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	<title>Nation of Swine &#187; Konrad Hummler</title>
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		<title>Katastrophen-Franz für alle Fälle</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 10:06:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Gonzo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Steinegger]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad Hummler]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>NZZ: <a href="http://nationofswine.ch/2012/01/06/droht-nzz-boss-in-den-usa-verhaftung-die-konrad-hummler-story/" target="_blank">Konrad Hummler</a> ist Geschichte. Und wo in diesem Land <a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=ec974922-a2b1-4e68-94e4-45cb459131e7" target="_blank">die Katastrophe</a> ist, da ist <a href="http://nzzmediengruppe.ch/unternehmen/verwaltungsrat/steinegger-franz/" target="_blank">Franz Steinegger</a> nicht weit.</p> <p><a href="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2012/02/Hummler-Brief.jpg"></a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>NZZ: <a href="http://nationofswine.ch/2012/01/06/droht-nzz-boss-in-den-usa-verhaftung-die-konrad-hummler-story/" target="_blank">Konrad Hummler</a> ist Geschichte. Und wo in diesem Land <a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=ec974922-a2b1-4e68-94e4-45cb459131e7" target="_blank">die Katastrophe</a> ist, da ist <a href="http://nzzmediengruppe.ch/unternehmen/verwaltungsrat/steinegger-franz/" target="_blank">Franz Steinegger</a> nicht weit.</p>
<p><a href="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2012/02/Hummler-Brief.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-6113" title="Hummler-Brief" src="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2012/02/Hummler-Brief-411x555.jpg" alt="" width="411" height="555" /></a></p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=6112&amp;md5=e254a627c2e79584774200e64bf155a7" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Dreiste Marktradikale &#8211; 213 Schritte in den Untergang</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 12:57:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carlos Hanimann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bank Wegelin]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad Hummler]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Janssen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Es erstaunt mich immer wieder aufs Neue, mit welcher Dreistigkeit die marktradikalen Ideologen ihre Besitzinteressen bisweilen verteidigen. Jüngstes Beispiel: Der Zürcher Bankenprofessor Martin Janssen. Letzten Freitag tauchte er unerwartet an der Pressekonferenz zum Notverkauf der Bank Wegelin an die Raiffeisen auf. Das mediale Interesse war gross, die Journalisten umringten den engen Freund von Konrad Hummler, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es erstaunt mich immer wieder aufs Neue, mit welcher Dreistigkeit die marktradikalen Ideologen ihre Besitzinteressen bisweilen verteidigen. Jüngstes Beispiel: Der Zürcher Bankenprofessor Martin Janssen. Letzten Freitag tauchte er unerwartet an der Pressekonferenz zum Notverkauf der Bank Wegelin an die Raiffeisen auf. Das mediale Interesse war gross, die Journalisten umringten den engen Freund von Konrad Hummler, so dass man ihn fast schon für dessen Pressesprecher hätte halten können. Hummler selbst, der sich sonst nie für einen spitzen Kommentar zu schade ist, zog es vor, zu schweigen. Stattdessen jammert Janssen nun auf allen Kanälen, dass die Regierung, die Finma und überhaupt alle staatlichen Instanzen versagt hätten, weil sie sich nicht schützend vor den Finanzplatz (sprich: die Bank Wegelin) gestellt haben. Der Staat – sonst bei jeder Gelegenheit gegeisselt – hätte die Bank retten sollen, nachdem sie sich fahrlässig bis eventualvorsätzlich in die Scheisse geritten hatte. Wie sehr die Verantwortlichen die Bank Wegelin die Sache verbockt haben, kann man in der <a href="http://www.woz.ch/files/USAvsWegelinBanker.pdf" target="_blank">Anklageschrift (pdf)</a> gegen drei Wegelin-Banker nachlesen. Hummler stellt sich als <a href="http://www.sonntagonline.ch/ressort/aktuell/2105/" target="_blank">«Opfer einer grösseren Sache»</a> dar. Aber man muss es schon nochmal klarstellen: Hummler ist nicht Opfer, sondern Täter. Wer reichen Amerikanern hilft, Geld vor den Steuerbehörden zu verstecken, erfindet kein cleveres Geschäftsmodell. Er leistet Beihilfe zu einer kriminellen Tat.</p>
<p>213 Schritte – soweit mussten die US-Kunden gehen, um ihr Schwarzgeld von der von den USA bedrohten UBS in die vermeintlich sichere Bank Wegelin zu bringen. Mein Artikel über die Schwarzgeldstrategie von Konrad Hummler und das Ende der Bank Wegelin gibt es in der aktuellen <a href="http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2012/nr05/Wirtschaft/21716.html" target="_blank">WOZ.</a></p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=6090&amp;md5=5cc3ff388e9cf2477d59269f4593ad3d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>In Sachen Hildebrand, Landmann, Hummler, Beck</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 07:23:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Gonzo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad Hummler]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Hildebrand]]></category>
		<category><![CDATA[Valentin Landmann]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Konrad Hummler ist ein sehr interessanter Mann. Er hat mit seinem liberalen Gedankengut, welches das Schweizerische betont, seine Bank Wegelin vor der Katastrophe bewahrt. Er hatte nie das Gefühl, risikofreudiges American Banking betreiben zu müssen.</p> <p>Valentin Landmann, Anwalt von Herman Lei, im WOZ-Interview über seinen Jugendfreund, den Privatbanker</p> <p>+++ Fressen und gefressen werden im Fall [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Konrad Hummler ist ein sehr interessanter Mann. Er hat mit seinem liberalen Gedankengut, welches das Schweizerische betont, seine Bank Wegelin vor der Katastrophe bewahrt. Er hatte nie das Gefühl, risikofreudiges American Banking betreiben zu müssen.</p></blockquote>
<p>Valentin Landmann, Anwalt von Herman Lei, im WOZ-Interview über seinen Jugendfreund, den Privatbanker</p>
<p>+++ Fressen und gefressen werden im Fall Hildebrand: «Tagi»-Reporter Dario Venutti über <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Lei-zerstoerte-meine-Existenz/story/25059539" target="_blank">die dreckigen Deals im Thurgau</a>. +++ Und plötzlich ist <em>er</em> wieder da: Der Nation-of-Swine-Reporter traf Milieu-Anwalt Valentin Landmann einst <a href="http://www.woz.ch/artikel/2008/nr41/schweiz/16948.html" target="_blank">zum grossen Interview</a>. +++ Der Spass ist vorbei: Die NZZ <a href="http://knappdaneben.net/2012/01/stille-profiteure/" target="_blank">versucht sich</a> in Sachen Steuerhinterziehung in Journalismus, doch die Schlinge um den Hals von NZZ-Verwaltungsratspräsident Konrad Hummler <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/USAnklageschrift-gegen-Wegelin-enthaelt-mehr-Brisanz-als-vermutet/story/13353505" target="_blank">zieht sich zu</a>. Wie weit sind die Amerikaner angesichts leerer Staatskassen bereit zu gehen? +++ Und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=3KsuutcuxGY" target="_blank">Beck</a>.</p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=5863&amp;md5=82d5de02d286d7dd5168913c07992a3a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Droht NZZ-Boss in den USA Verhaftung? Die Konrad-Hummler-Story</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 14:14:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Gonzo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Dave Zollinger]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad Hummler]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Es ist ein offenes Geheimnis: Bank-Wegelin-Geschäftsführer und NZZ-Verwaltungsatspräsident Konrad Hummler reist nicht mehr in die USA. In jene USA, die sich rechtsstaatlich immer mehr ins Mittelalter katapultieren. So hat Barack Obama, angetreten mit dem zentralen Wahlversprechen, das Lager Guantanamo am ersten Tag seiner Amtszeit zu schliessen, dem Lager dieser Tage eine unbestimmte Laufzeitverlängerung erteilt. So [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein offenes Geheimnis: Bank-Wegelin-Geschäftsführer und NZZ-Verwaltungsatspräsident Konrad Hummler reist nicht mehr in die USA. In jene USA, die sich rechtsstaatlich immer mehr ins Mittelalter katapultieren. So hat Barack Obama, angetreten mit dem zentralen Wahlversprechen, das Lager Guantanamo am ersten Tag seiner Amtszeit zu schliessen, dem Lager dieser Tage eine unbestimmte Laufzeitverlängerung erteilt. So können dort auch künftig Verdächtige ohne Prozess unbestimmt lange gefangen halten werden. Aber nicht der Protest gegen diese rechtsstaatlich höchst bedenklichen Tendenzen ist der Grund für Hummlers USA-Absenz, sondern eher die Angst, selbst in Guantanamo zu landen. So schlimm wird es wohl nicht kommen, <a href="http://nationofswine.ch/2012/01/04/die-nzz-verschweigt/" target="_blank">doch wurde diese Woche publik</a>, dass drei von Hummlers Banker in New York wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung und Verschwörung gegen die USA angeklagt sind. Mit der Einreise in die USA würde Hummler ein Risiko eingehen. Ein Verwaltungsratspräsident eines traditionell stark Pro-USA orientierten Unternehmens, der nicht mehr in die USA reisen kann? Wer also ist dieser Konrad Hummler? Wir haben eine Antwort: Vor drei Jahren hat Journalist Kaspar Surber im Ostschweizer Kulturmagazin Saiten einen Text veröffentlicht, der sich intensiv mit Hummler beschäftigte und mitunter aufzeigte, dass dem Mann die halbe St.Galler Altstadt gehört. Und noch viel mehr. Der Text warf in der Ostschweiz erhebliche Wellen, und Konrad Hummler kündigte Saiten vorübergehend die Werbeaufträge. Aus aktuellem Anlass stellen wir diesen Text erstmals ins Netz, in dem es etwa heisst: «Die Geschichte von Konrad Hummler ist nicht die Geschichte eines Querdenkers, wie ihn die Medien gerne darstellen. Es ist eine Geschichte von Käuflichkeit: Von Liegenschaften, von Kultur, von Politik, von Ideologie und von Menschen.»</p>
<p><span id="more-5814"></span></p>
<p><strong>Hummlers Hofstaat</strong></p>
<p><strong>Was erzählen ein Staatsanwalt, ein Architekt, ein Dirigent, ein Lobbyist und ein Redaktor über den Privatbanker Konrad Hummler, der innert zehn Jahren zum St.Galler Feudalherrscher aufgestiegen ist? Natürlich nur das Allerbeste. Nur ist das höchst unerfreulich. </strong></p>
<p><strong></strong><em>von Kaspar Surber</em><strong></strong></p>
<p>Der Mann gegenüber heisst Dave Zollinger. Er wirkt nervös. Neben ihm sitzt eine PR-Frau. Als wir uns verabredet hatten, war von ihrer Anwesenheit keine Rede.</p>
<p>Vor drei Jahren ist im deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» ein bemerkenswerter Artikel erschienen. Das Thema war das Schweizer Bankgeheimnis, zwei Antipoden standen sich gegenüber: hier Konrad Hummler, Teilhaber der Privatbank Wegelin &amp; Co., in seiner «herrschaftlichen» Bank mit «holzgetäfelter» Schalterhalle. Hummler, der Verfechter des Bankgeheimnisses. Dort Dave Zollinger, Chef der Geldwäscherei- und Rechtshilfeabteilung der Zürcher Staatsanwaltschaft, über einer «Autovermietung in einem gräulichen Bürogebäude». Zollinger, der kritische Ermittler.</p>
<p>In diesem Frühling 2010 sitzt Zollinger nicht mehr im gräulichen Bürogebäude, sondern in einem Sitzungszimmer nahe beim Paradeplatz. Es ist die Zürcher Niederlassung von Wegelin. Einen Monat nach Erscheinen des Artikels hatte der Staatsanwalt gekündigt und wurde in die Geschäftsleitung der Privatbank aufgenommen.</p>
<p><strong>Herr Zollinger, wie ist es zu diesem Stellenwechsel gekommen?</strong></p>
<p>«Ich hatte mich 2007 um das Amt des Bundesanwaltes beworben und war bis in die letzte Runde gekommen. Es war mir klar, dass der Entscheid ein politischer und nicht nur ein fachlicher sein würde. Ich bin bei der SVP, Christoph Blocher war damals Justizminister. Ich musste annehmen, dass er sich nach dem Entscheid nicht den Vorwurf der Vetternwirtschaft gefallen lassen konnte. Also brauchte ich einen Plan B.»</p>
<p><strong>Wie sah er aus?</strong></p>
<p>«Mit meinem Hintergrund, als spezialisierter Staatsanwalt auf Finanzmarktdelikte, blieb als Alternative nur ein Finanzinstitut. Konrad Hummler war mir schon früher aufgefallen. Seine Ansichten fand ich cool, untypisch. Also habe ich ihm geschrieben: ‹Ich kandidiere für das Amt des Bundesanwaltes. Bei ihrer Bank möchte ich auch gerne arbeiten.› Es folgten zwei längere Gespräche mit ihm und seinem Partner Otto Bruderer. Mit dem ‹Spiegel›-Artikel hat sich das überschnitten.»</p>
<p><strong>Sie waren sieben Jahre lang Chef der Zürcher Geldwäscherei- und Rechtshilfeabteilung. Welches war Ihr interessantester Fall?</strong></p>
<p>«Im Alltag ging es meist um Rechtshilfeverfahren mit Deutschland: Zur Hälfte waren Bankunterlagen das Thema. Es gab auch spezielle Sachen: 2003 konnten wir hundert Millionen Potentatengelder Peru zurückschaffen. Wir hatten auch eine Reihe grösserer Korruptionsverfahren zu bewältigen.»</p>
<p>Zollinger beugt sich nach vorne und lacht: «Aber Wegelin habe ich ja nicht im Rahmen eines Verfahrens kennengelernt. Damit hatte das alles nichts zu tun.»</p>
<p><strong>Es geht doch darum: Sie stellen Ihr ganzes Know-How in der Strafverfolgung von Steuerdelikten einer Privatbank zur Verfügung. </strong></p>
<p>«Sicher. Aber was ist daran zu kritisieren?»</p>
<p><strong>Wie setzen Sie ihr Wissen ein? Ihre jetzige Tätigkeit ist mit «Neue Märkte» umschrieben. </strong></p>
<p>«Es geht um neue Märkte für Wegelin, ausserhalb des deutschsprachigen Raums. Welche genau, das kommunizieren wir nicht nach aussen. Bei den meisten Banken arbeiten Fachleute wie ich im Rechtsdienst, doch das ist reaktiv. Meine Aufgabe ist es, Risiken im Voraus vermeiden zu helfen. Vorne an der Front.»</p>
<p><strong>Sie sagen, vorne an der Front. Sie sind Mitglied der Geschäftsleitung. Wie lukrativ war das Angebot von Wegelin?</strong></p>
<p>«Im Vergleich dazu, was man beim Staat verdient, ist fast alles lukrativ. Wobei Wegelin noch eine bescheidene Bank ist. Es ist ein Teil des Geschäftsmodells, die Mitarbeiter nicht primär über den Lohn zu motivieren. Ich würde sagen: Ich verdiene anständig, aber nicht unanständig.»<strong></strong></p>
<p>Dave Zollinger schreibt auch Artikel für die «Weltwoche», in denen er eine Abgeltungssteuer fordert. Diese Steuer ist der Vorschlag seines Chefs, um das Bankgeheimnis zu retten. Zollinger sagt: «Ich war schon immer für den Grundsatz: Geld statt Daten.»</p>
<p>Und dann sagt er noch: «Welche Lösung man auch immer findet, um zu Weissgeld zu kommen: Es kann immer nur darum gehen, die Richtung anzugeben. Das Verhalten der Menschen lässt sich nicht mit Gesetzen alleine ändern. Das Gesetz gilt nur für die Dummen, Armen und Ehrlichen. Wer reich oder intelligent genug ist, wird immer einen Weg durch die Maschen finden.»</p>
<p><strong> </strong><strong>«Querdenker»</strong></p>
<p>Das ist die Geschichte über Konrad Hummlers Rolle in St.Gallen und darüber hinaus. Ich habe sie journalistisch recherchiert. Aber ich schreibe sie auch als einer von 74&#8217;000 Einwohnern dieser Stadt. Wir haben hier ein massives demokratisches Problem.</p>
<p>In seinem Umfeld und von den meisten Medien wird er gerne als «Querdenker» bezeichnet: Konrad Hummler, 57, aufgewachsen als Sohn des freisinnigen Stadtpräsidenten Alfred Hummler. Studium der Rechtswissenschaft in Zürich, daneben Chefredaktor der «Schweizerischen Hochschulzeitung». Begeisterter Militarist, bis zum Oberst im Generalstab. Aufstrebendes Kadermitglied bei der damaligen Bankgesellschaft, bis ins Vorzimmer von Robert Holzach (als persönlicher Assistent allerdings vor allem mit dem Umbau der bankeigenen Liegenschaften am Zürcher Rennweg beschäftigt). Seit 1991 ist Hummler Teilhaber der Bank Wegelin.</p>
<p>Was hat es auf sich mit dem «Querdenker»? Als 1974 die Studentenzeitschrift «Prisma» die Frauenbefreiungsbewegung FBB eine Sondernummer gestalten liess, mit einer nackten Frau auf dem Cover und aus heutiger Sicht moderaten Texten, reagierte Hummler in seiner Hochschulzeitung heftig: «Das FBB-‹Prisma› ist einfach unanständig oder zutreffender saumässig.»</p>
<p>Als 1989/90 der Fichenstaat, der mehr als 900&#8217;000 Bürgerinnen und Bürger überwachte, aufgeflogen war, veröffentlichte der «Trumpf Buur» (eine Werbeaktion der Kalten Krieger) die Broschüre «Staatsschutz im freiheitlichen Staat». Die Autoren waren Konrad Hummler als Präsident von «Trumpf Buur» sowie Peter Weigelt, sein Geschäftsführer und späterer FDP-Nationalrat. In der Broschüre wird die weitere Notwendigkeit des Staatschutzes begründet, als Feindbilder werden neuerlich Linke beschworen.</p>
<p>Als im Sommer 2009 mit der Herausgabe von UBS-Kundendaten an die USA die Unterscheidung von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung bereits gefallen war, proklamierte Konrad Hummler die Idee seiner Abgeltungssteuer und gab den Ausstieg aus dem Amerika-Geschäft bekannt. Als Jugendlicher stand Hummler übrigens bei Vietnam-Demonstrantionen mit dem Megafon am Strassenrand und rief Pro-Amerika-Parolen.</p>
<p>Man kann das alles quer gedacht nennen. Oder auch einfach zeitlich verpeilt. Hummler kommt regelmässig zu spät, aber das mit lautem Geschrei. Je weiter weg von St.Gallen, desto erbarmungsloser wird die Kritik. «Alle sind ahnungslos, ausser Konrad Hummler», spottete kürzlich Daniel Binswanger, der politische Kolumnist des «Tages-Anzeiger»-Magazin.</p>
<p>Die Geschichte von Konrad Hummler ist nicht die Geschichte eines «Querdenkers». Es ist eine Geschichte von Käuflichkeit: von Liegenschaften, von Kultur, von Politik, von Ideologie und von Menschen.</p>
<p><strong>Feudalismus</strong></p>
<p>Wegelin &amp; Co. bezeichnet sich mit Gründungsjahr 1741 gerne als älteste Bank der Schweiz. Im historischen Lexikon der Schweiz lässt sich nachlesen, dass es schon früher Banken gab, beispielsweise den Basler Stadtwechsel. Korrekt wäre es allenfalls, von der ältesten noch existierenden Bank zu sprechen. Im Gegensatz zu den noblen Genfer Privatbanken blieb sie zudem lange Zeit nur das Nebengeschäft von Textilhändlern: Erst Ende des 19. Jahrhundert konzentrierte man sich auf die Vermögensverwaltung.</p>
<p>Im Grunde hat Wegelin eine kurze Geschichte, die vom Aufstieg der Finanzwirtschaft zur Leitindustrie erzählt: Als Konrad Hummler 1991 bei der Bank eingestiegen ist, zählte sie dreissig Mitarbeitende und verwaltete ein Anlagevermögen von einer Milliarde Franken. 2003 waren es bereits 230 MitarbeiterInnen und sieben Milliarden. Heute sind es rund 700 Mitarbeiter und 26 Milliarden. In der Finanzkrise wird man vom Geldabfluss bei den Grossbanken profitiert haben.</p>
<p>Weitere Zahlen gibt Wegelin nicht bekannt, eine Privatbank ist nicht zu einem Geschäftsbericht verpflichtet. Die PR-Frau lässt mitteilen, man «kommuniziere entsprechend zurückhaltend über die Aufteilung des verwalteten Vermögens in Bezug auf Kundenkategorien und Anlageklassen.» Man bittet «diesbezüglich um Verständnis».</p>
<p>Um den Erfolg von Wegelin zu verstehen, empfiehlt sich ein kurz vor dem Ausbruch der Krise erschienen Buch: «Reichtum ohne Leistung – Die Feudalisierung der Schweiz» des pensionierten Zürcher Kantonsstatistikers Hans Kissling. Darin rechnet er vor, dass im Jahr 2003 im Kanton Zürich hundert Vermögende gleich viel besessen haben wie drei Viertel der übrigen Steuerzahler. Der Konzentrationsfaktor des Vermögens beim reichsten Prozent stieg von 1991 bis 2003 um 71 Prozent, beim Mittelstand nur um 21 Prozent. Der Anteil der Vermögenslosen nahm im Zeitraum deutlich zu.</p>
<p>Kissling schreibt: «Zu den Reichsten gehören in zunehmenden Masse Personen, die sehr grosse Vermögen geerbt haben. Die Vererbung grosser Reichtümer ist ein Mechanismus, der eine zentrale Komponente des Feudalismus bildete. Der Reichtum in der Schweiz erhält so mehr und mehr eine feudale Komponente. Auch die Ungleichheit, die sich in der Verteilung der Einkommen spiegelt, ähnelt immer mehr den Verhältnissen im ehemaligen Feudalismus.» Kisslings Forderung: eine Erbschaftssteuer.</p>
<p>Steuerhinterzogene Gelder tauchen in solchen Berechnungen nicht auf. Und der internationale Steuerwettbewerb beschleunigt die Feudalisierung erst noch. Konrad Hummler hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass bei ihm Schwarzgeld liegt: Die grosse Mehrheit von ausländischen Anlegern umgehe die Steuerpflicht.</p>
<p>Börsenboom und die Verwaltung von feudalen, hinterzogenen Vermögen: Das scheint der Erfolg von Wegelin zu sein. Die Teilhaber der Bank wurden selbst zu Superreichen. Gemäss der Wirtschaftszeitschrift «Bilanz» beträgt ihr Vermögen 300–400 Millionen Franken. Wegelin, das ist eine der Umverteilungsmaschinen von unten nach oben – und sie nimmt in St.Gallen immer mehr Raum ein.</p>
<p><strong>Sein Architekt – und die Liegenschaften</strong></p>
<p>«Als es erste kleine Sachen zu tun gab, fragte mich Konrad Hummler an. Heute gehe ich bei Wegelin ein und aus, wie wenn ich selbst ein Banker wäre», sagt Riccardo Klaiber, Architekt. «Ich kenne ihn aus der gemeinsamen Pfadi- und Schulzeit. Konrad Hummler hat ein fundiertes Architekturverständis. Es geht uns stets darum, historische Bausubstanz mit dem Image einer modernen Betriebskultur zu verbinden.» Rund um das Hauptgebäude der Bank Wegelin am Bohl ist in nur einem Jahrzehnt Hummler-Town entstanden. Schwertgasse 1, 3 und 5, Torstrasse 7: Wo früher in der nördlichen Altstadt auf Dutzenden von Etagen gewohnt wurde, finden sich heute Büros.</p>
<p>Man kann auch sagen: Wo es früher ein Gassen- und Kulturleben gab. Die Schwertgasse 3 war das «Haus zur letzten Latern»: Ein Bohème-Lokal mit Lithographien von H.R. Giger, die Anfang der Neunziger von der Gewerbepolizei als anstössig empfunden und entfernt wurden. 2005 wurde das ganze Lokal entfernt, man findet heute nicht einmal mehr den Eingang. Ebenfalls Büros. Und wo ist eigentlich Emri hin, der letzte Kellner?</p>
<p>An der Torstrasse 25 befand sich die Discothek Barracuda. Der Rapper Odium hat hier zusammen mit DJ TheDawn jeweils zu Plattentaufen geladen: schräge Konzerte inmitten von Korallenriffen aus Papiermaché. Ebenfalls Büros. Im Keller befanden sich Proberäume. «Dort muss jetzt ein Tresor sein, ich habe gesehen, wie sie die Bunkertüre runtertrugen», erzählt ein Verkäufer im Z-Records.</p>
<p>Aus der Kirche St.Katharinen und dem Nebenhaus mit Hof sollen eine Oase der Stille und Konferenz- und Ausbildungsräume werden. Als die Stadt die Theatervilla an der Museumsstrasse 1 umbauen wollte, bot Konrad Hummler drei Millionen Franken für das Baurecht von dreissig Jahren. Ein «grosszügiges Angebot», hiess es in der Parlamentsvorlage, und dass er die Gesamtrenovation dazu bezahle. In die repräsentative Villa wollen sich Hummler und seine Teilhaber im Alter zurückziehen, um ihre vermögenden Kunden zu betreuen.</p>
<p><strong>Für eine lebendige Stadt</strong></p>
<p>Der kritische Punkt ist der: Um der Immobilienspekulation Einhalt zu gebieten, wurde Mitte der Achtziger ein Nutzungsplan für die Altstadt erlassen. Dieser schreibt den Anteil der Wohngeschosse für jede Liegenschaft vor. Die Schwerpunkte liegen in der nördlichen und südlichen Altstadt. Dabei wurden zwei Kompromisse getroffen: Zum einen kann Wohnraum in andere Gebäude transferiert werden. «Die Bank Wegelin hat den Wohnanteil stets ordnungsgemäss transferiert», heisst es auf dem Amt für Baubewilligungen. Wohin? Diese Information untersteht dem Amtsgeheimnis.</p>
<p>Der zweite Kompromiss lautete, dass bestehende Betriebe den Nicht-Wohnanteil auch erhöhen können, sofern sie den Wohnraum nicht mehr verschieben können. Dabei hat man vielleicht an eine Metzgerei oder ein Elektrogeschäft gedacht. Aber kaum an eine Bank. Beim Umbau der Katharinenkirche, erzählt ein Anwohner, berufe sich Wegelin erstmals auf den Passus. Der Fall liegt vor dem Verwaltungsgericht.</p>
<p>Die Ausdehnung von Wegelin beschränkt sich nicht mehr nur auf die nördliche Altstadt. Im neuen Rösslitor-Gebäude hat sie sich ebenfalls in drei Stockwerke eingemietet. «Wir haben ein Interesse an der Bank, dazu stehen wir», sagt Bausekretär Fredi Kömme. «Sie bietet gut qualifizierte Arbeitsplätze an.» Aber, und dieser Satz lässt aufhorchen: «Wir brauchen eine Entlastung in der Altstadt. Es wäre zu begrüssen, wenn der Hauptsitz hier und die Büros in Geschäftshäusern ausserhalb liegen würden.»</p>
<p>«Es ist sehr ruhig in unserem Quartier», sagt ein Anwohner. «Und das meine ich nicht positiv. Es ist das Gegenteil von Stadt.» Der einzige Beitrag zum öffentlichen Leben von Wegelin ist ein Café mit dem zynischen Namen «Nonolet» (Geld stinkt nicht).</p>
<p>Gerade als ich diesen Text schreibe, meldet sich der pensionierte Kantonsstatistiker Kissling im «Tages-Anzeiger» zu Wort: «Die Verödung der City ist kein Naturgesetz», schreibt er. Die Banken und Galerien sollen sich nicht überall in Zürich breitmachen. Entsprechend den Plänen für Wohnungen könne man doch auch solche mit Nutzungen entwerfen, «die für eine lebendige Stadt von Bedeutung sind.» Mit Restaurants und Läden für den täglichen Bedarf beispielsweise.</p>
<p>Unter der Schwertgasse führt übrigens ein Tunnel durch, der das Bank-Hauptgebäude mit weiteren Büroräumlichkeiten verbindet. Das Privathaus von Hummler wiederum steht in Teufen, einer der steuergünstigsten Gemeinde der Schweiz. Und die Druckerei für seinen Anlagekommentar, der sieben Mal jährlich in einer Auflage von 70&#8217;000 Exemplaren erscheint, in Gossau. Dazu gehört auch eine eigene Spedition. Die Kundennamen sollen geheim bleiben.</p>
<p><strong>Sein Dirigent – und die Bachstiftung</strong></p>
<p>«Bach war unter ständigem Druck der Stadtväter und viel eingeschränkter als ich», sagt Ruedi Lutz. Seine Stimme hat einen angenehmen Singsang. «Ich bin ein glücklicher Bach-Dirigent, und das habe ich Konrad Hummler zu verdanken.» 2001 wurde Lutz angefragt, ob er alle 200 Kantaten von Johann Sebastian Bach aufführen möchte. Für den Gottesdienst geschrieben, loten die Bachkantaten die existenziellen Fragen musikalisch aus. «Ich wusste, dass dies eine Riesenaufgabe würde. Ich brauchte einige Jahre, bis ich zusagte», erinnert sich Lutz.</p>
<p>Seit 2006 wird nun monatlich eine Kantate in der evangelischen Kirche in Trogen aufgeführt. Drei Agentinnen sind für die Zusammenstellung der Sängerinnen und Musiker zuständig. Die Kantaten werden jeweils zweimal aufgeführt, dazwischen gibt es eine sogenannte Reflexion einer bekannten Persönlichkeit. Bis alle Kantaten aufgeführt sind, wird es noch gut zwanzig Jahre dauern. Die Beschäftigung mit diesen «bekannten Unbekannten» sei mittlerweile zu seiner Haupttätigkeit geworden, sagt Lutz. Gerne möchte er die Vermittlung an Junge ausbauen. Hummler hat für das Unterfangen eine eigene Bachstiftung geäufnet. Es dürfte fünfzehn bis zwanzig Millionen Franken kosten. Das Jahresprogramm legen Hummler und Lutz jeweils an einem Truthahnessen nach Weihnachten fest. Den Truthahn bereitet der Banker zu.</p>
<p>Kritische Klassikfreunde sagen: Weil es in St.Gallen kein Konservatorium gäbe, habe hier eine grosse Lücke in der historischen Aufführungspraxis bestanden. Diese sei nun durch die Bachstiftung besetzt, was zu begrüssen sei. Aber Kulturstiftungen, erst recht solch gut ausgestattete, seien doppelt heikel: Zum einen, weil sie eine Möglichkeit bieten, keine Steuern zu zahlen. Steuern, die letztlich auch einer öffentlichen Kulturpolitik zugute kommen würden. Zum andern, weil bei Stiftungen keine Transparenz herrscht, wer unterstützt wird und wer nicht. Das führe zu einer feudalen Kulturförderung. Erkennbar unterstützt die Bach-Stiftung nur ihr eigenes Projekt.</p>
<p>Von ausserhalb der Klassik könnte man noch die Frage aufwerfen, was eine Kunst mit dem Hang zur Vollständigkeit und Vollendung eigentlich bedeutet. Die Aufführungen der Bach-Stiftung gibt es demgemäss alle auch auf DVD, einzeln oder im Jahresschuber.</p>
<p><strong>Sein Lobbyist – und der Mindestlohn</strong></p>
<p>«Konrad Hummler ist für mich ein extrem wichtiger Gesprächspartner», sagt Kurt Weigelt, Direktor der Industrie- und Handelskammer IHK. «Wir haben die gleiche Meinung und wir marschieren parallel.» 2004 war Hummler als erster Nicht-Textiler zum Präsidenten der IHK gewählt worden. Als neuer Direktor wurde Weigelt eingesetzt. Vom Vorstand, wie er betont, und nicht von Hummler allein.</p>
<p>Aber der hat ja gewusst, das er sich auf die Weigelts als Geschäftsführer verlassen kann: Kurt ist der Bruder von Trumpf-Buur-Peter. In seiner Dissertation hat sich Kurt Weigelt mit der Finanzierung von politischen Parteien beschäftigt. Er war als Papeterist (und als Parkgaragenpromotor) tätig gewesen. Nun will er bei der IHK die Möglichkeit nutzen, «das politische System im Sinn der Wirtschaft zu beeinflussen». Und er machte sich bereits dahinter, zum Beispiel als Arbeitgeber-Vertreter in der tripartiten Kommission.</p>
<p>Um nachher alles zu verstehen, sind zwei Begriffe zu klären: Eine tripartite Kommission ist zuständig für die Überwachung gegen Lohndumping. Sie setzt sich aus je drei Vertretern von Kanton, Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmern zusammen. Der Referenzlohn wiederum ist ein Vergleichswert, was nach Ort und Branche für eine bestimmte Arbeit bezahlt wird. Ende letzten Jahres wurde nun bekannt, dass die tripartite Kommission beschlossen hat, dass Lohndumping erst zwanzig Prozent unterhalb des Referenzlohnes beginne. So gibt es selbstverständlich kaum mehr Lohndumping. Wie eine schweizweite Umfrage zeigt, steht der Kanton St.Gallen mit dieser Auslegung allein da.</p>
<p>Auf das Thema angesprochen, reagiert Weigelt etwas ungehalten: Eine Gewerkschaftslüge zulasten des Wirtschaftsstandortes St.Gallen sei das! Mehr dürfe er als Kommissionsmitglied aber nicht sagen, bevor der Regierungsrat eine Anfrage zum Thema beantwortet habe. Peter Hartmann, Gewerkschafter und SP-Kantonsrat, hat sie eingereicht. Der sagt: «Die Handelskammer fuhr schon immer einen harten Kurs, unter der neuen Führung hat er sich noch verschärft.»</p>
<p>Den ideologischen Hintergrund zum Konflikt kann man im letzten «IHK-Standpunkt» nachlesen. Dieser wird vom Vorstand und dem Präsidenten abgesegnet. «Arbeit statt Mindestlöhne» ist der Titel. Demnach werden zwangsläufig Arbeitsplätze vernichtet, wenn Löhne im unteren Bereich erhöht werden. Demnach sind die Jungen auch nicht wegen der Krise arbeitslos, sondern weil sie zu hohe Löhne fordern. Demnach, könnte man ergänzen, muss man Lohndumping auch nicht kontrollieren.</p>
<p><strong>Sein Redaktor – und die Ideologie</strong></p>
<p>«Ich habe beim ‹St.Galler Tagblatt› als Redaktor im Hintergrund-Ressort gearbeitet, sozusagen als Hausphilosoph. Dort habe ich Interviews mit verschiedenen Persönlichkeiten geführt, Günter Netzer, Jan Assmann oder Reinhold Messner. Irgendwann sind mir die Anlagekommentare von Konrad Hummler aufgefallen, ich fand sie frisch, frech und gescheit. So habe ich auch ihn für ein Interview angefragt. Ich hatte den Eindruck, er habe schon auf mich und den Anruf gewartet», sagt René Scheu. Man habe sich öfters auf ein Glas Wein getroffen, und 2006 habe ihn Hummler, Präsident des Vorstands der «Schweizer Monatshefte», gefragt, ob er nicht Mitherausgeber der Zeitschrift werden möchte. «Zuerst sagte ich nein, dann aber hat es mich gereizt, hinauszugehen und mich auf dem freien Markt als Publizist zu behaupten.»</p>
<p>«Die Monatshefte», sagt Scheu, «sollen eine Debattenzeitschrift sein. Das können wir, weil wir eine klare Haltung vertreten, die sich aus der Tradition des Liberalismus nährt. Die Kategorien links und rechts sind für mich ohnehin überholt. Wir sind wirtschafts- und gesellschaftsliberal. Pro Kiffen, pro Markt. Unsere Gegner sind die Sozialisten und die Konservativen, die immer stärker zusammenspannen.»</p>
<p>In den nächsten fünf Jahren will Scheu die Zeitschrift auf ein solideres Fundament stellen: Zurück zur monatlichen Auflage, eine Verdreifachung der Auflage von heute 3000 Exemplaren. Er betont noch: «Konrad Hummler zahlt keinen Rappen an die Monatshefte.»</p>
<p>Was die Monatshefte wollen, ist in einer eigentlichen Schlüsselnummer von 2005 nachzulesen: «Jenseits von Liberalismus light». Marina Masoni schreibt über liberale Reformen. Die ehemalige Finanzchefin des Kantons Tessin arbeitet heute ebenfalls in der Wegelin-Geschäftsleitung, ein vergleichbarer Fall wie Zollinger. Wer auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, wird von Masoni als «Nutzniesser» mit «Partikularinteressen» abgestempelt. Eine weitere Autorin ist Adriana Ospel, sie schreibt unter dem Titel «Den Staat entschlacken» über den Service public: Der Staat soll nur noch aus der Ministerialverwaltung und den Trägern hoheitlicher Gewalt bestehen. Der Rest wird privatisiert. Die St.Galler Justizchefin Karin Keller-Sutter fordert im Stakkato mehr Sicherheit: «Wir Freisinnigen haben immer für die Grundrechte gekämpft, aber was sich gewisse Kreise unter Berufung auf diese Grundrechte herausnehmen, ist schlicht kriminell». So schliesst sich der Bogen zum Staatsschutz-Büchlein.</p>
<p><strong>Dass diese Stadt nicht käuflich ist</strong></p>
<p>Konrad Hummler und die Medien: Bei der «NZZ» sitzt er im Verwaltungsrat. Financier Titto Tetamanti war bis 2006 eingetragen in die Wegelin Fondsleitung AG und ist ein persönlicher Bekannter: Er hat die «Weltwoche» gekapert und jetzt die «Basler Zeitung». Am liebsten aber schreibt Hummler selbst, meist Kommentare und Vorworte, und am liebsten spricht Hummler selbst, meist in Interviews. Seine Sprache ist dabei voll von militärischen Metaphern: von Kompanienapoleons, von Feldherrenhügeln, von Operationsplänen. Stets soll eine Ordnung hergestellt werden. Aber welche? «Jeder Franken, der am Staat vorbeigeht, ist ein gut eingesetzter Franken», hat Konrad Hummler einmal gesagt.</p>
<p>Die Taktik der Vätergeneration im Kalten Krieg war der Ausschluss der Kritiker: Bis der Fichenstaat implodierte. Die Taktik der Söhne ist der Einschluss: Wer talentiert ist oder gefügig oder beides, wird kontaktiert. Die Aussagen von Zollinger, Klaiber, Lutz, Weigelt und Scheu zeigen: Die Vorzüge des selbstbestimmten Arbeitens, etwa Selbstentfaltung oder Teilhabe, sind mit Hummler durchaus zu haben. Und eine gewisse Freudigkeit kann man ihm bestimmt nicht absprechen. Doch ist, was sich hier historisierend, aufgeschlossen und unideologisch gibt, zutiefst reaktionär und rechts: Man strebt nach Geld und Glück und Vollkommenheit. Freiheit und Brüderlichkeit! Gleichheit und Gerechtigkeit hingegen negiert man. Über die Dummen, die Armen und die Ehrlichen wird gespottet.</p>
<p>Im Grunde ist es rücksichtslos: Wohnungen und Bars und öffentliches Leben weg, Mindestlöhne und Lohnkontrollen weg, und das Wissen letztlich der Bürger um Geldwäscherei gleich auch noch weg. Stattdessen weiterhin Steuerhinterziehung und viel verbrämte Ideologie und Bachkantaten für alle.</p>
<p>Hummler, der Superreiche, der eine Lohndumping-Politik mitverantwortet: Anstelle der Demokratie soll es einen Hofstaat geben. Es ist auch eine fast reine Männergeschichte.</p>
<p>Ich habe für diesen Artikel nicht mit Konrad Hummler gesprochen. Es könnte das erste Mittel gegen den Feudalismus sein: nicht mitzumachen.</p>
<p>*</p>
<p><strong>Kaspar Surber</strong>, 1980, war bis 2005 «Saiten»-Redaktor und arbeitet heute bei der «Woz». Als Betreiber des Konzertlokals «Frohegg» war er einmal mit Manuel Stahlberger zu Konrad Hummler eingeladen. Hummler fragte sie an, ob man zusammen im Waaghaus eine Kulturbeiz betreiben wolle. Sie haben abgelehnt.</p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=5814&amp;md5=f81fd0791c92c25c222dccf7fece0632" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Breaking-News-Modus: Off</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 22:57:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oscar Acosta</dc:creator>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bank Sarasin]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad Hummler]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Hildebrand]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei der Hildebrand-Affäre gibt es bislang wenig Fakten, dafür Petarden: viel Lärm, viel Nebel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal hasse ich diesen Job. Wirklich. Die Hektik, das Durcheinander, die Verwirrung, der Schwachsinn … Aber vielleicht ist es gerade das, was den Beruf ausmacht. Und wie immer, wenn einem dieses Geschäft zuwider wird, dann lohnt es sich, den alten Doc zu fragen. Und der sagte ja schon vor langer Zeit, dass nur Amateure Freude am Schreiben hätten – frag mal eine alte Hure, ob sie Spass am Ficken hat …</p>
<p>Wie auch immer: Es herrscht derzeit ein Riesendurcheinander und bei den ganzen Breaking-News-Petarden, die überall gezündet werden, hört man bald seine eigene Stimme nicht mehr. Aber eben: Bislang handelt es sich vor allem um Petarden – viel Lärm, viel Nebel. Was die meisten nützlichen Idioten meiner Branche als investigative Recherche bezeichnen ist meist nur instrumentalisierte Berichterstattung von der einen oder der anderen Seite – das betrifft den Chefredaktor der <em>NZZ am Sonntag</em> und die Ressortleiterin der <em>Sonntagszeitung</em> ebenso wie den eigentlich pensionierten Bundeshausredaktor der <em>Weltwoche</em>.</p>
<p>Die <em>Weltwoche </em>ist zwar die einzige Zeitung, die Dokumente vorgelegt hat (auch wenn diese wohl über einen wenig originellen Weg Eingang in die Redaktionsstube fanden). Aber belegbare und belegte Fakten sind in der Devisenaffäre um den Nationalbankpräsidenten Hildebrand bislang eher rar gesät. Und die wenigen, die seit einiger Zeit klar sind (zum Beispiel, das sowohl Herr als auch Frau Hildebrand für die besagten Konti bevollmächtigt sind, ergo beide Aufträge erteilt haben können), werden auch nicht wichtiger, wenn man sie als «neu» aufbauscht und dem Bankmitarbeiter, dessen Behauptungen nicht überprüft werden, bedeutungsschwangere Namen wie «Deep Throat II» gibt. (Für all diejenigen, die die <em>Weltwoche</em> noch nicht gelesen haben: Urs Paul Engeler, immerhin gerade eben zum Schweizer Politjournalist des Jahres gewählt, ist sich in seinem Artikel nicht zu blöd, den Informanten aus der Bank Sarasin in Anlehnung an die Watergate-Affäre «Deep Throat II» zu nennen.) Und hey, guess what, die Geschichte wird auch nicht journalistischer, wenn man Hildebrand als «Gauner» bezeichnet, der «sich illegal Vorteile erschleicht» und ganz nebenbei noch den halben Bundesrat zum Rücktritt auffordert …</p>
<p>Aber gut, es gibt ziemlich viele offene Fragen und Widersprüchlichkeiten in dieser Geschichte und in ihrer medialen Aufbereitung: Gibt es zum Beispiel einen oder zwei Whistleblower bei der Bank? Beziehungsweise ist er überhaupt ein Whistleblower? Whistleblower machen auf Missstände aufmerksam, aber in diesem Fall: Wo ist der Missstand? Offenbar war laut zwei Untersuchungen formal alles korrekt. Und: Die Bank Sarasin hat einen IT-Mitarbeiter entlassen, weil er Hildebrands Kontodaten entwendet haben soll, die <em>Weltwoche</em> schreibt, es handle sich dabei um Hildebrands Bankkundenberater. Was gilt? Bislang ist auch nicht klar, wer wann warum die Aufträge für die Devisenkäufe erteilt hat – Philipp oder Kashya Hildebrand? Die Wahrheit kennen nur die Telefonaufzeichnungen. Solange diese nicht bekannt sind, steht die von der <em>Weltwoche</em> kolportierte Aussage eines Bankmitarbeiters gegen die Aussagen von Philipp und Kashya Hildebrand.</p>
<p>Wie auch immer: Es herrscht ein Riesendurcheinander und wenn wir uns nicht gerade mit der Politisierung der Nationalbank beschäftigen müssten, würden wir vielleicht konzentriert auf eine ganz andere Geschichte schauen, nämlich die, dass <a href="http://nationofswine.ch/2012/01/04/die-nzz-verschweigt/" target="_blank">drei Banker des NZZ-Verwaltungsratspräsidenten Konrad Hummler</a> gerade in den USA angeklagt worden sind. Jedenfalls: Das tönt alles nach spannenden Zeiten …</p>
<p>Jetzt heisst es, den Breaking-News-Modus auf Off zu schalten, durchzuatmen und abzuwarten. Morgen Nachmittag will die Nationalbank informieren. Dann wissen wir mehr. Ich leg mich solange schon mal in den Jacoozi …</p>
<p>Lesen:</p>
<ul>
<li>Kaspar Surber in der WOZ über die <a href="http://www.woz.ch/artikel/2012/nr01/schweiz/21583.html" target="_blank">Politisierung der Nationalbank in drei Schritten</a>.</li>
<li>Ralph Pöhner in der Zeit über <a href="http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-01/bankenskandal-schweiz/komplettansicht" target="_blank">die Wulff-Affäre auf Schweizerdeutsch</a></li>
<li>Lukas Hässig auf 20minuten über <a href="http://www.20min.ch/finance/news/story/Bank-Sarasin-dementiert-Weltwoche-Vorwuerfe-13437818" target="_blank">die mangelhaften Weltwoche-Vorwürfe</a></li>
<li>Medienmitteilung der <a href="http://www.snb.ch/de/mmr/reference/pre_20120104/source/pre_20120104.de.pdf" target="_blank">Nationalbank</a>, inklusive Bericht von PriceWaterhouseCoopers</li>
</ul>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=5787&amp;md5=981c6c8ffd8fc728275c32e76015e0e2" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Konrad Hummlers erste Amtshandlung als Dorfkönig</title>
		<link>http://nationofswine.ch/2010/07/07/konrad-hummlers-erste-amtshandlung-als-dorfkonig/</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Jul 2010 08:59:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carlos Hanimann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Dorfkönig]]></category>
		<category><![CDATA[J.S. Bachstiftung]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad Hummler]]></category>
		<category><![CDATA[Saiten]]></category>

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		<description><![CDATA[Der selbsternannte Querkopf ist mutmasslich verärgert: Er streicht seine Inserate im Kulturmagazin Saiten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Konrad Hummler, Privatbankier aus St. Gallen, ist mutmasslich ziemlich verärgert. Er hat den Inserateauftrag der <a href="http://www.bachstiftung.ch/" target="_blank"><em>J.S. Bachstiftung</em></a> im Ostschweizer Kulturmagazin <a href="http://www.saiten.ch" target="_blank"><em>Saiten</em></a> gekündigt.</p>
<p>Im <a href="http://saiten.ch/pop_archiv.asp?heft=0410" target="_blank">April</a> hatte das <em>Saiten</em> mehrere Artikel zum Titelthema «Dorfkönige» publiziert. Der Kollege Kaspar Surber nahm dies zum Anlass, über den Privatbankier Hummler und sein Gefolge zu recherchieren. Er schreibt: «Das ist die Geschichte über Konrad Hummlers Rolle in St. Gallen und darüber hinaus. Ich habe sie journalistisch recherchiert. Aber ich schreibe sie auch als einer von 74&#8217;000 Einwohnern dieser Stadt.»</p>
<p>Entstanden ist ein ausführliches <a href="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2010/07/HummlersHofstaat.pdf" target="_blank">Portrait («Hummlers Hofstaat», pdf)</a> eines selbsternannten Querkopfs, der die halbe Stadt zusammenkauft und sich aufführt – nun ja – wie ein Dorfkönig. Surber hat während der Recherche bewusst <em>nicht</em> mit Konrad Hummler gesprochen. Seine Begründung im Artikel: «Es könnte das erste Mittel gegen den Feudalismus sein: nicht mitzumachen.»</p>
<p>Kurz darauf hat Hummler beschlossen, die Inserate im <em>Saiten</em> zu streichen. Eine ziemlich unsouveräne und unmoderne Reaktion. Hummlers Schnellschuss zeugt von der Unfähigkeit, Kritik an seiner Person gelten zu lassen. In seinem Leserbrief zum Artikel «Hummlers Hofstaat» schreibt er, dass das <em>Saiten</em> eine «anarcho-libertäre Grundhaltung gegen vermutete oder tatsächliche Machtanmassung» vermissen lasse. Vielleicht hat er Surbers Artikel nicht richtig gelesen – genau gegen diese «vermutete oder tatsächliche Machtanmassung» schreibt er ja an. Oder stört sich Hummler einfach daran, dass der Artikel die Machtanmassung bei Hummler höchstpersönlich findet?</p>
<p>Im Folgenden die Reaktion des Privatbankiers auf den Artikel «Hummlers Hofstaat»<em> </em>:</p>
<blockquote><p>Es ist zuzugeben: Der Vorwurf des Dorfkönigs sitzt. Er ist fies, denn alles, was ich künftig in diesem Dorf noch tun könnte oder wollte, wird nun die Konnotation «ist ja nur feudales Gehabe» erhalten. Natürlich nicht bei all den vielen Leuten, die <em>Saiten</em> ohnehin nicht lesen, aber eben trotz allem bei jenen, die das tun und die dazu beitragen könnten, dieses Dorf noch etwas interessanter zu gestalten. Und selbstverständlich bei mir, der ich mich ziemlich als Gegenbild eines «Dorfkönigs» verstehe. Kasper S., der Verfasser des Artikels, mied tunlichst jeden Kontakt mit dem Objekt seines Recherchierjournalismus, nahm dafür meine Freunde und Bekannten aus, ebenfalls ohne Bestätigung seiner Thesen zwar. Er wollte mich à tout prix nicht kennenlernen, weil er sich der Möglichkeit einer Verunsicherung nicht aussetzen wollte. Kasper S. ist mutmasslich ziemlich feig.<br />
Die erste Handlung des «Dorfkönigs», vom Verdacht feudalen Gehabes loszukommen, liegt in der Kündigung des Inserateauftrags der J. S. Bachstiftung in <em>Saiten</em>. Publikum haben wir eh schon lange im Übermass für das laut Kasper S. fragwürdige Projekt. Das Inserat in <em>Saiten</em> war seit je aus reiner Sympathie platziert. Sympathie? Darf der «Dorfkönig» nicht mehr haben. Wird er auch nicht mehr.<br />
Sympathie – wofür übrigens? Ich habe mir die letzten paar Ausgaben von <em>Saiten</em> noch einmal durchgeschaut. Ist noch zu spüren, was die Publikation einstens beseelt hat? Kultureller Aufbruch, frecher, aber träf-gekonnter, tagblatt-konträrer Journalismus, anarcho-libertäre Grundhaltung gegen vermutete oder tatsächliche Machtanmassung? Weit gefehlt. Was wir heute zu lesen bekommen, ist ein aufgemotzter Dorfkalender, inseratenmässig finanziert von den inflationär um sich greifenden, oft nur mässig besuchten, hochsubventionierten Veranstal-tungen, drapiert mit zusammengekleistertem schlechtem Fotomaterial und nicht einmal halbwegs lustigen Cartoons, das kulturelle Alibi redaktionell zusammen-gekratzt mit Möchtegern-Meienberg-Material. Meienberg ist tot; er hat im Dorf nur Würstchen hinterlassen.<em><br />
Konrad Hummler, St. Gallen</em></p></blockquote>
<p>Res ipsa loquitur …</p>
<ul>
<li>Den Artikel «Hummlers Hofstaat» gibts <a href="http://nationofswine.ch/wp-content/uploads/2010/07/HummlersHofstaat.pdf" target="_blank">hier als pdf-Datei</a></li>
<li>Zum Ostschweizer Kulturmagazin <a href="http://www.saiten.ch" target="_blank"><em>Saiten</em> gehts hierlang</a></li>
<li>Und zu Hummlers Antwort auf einen <em>nationofswine</em>-Artikel gehts <a href="http://nationofswine.ch/2010/02/09/distelmeyer_vs_konrad-hummler/#comments" target="_blank">hierlang</a></li>
</ul>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=2559&amp;md5=108ef01943d0af502733aaceb37a90f4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Konrad Hummler: «Sie sind geistig vorzeitig pensioniert!» Neues Licht in den Nebeln des Dr.Model</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Apr 2010 10:18:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Ryser</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Konrad Hummler]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Es begann mit einer Recherche des Journalisten Wolfgang Steiger in der <a href="http://nationofswine.ch/2010/01/14/dr-model-und-die-nebel-von-mullheim/" target="_blank">WOZ</a> über die esoterischen Pläne eines Thurgauer Unternehmers.  Wer recherchiert und gegen den Mainstream anschreibt, der muss Kritik einstecken. Viel Feind, viel Ehr. Wie etwa bei Meienberg war (neben sehr viel Lob von vielen Stellen) die Kritik an Steiger altbekannt: Das sei alles, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es begann mit einer Recherche des Journalisten Wolfgang Steiger in der <a href="http://nationofswine.ch/2010/01/14/dr-model-und-die-nebel-von-mullheim/" target="_blank">WOZ</a> über die esoterischen Pläne eines Thurgauer Unternehmers.  Wer recherchiert und gegen den Mainstream anschreibt, der muss Kritik einstecken. Viel Feind, viel Ehr. Wie etwa bei Meienberg war (neben sehr viel Lob von vielen Stellen) die Kritik an Steiger altbekannt: Das sei alles, bloss kein Journalismus. Auch dem Blogger, der es gewagt hatte, auf den Artikel <a href="http://nationofswine.ch/2010/01/14/dr-model-und-die-nebel-von-mullheim/" target="_blank">hinzuweisen</a>, wurde von einem ziemlich verwirrten oder durchgeknallten Schreiber mit journalistischer Erziehung gedroht &#8211; falls ich das richtig verstanden habe. Steiger und auch dem Blogger, also mir, wurde vorgeworfen, sie seien ideologisch verbohrt. Warum, weiss ich jetzt nicht mehr genau, es interessiert mich auch nicht. Zudem muss ich mich gerade mit der Frage beschäftigen, ob ich im Sommer nun zum Guns N Roses-Konzert nach Schweden oder doch lieber nach Leeds fliegen soll. Wolfgang Steiger wiederum hat sich mit dem Verfassen eines Vortrages beschäftigt, den er dann Ende März im «Palace» in St. Gallen gehalten hat; ein Vortrag über den radikalliberalen Mainstream, Dadaisten und eben die esoterischen Pläne Dr. Models für seinen Freistaat Avalon im Kanton Thurgau &#8211; ein sehr lesenswertes Stück Journalismus, das auch lesen sollte, wer Steigers Meinung nicht derart deutlich teilt: «Die Nebel von Müllheim rücken den Thurgauer Unternehmer und damit eben sein ganzes Netzwerk in die Nähe des Nationalsozialismus. Ich fragte Daniel Model am Telefon nach seiner Beziehung zur rechtsextremen Avalon-Gemeinschaft, er gab nur ausweichend Antwort und distanzierte sich nicht.» Steigers Stellungnahme zum Schluss des Vortrags ist denn auch ziemlich deutlich: «Tatsächlich bleibt die Sache unheimlich, und das Lavieren hin und her zwischen reaktionären Staatsideen und linkem Kulturschick sollte weiter beobachtet werden. Darauf möchte ich abschliessend hinweisen. Die Tendenzen zur Entsolidarisierung, die neoliberale Demontage von sozialen Errungenschaften, dürfen wir nicht zulassen und schon gar nicht noch -wie gezeigt &#8211; in diesem nebulösen Umfeld à la Avalon unterstützen.»</p>
<p>Zum damaligen Artikel in der WOZ geht es <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr02/schweiz/18810.html" target="_blank">hier</a>, Steigers Vortrag bekommt, wer auf «Weiterlesen» klickt.</p>
<p><span id="more-2003"></span></p>
<p><em><span style="color: #808080;">Von Wolfgang Steiger</span></em></p>
<p>Anlass für diesen Vortrag gibt mein Artikel über den Freistaat Avalon im Thurgau und seine Verknüpfungen mit der Kulturszene, den ich mit Unterstützung des Recherchierfonds in der WoZ anfangs Jahr veröffentlichen konnte. Die Panoramaseite erregte einiges Aufsehen und wurde in verschiedenen Internetblogs rege kommentiert. Im Allgemeinen wurde lobend darüber geschrieben. So stelle man sich fundierten Recherchierjournalismus in den Bezahlmedien vor zum Beispiel. Aber nicht nur: Einige Stimmen, vor allem von Leuten, die sich angegriffen fühlten, kritisierten meine Arbeit aufs heftigste. Hingegen konnte mir kein einziger Fehler nachgewiesen werden. Ich fühle mich einem Journalismus verbunden, der den Fakten verpflichtet ist und möglichst nahe an die Wahrheit heran kommt. Eine einzige Passage fand sich in meinem Text, die als unbewiesene Behauptung meinerseits verstanden werden konnte. Ich schrieb: «Man sollte meinen, dass in der tendenziell fortschrittlichen Kulturszene bei diesen seltsamen Mythen und den antidemokratischen Äusserungen des Dr. Model die Alarmglocken läuten.» Ist die Kulturszene tatsächlich tendenziell fortschrittlich? Ich werde auf diese Frage noch eingehen.</p>
<p>Der eigentliche Grund, weshalb mich die erfreuliche Universität eingeladen hat, ist weniger meine journalistische Arbeit, vielmehr ist es das politische Thema des Liberalismus, um den meine Geschichte kreist. Dies ist nun eine sehr vielschichtige Sache und ich möchte hier vorausschicken, dass ich mich im Spektrum der verschiedenen Formen von Liberalismus sozusagen vor allem mit der Hardcore-Variante, dem Radikalliberalismus befasste.</p>
<p>Ich verfüge natürlich keineswegs über die Ressourcen, um dieses Thema abschliessend behandeln zu können. Wenn ich eine Annäherung trotzdem versuche, so fühle ich mich durch die Botschaft des von Jutta Koeter gestalteten Banners &#8211; da hinter mir &#8211; unterstützt. Die Aufschrift «fear itself disappears» nehme ich mir zur Aufmunterung. Im Übrigen verweise ich dringend auf die Vorführung des Films «Die Einkesselung» vom nächstem Dienstag hier im Palace in der erfreulichen Universität, der den Liberalismus, den ich meine, sehr genau beschreibt und dem Thema absolut gerecht  wird.</p>
<p><strong>LIBERALISMUS TOTAL</strong></p>
<p>In «Chez les Chtis» muss ein Poststellenleiter aus der Provence zur Strafe wegen einer Lüge beim Bewerbungsgespräch eine Stelle in Nordfrankreich antreten. Da wo es kalt ist und Menschen leben, die wegen ihrem seltsamen Dialekt die Chtis heissen. Bevor er abreist besucht der Pöstler noch einen alten Verwandten seiner Frau, der mal jemanden kannte, der bei den Chtis in Nordfrankreich an der Atlantikküste war. Die Szene passt ganz gut zu diesem Thema. Der alte Mann sitzt im in der Mittagshitze abgedunkelten Zimmer in einem Lehnstuhl. Er beugt sich nach vorn und ein Sonnenstrahl beleuchtet sein Gesicht, wie er zum Schrecken seines Besuchers sagt: Da oben im Norden ist alles chetemi, Frauen sind chetemi, Männer sind chetemi, Kinder sind chetemi, Katzen sind chetemi, ja sogar Hunde sind chetemi.</p>
<p>Genau so kam es mir vor bei der intensiven Beschäftigung mit dem Liberalismus in den letzten Monaten, wenn die Protagonisten dieser Ideologie sprachen. Eine Ideologie, welche sie im Übrigen nicht als Ideologie wahrnehmen wollten. Allen anderen Anschauungen unterstellten sie dagegen interessanterweise jeweils ideologische Verblendung.</p>
<p>Es war, als würden sie andauernd wiederholen:</p>
<p>Frauen sind liberal, Männer sind liberal, Katzen sind liberal, ja sogar Hunde sind liberal. Die ganze Welt ist liberal. Es gibt gar nichts anderes mehr als den Liberalismus. Links-rechts-Denken ist vorbei.</p>
<p>Der Palace Newsletter vom 9. Februar handelte davon, dass das Konzert von Jochen Distelmeyer nur dank privaten Sponsoren möglich war, da die Kosten des Auftrittes den finanziellen Rahmen des Palace gesprengt hätten. Mit einem Seitenhieb erklärt der Text den Unterschied dieses Sponsorings zur Quacksalberei –wie es der Newsletter formulierte- des Bankiers Konrad Hummler, der sich mit dem Aufkauf  der St.Galler Altstadt und mit den Aufführung der gesamten Bachkantaten immer mehr wie ein absolutistischer Potentat aufführt. Der Blog Nationofswine übernahm den Text ungekürzt.</p>
<p>Offenbar, besonders auch weil der Palace-Newsletter Hummlers auf 25 Jahre angelegtes Unterfangen mit Johann Sebastian Bach als leicht kindisch bezeichnete, reagierte dieser offensichtlich ziemlich genervt mit einem Kommentar:</p>
<p>Zitat:</p>
<p>13. Februar</p>
<p>Nun – lieber «leicht kindisch» als geistig vorzeitig pensioniert, wie es der in überholten ideologischen Schemen verbetonierte Verfasser offenbar ist. Ihr seid alle herzlich eingeladen, nach Distelmeyer zur Abwechslung mal zu einer Aufführung meines «leicht kindischen» Projekts nach Trogen zu kommen.</p>
<p>KH</p>
<p>Wer Konrad Hummlers Werdegang verfolgt hat, weiss, dass er alles andere als ein ideologiefreier Unschuldsengel ist. Er ist seiner rechtsliberalen Gesinnung immer treu geblieben. Immer auch publizistisch. Seine Schweizer Monatshefte, die er sich einfach so als Propagandaplattform leistet und die nie und nimmer rentieren können,  gebärden sich als wahre wenn auch kulturell verbrämte Hetzschrift gegen den Sozialstaat. Wer sich einen Eindruck darüber verschaffen möchte, sollte sich am Besten einmal die Nummer 958 mit einem Dossier zum Thema: «Jenseits von Liberalismus light» anschauen. Und das ist auch so knallhart gemeint wie es tönt. Unter anderem schreibt in diesem Heft auch sehr passend zu ihrem Profil als eiserne Lady Karin Keller-Sutter. Liberal heisst hier in erster Linie für Eigennutz und gegen das Kollektiv. Von der Forderung der französischen Revolution, auf der die modernen Staaten aufgebaut sind: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ist nur gerade  die Freiheit des einzelnen, sich zu bereichern übrig geblieben. Gleiche Rechte für alle und ungeteilte Solidarität mit den Schwachen sind im radikalliberalen Weltbild von Hummler &amp; Co nicht vorgesehen.</p>
<p>Zurzeit wimmelt es geradezu von Vertretern der rechtsliberalen Ideologie, die sich gebärden, als ob sie unmittelbar davor wären, die Weltherrschaft zu erringen. Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle von der FDP etwa, der die Bezüger von staatlicher Unterstützung kürzlich als faul und antriebslos bezeichnete, was in Deutschland grosse Empörung hervorrief. Genau dasselbe propagiert der Thurgauer Kartonunternehmer Daniel Model. Seinen Avalon-Freistaat gründete er, weil er den Sozialstaat ablehnt. Arbeitslosenunterstützung ist für ihn –Zitat- «Der Kuss des Todes». Für den Artikel in der WoZ befasste ich mich etwas genauer mit Models Gedankengut. Ausserdem interessierte mich das Geflecht von Medien- und Kulturschaffenden um ihn herum.</p>
<p>Models Name regt zu Wortspielen an. Tatsächlich kann Dr. Model als modellhaft gelten. Zur Verdeutlichung der erste Abschnitt eines Blogbeitrags auf <strong><a href="..:..:..:..:Dokumente%20und%20Einstellungen:Steiger:Eigene%20Dateien:Avalon:freilich_ch">freilich.ch</a>. </strong>mit dem Titel:</p>
<p><strong><a href="..:..:..:..:Dokumente%20und%20Einstellungen:Steiger:Eigene%20Dateien:Avalon:freilich_ch">Die Sozialstaatslüge</a> </strong></p>
<p>20. August 2006 <a href="..:..:..:..:Dokumente%20und%20Einstellungen:Steiger:Eigene%20Dateien:Avalon:freilich_ch">Daniel Model</a></p>
<p><strong>So wie die Bezeichnung des Rechtsstaates zu einer Lüge geworden ist, so ist es auch mit dem Titel ‚Sozialstaat’.</strong> ’Sozial’ ist heute wahrscheinlich der mit am meisten Dünkel und Heuchelei belastete Begriff. Er dient dazu, dunkle Motive, ob bewusst oder unbewusst, zu überdecken. Spannend und ergiebig ist dabei die Ursachenforschung des scheinbar paradoxen Phänomens, dass der Staat heute in seiner Wirkung als eine gigantische Umverteilungsmaschinerie immer diffuser und unsozialer wird. Wie kommt es, dass die Reichen immer reicher werden, sie aber im Sinne von zehn Prozent der obersten Einkommen beachtliche 70 Prozent der Einnahmen der direkten Bundessteuer generieren? Warum vermag eine noch so markante Umverteilungsarithmetik Reichtum nicht zu verhindern bzw. zu nivellieren?</p>
<p>Sinnigerweise ärgern sich viele Menschen, die sich selber als für das Soziale kämpfend ausgeben gerade daran, stricken in der Folge weitere Erklärungsmuster der Verschwörung und Kriminalisierung, um ihre Theorien über die Mechanismen der Welt aufrechtzuerhalten und merken nicht, dass sie die Antwort für das Phänomen gleich selber geben: <strong>Sie waren gar nicht darauf aus, die Armen besserzustellen, sondern die Reichen ärmer zu machen</strong>. Es ist nicht so, dass dies auf das Gleiche hinausläuft, sondern es ist der feine Unterschied zwischen Himmel und Hölle. Beweggründe für das Handeln auch im Politischen werden immer noch unterschätzt bzw. kaschiert. Wahrhaftigkeit ist eine kostbare Energiequelle, die den Heuchlern nicht zur Verfügung steht. So lässt sich sagen, dass sich im Politikspiel in der Spezialabteilung ‚Soziales’ viele negativ motivierte Akteure tummeln.</p>
<p>Ziemlich wirr diese atemberaubende Logik. In Models eigentümlicher pathetischen Sprache geht der Beitrag weiter, wir ersparen uns den Rest. Hummler und Model gehören einer Spezies von Neoliberalen an, die der zunehmenden Entzauberung ihrer Ideologie mit verstärkten Propagandaanstrengungen begegnen.</p>
<p>Während die Liberalen viele Widersprüche ihres weltanschaulichen Konstruktes noch ideologisch zudecken können, so nehmen sie verschiedene systembedingte Dilemmas schwer in die Zange. Zum Beispiel die Tatsache, dass die permanente Schwächung des Staates –durch den von ihnen geförderten und empfohlenen Entzug von Steuereinnahmen &#8211; ihre eigenen Unternehmen verwundbar macht. Es ist wie wenn sie den Ast absägen würden, auf dem sie sitzen. Schliesslich ist der Staat ja ihr Garant für die endlose Kapitalakkumulation.</p>
<p>Der Soziologe Emanuel Wallerstein formulierte das so: «Die Ideologie des Liberalismus ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die globale Geokultur gewesen. Erst in den letzten 20 Jahren hat sie ernsthaft an Fähigkeiten verloren staatliche Strukturen zu legitimieren, und diese  Fähigkeit hat in Wahrheit über ein Jahrhundert lang den Druck der Arbeiter eingedämmt. Der globale Liberalismus hatte Reformen versprochen, Verbesserungen und eine zunehmende Verringerung der sozialen und ökonomischen Polarisierung des kapitalistischen Weltsystems. Er hat seinen Zauber verloren, weil man in den letzten 20 Jahren weithin erkannt hat, dass nicht nur <strong>keine</strong> Verringerung der Polarisierung stattgefunden hat, sondern dass es in Wahrheit in den letzten 150 Jahren, ja in den letzten 500 Jahren eine ständige zunehmende Polarisierung auf weltweiter Ebene gegeben hat. Und diese Polarisierung setzt sich heute rapide fort.»</p>
<p>Der Neoliberalismus mit seiner Krise des Kapitalismus hat demnach in Wahrheit abgewirtschaftet und ihre Exponenten suchen nun einen Ausweg aus der Legitimationskrise. Das ist nicht ungefährlich. Bei Daniel Model geschieht dies durch eine ausgeprägte Antistaatshaltung, die ihn zur Gründung des eigenen Staates namens Avalon führte. Interessant ist es, wie dann plötzlich Gewinnmaximierung unwichtig wird. Da können Millionen in Bauwerke wie der geplante Regierungspalast in Müllheim gebuttert werden ohne Aussicht darauf, jemals daraus etwas zu erwirtschaften (genauso wie Hummler mit den Bachkantaten). Ziel dabei ist offenbar die Zufriedenstellung der Klientele aus den oberen Schichten, die sich in Trogen an Bach ergötzen oder im Modelhof in Müllheim zur Wohltätigkeitsgala einfinden.</p>
<p>Wie hingegen ergeht es den einfachen Leuten? Nochmals der Soziologe Emanuel Wallerstein: «Für einfache Leute besteht das wichtigste und unmittelbarste Resultat der Schwächung der staatlichen Legitimität in Angst – Angst um ihren Lebensunterhalt um ihre persönliche Sicherheit, um ihre Zukunft und die ihrer Kinder. Angst ist, wie wir wissen, meistens nicht der beste Ratgeber. Wir können feststellen, wie sich diese Angst in zwei offen zu Tage tretenden Formen ausdrückt, worüber uns die Medien regelmässig informieren: Kriminalität und der so genannte ethnische Konflikt. (..) Sie (die gewöhnlichen Leute) üben Druck auf den Staat aus, um die Strukturen der Bekämpfung und Bestrafung zu verstärken, was schliesslich zur Belastung der Legitimität wie der finanziellen Ressourcen des Systems führt und, langfristig gesehen, eine Rolle bei der Zunahme (statt Abnahme) der Kriminalität spielt. Und sie beginnen sich um ihren eigenen Polizeischutz zu kümmern. Sie kaufen Waffen, organisieren Gemeindepatrouillen und errichten Zäune. Und selbst wenn diese Massnahmen das Risiko eines Überfalles reduzieren, so verändern sie doch die allgemeine Lebensqualität und vermindern das Gefühl einer moralischen Gemeinschaft.»</p>
<p>Das tönt nach Brandstiftung. Erstaunlicherweise –zumindest für mich und ich hoffe noch für ein paar Leute mehr- lassen sich viele Intellektuelle und Künstler vom radikalliberalen Klüngel einspannen. In Deutschland ist dies zum Beispiel der Philosoph Peter Sloterdijk. Er plädierte kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für eine Befreiung von Zwangssteuer und deren Umwandlung in Geschenke an die Allgemeinheit. Es geht ihm dabei um eine Ethik der Gabe in einer Gesellschaft mit postdemokratischen Konsequenzen.</p>
<p>Der Untergang des Abendlandes ist wieder einmal nicht fern, wenn Sloterdijk orakelt:“ In Bevölkerungen mit starkem Jungmänneranteil steigt der Bellizismus. Vor uns liegt ein Weltalter, in dem der Unterschied zwischen Siegern und Verlierern wieder mit antiker Härte und vorchristlicher Unbarmherzigkeit an den Tag tritt.“ Das tönt gruselig. Auch im Umfeld um den Thurgauer Staatsgründer kann man derartiges wahrnehmen. Daniel Model prophezeit seinerseits bei jeder Gelegenheit den kommenden Zusammenbruch der staatlichen Ordnung. Etwa leistete sich rebell.tevau, die von Dr. Daniel Model finanzierte Internetplattform, im letzten Jahr eine Buchveröffentlichung mit dem Titel „Die Form der Unruhe“. Die „Süddeutsche Zeitung“ sah eine frappante Ähnlichkeit mit der Haltung des Mussolinifreundes Marinetti, dem futuristischen italienischen Künstler, der sein Heil in Krieg und Faschismus suchte. Die Süddeutsche schreibt:</p>
<p>Avantgarden müssen unruhig sein, die Unruhe ist ihr Element. Bereits Filippo Tommaso Marinetti, der sprachgewaltige Gründer des Avantgardismus, stellte den Zusammenhang her, als er 1909 in</p>
<p>seinem futuristischen Manifest die Hitze der reinen Unruhe besang: „die angriffslustige  Bewegung, die fiebrige Schlaflosigkeit, den Laufschritt, den Salto mortale, die Ohrfeige und den Faustschlag“.</p>
<p>Soweit die Süddeutsche.</p>
<p>Heute kommt das alles viel weniger krass mit einem Augenzwinkern sogar daher. Man meint das alles nicht so ernst, probiert nur mal aus. Ein bisschen Anlehnen an den Faschismus darf schon sein. Das merkt ja gar niemand. Marinetti schrieb weiter in seinem futuristischen Manifest:“ Wir wollen den Mann preisen, der am Lenkrad sitzt. Wir sollen die Museen, die Bibliotheken zerstören, den Moralismus bekämpfen, den Feminismus und alle opportunistischen Nützlichkeiten bezweckenden Feigheiten.“ Marinettis Sprache ist deutlich. „Ein Minimum an Professoren, sehr wenig Rechtsanwälte, sehr wenig Doktoren, sehr viele Landwirte, Ingenieure, Chemiker, Mechaniker und Geschäftsleute sowie eine zynische, schlaue und agressive Aussenpolitik, eine koloniale Expansionspolitik und freie Wirtschaft.“</p>
<p>Ich hatte in der November-Ausgabe von Saiten das rebell.teevau-Buch ebenfalls besprochen. Weit weniger freundlich hingegen als die Süddeutsche, die der Internetplattform vom schweizerischen Bodenseeufer einige Sympathie entgegenbrachte, welche mir bei intensiverer Beschäftigung mit dem ganzen Projekt abhanden kam, nachdem ich in Daniel Models Vorwort von „Die Form der Unruhe“ auf die radikalliberale Gesinnung des Geldgebers und die teilweise plumpe Käuflichkeit des Umfeldes aufmerksam wurde. Stephan M. Seydel liess sich seinen Pseudo-Fernsehsender mit einer Million Franken finanzieren. Das löst schon fast Bewunderung aus, wie er diese Summe in nur etwas mehr als zwei Jahren verbraten hat. Jedoch verliert Investor Model  offenbar die Geduld mit Seydel. Dieser Text aus rebell.teevau gecopipasted – markiert, kopiert, eingefügt &#8211; und seiner grauenhaften Geschwätzigkeit wegen grössten Teils wieder deleted,  lässt tief in die Mechanik der Käuflichkeit t bei Seydel blicken und beleuchtet und erklärt den Finanzierungshintergrund seines Internet-Projektes:</p>
<p><strong><a href="http://blog.rebell.tv/hilf-dir-selbst/httprebelltv-investor-relations-beta-10.html">26.10.2009 http://rebell.tv investor relations. beta 1.0</a></strong></p>
<p>sender: <a href="http://blog.rebell.tv/hilf-dir-selbst/index.html">hilf dir selbst</a> | | von sms <em>(das ist Stephan M. Seydels Kürzel. W.St.) </em>um 10:46<br />
<strong>1) wir haben keinen sponsor.</strong><br />
(auch keinen gönner. auch keinen spender. kein stifter <em>(hier fehlt der Akkusativ. W.St.)</em> und immer so weiter.) wir haben einen investor. das sind ökonomisch gesehen völlig andere konzepte.</p>
<p>ein investor hat völlig andere interessen. er &#8220;investiert&#8221; und will einen &#8220;return&#8221;. er gibt sein geld nicht einer bank, wo das geld im moment der einzahlung zu kapital wird und zu arbeiten beginnt. (bei grossem risiko chancen auf hohen gewinn. bei kleinem anlegerrisiko kleinere zinsen.</p>
<p><strong>unser investor zieht sich nicht zurück.</strong> ganz im gegenteil. er will dass wir weitermachen. auch, weil er &#8220;die krise&#8221; auf winter 2011/12 als deftig annimmt. und weil er davon ausgeht, dass unsere zeit kommt. dass unser timing ziemlich gut sein kann&#8230; es geht darum, dass der &#8220;engel(-investor)&#8221; die saat (seed-investor) geschützt hat. und siehe da: ein pflänzchen ist erschienen! es geht darum, dass jetzt geprüft wird, ob es verwegene abenteurer gibt (venture-capitalists), welche die jagt nach diesem gehemnisvollen (noch voller geheimnissen steckenden) kraut aufnehmen oder nicht.<br />
3)<br />
was wir &#8211; zusammen mit /dm <em>(gemeint ist Daniel Model. W.St.)</em>- machen, ist, mit menschen in kontakt zu kommen, welche &#8211; ähnlich wie /dm &#8211; mit ihrem (spiel-)geld sehr strategisch umgehen. wir suchen im spektrum der (radikalen)liberalen menschen, welche &#8220;spüren&#8221; &#8211; weil sie es sich theoretisch noch nicht erklären können! &#8211; dass in der computerzeit auf die komplexe informationslage nicht mehr mit genügender kompliziertheit reagiert werden kann. unser claim versucht, eine türe in diesen gedankenraum zu öffnen:</p>
<p>&#8220;die form der unruhe&#8221; wird für die computerzeit, was die NZZ für die maschinenzeit war <img src='http://nationofswine.ch/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /><br />
b)<br />
richtig. es müsste nicht unbedingt *medienhäuser* sein. unsere &#8220;die form der unruhe&#8221; könnte auch im kontext der (aus)bildung fokussiert werden, oder der politik. aber eben: wir sind ja nicht die heilsarmee. &#8220;eine warme suppe&#8221; (für insider mehrdeutig <img src='http://nationofswine.ch/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ist leider zuweilen nötig. aber &#8220;reichtum für alle&#8221; (/dm) bleibt das ziel. &#8220;geld als mittel zur freiheit&#8221; auch.</p>
<p>c) worum es in einer zweiten investitionsphase geht?<br />
c1) eine neue homepage muss her. nein. nicht fürs frontend. ganz im gegenteil <img src='http://nationofswine.ch/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /><br />
c2) die arbeit, welche jetzt zwischen tp <em>(gemeint ist Tina Piazzi, Seydels Partnerin. W.St.) </em>und mir aufgeteilt werden konnte, muss in einem team getestet werden. so läuft ganz normale produktentwicklung: testen im idealfall und dann adaptieren&#8230;</p>
<p>fragen:<br />
<strong>was kostet eine nächste solche phase?</strong><br />
- sie dauert 3 jahre. und kostet pro jahr eine million.</p>
<p><strong>und was hat ein investorIn2 davon?</strong><br />
- nicht nur einen sensationellen ROD (return on dialog) bereits während der entwicklungsphase!</p>
<p>Zitat rebell.teevau Ende</p>
<p>Zwischen rebell.teevau und dem Zürcher Dada-Haus besteht eine enge Verbindung, wie unschwer herauszufinden war. Direktor Phillip Meier wird von Seydel als Kurator von rebell-tv aufgeführt, er meldet sich fast täglich mit Kommentaren im rebell.tv-Blog. Eine zeitlang schaute ich mir regelmässig die Einträge an und bekam immer mehr den Eindruck, es mit einer Gruppe von Internettjunkies zu tun zu haben. Statt bei irgendeinem Rollenspiel wie etwa World of Warcraft mitzumachen, geben sich die beiden – Meier und Seydel &#8211; einen intellektuellen Touch und hantieren mit coolen Reverenzen aus Kunst und Wissenschaft. Es ging mir ziemlich auf den Geist mit der Zeit und ich war dann froh nach Abschluss der Recherchen meine Besuche bei rebell.teevau einstellen zu können.</p>
<p>Was für eine Büchse der Pandora ich mit der Offenlegung dieser Beziehungen und Hintergründe geöffnet hatte, war mir absolut nicht bewusst. Vor zwei Jahren hat Zürichs Stimmvolk eine Unterstützung des Dada-Hauses klar gutgeheissen. Im Vorfeld der Abstimmung wurde die Institution vor allem von rechts stark in Frage gestellt. Vor allem dank der Stimmen von links erhält nun das Dada-Haus von der Stadt die Mietkosten bezahlt. Meine Recherchen für den Artikel in der WoZ zeigten nun die engen Verbindungen des Dadahauses zum rechtsliberalen Klüngel um Daniel Model. Es wurde mir vorgeworfen, ich hätte damit eine persönliche Abrechnung vorgenommen, was absolut nicht zutrifft, da ich gar keine Kontakte zu diesen Kreisen hatte. Im Dada-Haus war ich im letzten Herbst zu Recherchezwecken zum ersten Mal. Tatsächlich gibt es aber in Zürich Kreise, die meine Kritik an den Verbindungen des Dada-Hauses genau gleich schon weit früher formulierten, von denen ich erst später erfuhr. Es meldete sich nach der Veröffentlichung in der WoZ eine alternative Betriebsgruppe des Cabaret Voltaire bei mir.</p>
<p>Diese Kritiker störten sich unter anderem daran, dass im Dada-Haus Konrad Hummlers Monatshefte aufliegen, die übrigens auch eine Medienpartnerschaft mit Models rebell.teevau eingegangen sind. Dr.Model sitzt ausserdem im Stiftungsrat des rechtsliberalen Think-Tanks Liberales Institut, das Christoph Blocher derart gut findet, dass er es auch schon- allerdings erfolglos &#8211; zu übernehmen trachtete. Der Kodirektor des Dadahauses Adrian Notz assistierte Daniel Model bei der offiziellen Ankündigung des Baus eines Regierungspalastes in Müllheim.</p>
<p>Die Begründer von Dada wollten der bürgerlichen Kunst eine Antikunst entgegenstellen. Kultur besass bis anhin die Aufgabe, in ziemlich verlogener Art und Weise das Bürgertum des 19. Jahrhunderts als beste aller Welten darzustellen. Wir wissen heute, wo das hinführte, die Dadaisten und später die Surrealisten haben das in Echtzeit gemerkt, konnten es aber nicht verhindern. Der deutsche Filmemacher Alexander Kluge sagte kürzlich im Interview im Dossier über den Surrealismus des Tageanzeiger Magazins:</p>
<p>«Wenn wir wissen dass das 20. Jahrhundert aus einer globalen Blüte heraus entgleiste, wer sagt uns eigentlich, dass das 21. Jahrhundert nicht entgleisen kann? Die Hager Landkriegsdebatte 1907 sah ähnlich aus wie jetzt die Konferenz in Kopenhagen: Uneinigkeit aller Parteien. Man könnte sogar behaupten, die Antwortlsigkeit ist im 21. Jahrhundert noch grösser als im 20 Jahrhundert. Dennoch nehmen wir alle an, dass es schon irgendwie gut geht.</p>
<p><strong>Frage: Das 21. jahrhundert könnte also die Katastrophen des 20. Jahrhunderts wiederholen?</strong></p>
<p>Richtig. Deshalb brauchen wir die Erfahrung aus dem Alchemistenlabor etwa des Surrealismus, die auf den Weltkrieg und die Folgekosten reagierten, heute wie das liebe Brot. Wenn ich von Weltkrieg und Entgleisung des Jahrhunderts spreche, dann spreche ich davon, dass 1918 dieser krieg ja gar nicht beendet ist, sondern mit vielen Übergängen und Krisen bis 1939 führt und eigentlich einen 31-jährigen Krieg darstellt.»</p>
<p>Eigentlich können uns hier in der Ostschweiz diese seltsamen Irrungen und Wirrungen um das Dadahaus und die Zweifel um Art und Weise des Umganges der jetzigen Direktion mit dem Erbe des Dadaismus egal sein. Allerdings steht uns hier, wie aus der Zeitung zu entnehmen ist, in St.Gallen eine Kunsthochschule bevor – sofern die nötige Anzahl Teilnehmender zustande kommt – mit Adrian Notz vom Cabaret Voltaire als Leiter, dessen Chef an der Schule für Gestaltung Felix Ebneter zuvor im Branding unter anderem von Automarken tätig war. Meine Bedenken: Hier geht es um ein Verständnis von Kunst, dessen Aufgabe es ist, die Einzigartigkeit der Marktwirtschaft in der neoliberalen Welt zu preisen. Währenddessen rotieren die toten DadaistInnen in ihren Gräbern pausenlos. Eine nächste Antikunstbewegung ist angesagt.</p>
<p>Die Ahnenreihe der Avantgardekunst im 20. Jahrhundert geht von Dada über den Surrealismus zur Künstlergruppe der Situationisten, die ihrerseits verantwortlich waren für die berühmte Forderung «Die Fantasie an die Macht» des Pariser Studentenaufstandes vom Mai 68. Ein Merkmal der  radikalliberalen Exponenten in und um das rebell.teevau von Seydel ist jedoch die Kritik an der 68er Bewegung. Blog-Besucher haben Seydels Lektion gut gelernt und scheinen das zum Teil verinnerlicht zu haben. k_d_r  schreibt als Kommentar auf die WoZ-Kritik an rebell.teevau folgendes im rebell.tv-Blog:</p>
<p>WoZ von Zureich vs. Stefan M. Seydel</p>
<p>Nach dem Kampf auf der Straße<br />
hat es die linke Alt-68er Gilde<br />
in die Partei-Vorstände, in die Wirtschafts-Schaltzentralen<br />
und in die Presse-Redaktions-Stuben geschafft.</p>
<p>Von dort predigt die einst rote Radikale dem Volk intellektuelles Valium für alle.</p>
<p>Und jetzt kommt dieser Stefan M. Seydel, versetzt alles in Unruhe und hinterfrägt<br />
die neue linke Gleichschaltung<br />
des Volkes durch die rote Alt-68er-Elite.<br />
Die Antwort kam zum Glück postwendend von jemandem, der noch alle Sinne beisammen hat und trotzdem bei rebell.teevau hineinschaut &#8211; unter dem Titel:</p>
<p>Men who stare at goats</p>
<p>««die neue linke gleichschaltung</p>
<p>des volkes durch die rote alt-68er-elite.»»</p>
<p>Klar Bundesrat Merz, Herr Ex-Bundesrat Blocher allesamt Rote Alt-68er!!! So ist es! Und die Woz liest jedes schwein! Genau! Und niemand das Revoluzzer-Blatt von Köppel, der sich für die wirklich &#8216;Armen&#8217; einsetzt; die armen Boni-Bezüger die von der bösen Presse und den bösen bösen Journalisten die ganze Zeit durch den Dreck gezogen werden. Zum Glück haben die jetzt Rebell.TV, wo sie in Ruhe gelassen endlich der modernen Kunst fröhnen können und nachhilfe bekommen wie man mit dadaismus noch besser köppeln kann! Bravo.</p>
<p>koenig_der_ratten</p>
<p>Dem ist nichts beizufügen.</p>
<p>Avantgardekunst war immer links mit Ausnahme des Faschisten Marinetti &amp; Co. Und Daniel Model ist weder links noch Mitte, das sollten sich Phillip Meier, Adrian Notz und Konsorten hinter die Ohren schreiben und ihren Umgang etwas sorgfältiger aussuchen. Wenn etwas die politische Heimat des Dr.Model verdeutlich, so ist das seine Haltung zu den Rechten der ArbeiterInnen seiner Fabriken. Dazu schob die WoZ meinem Artikel einen Bericht mit dem Titel «Der knallharte Dr.Model» nach, der erschütternd ist. Da werden Massenentlassungen in Models Firmenkonglomerat ohne Sozialplan ausgesprochen. Das Betriebsklima ist autoritär, die Gewerkschaften stossen bei Model auf knallharte Ablehnung, und Entlassene müssen ihre Rechte vor Gericht durchsetzen.</p>
<p>Die Nebel von Müllheim rücken den Thurgauer Unternehmer und damit eben sein ganzes Netzwerk in die Nähe des Nationalsozialismus.  Ich fragte Daniel Model am Telefon nach seiner Beziehung zur rechtsextremen Avalon-Gemeinschaft, er gab nur ausweichend Antwort und distanzierte sich <strong>nicht</strong>.</p>
<p>Ich verglich den geplanten, neoklassizistischen, von Urs Strähl, dem Gründer der Bildhauerschule entworfenen Bau des Regierungspalastes  in Müllheim mit Albert Speers Architektur in Nazideutschland. Das war nicht polemisch gemeint sondern sachlich fundiert aufgrund einer Gegenüberstellung des Müllheimer Architektur-Modells, das ich persönlich in der Bildhauerschule besichtigte, mit Speers Entwürfen für Hitlers neue Hauptstadt Germania. Einzig in der Monumentalität gibt es logischerweise einen Unterschied.</p>
<p>Insbesondere was die Bildhauerschule betrifft, in deren Stiftungsrat Model sitzt, sind die Vorwürfe des Kokettierens mit Naziästhetik alles andere als aus der Luft gegriffen. Absolventen von Bildhauerkursen schilderten mir ein autoritäres Regime in der Schule, antisemitische Bemerkungen wären da gefallen, zumindest eine Person des Lehrkörpers fiel wegen Sympathien zu Nazisymbolen auf.</p>
<p>Müllheim und Umgebung ist nun alles andere als eine in Neonazibelangen unbescholtene Gegend. Nicht vergessen ist der Angriff zweier Skins im nahen Frauenfeld auf den Rasta-Fan Dominik, der deswegen fürs Leben mit einer Behinderung gezeichnet ist. Hanspeter Bossert, der zwar als Lehrer inzwischen aus der Bildhauerschule ausgetreten ist, aber immer noch im Stiftungsrat eingetragen ist, wurde in der WoZ schon einschlägig erwähnt.  Bossert, sogar zeitweise Prorektor der Bildhauerschule, wetterte im privaten Kreis gern gegen das 1993 per Volksabstimmung eingeführte Antirassismus-Gesetz und war als Gastreferent in der Schule des rechtsextremen Revisionisten Bernhard Schaub vorgesehen.</p>
<p>Kurz nachdem ich Bernhard Schaub auf Youtube in einem Film gegen das seiner Meinung nach von den 68ern verluderte Schulsystem polemisieren sah, hatte ich ein Telefongespräch mit Daniel Model, der beim Thema Schule tönte, wie wenn er gerade aus einem Vortrag Schaubs gekommen wäre.</p>
<p>Mangels einer wirklich kritischen Presse outen sich radikal-liberale Exponenten öfter mal in demonstrativer Uncorrectness, und da ist dann eben vor allem Nebel angesagt wie in Müllheim – oder auch in St.Gallen. Ein Beispiel dafür ist Konrad Hummlers Vorwort zum Katalog der Unterwäscheausstellung im Textilmuseum vor 2 Jahren. Das ist dann mein kleiner Beitrag zur längst fälligen Hummlerdebatte hierzustadt. Meines Wissens wurde der Text aus dem Dessous-Katalog nie kritisch gewürdigt, dabei offenbart Hummler, wie er den Bogen spannt Vergleich von Steuerhinterziehung und Geldwäscherei zur Unterwäsche, neben einiger Schlüpfrigkeit ziemliche Unverfrorenheit. Es ist zu vermuten, dass Hummler so heute nicht mehr  schreiben würde. Heute steht er mit dem Rücken zur Wand und muss dem «Ausland» Brocken in Milliardenhöhe zuwerfen, um einigermassen heil aus dem Schlamassel zu kommen, wie man in den letzten Tagen erfahren konnte.</p>
<p>Bevor ich Hummlers Vorwort zum Katalog der Unterwäscheausstellung vorlese noch eine Verständnishilfe: Achtung, beim Wort «Dessous» ist die Luxusunterwäsche junger Damen gemeint und nicht etwa die verschissenen Unterhosen von durch die sozialen Netze gefallenen Arbeitslosen!</p>
<p><strong>Secrets &#8211; Im Widerspruch zum Zeitgeist</strong></p>
<p>Der Zeitgeist will Transparenz. Verborgenes, Verstecktes und Geheimes sind verpönt. Ein Terrorist, ein Drogenhändler oder wenigstens ein Steuerhinterzieher – eben jeder, der sich gegen Offenlegung wehrt. Eine Unternehmung hat Ad-hoc-Informationen von sich zu geben, wenn sie bei sich ein Problem entdeckt hat. Ansonsten verstösst sie gegen die so unumstrittene und ubestreitbare ‚Good Governance’. Ermessensentscheide von Richtern und Behörden sollen von objektivierbaren Kriterien unterlegt sein, alles andere sähe nach Willkürherrschaft aus. Kriterien hier, Checklisten da, revisionsfähige Paper-Trails allüberall – wie schön ist doch unsere Brave New World der Transparenz geworden! Schön? Vielleicht eher auch einfach ziemlich öde, geisttötend und unkreativ. Ein Pseudoparadies für Buchhalter und andere Erbsenzähler dieser Welt.</p>
<p>Mit ‚Secrets’ wird ein charmanter und diskreter Kontrapunkt gegen den Transparenz-Fetischismus gesetzt. ‚Secrets’ lässt die Schönheit dessen aufleuchten, was selten gezeigt wird. Seit dem Feigenblatt, dem ersten Dessous der Menschheitsgeschichte, gibt es eine Ästhetik der Abdeckung. Ohne diese Ästhetik wäre das Intime der Banalisierung ausgesetzt…….</p>
<p>Beim Hummlerschen Gejammer über die öde Transparenz in der demokratischen Schweiz, die nur seine Kreativität hemmt und völlig geisttötend ist, kommt mir doch sofort auch wieder der Dr.Model hoch, der sich für seinen Freistaat als Regierungsform eine Meritokratie vorstellt. Das bedeutet eine Herrschaft der Fähigsten und da nur sehr subjektiv feststellbar ist, wer denn die Fähigen sind, dürfte das wohl auf das Erbprinzip herauskommen, was doch vor 200 Jahren überwunden schien.</p>
<p>Das heisst so oder so: Bei Hummlers absolutistischen Allüren und bei Models Meritokratie finden wir uns so ca. im Barockzeitalter wieder. Oder noch weiter zurück in der Antike mit Sklavenwirtschaft und einer Akademie im Müllheimer Apfelgarten.</p>
<p>Nachdem das St.Galler Tagblatt, der WoZ-Berichterstattung folgend, anfangs März auch nicht besonders freundlich über Avalon berichtet hatte, schreibt rebell.teevau-Seydel  seinem Verleger Model in einem offenen Brief in vollendetem Eso-Kitsch: «Wenn ein keltischer architekt den daniel model im thurgau besucht hätte, er würde sein regierungsgebäude in roh zugeschlagenen steinquadern errichten lassen: eine hohe burg, in mitten seinem walde. und der nebel würde das teil umhüllen und apfelbäumchen würden im burghof gepflanzt. und wäre ihm ein zimmermann begegnet, welcher vorgeschlagen hätte, rohes Rundholz zu einem Fort zu verbauen&#8230; himml&#8230; schurnalisten schlagen zeilen, während der daniel model seinen drängenden gedanken mittels einem haus einen denk_raum verschafft und diesen mit «avalon» übertitelt.»</p>
<p>Apfelbäumchen im Burghof!</p>
<p>Tatsächlich bleibt die Sache unheimlich, und das Lavieren hin und her zwischen reaktionären Staatsideen und linkem Kulturschick sollte weiter beobachtet werden. Darauf möchte ich abschliessend hinweisen. Die Tendenzen zur Entsolidarisierung, die neoliberale Demontage von sozialen Errungenschaften dürfen wir nicht zulassen und schon gar nicht noch -wie gezeigt- in diesem nebulösen Umfeld à la Avalon unterstützen.</p>
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		<title>Distelmeyer vs. Konrad Hummler</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 09:43:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carlos Hanimann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bankgeheimnis]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Aus dem Newsletter des <a href="http://palace.sg/" target="_blank">St. Galler Palace</a>:</p> <p>Freunde der Nacht,</p> <p>diese Geschichte handelt davon, dass Deutsche und Schweizer ihr Geld in die selbe Kasse zahlen. Denn als ein erklärter Fan von <a href="http://nationofswine.ch/2010/02/08/heavy-brillant/" target="_blank">Jochen Distelmeyer</a> hörte, dass wir ein Konzert im Palace machen könnten, dies aber doch unsern finanziellen Rahmen sprengt, da war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus dem Newsletter des <a href="http://palace.sg/" target="_blank">St. Galler Palace</a>:</p>
<p>Freunde der Nacht,</p>
<p>diese Geschichte handelt davon, dass Deutsche und Schweizer ihr Geld in die selbe Kasse zahlen. Denn als ein erklärter Fan von <a href="http://nationofswine.ch/2010/02/08/heavy-brillant/" target="_blank">Jochen Distelmeyer</a> hörte, dass wir ein Konzert im Palace machen könnten, dies aber doch unsern finanziellen Rahmen sprengt, da war er sofort bereit, einen Teil der Kosten zu übernehmen. Er suchte im Palace nach weiteren SpenderInnen und fand draussen vor der Tür prompt ein paar Deutsche, die es ihm gleichtaten. So also kommt es morgen zum ersten Palace-Mäzenaten-Konzert. Es ist nicht gratis, aber es wurde dank den Fan-Spenden überhaupt möglich, allerbesten Dank!<br />
Das scheint uns in dieser Stadt auch insofern erwähnenswert, als die Adresse des lokalen Kapitalismus hier auf den Privatbanker Konrad Hummler lautet. Das Vermögen von Hummler und Partnern beträgt gemäss Wirtschaftsmagazin «Bilanz» 300-400 Millionen. Nun ist es nicht nur so, dass sich Hummler in der Verteidigung der Lebenslüge Bankgeheimnis im Krieg wähnt: «Die Substanz des Finanzplatzes nimmt Schaden, und niemand ganz oben ruft: Mannschaft daher, sammeln!», sagte er gerade am Sonntag. Einer seiner denkwürdigsten Sätze überhaupt lautet: «Jeder Franken, der am Staat vorbeigeht, ist ein gut eingesetzter Franken.» Als ob nicht der Staat das Geld selbst in die Welt setzt, aber egal.</p>
<p>Und nun ist es auch nicht nur so, dass Hummler die südliche Altstadt aufkauft bzw. aushöhlt: Vom seinem Hauptsitz führt ein Tunnel unter der Schwertgasse hindurch in Nebengebäude, die mittlerweile bis nach vorne zur einstigen Kultbeiz «Zur letzten Latern» reichen. Auch das Katharinenkloster hat er gekauft, womit es den dort ansässigen Freikirchlern möglich wurde, ihren neuen Pop-Tempel neben der Autobahnausfahrt St.Fiden zu eröffnen. In den einstigen Musik-Proberäumen unter dem Z-Records soll sich angeblich Hummlers Archiv befinden. Zuletzt hat ihm das Stadtparlament auch die Theatervilla im Baurecht abgetreten. Diese Aushöhlung geht ohne jede Kritik vonstatten.</p>
<p>Nein, vor allem spielt sich Hummler auch als Mäzen auf: Vor einiger Zeit hat er das leicht kindische Unterfangen gestartet, jeden Monat eine Kantate von Johann Sebastian Bach aufführen zu lassen. 25 Jahre soll es bis zur letzten Kantate dauern. Seine Motivation hat Hummler einmal so beschrieben: «Bei der Nummer 39 aus der Matthäus-Passion lief es dem knapp zwölfjährigen Knabensopran heiss und kalt zugleich den Rücken hinunter: jene frühadoleszente Gefühlslage höchsten Glücks und abgrundtiefer Beklemmung, wie sie sich wenig später beim Gewahrwerden der Geschlechtlichkeit wiederholen sollte.» Unterdessen bietet Hummler auch Gratiskonzerte an, «für die Bevölkerung». Und sie strömt in Scharen, als ob wir uns noch im Absolutismus befinden würden.</p>
<p>Freunde der Nacht, es bleibt uns nur eines übrig: Wir müssen den Multimillionären und Demokratiefeinden wie Hummler nicht nur die Daten und Häuser zurückklauen. Sondern auch die ganze Quacksalberei mit dem Mäzenatentum. Denn es ist ja nicht so, dass die einen angeblich Deutsche sind und die anderen Schweizer, sondern dass die einen ihre Steuern zahlen und die anderen nicht. Und Konrad Hummler hilft ihnen dabei. Umso besser, kommt jetzt einer der besten Diskursscheitel:<br />
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Palace, St. Gallen, Mittwoch, 10. Februar, Tür: 20 Uhr, Konzert: 21.30 Uhr: JOCHEN DISTELMEYER (DE). DJ Stanley. Heavy Man, tritt Blumfelds Erbe an. The Return Of The Magnificient Meister-Scheitel, der Verstärker of everything!</p>
<p>Den Newsletter kann man <a href="http://www.palace.sg/newsletter/" target="_blank">hier</a> abonnieren.</p>
 <p><a href="http://nationofswine.ch/?flattrss_redirect&amp;id=796&amp;md5=d7da89de68eef208ac487a0385d1a5e1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://nationofswine.ch/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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