vom Schweizer Fernsehen und von SAT 1</p>
<p>*</p>
<p>Einige aus der Kurve gründeten 2006 eine U-21-Fankurve<br />
wir reisen an jedes Auswärtsspiel mit Fahnen und singen<br />
dreissig Leute singen für den St.Galler Nachwuchs<br />
der Trainer war davon so gerührt<br />
er hat uns Fans Schals geschenkt<br />
darauf steht «Fankurve U-21»<br />
wir sind per Du mit dem Trainer<br />
die Super-League ist für solch eine Nähe zu gross<br />
zu sehr muss man es den Sponsoren recht machen<br />
zu viel Geld, zu sehr AFG, und Ikea, und Champions League<br />
statt Nähe im Quartierstadion<br />
was sind schon 30’000 Franken für Bussen wegen Feuerwerk<br />
in einem Millionenbudget</p>
<p>*</p>
<p>Das St.Galler Tagblatt hat vom Krieg geschrieben<br />
wie im Krieg sei es gewesen<br />
als St.Galler Fans die Luzerner Fans<br />
beim Bahnhof St.Fiden angriffen<br />
«Pyros und Gewalt ist dasselbe», behaupten die Medien<br />
dabei sind selbst die Fans, die Feuerwerk zünden<br />
und die Hooligans, nur manchmal dieselben<br />
viele Ultras in der Schweiz lehnen Gewalt ab<br />
Hooligans gab es schon immer, schon bevor im Espenmoos<br />
die erste Rauchpetarde gezündet wurde</p>
<p>*</p>
<p>1978 gründeten wir «Super-Green»<br />
den ersten inoffiziellen Fanclub im Espenmoos<br />
wir waren befreundet mit den Zürchern<br />
nur mit den Baslern hatte man es gar nicht gut<br />
der FC Basel hat auf die Eintrittskarten geschrieben<br />
«Betreten des Stadions auf eigene Gefahr»<br />
während dem Spiel kamen die Basler<br />
«Red Blue Army» hiessen die<br />
zusammen mit Schaffhausern und stürmten den Block<br />
schlugen auf alle ein, die rumstanden<br />
Der FCSG gewann einmal im St.Jakob-Park 4:0<br />
ich sang «O o o, die Basler sind k.o»<br />
ich sah nicht, dass hinter mir zwanzig Basler standen<br />
«Mal schauen, wer hier K.O. ist», sagten sie<br />
und ich landete im Krankenhaus<br />
Basel war schon immer so<br />
wenn du mit zwanzig Leuten gekommen bist<br />
dann kamen sie mit zweihundert<br />
die Stadtpolizei hat das Olma-Spiel gegen Basel abgeschafft<br />
das Spiel am Olma-Samstag war früher immer das Basel-Spiel<br />
aber die Basler haben getrunken und gefeiert<br />
und in den Olma-Hallen St.Galler verprügelt<br />
und den Jahrmarkt demoliert</p>
<p>*</p>
<p>Damals in den Achtzigern und auch Anfang der Neunziger<br />
war die Kurve klar rechts<br />
das hat die Kurven trotz Rivalität verbunden<br />
dass sie alle Rechts waren<br />
wir waren keine Neonazis, wir waren nicht Deutsch-Rechts<br />
da fällt mir Magdeburg ein<br />
zu sechst fuhren wir ans Auswärtsspiel<br />
Magdeburg gehörte damals noch zur DDR<br />
die Zollkontrolle dauerte sechs Stunden<br />
der FCSG spielte im europäischen Wettbewerb<br />
das Stadion war voller russischer Soldaten<br />
die Jungen in der DDR waren irre vom System<br />
oben sassen russische Soldaten<br />
und unten machte die ganze Fankurve den Hitlergruss<br />
Wir selbst waren vor allem gegen die Ausländer<br />
wir warfen im Espenmoos Bananen auf das Spielfeld<br />
sangen «Eine U-Bahn eine U-Bahn eine U-Bahn bauen wir<br />
von Basel bis nach Auschwitz»<br />
und «Im Gegensatz zu euch – wir sprechen deutsch»<br />
und «Trabazonspor, Besiktas, Galatasaray<br />
Fenerbahce Istanbul, wir hassen die Türkei»<br />
das waren Fangesänge der Achtziger und auch der Neunziger<br />
der Südkurve im Espenmoos</p>
<p>*</p>
<p>Das änderte sich unter anderem mit den Ultras<br />
es kamen Ausländer und Linke und Rechte<br />
ein völliges Durcheinander herrschte plötzlich<br />
die Parole in St.Gallen ist heute «Keine Politik in der Kurve»<br />
die politische Einstellung muss der FC St.Gallen sein<br />
nur so können wir eine starke Kurve werden<br />
einige wollen in der Kurve ein Transparent gegen Rassismus<br />
das müsse der kleinste gemeinsame Nenner sein<br />
FC St.Gallen und Antirassismus<br />
ich finde, das ist doch bereits wieder Politik<br />
nein, da bin ich anderer Meinung<br />
doch, das ist Politik<br />
der U-Bahn-Gesang wäre heute sowieso nicht mehr möglich<br />
nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei<br />
stimmten sie im oberen Teil der Kurve das Türken-Lied an<br />
unten drehten sich die Leute um und buhten<br />
und zeigten den gestreckten Mittelfinger<br />
und einige riefen «Wir kommen rauf<br />
noch ein Wort, und wir kommen rauf»<br />
dafür haben dann die Linken kurz vor der Abstimmung<br />
zum Asyl- und Ausländergesetz ein Transparent gehisst<br />
«Zweimal Nein», stand drauf und ausgerechnet an jenem Tag<br />
hat Schützengarten Werbefotos von der Kurve geschossen<br />
auf den Plakaten, die dann monatelang in der Stadt hingen<br />
sahst du die feiernde Südkurve, und vorne leuchtete<br />
«Zweimal Nein»<br />
der Dachverband war stocksauer, alle waren sauer<br />
selbst linke Fans waren sauer<br />
es geht um Fussball<br />
nicht um den anderen Dreck, um den es die ganze Zeit geht</p>
<p>*</p>
<p>Die Rede war vom Krieg<br />
davon hat das St.Galler Tagblatt geschrieben<br />
nach dem Heimspiel gegen Luzern im Frühling 2007<br />
die Luzerner waren vom Bahnhof zum Stadion gelaufen<br />
St.Galler stürmten heran, dieses Theater hast du immer<br />
du hast es gegen Schaffhausen und Aarau und Luzern<br />
auswärts greifen dich die Hooligans der Heimmannschaft an<br />
weil in St.Gallen die lokalen Hooligans sie angegriffen haben<br />
oder umgekehrt<br />
so geht das hin und her, es hört nicht auf<br />
Krieg ist das bei Weitem nicht, aber es ist zermürbend<br />
es geht um meine Stadt gegen deine Stadt<br />
«Scheiss Aarauer Rüeblifresser!»<br />
es ist Hass und Gewalt, es hat keinen Charme und Witz<br />
aber du hast einen Faktor, der dabei unterschätzt wird<br />
abgesehen vom Alkohol und dem Kokain<br />
der Kokainkonsum ist in Schweizer Stadien populär geworden<br />
aber ich rede von der Masse, die plötzlich in Fahrt gerät<br />
plötzlich verlieren ruhige Typen die Kontrolle<br />
es knallt, dann hast du Tränengas und Wut<br />
und die Masse kommt in Bewegung<br />
das kannst du niemandem erklären, der es nicht erlebt hat<br />
einmal bin ich von einem Spiel nach Hause gekommen<br />
ich war völlig aufgelöst, ich fragte mich selbst<br />
«Wie konnte die Situation nur derart eskalieren?»<br />
am nächsten Morgen beim Essen ging das nicht<br />
Essen ging nicht<br />
ich ging zum Arzt, und der Arzt sagte «Kieferbruch»</p>
<p>*</p>
<p>Die Luzerner hatten uns in ihrer Stadt angegriffen<br />
sie warfen Steine auf unsere Busse<br />
in St.Gallen zündete ich eine Fackel<br />
und warf sie mitten in die Luzerner Fans<br />
die Luzerner liefen vom Bahnhof St.Fiden zum Stadion<br />
ich warf die Fackel aus Rache<br />
denn in Luzern hatte ich einem, der auf mich zugestürmt war<br />
eine geknallt und bekam dabei einen Pflasterstein ab<br />
die Narbe habe ich immer noch<br />
nun kam alles mögliche geflogen<br />
Bierflaschen und Steine und meine Fackel<br />
die Luzerner waren gute Leute<br />
das hast du schon an ihrer Haltung gemerkt<br />
die haben Kampfsporterfahrung<br />
also bin ich gerannt, die hätten mich massakriert<br />
ich kassierte nur ein paar Tritte in den Rücken<br />
nur der Fanspezialist der St.Galler Stadtpolizei<br />
der das ganze beobachtet hatte, er rannte zu langsam<br />
die Luzerner packten ihn zu dritt<br />
knallten ihn gegen ein Auto und schlugen ihn zusammen</p>
<p>*</p>
<p>Die Fanbullen kennt man<br />
du gehst mit denen ab und zu ein Bier kippen<br />
schon früher war das so, und der eine hatte eine Tochter<br />
und mit der hast du rumgemacht<br />
aber die machen ihren Job trotzdem, das war schon immer so<br />
der Bulle säuft mir dir rum<br />
und am Wochenende sieht er dich in der Nähe des Bahnhofes<br />
und er weiss, du bist nur wegen dem Ärger da<br />
und dann kriegst du eine Anzeige wegen Landfriedensbruch<br />
und Stadionverbot von deinem Saufkumpel</p>
<p>*</p>
<p>Es gab schon immer viel Gewalt rund um Fussballspiele<br />
die Gewalt ist heute nicht heftiger, aber häufiger<br />
damals, 1982, rannte einer gegen YB auf das Spielfeld<br />
er schlug den Schiedsrichter nieder<br />
die Polizei hat einen Schäferhund losgelassen<br />
der Hund rannte auf das Feld und war völlig verwirrt<br />
und biss den Gisinger in den Arsch<br />
der Gisinger war ein St.Galler Verteidiger<br />
dann kam 1985 die Sache mit dem Helikopter<br />
St.Gallen hatte mehrere Spiele unglücklich verloren<br />
dann verloren wir auch gegen Xamax<br />
wir alle waren uns einig, dass der Schiedsrichter schuld ist<br />
wir versammelten uns vor dem Ausgang<br />
Leute von der Haupttribüne, von überall<br />
kamen und brüllten «Komm raus, du Sau!»<br />
die Polizei hat alles abgesperrt und die Rega angefordert<br />
die Rega ist mit dem Helikopter in das Stadion geflogen<br />
und hat den Schiedsrichter nach Gossau geflogen<br />
dort wartete einer mit dem Auto des Schiedsrichters<br />
und dort ist er eingestiegen und heimgefahren<br />
der «Blick» hat zehntausend Franken für ein Bild geboten<br />
aber dieses Bild vom Helikopter, der im Espenmoos landet<br />
dieses Bild gibt es nicht<br />
aber wenn du «Globi bei der Rega» liest, dort ist es verewigt<br />
dort fliegt Globi mit der Rega los<br />
und evakuiert einen Schiedsrichter aus einem Fussballstadion</p>
<p>*</p>
<p>Es war 2003, da hat es bei vielen Leuten Klick gemacht<br />
Zürcher tauchten in Schaffhausen auf<br />
und verprügelten vor den Augen aller einen alten St.Galler<br />
wir haben uns gesagt, es kann doch nicht sein<br />
dass wir quer durch die Schweiz reisen<br />
und ständig verprügelt werden<br />
wenn wir eine starke Kurve sein wollen<br />
dann ist es nötig, dass wir Leute in unseren Reihen haben<br />
die keine Angst davor haben, angegriffen zu werden<br />
so läuft es ab an Fussballspielen<br />
du läufst zum Bahnhof, zum Beispiel in Schaffhausen<br />
plötzlich bist du umringt von einheimischen Schlägertypen</p>
<p>*</p>
<p>Wer keine Gewalt sucht, der kommt um die Gewalt herum</p>
<p>*<br />
Ich verliess den Hardturm<br />
ich trug die Zaunfahne unserer Gruppierung im Rucksack<br />
die Leute vom GC müssen das irgendwie gesehen haben<br />
sie kamen auf mich los, dreissig Leute prügelten auf mich ein<br />
ich liege am Boden, und sie schlagen und treten<br />
und entreissen mir den Rucksack mit der Zaunfahne<br />
es gibt Ultragruppen, die sich auflösen<br />
wenn sie ihre Zaunfahne verlieren<br />
wir haben das nicht getan<br />
wenn wir in Zürich sind, ist das immer ein Spiessrutenlauf<br />
die Zürcher marschierten später mit unserem Fetzen<br />
durch St.Gallen und verbrannten ihn</p>
<p>*</p>
<p>Ich suchte den Ärger<br />
ich stand vor dem Espenmöösli, der Beiz beim Gästesektor<br />
und als die Fans des FC Lugano aus dem Bus stiegen<br />
brüllte ich «Scheiss Lugano»<br />
sie kamen rüber und schlugen mich mit Knüppeln zusammen<br />
das war 1998<br />
später fuhren wir zu zehnt zum Cupfinal<br />
haben in Bern betrunken «St.Gallen» gebrüllt<br />
wir prügelten uns und wurden verhaftet<br />
ich hörte den Cupfinal im Radio im Berner Knast<br />
doch ein Stadionverbot würde ich nicht aushalten<br />
das Espenmoos ist mein zweites Zuhause<br />
ich kenne viele, die wurden beim Zündeln gesehen<br />
Wochen später kriegten sie einen Brief vom Verein<br />
dass sie für die nächsten zwei Jahre nicht mehr rein dürfen<br />
in kein Fussballstadion der NLA und der NLB<br />
der Super League und der Challenge League<br />
ich würde sterben, abstürzen auf Drogen<br />
ich wüsste nicht, was ich tun würde<br />
wenn ich nicht mehr ins Stadion dürfte</p>
<p>*<br />
Fussball, es geht einzig und allein um Fussball<br />
den FCSG unterstützen, wo es nur geht<br />
daheim und auswärts, ob in Basel oder Thun oder Einsiedeln<br />
oder im Espenmoos<br />
wenn ich im Extrazug an ein Spiel reise<br />
ist mir schlecht vor Nervosität<br />
es ist ein unbeschreibliches Gefühl<br />
wenn du mit einem Mob aussteigst<br />
zum Beispiel in Schaffhausen<br />
wir tragen eine Blockfahne vorneweg, zünden Feuerwerk<br />
der Capo stimmt durch das Megafon Lieder an<br />
dann bekomme ich Gänsehaut, darauf kommt es an<br />
zusammenstehen, und den Verein präsentieren</p>
<p>*</p>
<p>Banker, Arbeitsloser, 1000-Franken-Job-Programm<br />
Lehrling, Student, Maurer, Betreibungsbeamtin<br />
Automechaniker, Historiker, Buchhändler<br />
Event-Manager, Unternehmer, Verkäufer<br />
Grafiker, Reporter, Metzger, Bürofrau, Pöstler<br />
Ein beruflicher Querschnitt durch die St.Galler Ultraszene<br />
16 bis 34 Jahre alt<br />
Schweizer, Kroaten, Brasilianer, Serben,<br />
Italiener, Spanier, Portugiesen, Deutsche<br />
die seit achtzehn Jahren fast jedes Spiel besuchen<br />
oder seit fünfzehn Jahren<br />
viele von ihnen mehr als die Hälfte ihres jungen Lebens<br />
es gibt junge St.Galler, die sind so fussballverrückt<br />
die sind als Kind nicht in einen Topf Zaubertrank gefallen<br />
sondern in einen Topf Fussball<br />
einer von den «Green-Fires» reist neben den FCSG-Spielen<br />
seit Jahren an fast jedes Spiel von Atalanta Bergamo<br />
und manchmal an einem Mittwoch nach Österreich<br />
oder Hamburg<br />
zwanzig Stunden Zugreise für ein Fussballspiel<br />
von jedem Spiel schreibt er in A5-Heften einen Spielbericht<br />
klebt Fotos ein und bewertet die Stimmung<br />
es sind mehr als zehn Hefte inzwischen<br />
es ist schon jetzt ein kleines Vermächtnis</p>
<p>*</p>
<p>Ich habe das Referendum gegen die Verschärfungen im<br />
Bundesgesetz zur Wahrung der inneren Sicherheit<br />
Hooligangesetz genannt, mitorganisiert<br />
fast wäre das Referendum zustande gekommen<br />
doch es war ein Totschlagwort<br />
Hooligangesetz<br />
wer ist nicht auch gegen Hooligans<br />
dabei trifft das Gesetz vor allem jene<br />
die damit nichts zu tun haben<br />
es ist wichtig, dass wir aktiven Fans uns engagieren<br />
auch gegen Repression<br />
die Vereine sagen, dass ein Stadion privater Grund ist<br />
und öffnen der Willkür dadurch Tür und Tor<br />
sie können machen, was sie wollen<br />
und brauchen es nicht zu begründen<br />
und können dafür sogar noch die Polizei aufbieten<br />
privater Grund, öffentlicher Grund, wie es gerade recht ist<br />
deswegen bin ich engagiert bei einer<br />
Organisation gegen willkürliche Stadionverbote<br />
mit Fans des FC Zürich, FC Basel, FC Luzern<br />
FC Winterhur, Grasshoppers, Young Boys und anderen<br />
dieses Engagement<br />
ist auch aus einem anderen Grund wichtig<br />
es zeigt, dass in St.Gallen nicht alle das Gefühl haben<br />
die Schweiz hört in Winterthur auf<br />
du liebst St.Gallen, trinkst Bier mit einem vom FC Sion<br />
und von den Young Boys und wohnst mit einem vom FCZ</p>
<p>*</p>
<p>Noch nie war die Kurve so gut, so vereint<br />
so leidenschaftlich<br />
der Verein spielte in den letzten Jahren Trümmerfussball<br />
doch die Stimmung war oft wild und laut und gut<br />
Gesänge und Fahnen und Choregrafien<br />
das macht eine gute Kurve aus<br />
vor allem Gesänge, die Gesänge sind das Wichtigste<br />
viele fahren mit dem Car zum Auswärtsspiel<br />
das ist nicht gut für die Einheit der Kurve<br />
vielleicht sind wir gebrannte Kinder<br />
immer wieder kamen wir unter die Räder<br />
verprügelt von Fans, auf dem Weg vom Bahnhof zum Stadion<br />
doch irgendwie muss das wieder möglich sein<br />
ein geeintes Auftreten an jedem Spieltag<br />
eine wilde, urbane und ernst zu nehmende Kurve</p>
<p>*</p>
<p>Wenn du als neue Fangruppe auftrittst<br />
machst du dir als erstes einen Teil der Kurve zum Feind<br />
weil du jung bist und voller Feuer und Leidenschaft<br />
und neuen Schwung bringst, der den Alten suspekt ist<br />
neue Gesänge, Rauch und Feuerwerk<br />
doch ein zwei Jahre später bist du als Gruppe in der Krise<br />
die Hälfte deiner Mitglieder ist aus dem Stadion geflogen<br />
so erging es den «Green-Fires», den «Jokers», «Green-Flash»<br />
«Kurve-Süd», «Green-Power», den Autonomen<br />
und dann musst du ein, zwei Jahre warten<br />
bis die Stadionverbote aufgehoben werden<br />
dann siehst du, wer es mit dem Fantum ernst gemeint hat<br />
wer nach einem Stadionverbot zurückkommt, meint es ernst<br />
von denen, die zurückkommen<br />
haben die meisten eine Wandlung durchgemacht<br />
sie sind vorsichtiger geworden<br />
nicht mehr gleich alle auf den Zaun klettern<br />
und Feuerwerk zünden bei jedem Spiel<br />
natürlich gibt es auch Ausnahmen<br />
richtig Verrückte, die sich nicht brechen lassen<br />
denen ein Stadionverbot egal ist<br />
die seit zehn Jahren leidenschaftlich den FCSG verfolgen<br />
und davon fünf Jahre ausserhalb des Stadions<br />
solche Leute gibt es auch, sie verdienen Respekt<br />
weil sie nicht jene sind, die zu den Jungen sagen:<br />
«Früher war ich wild, heute bin ich nicht mehr so,<br />
auch du wirst diese Veränderung durchmachen»<br />
sondern immer weiter machen, weiter kämpfen<br />
und wild bleiben für den FCSG</p>
<p>*</p>
<p>2005 verloren wir die Kontrolle<br />
die Hälfte der aktuellen rund fünfzig Stadionverbote<br />
die zurzeit gegen St.Galler Fans ausgesprochen sind<br />
gehen auf einen Sonntag im Herbst 2005 zurück<br />
der FC St.Gallen spielte gegen Xamax<br />
das Spiel fand in La Chaux-de-Fonds statt<br />
in Neuenburg wurde damals ein neues Stadion gebaut<br />
St.Gallen gewann, das besserte die Stimmung der Fans nicht<br />
bereits vor dem Spiel war es zu Rangeleien gekommen<br />
mit der Polizei, mit dem Sicherheitspersonal<br />
einige stürmten in die Kurve, ohne zu bezahlen<br />
einige Leute waren überdreht und niemand war da<br />
ein Fanarbeiter etwa, um die Situation zu beruhigen<br />
eine Woche zuvor waren wir angegriffen worden<br />
in Aarau war das, und so ist es dort meistens<br />
jeder weiss es, du gehst nach Aarau und wirst angegriffen<br />
wir wissen das, die Polizei weiss es<br />
und es passiert trotzdem immer wieder<br />
wir hatten uns erfolgreich gewehrt, wir waren noch alle high<br />
die Bilanz des Tages in La Chaux-de-Fonds<br />
24 Verhaftete, 24 Stadionverbote</p>
<p>*</p>
<p>Wir kamen aus dem Stadion<br />
die Polizei hatte die Strasse abgesperrt<br />
sofort flogen Steine und Flaschen<br />
wir haben sie zugedeckt mit allem was rumlag<br />
sie schossen Tränengas und trieben uns zum Bahnhof<br />
wir sind ausgerastet, haben alles kurz und klein geschlagen<br />
den Weg zum Bahnhof, den Bahnhof<br />
den Kiosk, die Uhr, das Büro auf dem Perron<br />
wir bewarfen die Polizei mit Schottersteinen<br />
der Zug fuhr nicht los, und dann stürmte die Polizei den Zug<br />
ich hielt mich an einer Stange fest<br />
sie haben mir immer wieder zwischen die Beine getreten<br />
damit ich die Stange loslasse<br />
und sie haben mit Schlagstöcken auf die Beine geschlagen<br />
und auf den Kopf<br />
und mir Pfefferspray in die Augen gesprüht<br />
sie haben mich aus dem Zug gezerrt<br />
und mir mit Kabelbindern die Hände gefesselt<br />
sie haben mich und einen anderen Gefesselten<br />
eine steile Rampe heruntergeworfen<br />
ich klatschte mit dem Gesicht auf den Boden<br />
beim Verhör weigerten sie sich, deutsch zu sprechen<br />
und wir konnten kein Französisch<br />
wir unterschrieben Sachen, die wir nicht verstanden<br />
und wurden verurteilt wegen<br />
Landfriedensbruch und Gewalt und Drohung gegen Beamte<br />
und Sachbeschädigung<br />
ein Kommandant der Polizei kam zu mir in die Zelle und sagte<br />
«La Chaux-de-Fonds ist eine solch friedliche, schöne Stadt<br />
warum zerstört ihr ausgerechnet La Chaux-de-Fonds?»<br />
und ich sagte «Ich weiss es auch nicht»</p>
<p>*</p>
<p>Für uns Fans müsstest du kein neues Stadion bauen<br />
zumindest nicht dort draussen im Westen im Niemandsland<br />
das neue Stadion ist ein VIP-Stadion<br />
wir haben uns lange gefragt<br />
warum bauen die das Dach so hoch im neuen Stadion<br />
es ist fast dreissig Meter hoch, wir haben den Verein gefragt<br />
«Warum baut ihr das Dach so hoch?»<br />
wir bekamen nie eine Antwort, jetzt wissen wir warum<br />
sie haben kürzlich ein neues Baugesuch eingereicht<br />
für zusätzliche VIP-Logen<br />
sie passen perfekt in den leeren Raum unter dem Stadiondach<br />
sie wollen im neuen Stadion ein neues Publikum<br />
wollen möglichst viele Gönner<br />
St.Gallen baut ein neues Stadion und es gibt keine Fankneipe<br />
aber sechs Restaurants für Gönner und Logen für Sponsoren<br />
du baust ein neues Stadion und vergisst die Fankneipe</p>
<p>*</p>
<p>Das neue Stadion kann auch eine Chance sein<br />
um alte Strukturen aufzubrechen<br />
das Espenmoos ist mein zweites Zuhause<br />
ich gehe seit achtzehn Jahren hin<br />
ich seit fünfzehn, und ich war in vielen Stadien<br />
kaum eines ist ein solch vollendetes Fussballstadion<br />
wie das Espenmoos<br />
der Kessel, die Nähe zum Spiel, der Charme<br />
ich bekomme Gänsehaut, und trotzdem<br />
kann die Arbonia-Forster-Gruppe-Arena eine Chance sein<br />
die Karten werden neu verteilt<br />
wir aktiven Fans müssen die Kurve übernehmen<br />
die Plätze besetzen von Anfang an<br />
so dass wir neunzig Minuten lang singen<br />
dass jene, die hinter dem Tor stehen, wissen<br />
warum sie hier stehen<br />
um den Verein leidenschaftlich zu unterstützen<br />
wenn die Kurve hinter dem Tor nicht einfach zum Ort<br />
mit den billigsten Sitzplätzen im Stadion wird<br />
sondern zur lauten Stehplatzkurve<br />
dann können die aktiven Fans den Traum umsetzen<br />
von einer noch lebendigeren und noch lauteren<br />
und noch wilderen Kurve für den FC St.Gallen</p>
<p>*</p>
<p><em>Daniel Ryser, 1979, ist Reporter bei der Wochenzeitung (WOZ) in Zürich.</em></p>
<p><em>*</em></p>
<p><em><img class="aligncenter size-full wp-image-4672" title="FCSG_Espenmoos_Postkarte_1914_v" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2011/01/FCSG_Espenmoos_Postkarte_1914_v1.tiff" alt="" /><br />
</em></p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=4663&amp;md5=ce73c3f6b25d9fdfebb78febb981dca3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Afterhour: Bob Dylan, Ultràs, Filz und Bundesrätin Fässler</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 11:20:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nationofswine</dc:creator>
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		<category><![CDATA[FC St. Gallen]]></category>
		<category><![CDATA[Hildegard Fässler]]></category>
		<category><![CDATA[St. Galler Tagblatt]]></category>
		<category><![CDATA[Ultras]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://knappdaneben.net/2010/08/armes-italien/" target="_blank">Knapp Daneben</a> hat uns drauf gebracht &#8211; wir verweisen an dieser Stelle gleich auch noch einmal drauf: <a href="http://www.altravita.com/die-haende-der-ultras-im-geschaeft-mit-dem-fussball.php#more-1298" target="_blank">Die Hände der Ultràs im Geschäft mit dem Fussball</a> &#8211; eine kritische Betrachtung aus Italien. Der New Yorker beschreibt in einem ebenso ausführlichen Artikel, wie eine lyrische Verbindung die USA veränderte: <a href="http://www.newyorker.com/online/blogs/newsdesk/2010/08/sean-wilentz-bob-dylan-in-america.html" target="_blank">Bob [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://knappdaneben.net/2010/08/armes-italien/" target="_blank">Knapp Daneben</a></em> hat uns drauf gebracht &#8211; wir verweisen an dieser Stelle gleich auch noch einmal drauf: <a href="http://www.altravita.com/die-haende-der-ultras-im-geschaeft-mit-dem-fussball.php#more-1298" target="_blank">Die Hände der Ultràs im Geschäft mit dem Fussball</a> &#8211; eine kritische Betrachtung aus Italien. Der <em>New Yorker</em> beschreibt in einem ebenso ausführlichen Artikel, wie eine lyrische Verbindung die USA veränderte: <a href="http://www.newyorker.com/online/blogs/newsdesk/2010/08/sean-wilentz-bob-dylan-in-america.html" target="_blank">Bob Dylan und die Beats</a>.</p>
<p>Und: Die Enthüllung von <em>Nation of Swine</em> <a href="http://nationofswine.ch/2010/08/09/finanzen-wie-schlecht-steht-es-um-den-fc-st-gallen-wirklich/" target="_blank">über finanzielle Probleme im Umfeld des FC St. Gallen</a> hat zu einer regelrechten Berichterstattungslawine geführt (<em>St. Galler Tagblatt, Blick, 20 Min und NZZ am Sonntag</em>) &#8211; eine Zusammenfassung und Fortsetzung der Ereignisse, von «Filz und Misswirtschaft in der Arena» (<em>NZZ am Sonntag</em>) kommt dieser Tage an dieser Stelle.</p>
<p>Zumindest die Chefredaktion des <em>St. Galler Tagblatts</em> liest diesen Blog aber nicht. An dieser Stelle war bereits am Mittwoch Abend, 12. August, auf ein Interview mit der St. Galler SP-Nationalrätin Hildegard Fässler in der aktuellen <em>Wochenzeitung WOZ</em> hingewiesen worden, in welchem sie ihr Interesse an einer Bundesratskandidatur durchblicken liess: <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr32/schweiz/19616.html" target="_blank">«Der Job würde mich reizen»</a>. Am 14. August, also zwei Tage später, hatte das <em>St. Galler Tagblatt</em> als Fässlers Hauszeitung immer noch nichts davon mitbekommen. Blattmacher Stefan Schmid schrieb: «Nationalrätin Hildegard Fässler war zwar ferienhalber gestern nicht erreichbar. Früheren Aussagen zufolge dürfte sich aber auch bei der 59jährigen Rheintalerin das Interesse am Amt in engen Grenzen halten.» Hauptsache, keiner stört den breit gesponnenen Hype um die hausgemachte FDP-Topfavoritin Karin Keller-Sutter. Wir stören selbstverständlich weiter.</p>
<p>Und hier Daft Punk (ja, probier das mal daheim!):</p>
<p><object style="width: 550px; height: 350px;" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="550" height="350" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/K2cYWfq--Nw" /><embed style="width: 550px; height: 350px;" type="application/x-shockwave-flash" width="550" height="350" src="http://www.youtube.com/v/K2cYWfq--Nw"></embed></object></p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=2891&amp;md5=bfaf33f8a2ebf606e7a4f7f253f0766b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Bundesamt für Polizei visiert GC-Fans</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Feb 2010 17:30:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nationofswine</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p style="text-align: left;">*EXKLUSIV*</p> <p style="text-align: left;">Im soeben erschienenen Buch «<a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=66" target="_blank">Feld-Wald-Wiese. Hooligans in Zürich</a>» lässt sich Christoph Vögeli, Leiter Zentralstelle Hooliganismus zitieren, dass der Polizei die Ultraszene wegen ihrer Unübersichtlichkeit Mühe bereite. Dass die Polizei offenbar sehr gut informiert ist über Ultra-Gruppen und gar deren Reisepläne bis ins Detail kennt, zeigt ein Dokument des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><span style="color: #ff0000;">*EXKLUSIV*</span></p>
<p style="text-align: left;">Im soeben erschienenen Buch «<a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=66" target="_blank">Feld-Wald-Wiese. Hooligans in Zürich</a>» lässt sich Christoph Vögeli, Leiter Zentralstelle Hooliganismus zitieren, dass der Polizei die Ultraszene wegen ihrer Unübersichtlichkeit Mühe bereite. <strong>Dass die Polizei offenbar sehr gut informiert ist über Ultra-Gruppen und gar deren Reisepläne bis ins Detail kennt, zeigt ein Dokument des Bundesamts für Polizei (Fedpol), das </strong><em><strong>Nation of Swine</strong></em><strong> vorliegt.</strong> Die Bundespolizei hat das Dokument im Vorfeld eines Freundschaftsspiels des Grasshopper Club Zürich in Salzburg gegen Redbull im Januar 2010 den österreichischen Kollegen übermittelt. In Salzburg hat die Polizei das Dokument offenbar verloren. Seither kursiert es in der Fanszene.</p>
<p>Es ist ein Merkblatt mit ziemlich genauen Informationen über die Zürcher Fans. Es zeigt, dass das Fedpol im Vorfeld nicht bloss die Reiseroute der Fans in Erfahrung gebracht hat, sondern auch die Kennzeichen der Reisebusse und die Formation: <strong>Bus ZH 321 093 Kässbohrer Setra werde laut Fedpol «an der Spitze des Konvois» fahren.</strong> Zudem wusste die Bundespolizei im Vorfeld, dass 300 bis 400 GC-Fans anreisen, davon «50 &#8211; 100 Risikofans», «Kleidung inklusive Kapuze schwarz», «zum Teil Blau/weiss gestreifte Sturmhauben». Gruppierungen: «Blue Side Züri», «Blue-White Bulldogs Zürich». Das Fedpol informierte die österreichischen Kollegen, dass vier Reisebusse bestätigt seien (inklusive aller Kennzeichen), in denen 200 Ultra-Fans anreisen würden. Abfahrt sei um 6 Uhr morgens. Zudem warnte die Bundespolizei: <strong>«Ein weiterer Reisebus mit maximal hundert Ultras wird bereits um Mitternacht aufbrechen. Weitere Informationen zu diesem Reisebus konnten (noch) nicht erhältlich gemacht werden. Durch die nicht nachvollziehbare Abfahrtszeit und dem bisher unbekannten Abfahrtsort, ist der Feststellung dieses Busses besondere Priorität zuzuweisen».</strong></p>
<p>Die GC Fans zeichnen sich laut Fedpol durch «hohen Alkoholkonsum auf dem Weg zum Spiel und vor dem Stadion» aus und «sind bekannt für das Abfeuern von Pyrotechnik», wobei die Fans versuchten, das Sicherheitspersonal abzulenken, um Rucksäcke voller Feuerwerk ins Stadion zu werfen. «Grundsätzlich: Keine Waffen. Ultras bei hohem Alkoholkonsum gewaltbereit, zum Teil auch gewaltsuchend. Konsum von Cannabis-Produkten». <strong>Unter «Verschiedenes» heisst es, dass «der NFIP Schweiz noch in Abklärung ist, ob gegen einzelne Risikofans eine Ausreisebeschränkung für diesen Zeitraum ausgesprochen werden kann».</strong> Die GC-Fans unterhielten eine Fanfreundschaft mit Bregenz und «wie aus der Szene zugetragen wurde, soll noch eine alte Rechnung zwischen Salzburg- und GC-Fans offen sein».</p>
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