Dreiste Marktradikale – 213 Schritte in den Untergang
Es erstaunt mich immer wieder aufs Neue, mit welcher Dreistigkeit die marktradikalen Ideologen ihre Besitzinteressen bisweilen verteidigen. Jüngstes Beispiel: Der Zürcher Bankenprofessor Martin Janssen. Letzten Freitag tauchte er unerwartet an der Pressekonferenz zum Notverkauf der Bank Wegelin an die Raiffeisen auf. Das mediale Interesse war gross, die Journalisten umringten den engen Freund von Konrad Hummler, so dass man ihn fast schon für dessen Pressesprecher hätte halten können. Hummler selbst, der sich sonst nie für einen spitzen Kommentar zu schade ist, zog es vor, zu schweigen. Stattdessen jammert Janssen nun auf allen Kanälen, dass die Regierung, die Finma und überhaupt alle staatlichen Instanzen versagt hätten, weil sie sich nicht schützend vor den Finanzplatz (sprich: die Bank Wegelin) gestellt haben. Der Staat – sonst bei jeder Gelegenheit gegeisselt – hätte die Bank retten sollen, nachdem sie sich fahrlässig bis eventualvorsätzlich in die Scheisse geritten hatte. Wie sehr die Verantwortlichen die Bank Wegelin die Sache verbockt haben, kann man in der Anklageschrift (pdf) gegen drei Wegelin-Banker nachlesen. Hummler stellt sich als «Opfer einer grösseren Sache» dar. Aber man muss es schon nochmal klarstellen: Hummler ist nicht Opfer, sondern Täter. Wer reichen Amerikanern hilft, Geld vor den Steuerbehörden zu verstecken, erfindet kein cleveres Geschäftsmodell. Er leistet Beihilfe zu einer kriminellen Tat.
213 Schritte – soweit mussten die US-Kunden gehen, um ihr Schwarzgeld von der von den USA bedrohten UBS in die vermeintlich sichere Bank Wegelin zu bringen. Mein Artikel über die Schwarzgeldstrategie von Konrad Hummler und das Ende der Bank Wegelin gibt es in der aktuellen WOZ.
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Ich frage mich nur, was marktradikal daran sein soll, den Staat zu rufen, um Banken, die gegen Gesetze verstossen, zu retten…