Wir leben in einem Zeitalter, in dem Stimmen der Vernunft verpuffen, es ist die Zeit der Hysteriker, das Zottel-Zeitalter, das Sarrazin-Zeitalter, ein Zeitalter, in dem der Feind der Andere ist, der uns was nehmen will, ein Zeitalter, in dem sich bloss noch ein Grüner Nationalrat öffentlich darüber empört, dass die grösste Schweizer Partei den Begriff «judenfrei» zu ihren eigenen fremdenfeindlichen Gunsten umdeutet zu «asylantenfrei» – man kann heute reden und hetzen wie es die Nazis getan haben, stört offenbar kaum eine Sau. Am Donnerstag unterhält sich WOZ-Redaktor Kaspar Surber im Zürcher Helmhaus mit einem, der das Ausgrenzungsspiel nicht mitspielt, dem ehemaligen Spex-Redaktor und Migrationsforscher Mark Terkessidis, und zwar über dessen neustes Buch «Interkultur», über das die NZZ schrieb: «Interkultur soll mit messbaren Zielvorgaben an den tatsächllichen Verhältnissen ansetzen. Die Lektüre des Buches, das seine erhellende Sicht auf die neuen ethnischen Realitäten auch den persönlichen Erfahrungen des Autors verdankt, sollte mindestens für alle sich mit Migrationspolitik Beschäftigenden Pflicht sein.» Das sind ja einige, und zumindest die sollten ins Helmhaus kommen. Im Gespräch mit der WOZ wurde klar, dass der Deutsche eine Stimme ist, die in ihrer Klarheit und Deutlichkeit in diesem Land nicht willkommen genug sein kann: «In der Schweiz ist lange nicht anerkannt worden, dass sie ein Einwanderungsland ist. Für den Populismus gibt es natürlich auch Ursachen im schweizerischen politischen System selbst. Aber dass sich dies auf dem Rücken der Migranten abspielt, hat sehr viel damit zu tun, dass man die Fiktion immer weiter aufrechterhält, dass die Migranten wieder nach Hause gehen. In Deutschland hat man vor zehn Jahren von dieser Fiktion Abstand genommen. Seither muss man eben auch mit dem Minarett leben. Überhaupt ist die Minarettdebatte an sich ja nicht der Punkt. Vielmehr geht es um die Feststellung: Das gehört nicht hierher, das gehört nicht zu «uns». Und das ist nicht nur falsch, sondern im Sinne der Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft geradezu verheerend.»

Zur Einladung geht es hier:

Donnerstag, 20. Oktober, 18.30, Helmhaus Zürich.

Potentiale statt Probleme:
Neue Perspektiven für Einwanderungsländer

Im Rahmen der Ausstellung «Welt-Bilder 4» im Zürcher Helmhaus spricht der Migrationsforscher Mark Terkessidis mit dem WOZ-Journalisten Kaspar Surber.

Mark Terkessidis hat mit seinem Buch «Interkultur» ein vielbeachtetes Programm für den Umgang mit Migration vorgelegt:
Nicht die Herkunft zählt, sondern die gemeinsame Zukunft. Und nicht die Subjekte müssen sich anpassen, sondern die Institutionen müssen sich öffnen, von der Schule über die Polizei bis zum Kunstraum.
Kaspar Surber schreibt regelmässig über die Asyl- und Ausländerpolitik, zuletzt vor allem über die Flüchtlingsinsel Lampedusa.
Ein Abend für eine fortschrittliche Migrationspolitik, drei Tage vor der Parlamentswahl, an der nur SchweizerInnen teilnehmen können.
Alle herzlich willkommen!

 

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