Ein Journalist namens Benny Epstein hat heute auf «Blick»-Online die Fotos und den Namen des Mannes veröffentlicht, der sich in Rom drei Finger abgesprengt hat. Er schreibt über den Mann, der sich selbst schwer verletzte: «Entlarvt! Das ist der Petarden-Trottel von Rom». Da hat es ja auch einiges zu entlarven gegeben – als ob der Mann nicht in einem Krankenhaus liegen würde, den Behörden und dem Fussballverband bekannt. Die Fotos hat Epstein wohl auf Facebook gefunden. Auf einem Bild ist der junge Mann zu sehen, wie er in Hip-Hop-Pose fünf Finger in die Kamera streckt. Epstein schreibt: «Kein aktuelles Bild: Da hatte … noch alle Finger.»

Ein Schenkelklopfer.

Der junge Mann ist zwar schwer verletzt, aber offenbar hat er in den Augen des Journalisten kein Recht auf Täterschutz, kein Recht mehr, je ein normales Leben zu führen. Er hat einen Scheiss gebaut, hat sich und andere erheblich gefährdet. Er hat sich womöglich zum Invaliden gesprengt und wird mit Klagen und Strafen konfrontiert sein (die Sachlage ist ja wirklich völlig klar); aber das ist Benny Epstein, der etwa gleich jung ist wie der Verletzte, nicht genug. In den Augen des jungen Journalisten gibt es Leute, die kein Recht mehr haben, unter uns zu sein. Zumindest nicht unerkannt. Sie gehören angeprangert, ausgelacht. Und die anonymen Schreiberlinge in den Online-Foren spenden Applaus.

Das ist kein Journalismus. Das ist Hetze.

 

23 Responses to «Blick» und der Schwerverletzte: Willkommen im Zeitalter des Internet-Prangers

  1. pilä sagt:

    +++Dieser Kommentar wurde moderiert+++

    Diesem blick-journi geht es seit er dabei ist (2008) nur um die selbstprofilierung, ein richtiger boulevardheini.

    +++Den Rest dieses Kommentars haben wir gelöscht, weil er nichts zur Sache tut+++

  2. tamara sagt:

    Zufall, dass sich dieser Journalist erwiesenermassen noch nie um Medienethik scherte?

  3. Interessant in diesem Zusammenhang auch dieser Artikel:

    http://www.blick.ch/sport/fussball/international/hier-jubelt-kasami-albanisch-162939

    Epstein hatte Kasami schon zuvor des Landesverrats bezichtigt, der Kommentar erschien damals aber nur in der Blick-Print-Ausgabe. “Wir wollen keine Verräter”, schrieb Epstein, nachdem Kasami nach einem gewonnenen Nachwuchs-Nati-Spiel mit der albanischen Flagge gejubelt hatte.

  4. Pilä sagt:

    Auch spannend zu sehen, welch ein Seitenwechsel er in den letzen 3 Jahren vollzogen hat. Vorher war er Chefredaktor bei der Fussball(-fan)seite kurzpass.ch, die u.a. viele Fanbilder liefert und darum auch einen (positiven!) Namen in den Fanforen hat.

  5. Ueli sagt:

    Als ob das etwas neues wäre. Das hat nix mit Epstein zu tun, so funktioniert eben Boulevardjournalismus! Ein Blick auf die Onlinekommentare spricht Bände – die totale Verblödung des Volkes ist kaum mehr aufzuhalten! Blick macht Stimmung – Blick macht Meinung!
    Aber eine 1’500° heisse Fackel ist unseren Politikern mehr Aufmerksamkeit wert, als dieses Schmierblatt darauf aufmerksam zu machen, was sie eigentlich für eine Verwantwortung zu tragen hätten. Blick und Medienethik – das ich nicht lache! Jeden Tag 5 Klagen ins Haus wäre vielleicht mal ein Anfang!

  6. Dominik sagt:

    Blick halt … einfach daneben. Das Zielpublikum ist das gleiche wie bei der SVP, da funktioniert sowas.

  7. Oliver sagt:

    Also prangern wir zurück oder wie? Damit die (fast) anonymen Schreiberlinge in den Kommentaren Applaus spenden

  8. Raoul Duke sagt:

    Wer prangert zurück?

  9. Oliver sagt:

    Der Autor und die Kommentatoren natürlich

  10. Raoul Duke sagt:

    Ich weiss nicht, ob ich dich richtig verstehe. Für Dich ist das kritische Kommentieren des Blick-Prangers nicht kommentieren, sondern prangern? Na ja, schöner Versuch die Kritik an diesem höchst fragwürdigen Vorgehen des Blick mundtot zu machen. Ein Journalist, der Selbstjustiz übt und einer, der diese kritisiert, ist aber leider nicht ganz dasselbe.

  11. Oliver sagt:

    Moment: Dass ich das Eine kritisiere, bedeutet mitnichten, dass ich das Andere billige. Im Gegenteil, ich fands Unterste und teile Euren Unmut ja. Nur: Darauf aber mit einer Kurzbiografie des Journalisten zu reagieren, finde ich auch nicht eben geglückt

  12. Carlos sagt:

    Wir publizieren keine Kurzbiografie des Journalisten. Ausser wenn für dich die Bemerkung “der junge Journalist” schon eine Kurzbiografie ist…

  13. Oliver sagt:

    Ich lese einiges zu ihm in den Kommentaren

  14. rico sagt:

    zitat aus blick.ch aus der ersten story zum fcz-fan: “er ist der fcz-fan, der offenbar zwischen petarde und fackel nicht unterscheiden kann”.

    und am 4.10 titelte der blick zu den letzigrund-fackelwerfern: “das sind die täter – die petardenwerfer vom letzi”.

    darf man sich ruhig auf der zunge zergehen lassen.

  15. Raoul Duke sagt:

    Kurzbiografie? Was aufgeführt wird ist, dass beide Protagonisten, der Schwerverletzte, wie auch derjenige, der ihn nun öffentlich und ohne Rücksicht auf Täterschutz hinrichtet, dasselbe Alter haben. Dass beide sehr jung sind. Und das ist meines Erachtens auch irgendwie bemerkenswert. Aber aus einer üblichen Medienkritik einen Pranger zu machen, das ist ja wohl zynisch. Es ist eine Kritik an einem publizierten Blick-Artikel, und diese Kritik hat auch keine Konsequenzen für den Schreiber; die vom Schreiber publizierte öffentliche Hinrichtung des Täters aber hat ganz erhebliche Konsequenzen für den Betroffenen. Sie hebelt auch – im Gegensatz zu der hier publizierten Kritik – den Rechtsstaat aus. Wenn Journalisten wie Benny Epstein meinen, sie müssen als Journalisten das Recht in die eigene Hand nehmen, kann das im übrigen – ein Nebenschauplatz – mitunter ganz üble Konsequenzen haben für jegliche Journalisten, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Werden wir weiterhin als Journalisten betrachtet, oder plötzlich als Law-and-Order-Truppe, als verlängerter Arm des Gesetzes, für den aber selbst das Gesetz nicht gelten soll? Gutnacht dann.

  16. Capitão sagt:

    Sollte der Verletzte tatsächlich nicht zwischen einer Petarde und Fackel unterscheiden können, wie der Blick höhnt, und die Petarde vom Boden aufgehoben haben (also nicht selber angezündet), dann wird aus dem Täter sehr schnell ein Opfer.

    Sollte es tatsächlich so gewesen sein, wie der Blick schreibt, wiegt die Schuld von Epstein umso schwerer, denn damit verspottet und verfolgt er einen Unschuldigen.

    Ein unsachgemäss gezündete Petarde vom Boden aufzuheben mag dumm sein, strafbar scheint mir das aber nicht.

  17. Pilä sagt:

    Ich glaube Oliver meint vorallem meine Beiträge. Grundsätzlich hat er natürlich Recht damit, dass “zurückprangern” eigentlich nicht nötig ist und auch nicht viel bringt. Dann müsste man wohl aber auch die ganze Seite Nationofswine.ch in Frage stellen. Daher finde ich jede Info, die DIESE Leser in ihrer Meinung bestärken kann, sehr wichtig. “Wir” sind schliesslich so wenige ;)

  18. Stefan sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich habe das genauso empfunden. Nur würde ich noch etwas vorsichtiger zur Sachlage sein. Denn schnell könnte aus Täter auch Opfer werden (These: Würde er öfters mit solchen Dingen hantieren, müsste er wohl zwischen Böller und Fackel unterscheiden können..).

    +++Der Rest dieses Kommentars wurde gelöscht. Er hat nichts mit der Sache zu tun. Bei Fragen: E-Mail+++

  19. Capitão sagt:

    @Stefan: Sollte es sich so zugetragen haben, wie es Blick zuerst berichtet hat (und da stelle ich ein grosses Fragezeichen dahinter), dann ist er tatsächlich auch ein Opfer und kein (oder nicht nur) Täter.
    Denn selbstverständlich ist die Person, welche das Ding gezündet (nach Darstellung des Blicks war nicht er das) und unsachgemäss vor die Füsse anderer Leute geworfen hat, juristisch verantwortlich für die Folgen.
    Natürlich ist anzunehmen, dass er ein Freund von Pyros und der Ultraszene ist, das mag moralisch verwerflich sein, aber das alleine macht ihn noch lange nicht zu einem Täter.

    Mehr Licht ins Dunkel dürfte das juristische Nachspiel bringen, bis dahin sollte die Unschuldsvermutung gelten.

  20. [...] ihm das auch mitteilen. »Das ist kein Journalismus, das ist Hetze«, schreibt Daniel Ryser bei Nation of Swine. Share:TwitterFacebookE-MailDruckenGefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. [...]

  21. [...] 7. November hatte Daniel Ryser im Blog „Nation of Swine“ zum Blickartikel „Entlarvt! Das ist der Petarden-Trottel von Rom“ festgestellt: „Das ist [...]

  22. Ringier hat inzwischen die Bildlegende entfernt, ist mir aufgefallen… Das Bild wurde sogar aus einem der Artikel entfernt.

  23. [...] “ «Blick» und der Schwerverletzte: Willkommen im Zeitalter des Internet-Prangers : Nation of Swine nationofswine.ch/2011/11/0… [...]