Das ist eine Ansage. Und ich werde dieses Versprechen halten, auch wenn ein Freund von mir meint, der «Blick» gehöre halt zur Schweiz wie Comella oder Ricola. Falsch. In einer Schweiz ohne «Blick» wäre mir wohler.

Tausende kamen seit Montag täglich, um diesen Blog zu lesen. Die Gegenberichterstattung zum «Blick», die sonst nirgendwo stattgefunden hat (ausser hier). Tausende lasen innerhalb weniger Stunden das Interview mit Peer Teuwsen von der «Zeit» und andere Kommentare zum Geschehen, und schickten schon am Montag über Facebook und Twitter diesen Link zu Hunderten im Land herum. Wir wurden zitiert oder auch nicht, die Parallele zu Heinrich Böll aber fand heute Platz in einer der Sonntagszeitungen. Der «Blick» hat einen gnadenlosen Frontalangriff auf einen jungen Mann gestartet, der in Italien gegen das Gesetz verstossen hat und dafür von den dortigen Behörden belangt wird. Der «Blick» hat klar gemacht, dass er sich nicht um das Recht kümmert. Alles für die Auflage, auch Hetzkampagnen und Pranger.

Thomas Hansjakob, St. Gallens Erster Staatsanwalt, ist für diese Pranger-Stimmung mitverantwortlich. Als er die Internet-Fahndung vor drei Jahren einführte, sagte er, mit einem Pranger dürfe das nicht verwechselt werden. Als dann aber vor vier Wochen im «Blick» aus dem Fahndungsinstrument plötzlich der Pranger von Privaten wurde, schwieg der Sozialdemokrat. Sein Zögling Simon Burger, SVP-Mann und inzwischen Aargauer Staatsanwalt, fand dieses Vorgehen ganz in Ordnung, wie er in einer Debatte sagte, die wir in der DRS-1-Sendung «Doppelpunkt» führten. Ein Staatsanwalt, der Selbstjustiz verteidigt – eine Kapitulationserklärung.

Wem daran gelegen ist, dass Diskussionen in diesem Land sachlicher geführt werden, dass Diskussionen vor allem wieder in einem Verhältnis zur Realität stehen, der sollte diesen Boulevard mit keinem Rappen unterstützen. Die zahlreichen Reaktionen auf die Hetzkampagne haben gezeigt, dass Leute von links bis rechts der Meinung sind, dass die Bestrafung eines mutmasslichen Täters nicht Sache der Öffentlichkeit ist (ausgeführt durch private Hilfssheriffs, die sich nicht um Details wie Unschuldsvermutung scheren). Wem ernst damit ist, der kauft den «Blick» nicht mehr. Es gibt Medizin gegen die Hysterie, die WOZ etwa mit Pascal Claude. Oder es gibt die Hoffnung, dass andere seriöse Zeitungen, die in ihrer Berichterstattung nicht viel weniger der Hysterie verfallen waren, wieder zur Vernunft kommen. Sie sollten mal Peer Teuwsen zur Manöverkritik einladen.

 

3 Responses to Ich kaufe nie mehr den «Blick» 

  1. Einverstanden. Ausser im Urlaub, da kann man ja mal eine Ausnahme machen. Gehört doch einfach dazu wenn man in Rimini am Strand liegt.

  2. [...] November: Weshalb Daniel Ryser nie wieder den Blick kaufen will, erklärt er im „Nation of Swine“-Blog. Auf der Plattform seines Vereins „la [...]

  3. [...] sind wir jetzt schon zwei. Findi guetTwitterE-MailFacebook Dieser Eintrag wurde veröffentlicht unter Nicht kategorisiert. [...]