Die Lügen der Weltwoche
Vorsicht, dieser Eintrag könnte lang werden, aber er muss sein, die Lügen müssen festgehalten werden, Satz für Satz. Die Weltwoche, die sich «hartnäckiger Recherche» rühmt, hat mit einer langen Reihe von Falschbehauptungen dazu beigetragen, dass der Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand diese Woche zurückgetreten ist. Dass Hildebrand geht, fair enough. Die familiären Börsengeschäfte waren fragwürdig, fahrlässig, vielleicht sogar dumm. Aber das bewegt mich jetzt nicht. Es mag pathetisch klingen: Aber die Weltwoche hat letzte Woche das letzte bisschen Journalismus, das noch in der Redaktion an der Förrlibuckstrasse gesteckt haben mag, vernichtet. Sie hat meinen Berufsstand durch den Dreck gezogen und damit jedem Reporter, der sich ein bisschen um Fairness oder Ethik kümmert, ins Gesicht gespuckt.
Roger Köppel reagiert manchmal empfindlich auf Angriffe auf sein Blatt. Nicht weil seine journalistische Integrität untergraben wird, sondern weil er als «Unternehmer» Kritik an seine Zeitschrift als «kreditschädigend» wertet. Dabei hat er längst jeden Kredit verspielt.
Das hier wird ein Work-in-progress-Eintrag, ein Crowdsourcing-Artikel, wenn man so will. Ich mach mal den Anfang und widerlege die Lügen und die unbelegten Behauptungen, die die Weltwoche letzte Woche als Tatsache darstellte. Im besten Fall immer auch mit Link zum Beleg. Liebe JournalistInnen, liebe LeserInnen, ihr seid herzlich dazu eingeladen, mitzuhelfen – in der Kommentarfunktion, über Twitter, Facebook oder Mail … Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man die Falschbehauptungen ein für alle mal festhält. Falls ich mich irre oder Fehler mache, bitte ich um Richtigstellungen (mit Link, wenn möglich).
+++
Die Falschbehauptungen beginnen schon auf dem Cover:

Philipp Hildebrand betreibt Insider-Geschäfte. Der Notenbankpräsident tätigte private Währungs-Deals in Millionenhöhe. Gegen ihn wurde Strafanzeige erstattet.
Insider-Geschäfte ist falsch: Ein Insider-Geschäft ist eine kriminelle Tat. Was Hildebrand (oder seine Frau) getan hat, ist rechtlich nicht beanstandet worden. Der zweite Satz kann mit viel gutem Willen als halbwahr taxiert werden: Hildebrand hat zumindest für 20000 Franken US-Dollar auf das Konto seiner Tochter transferiert. Der dritte Satz ist wieder komplett falsch: Bis dato wurde keine Strafanzeige gegen Hildebrand erstattet. Allerdings: Immerhin der Name des Autors auf dem Cover dürfte korrekt sein.
Zum Artikel selber …
Spekulant Hildebrand
Von Urs Paul Engeler
Zwei Telefonate brauchte der oberste Währungshüter, um 75 000 Franken zu «verdienen». Philipp Hildebrand betreibt Insider-Geschäfte, belügt die Öffentlichkeit. Und der Bankrat segnet seine unlauteren Währungsspekulationen ab. Jetzt ist die Justiz am Zug.
Falsch ist, dass Hildebrand zwei Telefonate brauchte. Laut Bank Sarasin hat seine Frau die Aufträge erteilt, zumindest für den Kauf von 400000 US-Dollar am 15. August 2011. Sein Einverständnis erklärte Hildebrand erst mit der nachträglichen Unterzeichnung des Geschäfts. Wie Engeler auf exakt 75000 Franken Gewinn kommt, bleibt mir auch nach langem Studium der Kontoauszüge schleierhaft. Es handelt sich um eine Interpretation von einem Kauf und einem Verkauf, von denen nicht belegt ist, dass sie notwendigerweise zusammenhängen. Dass Hildebrand Insider-Geschäfte betreiben soll, hatten wir schon auf dem Cover: Falsch. Belügt Hildebrand die Öffentlichkeit? Den Beleg dafür sehe ich nicht.
Den Dollar-Kauf, den Frau Kashya Hildebrand, Galeristin in Zürich, am 15. August für sich und ihr Töchterchen Natalia, 11, getätigt haben soll, hat in Wirklichkeit ihr Mann Philipp Hildebrand, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), auf einem seiner eigenen Bankkonti vorgenommen, das er bei der Privatbank Sarasin unterhält.
Das ist nach wie vor eine Behauptung. Es steht Aussage gegen Aussage. Die Dokumente, die Hildebrand vorlegte, sind zum einen belastend (Mail, Contact Notes), zum andern entlastend (Handnotizen, Erklärung des Kundenberaters F.S.).
Genau 400 000 Franken investierte er per Anruf in dieses risikolose Geschäft.
Risikolos ist das Geschäft nur, wenn Hildebrand tatsächlich Insiderwissen hatte, bzw. dieses nutzte. Es ist offen, ob er diesen Auftrag per Anruf tätigte.
Nach der Frankenabwertung, die er als oberster Währungshüter alsdann beschlossen und am 6. September 2011 verkündet hatte, verkaufte er, wieder über sein eigenes Konto handelnd, Anfang Oktober die rund 500 000 Dollar mit einem satten Gewinn von 75 000 Franken.
Es ist unklar, ob Hildebrand selber handelte.
Diese unstatthafte Transaktion war keineswegs das einzige Insidergeschäft, das der allseits applaudierte Star-Banker Hildebrand getätigt hat.
Insidergeschäft? Schon wieder?
Ein Blick in sein Sarasin-Konto belegt: Der Mann, der andern Bankangestellten immer strengere Vorschriften zumutet, der Stabilität garantieren soll, der die Schweiz international repräsentiert und seit kurzem den Titel eines Vizepräsidenten des internationalen Finanzstabilitätsrats (FSB) führt, ist ein Währungsspekulant.
Dass er ein Währungsspekulant sein soll, ist eine fragwürdige Interpretation. Strenggenommen ist jeder, der an der Börse handelt, ein Spekulant. Wenn man den Begriff aber etwas enger fasst, hätte Hildebrand wohl eher mit Optionen gehandelt, um zu spekulieren – und nicht mit einfachen Währungstransaktionen.
Regelmässig kauft und verkauft der Trader, der pro Jahr allein als SNB-Präsident 995 000 Franken verdient, dank seines Insiderwissens Dollars und Euros.
Alles auf dem eigenen Konto
Ein kleiner Angestellter der Bank Sarasin – nennen wir ihn in Anlehnung an den legendären Informanten der Watergate-Affäre «Deep Throat II» – hat diese Praktiken nun publik gemacht.
Das ist nicht falsch. Aber Engeler hat mit R.T., den er in einem Anflug von – hm, Grössenwahn? – «Deep Throat II» nennt, nie gesprochen. Er hat sie laut eigenen Angaben auch nicht publik gemacht. Er wollte nur, dass der Fall untersucht wird. So schreibt er es in einer Mail. Übrigens: Wieviele Fehler waren es jetzt schon? Und wir sind erst beim ersten Zwischentitel …
In der Zwischenzeit hat er sich gleich selbst wegen Verletzung des Bankgeheimnisses angezeigt. Die Zürcher Staatsanwaltschaft III für Wirtschaftsdelikte bearbeitet den Fall. Da «Deep Throat II», der bereits vor Weihnachten die (offenbar desinteressierte oder ängstliche) Blick-Redaktion informiert hatte,
Offenbar desinteressiert oder ängstlich? Man könnte auch sagen: sorgfältig. Zudem: Er hat die Blick-Redaktion nach eigenen Angaben (wie auch den Angaben der Reporter) eben nicht informiert, sondern wollte wissen, wie viele Informationen diese besassen.
seinerseits Hildebrand wegen Verletzung des Börsengesetzes angezeigt und als Beleg Bankdaten beigebracht hat, interessiert die Zürcher Justiz sich nun nicht nur für «Deep Throat II», sondern auch für die Geschäfte des Schweizer Notenbankchefs.
In diesem Satz ist so ziemlich alles falsch, was falsch sein kann. R.T. hat keine Strafanzeige erstattet und keine Bankdaten übergeben. Die Justiz ermittelt auch nicht gegen Hildebrand, wohl aber gegen R.T. und gegen «Dritte wegen Verleitung zur Verletzung des Bankkundengeheimnisses und wegen Ausnützung des Verrats des Geschäftsgeheimnisses», nachdem die Bank Sarasin Anzeige erstattet hat.
So wird möglich bis wahrscheinlich, dass gegen Hildebrand ein Strafverfahren eröffnet wird. Insider-Transaktionen sind Offizialdelikte; sie müssen von Amtes wegen verfolgt werden.
Artikel 161 des Strafgesetzbuchs ist klar: «Wer als Mitglied des Verwaltungsrates, der Geschäftsleitung, der Revisionsstelle oder als Beauftragter einer Aktiengesellschaft oder einer sie beherrschenden oder von ihr abhängigen Gesellschaft, als Mitglied einer Behörde oder als Beamter, oder als Hilfsperson einer der vorgenannten Personen, sich oder einem andern einen Vermögensvorteil verschafft, indem er die Kenntnis einer vertraulichen Tatsache, deren Bekanntwerden den Kurs von in der Schweiz börslich oder vorbörslich gehandelten Aktien, andern Wertschriften oder entsprechenden Bucheffekten der Gesellschaft oder von Optionen auf solche in voraussehbarer Weise erheblich beeinflussen wird, ausnützt oder diese Tatsache einem Dritten zur Kenntnis bringt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.»
In den Kommentarspalten weist Sascha Erni darauf hin: «Zum ganzen Abschnitt “Artikel 161 des Strafgesetzbuchs ist klar”: Ja, ist er, wie selbst Herr Blocher in einem Nebensatz an der Medienkonferenz vom 9. Januar sagte – Devisenhandel wird nicht vom Artikel 161 StGB abgedeckt, die Schweiz kennt keine „Insidergeschäfte“ mit Devisen. Höchstens mit Optionen darauf, und selbst das ist fraglich.»
Diese Strafandrohung gilt ebenso für Insidergeschäfte von Angehörigen: «Wer eine solche Tatsache von einer der in Ziffer 1 genannten Personen unmittelbar oder mittelbar mitgeteilt erhält und sich oder einem andern durch Ausnützen dieser Mitteilung einen Vermögensvorteil verschafft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft.» Die Ausrede mit der Frau als Täterin, die sämtliche Medien brav übernommen haben, verschiebt nur das Problem.
Grossangelegter Vertuschungsversuch
Beinahe hätte der grossangelegte und raffiniert eingefädelte Versuch, die Machenschaften Hildebrands zu vertuschen, sein Ziel erreicht.
Mit dem Wort vertuschen unterstellt die Weltwoche, dass jemand (die SNB? Der Bankrat? Der Bundesrat?) versucht habe, die Geschichte unter dem Deckel zu halten, nie publik werden zu lassen.
Nur kurz flackerte Staunen und Nervosität durch einige Redaktionsstuben, als am Abend des Freitags, des 23. Dezember, die Schweizerische Nationalbank per Communiqué unvermutet verbreitete, ihr Präsident Philipp Hildebrand geniesse weiterhin das uneingeschränkte Vertrauen des Bankrats, des elfköpfigen Aufsichtsgremiums: Die Gerüchte, Hildebrand habe illegale Geschäfte betrieben, seien haltlos. Zeit zur Recherche blieb keine mehr, und die Getränke der Festtage spülten, wie von der SNB beabsichtigt, die Erinnerung an das «wohl ungewöhnlichste Communiqué in der jüngeren Geschichte der Nationalbank» (so der erfahrene Wirtschaftsjournalist Balz Bruppacher) weg.
Blocher nur der Briefträger
In einem zweiten Akt lancierten die von Hildebrand auf Bankkosten engagierten PR-Profis am Neujahrstag die grosse Offensive. SVP-Nationalrat Christoph Blocher, so die von der Sonntagszeitung und der NZZ am Sonntag, den beiden publizistischen Armen des Notenbankchefs, als Hauptstory verbreitete Nachricht, sei es gewesen, der versucht habe, den Notenbankchef anzuschwärzen.
Nun reagieren auch Chefredaktoren von Sonntags-Blättern beim Namen Blocher wie pawlowsche Hunde beim Anblick der Wurst: Hirn aus, Speichel an! Und plötzlich waren nicht mehr die illegalen Deals des heiligen Herrn Hildebrand das Thema, sondern die Tatsache, dass Blocher die frühere Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey (SP) davon in Kenntnis gesetzt hat.
Tatsächlich spielte Blocher in diesem Stück nur die Rolle eines Statisten, nämlich die des Briefträgers. Auslöser der Affäre ist «Deep Throat II», Hildebrands Kundenberater bei der Bank Sarasin und Cie. AG in Zürich.
Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, war der Whistleblower nicht Hildebrands Kundenberater F.S., sondern eben der IT-Mitarbeiter R.T. Aber das konnte Engeler nicht wissen, denn mit R.T. hatte er zu diesem Zeitpunkt ja gar nie direkten Kontakt gehabt.
Der Bankangestellte hatte bereits im Oktober seinen Rechtsanwalt über die rechtswidrigen Transaktionen informiert.
Dieser Satz geht von falschen Bedingungen aus, deswegen ist es schwer zu prüfen, was richtig und falsch ist: Wenn mit Der Bankangestellte Whistleblower R.T. gemeint ist, widerspricht der Rechtsanwalt Hermann Lei dieser Darstellung, dass er sein Anwalt gewesen sei. Er sagt: «Er [R.T.] bemühte mich auch nicht als Anwalt, ich hatte kein Mandat von ihm.»
Ziel war es, eine Strafuntersuchung gegen Hildebrand zu erreichen. Der später informierte Blocher riet davon ab, etwas zu tun, was publik werden könnte; er wollte, dass der Bundesrat als Wahlbehörde der SNB-Spitze die Angelegenheit klärt und (mit einem diskreten, gesundheitlich motivierten Rücktritt Hildebrands) regelt. So präsentierte der SVP-Nationalrat das Papier in einer vertraulichen Sitzung Calmy-Rey. Dieses Vorgehen hat sich als nicht allzu geschickt erwiesen; der direkte Weg zur Justiz hätte wohl mehr Erfolg und weniger Verschleierung versprochen.
Calmy-Rey allerdings nahm die Informationen offenbar ernst, sehr ernst sogar. Auf jeden Fall bot sie Markus Seiler, den Chef des Nachrichtendienstes, Michael Lüpold, den Direktor des Bundesamtes für Justiz, sowie Finanzexperten der Bundespolizei zur geheimen Unterredung vom 15. Dezember auf. Noch am gleichen Tag konfrontierte sie Hildebrand und die Nationalbank mit den Vorwürfen. Nach dem Alarm aus dem Bundeshaus liess die SNB die Sache anscheinend untersuchen, nicht durch eine gänzlich aussenstehende, wirklich unabhängige Instanz, sondern lediglich durch die von der SNB entlöhnte Revisionsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Was die PwC-Experten gefunden haben und wie sie die Fakten bewertet haben, bleibt geheim. Auch auf hartnäckiges Nachfragen über die Zahl der analysierten Konti und Bankverbindungen sowie über Millionen-Transaktionen Hildebrands verweigert die SNB jede Auskunft. Wie Recherchen der Weltwoche zutage fördern, entspricht das SNB-Communiqué (siehe Kasten auf Seite 15) nicht der Wahrheit.
Geheimsitzung des Bundesrats
Offenbar traute auch Calmy-Rey diesen SNB-Abklärungen nicht und beauftragte ihrerseits Kurt Grüter, den Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK), und dessen Stellvertreter mit eigenen Nachforschungen. In ihren letzten Amtstagen nahm sie in diesem politisch und ökonomisch explosiven Fall ihre Führungsverantwortung wahr, zumindest vorerst.
Am 23. Dezember traf der Bundesrat, der am 17. Dezember sein Jahresprogramm bereits als beendet erklärt hatte, sich zu einer ausserordentlichen Zusatzsitzung. Einziges Thema der klandestinen Unterredung, die dreieinhalb Stunden (!) dauerte und über die nicht informiert wurde: die seltsamen Geschäfte des Herrn Hildebrand. Dem Vernehmen nach zeigten sich die beiden Sozialdemokratinnen Calmy-Rey und Simonetta Sommaruga sowie SVP-Bundesrat Ueli Maurer besorgt über die explosiven Informationen.
Doch die von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP), als ehemalige Bankrätin eine enge Vertraute Hildebrands, Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP), der ebenfalls eng mit Hildebrand kooperiert, sowie Doris Leuthard (CVP), einer dritten Anlaufstelle Hildebrands, angeführte Mehrheit blockte. Sie beschloss, einfach den grossen Deckel über die Affäre zu stülpen. Offenbar fühlten sie sich nach dem schriftlichen, aber nicht publizierten Bericht Grüters, der via Sonntag eine Unbedenklichkeitserklärung äusserte, sicher. Der oberste Controller des Bundes selbst brauchte vier Tage, um sieben konkrete Fragen der Weltwoche mit dem lapidaren Verweis auf die SNB, die keine Fragen beantwortet, zu beantworten . . .
In einem stundenlangen Hin und Her einigten Bundesrat und SNB-Spitze sich am Freitagnachmittag auf das lügenhafte Communiqué vom 23. Dezember. Da über die Feiertage keine Medien recherchierten und der anschliessende Marsch der enttäuschten Informanten zum Blick folgenlos blieb, schien die Affäre per Vertuschung bereinigt.
Detaillierte Fragen, welche die Weltwoche vor dem Jahreswechsel schriftlich stellte, schreckten Hildebrand und die SNB offenbar doch noch auf. Allerdings erweist sich der vermeintlich grosse präventive Gegenschlag, den sie mit dem Thema Blocher führen wollten, nun als fataler Fehler, weil die ersten Lügen mit noch penetranteren Lügen gesteigert werden. So schreibt der von Hildebrand und seinen Helfershelfern fehlinformierte Chefredaktor der NZZ am Sonntag wiederholt, die Dollar-Transaktionen seien über das Konto der Frau Hildebrands, einer US-Bürgerin, gelaufen. Wie der Faksimile-Auszug, welcher der Weltwoche von einer dritten Seite zur Verfügung gestellt wurde, jedoch zweifelsfrei belegt (Seite 13), heisst der berechtigte Inhaber des Kontos Philipp Hildebrand, geboren am 19. Juli 1963, wohnhaft an der Scheideggstrasse 44 in 8002 Zürich, vis-à-vis dem schönen Rieterpark.
Hildebrands Millionen-Käufe
«Deep Throat II» hält sich bedeckt; ein Interview ist nicht möglich. Hingegen wurde der Weltwoche von zuverlässiger Seite bestätigt, dass es auch der oberste Währungshüter selbst war, der ihm die Aufträge zu den Devisenspekulationen erteilt hatte (siehe Kasten links). Diese Aussagen sind glaubhaft. Erstens ist das Geschäft vom 15. August nicht das einzige, sondern nur eines in einer Reihe von Transaktionen, die Hildebrand über die Devisenbörse Foreign Exchange (Forex) tätigte. Am 10. März zum Beispiel kaufte er für den stolzen Betrag von 1,1 Millionen Schweizer Franken 1,733 Millionen US-Dollar oder am 14. April 45 000 Euro zum Preis von Fr. 58 467.47. Die rund 500 000 Dollar, die er am 15. August erworben hatte, stiess er am 4. Oktober wieder ab – und aus den investierten 400 000 Franken wurden, nach Abwertung des Frankens vom 6. September, 475 000 Franken, ein risikoloser Gewinn von 18,75 Prozent innert sechs Wochen!
Dass nicht Ehefrau Kashya, die als Galeristin über andere geschäftliche und private Bankverbindungen verfügen muss, die lukrativen Deals getätigt hat, legt auch die Tatsache nahe, dass Hildebrand an diesem Montag im August neben den Dollar-Käufen weitere fünf Transaktionen abgewickelt hat: den Kauf von Roche-, Nestlé- (zweimal) sowie Weatherford-Aktien (zwei Pakete) im Wert von 96 100 Franken. Letzte Klarheit über den Auftraggeber kann die Kontrolle der Telefondaten liefern.
Sämtliche Bankleute, die den Fall Hildebrand verfolgen, staunen, schütteln die Köpfe und ärgern sich. Die Aufseher über den Finanz- markt (Finma) haben verbindliche Reglemente erlassen, die jede ihrer Börsenaktionen einer detaillierten Kontrolle unterstellen («Marktverhaltensregeln»). Effektenhändler werden zum Beispiel auf der «Watchlist» geführt, die alle preissensitiven Informationen speichert; eine «Restricted List» bezeichnet all die Geschäfte, die Angestellte gar nicht tätigen dürfen. 66 Paragrafen umfasst das öffentlich zugängliche Rundschreiben (www.finma.ch). Einer der Treiber für immer härtere Vorschriften ist ausgerechnet Spekulant Hildebrand.
Was hingegen Hildebrand und seine Kollegen im Direktorium sich selbst alles erlauben, bleibt geheim! Zwar existiert ein internes Reglement über Eigengeschäfte der Mitglieder des Erweiterten Direktoriums, das jedoch streng unter Verschluss bleibt. Nicht einmal die Nachfrage der Weltwoche, warum die Richtlinien nicht publiziert würden, wird beantwortet. Anscheinend sind die Regeln locker. Allerdings hat Hildebrand 2006 in einem Interview mit der Bilanz einige Vorschriften erwähnt (kleiner Kasten auf dieser Seite), was ihn definitiv als üblen Falschspieler entlarvt: «Wir dürfen etwa keine individuellen Bankaktien halten oder Wechselkursoperationen vornehmen. Falls wir Firmenaktien halten, ist dies nur über ein Vermögensverwaltungsmandat möglich. Was also verlangt wird, sind Transparenz und bestimmte Richtlinien, die es einzuhalten gilt.» Wie dem Sarasin-Auszug zu entnehmen ist, nimmt Hildebrand regelmässig «Wechselkursoperationen» vor und hält er auch ohne Mandat Aktien mehrerer Firmen. Wie die anderen Konti und Depots bestückt sind, die er auch noch besitzt, kann nur erahnt werden.
Er verstösst gegen eigene Grundsätze
Falls dieses Reglement also noch in Kraft ist – und davon ist auszugehen –, dann ist die Causa Hildebrand längst ein Skandal, der weite Kreise involviert und unglaubwürdig macht. Obwohl die Sarasin-Unterlagen beweisen, dass der oberste Währungshüter vorschriftswidrig Devisengeschäfte tätigt und mit Aktien handelt, haben alle untersuchenden Behörden ihm einen Persilschein ausgestellt, und dies, ohne ihre Abklärungen öffentlich zu machen. Damit sind die Revisionsfirma PwC, der elfköpfige Bankrat mit alt Nationalrat Hansueli Raggenbass (CVP, TG) als Präsident, Kurt Grüter, der Chef der Finanzkontrolle, sowie die Bundesrätinnen Eveline Widmer-Schlumpf (BDP), Doris Leuthard (CVP) und Bundesrat Johann Schneider-Ammann (FDP) Teile einer eigentlichen Staatsaffäre – und ab sofort nicht mehr tragbar.
Der vielgerühmte und auffällig geschniegelte Herr Hildebrand selbst entpuppt sich als Gauner, der sich illegal Vorteile erschleicht.
Die oft zitierte Passage entspricht nicht der Wahrheit: Selbst wenn Herr Hildebrand selber Devisen gehandelt haben sollte, war das nicht illegal. Engeler weiss das, er zitiert ja oben den Art. 161 StGB.
Seine Abwehrversuche erinnern fatal an die untauglichen Manöver des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff, sich gegen die Wirklichkeit zu stemmen. Und die hohe politische Korona aber, die Hildebrand trotzdem schützt und stützt, besteht offenbar aus einem dichten Geflecht von Lügnern und Vertuschern.
Die Behauptung, dass die Politik aus einem dichten Geflecht von Lügnern und Vertuschern bestehe, ist durch keinen Satz in diesem Text belegt.
21 Responses to Die Lügen der Weltwoche
Hinterlasse eine Antwort Antworten abbrechen
Neuste Kommentare
Knapp daneben – Fussball & Alltag- Die schlechteste Serviette der Welt 20. Februar 2012
- Neulich im Sicherungskasten 19. Februar 2012
- Bildrätsel zum Feierabend 16. Februar 2012
Blogs
- «A daily look at war, sports, and everything in between» – Der New-Yorker-Blog von Amy Davidson (englisch)
- Crownpropellers Blog: Jump, Jazz, Jive, Vintage R'n'B
- Jens Weinreich – Blog des investigativen Sportjournalisten
- Matt Taibbi – Der Politreporter des Rolling Stone (englisch)
- When Saturday Comes – The Half Decent Football Magazine




Ich bin das Editorial von Köppel durchgegangen und habe ein Google-Docs daraus gemacht:
https://docs.google.com/document/d/12nmE9Ci2r88YxxnFmXiIBDpnhCDpQ4pMB-_TCpGBXPQ/edit
[...] WOZ-Journalist Carlos Hanimann macht sich an eine Dekonstruktion der letztwöchigen “Weltwoche”-Titelgeschichte (und bittet dazu um Mithilfe). Auch wenn bereits einige kritikwürdige Punkte aufgefunden wurden, [...]
Zum ganzen Abschnitt „Artikel 161 des Strafgesetzbuchs ist klar:“ Ja, ist er, wie selbst Herr Blocher in einem Nebensatz an der Medienkonferenz vom 9. Januar sagte – Devisenhandel wird nicht vom Artikel 161 StGB abgedeckt, die Schweiz kennt keine „Insidergeschäfte“ mit Devisen. Höchstens mit Optionen darauf, und selbst das ist fraglich.
Vielleicht sollte man die Xenophobiewoche weniger auf Fehler, Propagandalügen und Spin untersuchen, sondern auf die wenigen Fakten, die stimmen. Gibt weniger Arbeit. Noch besser: Ignorieren.
Meines Wissens (als studierter Oekonom und ehemaliger Steuerberater, allerdings deutscher Herkunft) ist “First In, First Out” auch in der Schweiz ein absolut übliches Verfahren zur Bewertung von Beständen, deren einzelne Positionen nicht voneinander unterschieden werden können (“Schüttgut”-Problem).
Wer diesbezüglich – wie WeltWoche, aber leider auch SF online und andere – “buchhalterische Tricksereien” unterstellt und daraus eine angebliche Verfehlung meint konstruieren zu müssen, tut dies zumindest nicht auf der Grundlage von in Fachkreisen akzeptierten Standards (und mehr kann es, wo es um per definitionem willkürliche Bewertungsfragen geht, logischerweise nicht geben).
Add.: dass Philipp Hildebrand den herbeigerechneten “Gewinn” von 75.000 CHF gespendet hat, ist meiner Ansicht nach kein Schuldeingeständnis, sondern ein Zeichen von dem, was Köppel et al. nicht mal im Fremdwörtbuch haben: Stil.
Einer geht noch
von ZEIT Schweiz, Mittwoch, 11. Januar 2012 um 11:15
Was kommt nach dem Hildebrand-Rücktritt? Die Schweizer Rechte nimmt schon die nächsten Institutionen ins Visier
VON PEER TEUWSEN
Nein, der Mann war nicht mehr zu halten. Philipp Hildebrand fehlte das Sensorium, sein Amt in letzter Konsequenz auszufüllen. Er, der fast eine Million Franken pro Jahr verdient und ein beträchtliches Vermögen sein Eigen nennen dürfte, meinte, er könne sich als Chef der Notenbank zusammen mit seiner Frau noch ein bisschen auf den Aktien- und Devisenmärkten tummeln.
Nein, er wollte sich und seine Familie nicht wirklich bereichern, er wollte einfach ein Investment tätigen, so wie es die Kreise, aus denen er kommt, eben tun. Das war zwar im Rahmen der Richtlinien nach heutigem Wissen legal, aber es zeugte von enttäuschender Instinktlosigkeit. Ein Notenbanker bekommt ein fürstliches Einkommen, damit hat er sich zu begnügen, zum Kasino ist ihm der Zutritt verboten. Alle Devisengeschäfte müssten einem leitenden Angestellten der Notenbank verwehrt bleiben.
Das alles wäre mit schweizerischer Genauigkeit zu berichtigen und zu bestrafen gewesen – ohne es zum Äußersten kommen zu lassen. Aber die Gerichtshöfe der rechtsbürgerlichen Moral, die keine Strafprozessordnung kennen, hatten ihr Urteil schon länger gefällt. Philipp Hildebrand war in ihren Augen schuldig der Amtsanmaßung, er hatte sich erfrecht, den Banken Zügel anzulegen, den Franken an die europäische Realität anzubinden und sich auf internationalem Parkett zu bewegen. Und er genoss die Rückendeckung von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, die sich erdreistet hatte, den Regierungssitz einzunehmen, der doch Christoph Blocher, bitte schön, auf Lebenszeit zusteht.
Dieser Rücktritt, so eindrucksvoll er gestaltet war, macht wütend. Hildebrand hat sich seinen Häschern ergeben. Sie schossen seit vielen Monaten mit ihren Schrotflinten, und irgendwann mussten sie treffen. Denn keiner ist ohne Fehl und Tadel. Mit seinem Abgang rettete der Mann die Glaubwürdigkeit der Nationalbank und womöglich seine Ehre und Ehe. Das wird sich zeigen, irgendwann, vielleicht.
Was aber gewiss ist, sind die politischen Kollateralschäden, die Hildebrand mit seinem sofortigen Abgang in Kauf nimmt. Er war einer der Besten, die man sich auf so einem Posten denken kann. Wer ihm begegnet ist, war beeindruckt von seiner Sachkenntnis, seinem Willen und seiner Rhetorik. In der Bevölkerung genoss er großes Vertrauen, auch weil er sich öffentlich exponierte. An solcher Exzellenz ist das Land wahrlich nicht reich. Aber man soll den Mann nicht überhöhen, auch ein Hildebrand ist ersetzbar, besser: Er muss es sein, sonst wäre die Schweiz arm dran. Und einen wesentlichen Teil seiner Arbeit hat er mit der too big to fail-Vorlage geleistet. Bloß wenn sich so einer der Schmierenkampagne beugt, dann ist das ein schlechtes Zeichen. Mancher fragt sich heute: Wenn der nicht standhalten kann, wer dann?
Eine pitoyable Rolle spielte in diesem Kesseltreiben die Wirtschaft. Es gab keinen führenden Vertreter vom Dachverband Economiesuisse, von der FDP, von den Gewerkschaften, der sich frühzeitig und mit aller Deutlichkeit hinter Hildebrand stellte. Wo waren denn die Hummlers und Pellis, Vasellas und Rechsteiners? Nein, sie leisteten gar das Gegenteil von Schützenhilfe, sie rupften ihre eigenen Hühnchen mit dem mächtigen Mann. Am 4. Januar etwa, mitten in der größten Schlammschlacht, fühlte sich der Gewerkschaftsbund noch bemüßigt, die Nationalbank für ihre Geldpolitik zu kritisieren. Jetzt aber, wo er weg vom Fenster ist, vergießen sie allesamt Krokodilstränen und »bedauern« den Rücktritt wortreich. Es wollte sich keiner die Finger an diesem Fall verbrennen, er könnte ja vom Strudel der Ereignisse mitgerissen werden. Schon mal was von Zivilcourage gehört, meine Herren?
Die Causa Hildebrand ist der vorläufige Höhepunkt eines Kampfs gegen die Institutionen, dem sich ausgerechnet die Partei verschrieben hat, welche die Schweiz im Namen trägt. Nach der Justiz (»Richterstaat«), der Politik (»classe politique«) folgt nun die Nationalbank. Nach Hildebrand werden der Bankrat und der Bundesrat unter Feuer geraten. Die Säulen, auf denen dieses Land ruht, sollen zerschossen werden.
Ihren Kampf führt die SVP ohne Rücksicht auf Verluste, menschliche wie institutionelle. Sie nimmt dafür sogar den Bruch des Bankkundengeheimnisses in Kauf, das ihr doch ach so am patriotischen Herzen liegt. Dies alles tun die Vertreter der Partei im Brustton der Überzeugung, der Rechthaberei, des Alarmismus. An ihrer Spitze steht mit Christoph Blocher ein Mann, der fröhlich zugibt, man müsse in der Politik halt auch mal die Unwahrheit sagen. Und dieser Mann besitzt auch noch die Unverfrorenheit, zu erklären, ihm gehe es nur um das Wohl des Landes. Man wolle, heißt es, die Institutionen stärken, indem man die Mitglieder, die sie schwächten, entferne. Wenn Philipp Hildebrand schwach war, dann möchte man wissen, wo die Starken wohnen. Außer in Herrliberg. Oder anders gefragt: Heiligt der Zweck denn jedes Mittel?
Das Schlachtfeld ist angerichtet. Politik und Wirtschaft sind völlig verunsichert – und das in diesen ungewissen Zeiten. Jeder schaut nur für sich und versucht, seine Schäflein ins Trockene zu bringen. Nein, das ist kein schöner Anblick. Wer erhebt endlich seine Stimme gegen dieses Tun, das uns allen schadet?
Ein Bravo an Peer Teuwsen. Sehr gut.
auch wenn der zeit-artikel wirklich lesenswert ist, frage ich mich: ist es ok, den ganzen text hier ins forum zu posten?
Die Liste mit den Lügen der Weltwoche? Die Liste mit den Wahrheiten, die die WeWo verbreitet, wäre viel kürzer?
Danke – endlich hat sich jemand die Mühe gemacht und es nachgezeichnet. Hildebrands Tat war nicht okay, aber das, was die Weltwoche mit ihm und diversen anderen Personen immer wieder macht hat nichts mehr mit Journalismus zu tun!
Merci, Monsieur Teuwsen, de vos informations. Je suis toujours intéressée à vos prises de position.
Danke für diese Richtigstellungen.
Ich möchte auf folgende Überlegung hinweisen, die leider journalistisch noch nicht bearbeitet wurde und die Sache doch einfach ins richtige Licht und Verhältnis setzt:
Die Hildebrands hatten schlicht gar keine Absicht zur Devisenspekulation. Weil wenn, würde man das doch ganz anders machen. Z.B. ganz sicher nicht auf einem Konto das auf den eigenen Namen lautet.
Damit kann man sich auch erklären, warum die Hildebrands die Sache so naiv um nicht zu sagen dumm gemacht haben.
Das sagt übrigens Frau Hildebrand heute selbst im Interview. Aber das wäre doch eine Sache der Medien, einen solchen Gedanken zu denken und zu vermitteln.
Ich meine, Hildebrand kann man einzig vorwerfen – Peer Teuwsen tönt es an -, dass er zurückgetreten ist und seine Unabhängigkeit und Souveränität durch die in der Sache belanglose Transaktions-Geschichte aufgegeben hat. Unglaublich, dass fast die ganzen Medien glauben diese eine Transaktion sei relevant. Für mich ist der Rücktritt von Hildebrand ein Rückschritt für die fortschrittliche Schweiz. Dahinter geht es um die grundsätzliche kulturelle Ausrichtung der Schweiz und mehr .. ein Kulturkampf zwischen der alten und der neuen Schweiz.
herr teuwsen, ganz gross!
»Der Vorwurf der Lüge trifft also bisher nur Blocher selbst.«
Raphael Gross in der FAZ.
http://www.faz.net/aktuell/schweiz-die-angegriffenen-angreifer-11600323.html
Nur, weil die Weltwoche strafrechtlich relevante falsche Anschuldigungen macht, heisst das nicht, dass sie wahr sind und mit Ihrer Wiederholung wahrer werden.
Fakt ist, dass der strafrechtlich relevante Begriff Insiderhandel für Devisengeschäfte nicht gilt. Ausserdem ist das Halten von Liquidität in einem Währungsmix zum Erwerb einer Immobilie alles andere als hoch spekulativ, sondern eine völlig gängige Kapitalschutzmethode. Es ist fraglich in wie weit es koscher ist jemanden Gauner oder Spekulanten zu nennen, wenn lediglich Kapitalschutz das motiv war und kein Leverage verwendet wurde.
Im Gegenteil, die strafrechtlich relevanten Anschuldigungen der Weltwoche und die Wiederholung derselben können ohne weiteres als strafrechtlich relevante Rufschädigung eingestuft werden.
bravo, danke für diese zusammenstellung! interessant, dass sich gewisse journalistInnen, die mehr solidarität mit journi-kollegInnen fordern, diesen lügen nicht nachgehen. ich finde auch, die “weltwoche” zieht mit dieser art der berichterstattung den ganzen berufsstand in den dreck. andere blätter haben gezeigt, dass man auch ohne schlammschlacht und ehrverletzende wörter tatsachen vermitteln kann. aber letzteres war ja wohl offensichtlich nicht sinn der sache…
und in svp-manier diese lügen auch immer und immer wieder zu wiederholen, macht sie nicht wahrer. letztlich finde ich auch den preis für so einen journalisten, der notabene an seinen lügen festhält, völlig unangebracht.
quo vadis, helvetia?
[...] feiern: Zwei Jahre Nation of Swine, pünktlich zum Freitag, den 13. – neues Design, neuer-alter Horror: «Friday, the 13th – you may only see it once, but that will be enough.» Während [...]
Die Munition zum Abschuss von Philip Hildebrand kam nicht aus der Ecke der Weltwoche. Sie kam direkt von der Sarasin Bank, zur Verfügung gestellt vom Kundenberater von Philip Hildebrand! Und dieser Kundenberater scheint nach wie vor in Amt und Würden zu sein, während man den Überbringer der Munition R.T.fristlos entlassen hat. Hier muss die Frage gestellt werden, wie der IT-Supporter R.T. an die Kundendaten kam, und dies nicht an solche von Hinz und Kunz sondern an jene einer wichtigen Persönlichkeiten unseres Landes. Ist dies die Art, wie unsere Banken mit dem Datenschutz bzw. dem Bankkundengeheimnis umgehen? Um den Kundenberater von Philip Hildebrand, ist es ruhig, nach meiner Meinung viel zu ruhig. Sein grobfahrlässiges Verhalten im Umgang mit sensiblen, im Falle vom obersten Chef der Notenbank hochsensiblen Kundendaten scheint bisher keine Zeile Wert zu sein.
Auch das Krisenmanagement – sofern man überhaupt von einem solchen sprechen kann – wirft Fragen auf. Da gerät der oberste Chef einer wichtigen Institution in unserm Lande, wegen einer Gedankenlosigkeit in Bedrängnis, und es macht nicht den Anschein, dass er auf tatkräftige und überzeugende Unterstützung zählen kann. Wo sind sie, die übrigen starken Persönlichkeiten? Es dürfen auch Schweizerinnen und Schweizer sein! Im Bankrat müssen wir sie offensichtlich auch nicht suchen.
[...] What I can comment on is the way either side talks about what they think is reality. It may be in the eye of the beholder, but for Gods’ sake stay consistent! In this respect, the Weltwoche-SVP-Blocherarian bunch loses. Not because I don’t like them, but because they negate their own statements all too quickly. [...]
@Rolf: Als IT-Supporter muss man schon etwas grösseren Zugriff aufs System haben als ein normaler User. Der Berufsethos würde eine Weitergabe der Daten allerdings verbieten… aber was schreib ich bei der Geschichte von Berufsethos. *haha*
Hildebrand ist, als Spekulant in der Führungsetage der SNB, in diesem Schaustück genau so eine moralische Nullnummer wie die anderen Protagonisten. Der eigentliche Skandal ist, dass sich Politik und Presse mittlerweile nicht mal mehr die Mühe machen, uns glaubwürdig zu belügen und so der ganze Affenzirkus der Mächtigen zum Vorschein kommt.
Auf der anderen Seite ist es nachvollziehbar, bei der SVP-Wähler- und WeWo-Leserschaft (auf die es für Blocher und Köppel ja ankommt) kann man sich die Mühe getrost sparen.
[...] sogenannte Enthüllungsgeschichte über Philipp Hildebrands «Insidergeschäfte» wird der Weltwoche grad gehörig um die Ohren gehauen. Der Blick fragt in seiner heutigen Ausgabe: [...]