Wie wird man Chefredaktor?
Viele Wege führen bekanntlich nach Rom, zumindest zwei, jener von Res Strehle («Tages-Anzeiger») und jener von Markus Somm (seit Montag Chefredaktor der «Basler Zeitung») führten über den Revolutionären Aufbau Zürich.
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Nein: Res Strehle war nie “Vordenker” der Zürcher Autonomen. Erstens gehörte er ideologisch eher zu den “Antiimpis” (ganz grob, aber ganz grob gesagt: Leute mit hohem Fokus auf Befreiungsbewegungen im Trikont und einer gewissen Sympathie für bewaffnete Bewegungen im Westen) und zweitens war er für die “Autonomen” wenn etwas, dann eher ein (Marxismus-)Lehrer. Und so wurde er angeschaut.
Und ja: Die interessante Frage ist nun: Wo wird Daniel Ryser Chefredaktor sein? Die WOZ ist besetzt, beim Tagi wütet Rysers Vorgänger bei der WOZ als junger Wilder im Wîrtschaftsressort mit SP-Gesülze, Weltwoche wär wohl zu krass, NZZ zu schwierig, das Fernsehen zu hoch oben. Also Radio1 oder St. Galler Tagblatt? Hmm. Zu tief.
Zuerst mal grundsätzlich: Was bitte sehr sollte denn so schlimm daran sein, wenn die genannten Herren sich früher in der revolutionären Linken bewegten? Man kann geteilter Meinung sein über die Positionen der revolutionären Linken, soll aber dabei bissoguet den Respekt unter den Linken nicht einfach so verachten. Die Linke war und ist vielfältig. Wenn man sie denn aufhängen will (also die Herren), dann doch bitte aufgrund der Meinungen, die sie heute vertreten, und nicht mit einem plumpen Skandalisierungsversuch (das erinnert schon fast ein wenig an Blocher, der jeweils vom Leuenberger mit dem roten Buch unter dem Arm schwafelte).
Dann zum faktischen: Wie’s Chreis 4 schon aufgebracht hat, reicht halt eine Solidaritätserklärung mit einer gefallenen Genossin nicht aus, um im Aufbau Mitglied zu sein. Man kann Strehle und Somm als Teil der damaligen Linken verstehen, sollte aber nicht die Mitgliedschaft im Aufbau zur Voraussetzung für diese Solidarität machen. Wie gesagt: Die Linke war vielfältig.
Zum zuerst mal Grundsätzlichen: Geht es bei der Geschichte tatsächlich um die Skandalisierung der Vergangenheit (oder soll das hier so gelesen werden?) – oder geht es nicht viel eher darum, und nur darum, wie und wo sich Leute bewegten und wie und wo sie sich heute bewegen? Das ist die Geschichte. Kein «plumper Skandalisierungsversuch», weil irgendwer mal links war.
http://www.youtube.com/watch?v=MmZTelb46tM&feature=rec-LGOUT-exp_fresh+div-1r-1-HM
Die Geschicht kam mir bekannt vor. Hier das Original:
http://www.youtube.com/watch?v=VwVzGrhvRsE
Nochmals. Einen Nachruf auf die tote Genossin Barbara Kistler geschrieben zu haben, ist nicht böse. Und macht auch aus heute in den bürgerlichen Medien erfolgreichen Männern noch keine “Ex-Aufbau-Sympis”, wie es nationofswine gerne hätte.
Eher mehr beschäftigt mich die Frage, warum Res aus Ex-WOZ-Kolumn- und Journalist Constantin Seibt noch immer keinen vernünftigen Wirtschaftsjourni gemacht hat. Aber auch nur ein bisschen.
Das «Nation of Swine» das gerne so hätte, ist eine Behauptung. Der WOZ-Artikel basiert auf Aussagen von Strehle und Somm, die dem Reporter gegenüber ihre Geschichten darlegten, wie sie den Weg machten von Sympathisanten des Revolutionären Aufbaus zum SVP-nahen stv. Chefredaktor bzw. zum Stellen streichenden Tagi-Chef. Das ist ja keine Erfindung. Keine Interpretation. Sondern Fakt, den Somm und Strehle nicht bestreiten, weil es ja auch gar nichts zu bestreiten gibt. Um zum Anfang zurückzukehren: Der Blog-Eintrag hiess nicht: «Das Böse ist da!» sondern: «Wie wird man Chefredaktor?» Mit dem Fazit: Ein, bzw. zwei Wege führten über den Revolutionären Aufbau – was aufgrund der heutigen Position vor allem von Somm ja durchaus erstaunlich ist.