And what did that look like in 2010? A productive and splintered cohort, responsible for vital records of all kinds: Das Racist, equally commercial and obstreperous; Roc Marciano, a New York traditionalist; E-40, perhaps the most consistent MC alive at the age of forty-three, and responsible for not one but two new, fantastic albums; and the terrifying, lurid, and heartbroken raps of the teen-aged California collective, Odd Future.
Sasha Frere-Jones, «New Yorker»

Kürzlich stand ich im Plattenladen meiner Wahl (Sonic Records, Anwandstrasse 30, 8004 Zürich) und klagte Rap-History-Boss Klemens mein Leid: In Sachen Rap seien dieses Jahr kaum gute Scheiben erschienen (und auch die Underground-Sparte, auf die in den Jahren 2000 bis 2005 blind Verlass gewesen war, hat dieses Jahr masslos enttäuscht – siehe die ganze sinnlose Folk-Rap-Schiene, die neuerdings im einst fantastischen Hause Strangefamous gefahren wird)…  Das letzte wirklich tolle Rap-Album, an das ich mich erinnern kann, ist jenes von Wu-Tang-Chefkoch Raekwon: Only Built 4 Cuban Linx, Pt.2 – und das stammt aus dem Jahre 2009. Klemens zuckte mit den Schultern, sagte, die Lage sei tatsächlich schon besser gewesen – aber weil er ein Profi ist, vertröstete er mich dann mit Vinyl aus dem letzten Jahrzehnt und mit Gil Scott-Heron. Aber jetzt, so kurz vor Jahresende, bin ich doch noch auf Gold gestossen! Ein alter Mann haut uns raus! Der bereits in den Neunzigern grossartige E-40, Jahrgang 1967, ist zurück aus der (kurzfristigen) Versenkung. Und wie! 2010 hat er sich mit einem Paukenschlag zurückgemeldet, zwei Alben, vierzig Songs: Revenue Retrievin’ – einmal als «Day Shift» und einmal als «Night Shift» – um eine der beiden kommt man nicht herum. Anstandslos kaufen, und zwar beide. Die beiden Scheiben sind ein Trip in ein verloren geglaubtes Rap-Paradies. Das erste, introartige Stück, hat mich umgehend aus den Socken gehauen und reingezogen: «Back in Business» – minimal, schräg, grandios! Rap-Rettung durch einen 43-jährigen Kalifornier.

Habe die beiden Scheiben gestern Nacht umgehend in meinem Wohnzimmer gefeiert – mit Discobeleuchtung, Drinks und einer sehr tanzbegabten Dame, welche lange genug in Südamerika weilte, um die erforderliche Hüftschwung-Kenntnis und diese Arschbacken-Wackel-Technik zu besitzen, welche für diesen Sound nötig ist. Es war eine grosse Nacht, E-40 sei Dank, Rap ist doch noch nicht tot, und ich bin glücklich. Ein Kollege wies mich heute morgen auf einen aktuellen Blogeintrag des Magazins «New Yorker» hin, in welchem Pop-Experte Sasha Frere-Jones E-40 aufgrund der «beiden fantastischen neuen Alben» zum wohl «beständigsten Rapper überhaupt» erklärt hat. Applaus! Applaus! Und damit es keine Missverständnisse gibt: Wenn ich mit 43 auch noch solche Videoclips drehe, dann dürft ihr an meiner Beerdigung getrost Böller zünden, wie die Irren kiffen und mich mit stehenden Ovationen und heulenden Motoren verabschieden:

Getagged mit
 

2 Responses to Gold! Gold! Der 43-jährige E-40 ist «back in business» – Hier ist sie endlich: Die Rap-Platte des Jahres – und zwar gleich doppelt!

  1. Migros80 sagt:

    2010 war gar nicht sooo schlecht aus meiner Sicht, hier 3 meiner persönlichen Favourites:

    Freeway & Jake One / The Stimulus Package:
    http://www.youtube.com/watch?v=UTxbzsyj__M&feature=fvw

    Curren$y / Pilot Talk II:
    http://www.youtube.com/watch?v=lFECxYH_SuY

    und er bereits erwähnte New York Traditionalist Roc Marciano / Marcberg:
    http://www.youtube.com/watch?v=eNDebkH73ts&feature=related

  2. manu sagt:

    im untergrundrap war auch nicht allzuviel los. 2009 war definitiv besser…
    2010:
    “les swashbuckling napoleons – fuck” (rap: thesis sahib & bleubird, beats: edison)
    “sole – nuclear winter” (remixes)
    “papervehicle – commuter our master”