Es begann mit einer Recherche des Journalisten Wolfgang Steiger in der WOZ über die esoterischen Pläne eines Thurgauer Unternehmers.  Wer recherchiert und gegen den Mainstream anschreibt, der muss Kritik einstecken. Viel Feind, viel Ehr. Wie etwa bei Meienberg war (neben sehr viel Lob von vielen Stellen) die Kritik an Steiger altbekannt: Das sei alles, bloss kein Journalismus. Auch dem Blogger, der es gewagt hatte, auf den Artikel hinzuweisen, wurde von einem ziemlich verwirrten oder durchgeknallten Schreiber mit journalistischer Erziehung gedroht – falls ich das richtig verstanden habe. Steiger und auch dem Blogger, also mir, wurde vorgeworfen, sie seien ideologisch verbohrt. Warum, weiss ich jetzt nicht mehr genau, es interessiert mich auch nicht. Zudem muss ich mich gerade mit der Frage beschäftigen, ob ich im Sommer nun zum Guns N Roses-Konzert nach Schweden oder doch lieber nach Leeds fliegen soll. Wolfgang Steiger wiederum hat sich mit dem Verfassen eines Vortrages beschäftigt, den er dann Ende März im «Palace» in St. Gallen gehalten hat; ein Vortrag über den radikalliberalen Mainstream, Dadaisten und eben die esoterischen Pläne Dr. Models für seinen Freistaat Avalon im Kanton Thurgau – ein sehr lesenswertes Stück Journalismus, das auch lesen sollte, wer Steigers Meinung nicht derart deutlich teilt: «Die Nebel von Müllheim rücken den Thurgauer Unternehmer und damit eben sein ganzes Netzwerk in die Nähe des Nationalsozialismus. Ich fragte Daniel Model am Telefon nach seiner Beziehung zur rechtsextremen Avalon-Gemeinschaft, er gab nur ausweichend Antwort und distanzierte sich nicht.» Steigers Stellungnahme zum Schluss des Vortrags ist denn auch ziemlich deutlich: «Tatsächlich bleibt die Sache unheimlich, und das Lavieren hin und her zwischen reaktionären Staatsideen und linkem Kulturschick sollte weiter beobachtet werden. Darauf möchte ich abschliessend hinweisen. Die Tendenzen zur Entsolidarisierung, die neoliberale Demontage von sozialen Errungenschaften, dürfen wir nicht zulassen und schon gar nicht noch -wie gezeigt – in diesem nebulösen Umfeld à la Avalon unterstützen.»

Zum damaligen Artikel in der WOZ geht es hier, Steigers Vortrag bekommt, wer auf «Weiterlesen» klickt.

Von Wolfgang Steiger

Anlass für diesen Vortrag gibt mein Artikel über den Freistaat Avalon im Thurgau und seine Verknüpfungen mit der Kulturszene, den ich mit Unterstützung des Recherchierfonds in der WoZ anfangs Jahr veröffentlichen konnte. Die Panoramaseite erregte einiges Aufsehen und wurde in verschiedenen Internetblogs rege kommentiert. Im Allgemeinen wurde lobend darüber geschrieben. So stelle man sich fundierten Recherchierjournalismus in den Bezahlmedien vor zum Beispiel. Aber nicht nur: Einige Stimmen, vor allem von Leuten, die sich angegriffen fühlten, kritisierten meine Arbeit aufs heftigste. Hingegen konnte mir kein einziger Fehler nachgewiesen werden. Ich fühle mich einem Journalismus verbunden, der den Fakten verpflichtet ist und möglichst nahe an die Wahrheit heran kommt. Eine einzige Passage fand sich in meinem Text, die als unbewiesene Behauptung meinerseits verstanden werden konnte. Ich schrieb: «Man sollte meinen, dass in der tendenziell fortschrittlichen Kulturszene bei diesen seltsamen Mythen und den antidemokratischen Äusserungen des Dr. Model die Alarmglocken läuten.» Ist die Kulturszene tatsächlich tendenziell fortschrittlich? Ich werde auf diese Frage noch eingehen.

Der eigentliche Grund, weshalb mich die erfreuliche Universität eingeladen hat, ist weniger meine journalistische Arbeit, vielmehr ist es das politische Thema des Liberalismus, um den meine Geschichte kreist. Dies ist nun eine sehr vielschichtige Sache und ich möchte hier vorausschicken, dass ich mich im Spektrum der verschiedenen Formen von Liberalismus sozusagen vor allem mit der Hardcore-Variante, dem Radikalliberalismus befasste.

Ich verfüge natürlich keineswegs über die Ressourcen, um dieses Thema abschliessend behandeln zu können. Wenn ich eine Annäherung trotzdem versuche, so fühle ich mich durch die Botschaft des von Jutta Koeter gestalteten Banners – da hinter mir – unterstützt. Die Aufschrift «fear itself disappears» nehme ich mir zur Aufmunterung. Im Übrigen verweise ich dringend auf die Vorführung des Films «Die Einkesselung» vom nächstem Dienstag hier im Palace in der erfreulichen Universität, der den Liberalismus, den ich meine, sehr genau beschreibt und dem Thema absolut gerecht  wird.

LIBERALISMUS TOTAL

In «Chez les Chtis» muss ein Poststellenleiter aus der Provence zur Strafe wegen einer Lüge beim Bewerbungsgespräch eine Stelle in Nordfrankreich antreten. Da wo es kalt ist und Menschen leben, die wegen ihrem seltsamen Dialekt die Chtis heissen. Bevor er abreist besucht der Pöstler noch einen alten Verwandten seiner Frau, der mal jemanden kannte, der bei den Chtis in Nordfrankreich an der Atlantikküste war. Die Szene passt ganz gut zu diesem Thema. Der alte Mann sitzt im in der Mittagshitze abgedunkelten Zimmer in einem Lehnstuhl. Er beugt sich nach vorn und ein Sonnenstrahl beleuchtet sein Gesicht, wie er zum Schrecken seines Besuchers sagt: Da oben im Norden ist alles chetemi, Frauen sind chetemi, Männer sind chetemi, Kinder sind chetemi, Katzen sind chetemi, ja sogar Hunde sind chetemi.

Genau so kam es mir vor bei der intensiven Beschäftigung mit dem Liberalismus in den letzten Monaten, wenn die Protagonisten dieser Ideologie sprachen. Eine Ideologie, welche sie im Übrigen nicht als Ideologie wahrnehmen wollten. Allen anderen Anschauungen unterstellten sie dagegen interessanterweise jeweils ideologische Verblendung.

Es war, als würden sie andauernd wiederholen:

Frauen sind liberal, Männer sind liberal, Katzen sind liberal, ja sogar Hunde sind liberal. Die ganze Welt ist liberal. Es gibt gar nichts anderes mehr als den Liberalismus. Links-rechts-Denken ist vorbei.

Der Palace Newsletter vom 9. Februar handelte davon, dass das Konzert von Jochen Distelmeyer nur dank privaten Sponsoren möglich war, da die Kosten des Auftrittes den finanziellen Rahmen des Palace gesprengt hätten. Mit einem Seitenhieb erklärt der Text den Unterschied dieses Sponsorings zur Quacksalberei –wie es der Newsletter formulierte- des Bankiers Konrad Hummler, der sich mit dem Aufkauf  der St.Galler Altstadt und mit den Aufführung der gesamten Bachkantaten immer mehr wie ein absolutistischer Potentat aufführt. Der Blog Nationofswine übernahm den Text ungekürzt.

Offenbar, besonders auch weil der Palace-Newsletter Hummlers auf 25 Jahre angelegtes Unterfangen mit Johann Sebastian Bach als leicht kindisch bezeichnete, reagierte dieser offensichtlich ziemlich genervt mit einem Kommentar:

Zitat:

13. Februar

Nun – lieber «leicht kindisch» als geistig vorzeitig pensioniert, wie es der in überholten ideologischen Schemen verbetonierte Verfasser offenbar ist. Ihr seid alle herzlich eingeladen, nach Distelmeyer zur Abwechslung mal zu einer Aufführung meines «leicht kindischen» Projekts nach Trogen zu kommen.

KH

Wer Konrad Hummlers Werdegang verfolgt hat, weiss, dass er alles andere als ein ideologiefreier Unschuldsengel ist. Er ist seiner rechtsliberalen Gesinnung immer treu geblieben. Immer auch publizistisch. Seine Schweizer Monatshefte, die er sich einfach so als Propagandaplattform leistet und die nie und nimmer rentieren können,  gebärden sich als wahre wenn auch kulturell verbrämte Hetzschrift gegen den Sozialstaat. Wer sich einen Eindruck darüber verschaffen möchte, sollte sich am Besten einmal die Nummer 958 mit einem Dossier zum Thema: «Jenseits von Liberalismus light» anschauen. Und das ist auch so knallhart gemeint wie es tönt. Unter anderem schreibt in diesem Heft auch sehr passend zu ihrem Profil als eiserne Lady Karin Keller-Sutter. Liberal heisst hier in erster Linie für Eigennutz und gegen das Kollektiv. Von der Forderung der französischen Revolution, auf der die modernen Staaten aufgebaut sind: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ist nur gerade  die Freiheit des einzelnen, sich zu bereichern übrig geblieben. Gleiche Rechte für alle und ungeteilte Solidarität mit den Schwachen sind im radikalliberalen Weltbild von Hummler & Co nicht vorgesehen.

Zurzeit wimmelt es geradezu von Vertretern der rechtsliberalen Ideologie, die sich gebärden, als ob sie unmittelbar davor wären, die Weltherrschaft zu erringen. Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle von der FDP etwa, der die Bezüger von staatlicher Unterstützung kürzlich als faul und antriebslos bezeichnete, was in Deutschland grosse Empörung hervorrief. Genau dasselbe propagiert der Thurgauer Kartonunternehmer Daniel Model. Seinen Avalon-Freistaat gründete er, weil er den Sozialstaat ablehnt. Arbeitslosenunterstützung ist für ihn –Zitat- «Der Kuss des Todes». Für den Artikel in der WoZ befasste ich mich etwas genauer mit Models Gedankengut. Ausserdem interessierte mich das Geflecht von Medien- und Kulturschaffenden um ihn herum.

Models Name regt zu Wortspielen an. Tatsächlich kann Dr. Model als modellhaft gelten. Zur Verdeutlichung der erste Abschnitt eines Blogbeitrags auf freilich.ch. mit dem Titel:

Die Sozialstaatslüge

20. August 2006 Daniel Model

So wie die Bezeichnung des Rechtsstaates zu einer Lüge geworden ist, so ist es auch mit dem Titel ‚Sozialstaat’. ’Sozial’ ist heute wahrscheinlich der mit am meisten Dünkel und Heuchelei belastete Begriff. Er dient dazu, dunkle Motive, ob bewusst oder unbewusst, zu überdecken. Spannend und ergiebig ist dabei die Ursachenforschung des scheinbar paradoxen Phänomens, dass der Staat heute in seiner Wirkung als eine gigantische Umverteilungsmaschinerie immer diffuser und unsozialer wird. Wie kommt es, dass die Reichen immer reicher werden, sie aber im Sinne von zehn Prozent der obersten Einkommen beachtliche 70 Prozent der Einnahmen der direkten Bundessteuer generieren? Warum vermag eine noch so markante Umverteilungsarithmetik Reichtum nicht zu verhindern bzw. zu nivellieren?

Sinnigerweise ärgern sich viele Menschen, die sich selber als für das Soziale kämpfend ausgeben gerade daran, stricken in der Folge weitere Erklärungsmuster der Verschwörung und Kriminalisierung, um ihre Theorien über die Mechanismen der Welt aufrechtzuerhalten und merken nicht, dass sie die Antwort für das Phänomen gleich selber geben: Sie waren gar nicht darauf aus, die Armen besserzustellen, sondern die Reichen ärmer zu machen. Es ist nicht so, dass dies auf das Gleiche hinausläuft, sondern es ist der feine Unterschied zwischen Himmel und Hölle. Beweggründe für das Handeln auch im Politischen werden immer noch unterschätzt bzw. kaschiert. Wahrhaftigkeit ist eine kostbare Energiequelle, die den Heuchlern nicht zur Verfügung steht. So lässt sich sagen, dass sich im Politikspiel in der Spezialabteilung ‚Soziales’ viele negativ motivierte Akteure tummeln.

Ziemlich wirr diese atemberaubende Logik. In Models eigentümlicher pathetischen Sprache geht der Beitrag weiter, wir ersparen uns den Rest. Hummler und Model gehören einer Spezies von Neoliberalen an, die der zunehmenden Entzauberung ihrer Ideologie mit verstärkten Propagandaanstrengungen begegnen.

Während die Liberalen viele Widersprüche ihres weltanschaulichen Konstruktes noch ideologisch zudecken können, so nehmen sie verschiedene systembedingte Dilemmas schwer in die Zange. Zum Beispiel die Tatsache, dass die permanente Schwächung des Staates –durch den von ihnen geförderten und empfohlenen Entzug von Steuereinnahmen – ihre eigenen Unternehmen verwundbar macht. Es ist wie wenn sie den Ast absägen würden, auf dem sie sitzen. Schliesslich ist der Staat ja ihr Garant für die endlose Kapitalakkumulation.

Der Soziologe Emanuel Wallerstein formulierte das so: «Die Ideologie des Liberalismus ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die globale Geokultur gewesen. Erst in den letzten 20 Jahren hat sie ernsthaft an Fähigkeiten verloren staatliche Strukturen zu legitimieren, und diese  Fähigkeit hat in Wahrheit über ein Jahrhundert lang den Druck der Arbeiter eingedämmt. Der globale Liberalismus hatte Reformen versprochen, Verbesserungen und eine zunehmende Verringerung der sozialen und ökonomischen Polarisierung des kapitalistischen Weltsystems. Er hat seinen Zauber verloren, weil man in den letzten 20 Jahren weithin erkannt hat, dass nicht nur keine Verringerung der Polarisierung stattgefunden hat, sondern dass es in Wahrheit in den letzten 150 Jahren, ja in den letzten 500 Jahren eine ständige zunehmende Polarisierung auf weltweiter Ebene gegeben hat. Und diese Polarisierung setzt sich heute rapide fort.»

Der Neoliberalismus mit seiner Krise des Kapitalismus hat demnach in Wahrheit abgewirtschaftet und ihre Exponenten suchen nun einen Ausweg aus der Legitimationskrise. Das ist nicht ungefährlich. Bei Daniel Model geschieht dies durch eine ausgeprägte Antistaatshaltung, die ihn zur Gründung des eigenen Staates namens Avalon führte. Interessant ist es, wie dann plötzlich Gewinnmaximierung unwichtig wird. Da können Millionen in Bauwerke wie der geplante Regierungspalast in Müllheim gebuttert werden ohne Aussicht darauf, jemals daraus etwas zu erwirtschaften (genauso wie Hummler mit den Bachkantaten). Ziel dabei ist offenbar die Zufriedenstellung der Klientele aus den oberen Schichten, die sich in Trogen an Bach ergötzen oder im Modelhof in Müllheim zur Wohltätigkeitsgala einfinden.

Wie hingegen ergeht es den einfachen Leuten? Nochmals der Soziologe Emanuel Wallerstein: «Für einfache Leute besteht das wichtigste und unmittelbarste Resultat der Schwächung der staatlichen Legitimität in Angst – Angst um ihren Lebensunterhalt um ihre persönliche Sicherheit, um ihre Zukunft und die ihrer Kinder. Angst ist, wie wir wissen, meistens nicht der beste Ratgeber. Wir können feststellen, wie sich diese Angst in zwei offen zu Tage tretenden Formen ausdrückt, worüber uns die Medien regelmässig informieren: Kriminalität und der so genannte ethnische Konflikt. (..) Sie (die gewöhnlichen Leute) üben Druck auf den Staat aus, um die Strukturen der Bekämpfung und Bestrafung zu verstärken, was schliesslich zur Belastung der Legitimität wie der finanziellen Ressourcen des Systems führt und, langfristig gesehen, eine Rolle bei der Zunahme (statt Abnahme) der Kriminalität spielt. Und sie beginnen sich um ihren eigenen Polizeischutz zu kümmern. Sie kaufen Waffen, organisieren Gemeindepatrouillen und errichten Zäune. Und selbst wenn diese Massnahmen das Risiko eines Überfalles reduzieren, so verändern sie doch die allgemeine Lebensqualität und vermindern das Gefühl einer moralischen Gemeinschaft.»

Das tönt nach Brandstiftung. Erstaunlicherweise –zumindest für mich und ich hoffe noch für ein paar Leute mehr- lassen sich viele Intellektuelle und Künstler vom radikalliberalen Klüngel einspannen. In Deutschland ist dies zum Beispiel der Philosoph Peter Sloterdijk. Er plädierte kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für eine Befreiung von Zwangssteuer und deren Umwandlung in Geschenke an die Allgemeinheit. Es geht ihm dabei um eine Ethik der Gabe in einer Gesellschaft mit postdemokratischen Konsequenzen.

Der Untergang des Abendlandes ist wieder einmal nicht fern, wenn Sloterdijk orakelt:“ In Bevölkerungen mit starkem Jungmänneranteil steigt der Bellizismus. Vor uns liegt ein Weltalter, in dem der Unterschied zwischen Siegern und Verlierern wieder mit antiker Härte und vorchristlicher Unbarmherzigkeit an den Tag tritt.“ Das tönt gruselig. Auch im Umfeld um den Thurgauer Staatsgründer kann man derartiges wahrnehmen. Daniel Model prophezeit seinerseits bei jeder Gelegenheit den kommenden Zusammenbruch der staatlichen Ordnung. Etwa leistete sich rebell.tevau, die von Dr. Daniel Model finanzierte Internetplattform, im letzten Jahr eine Buchveröffentlichung mit dem Titel „Die Form der Unruhe“. Die „Süddeutsche Zeitung“ sah eine frappante Ähnlichkeit mit der Haltung des Mussolinifreundes Marinetti, dem futuristischen italienischen Künstler, der sein Heil in Krieg und Faschismus suchte. Die Süddeutsche schreibt:

Avantgarden müssen unruhig sein, die Unruhe ist ihr Element. Bereits Filippo Tommaso Marinetti, der sprachgewaltige Gründer des Avantgardismus, stellte den Zusammenhang her, als er 1909 in

seinem futuristischen Manifest die Hitze der reinen Unruhe besang: „die angriffslustige  Bewegung, die fiebrige Schlaflosigkeit, den Laufschritt, den Salto mortale, die Ohrfeige und den Faustschlag“.

Soweit die Süddeutsche.

Heute kommt das alles viel weniger krass mit einem Augenzwinkern sogar daher. Man meint das alles nicht so ernst, probiert nur mal aus. Ein bisschen Anlehnen an den Faschismus darf schon sein. Das merkt ja gar niemand. Marinetti schrieb weiter in seinem futuristischen Manifest:“ Wir wollen den Mann preisen, der am Lenkrad sitzt. Wir sollen die Museen, die Bibliotheken zerstören, den Moralismus bekämpfen, den Feminismus und alle opportunistischen Nützlichkeiten bezweckenden Feigheiten.“ Marinettis Sprache ist deutlich. „Ein Minimum an Professoren, sehr wenig Rechtsanwälte, sehr wenig Doktoren, sehr viele Landwirte, Ingenieure, Chemiker, Mechaniker und Geschäftsleute sowie eine zynische, schlaue und agressive Aussenpolitik, eine koloniale Expansionspolitik und freie Wirtschaft.“

Ich hatte in der November-Ausgabe von Saiten das rebell.teevau-Buch ebenfalls besprochen. Weit weniger freundlich hingegen als die Süddeutsche, die der Internetplattform vom schweizerischen Bodenseeufer einige Sympathie entgegenbrachte, welche mir bei intensiverer Beschäftigung mit dem ganzen Projekt abhanden kam, nachdem ich in Daniel Models Vorwort von „Die Form der Unruhe“ auf die radikalliberale Gesinnung des Geldgebers und die teilweise plumpe Käuflichkeit des Umfeldes aufmerksam wurde. Stephan M. Seydel liess sich seinen Pseudo-Fernsehsender mit einer Million Franken finanzieren. Das löst schon fast Bewunderung aus, wie er diese Summe in nur etwas mehr als zwei Jahren verbraten hat. Jedoch verliert Investor Model  offenbar die Geduld mit Seydel. Dieser Text aus rebell.teevau gecopipasted – markiert, kopiert, eingefügt – und seiner grauenhaften Geschwätzigkeit wegen grössten Teils wieder deleted,  lässt tief in die Mechanik der Käuflichkeit t bei Seydel blicken und beleuchtet und erklärt den Finanzierungshintergrund seines Internet-Projektes:

26.10.2009 http://rebell.tv investor relations. beta 1.0

sender: hilf dir selbst | | von sms (das ist Stephan M. Seydels Kürzel. W.St.) um 10:46
1) wir haben keinen sponsor.
(auch keinen gönner. auch keinen spender. kein stifter (hier fehlt der Akkusativ. W.St.) und immer so weiter.) wir haben einen investor. das sind ökonomisch gesehen völlig andere konzepte.

ein investor hat völlig andere interessen. er “investiert” und will einen “return”. er gibt sein geld nicht einer bank, wo das geld im moment der einzahlung zu kapital wird und zu arbeiten beginnt. (bei grossem risiko chancen auf hohen gewinn. bei kleinem anlegerrisiko kleinere zinsen.

unser investor zieht sich nicht zurück. ganz im gegenteil. er will dass wir weitermachen. auch, weil er “die krise” auf winter 2011/12 als deftig annimmt. und weil er davon ausgeht, dass unsere zeit kommt. dass unser timing ziemlich gut sein kann… es geht darum, dass der “engel(-investor)” die saat (seed-investor) geschützt hat. und siehe da: ein pflänzchen ist erschienen! es geht darum, dass jetzt geprüft wird, ob es verwegene abenteurer gibt (venture-capitalists), welche die jagt nach diesem gehemnisvollen (noch voller geheimnissen steckenden) kraut aufnehmen oder nicht.
3)
was wir – zusammen mit /dm (gemeint ist Daniel Model. W.St.)- machen, ist, mit menschen in kontakt zu kommen, welche – ähnlich wie /dm – mit ihrem (spiel-)geld sehr strategisch umgehen. wir suchen im spektrum der (radikalen)liberalen menschen, welche “spüren” – weil sie es sich theoretisch noch nicht erklären können! – dass in der computerzeit auf die komplexe informationslage nicht mehr mit genügender kompliziertheit reagiert werden kann. unser claim versucht, eine türe in diesen gedankenraum zu öffnen:

“die form der unruhe” wird für die computerzeit, was die NZZ für die maschinenzeit war ;-)
b)
richtig. es müsste nicht unbedingt *medienhäuser* sein. unsere “die form der unruhe” könnte auch im kontext der (aus)bildung fokussiert werden, oder der politik. aber eben: wir sind ja nicht die heilsarmee. “eine warme suppe” (für insider mehrdeutig ;-) ist leider zuweilen nötig. aber “reichtum für alle” (/dm) bleibt das ziel. “geld als mittel zur freiheit” auch.

c) worum es in einer zweiten investitionsphase geht?
c1) eine neue homepage muss her. nein. nicht fürs frontend. ganz im gegenteil ;-)
c2) die arbeit, welche jetzt zwischen tp (gemeint ist Tina Piazzi, Seydels Partnerin. W.St.) und mir aufgeteilt werden konnte, muss in einem team getestet werden. so läuft ganz normale produktentwicklung: testen im idealfall und dann adaptieren…

fragen:
was kostet eine nächste solche phase?
- sie dauert 3 jahre. und kostet pro jahr eine million.

und was hat ein investorIn2 davon?
- nicht nur einen sensationellen ROD (return on dialog) bereits während der entwicklungsphase!

Zitat rebell.teevau Ende

Zwischen rebell.teevau und dem Zürcher Dada-Haus besteht eine enge Verbindung, wie unschwer herauszufinden war. Direktor Phillip Meier wird von Seydel als Kurator von rebell-tv aufgeführt, er meldet sich fast täglich mit Kommentaren im rebell.tv-Blog. Eine zeitlang schaute ich mir regelmässig die Einträge an und bekam immer mehr den Eindruck, es mit einer Gruppe von Internettjunkies zu tun zu haben. Statt bei irgendeinem Rollenspiel wie etwa World of Warcraft mitzumachen, geben sich die beiden – Meier und Seydel – einen intellektuellen Touch und hantieren mit coolen Reverenzen aus Kunst und Wissenschaft. Es ging mir ziemlich auf den Geist mit der Zeit und ich war dann froh nach Abschluss der Recherchen meine Besuche bei rebell.teevau einstellen zu können.

Was für eine Büchse der Pandora ich mit der Offenlegung dieser Beziehungen und Hintergründe geöffnet hatte, war mir absolut nicht bewusst. Vor zwei Jahren hat Zürichs Stimmvolk eine Unterstützung des Dada-Hauses klar gutgeheissen. Im Vorfeld der Abstimmung wurde die Institution vor allem von rechts stark in Frage gestellt. Vor allem dank der Stimmen von links erhält nun das Dada-Haus von der Stadt die Mietkosten bezahlt. Meine Recherchen für den Artikel in der WoZ zeigten nun die engen Verbindungen des Dadahauses zum rechtsliberalen Klüngel um Daniel Model. Es wurde mir vorgeworfen, ich hätte damit eine persönliche Abrechnung vorgenommen, was absolut nicht zutrifft, da ich gar keine Kontakte zu diesen Kreisen hatte. Im Dada-Haus war ich im letzten Herbst zu Recherchezwecken zum ersten Mal. Tatsächlich gibt es aber in Zürich Kreise, die meine Kritik an den Verbindungen des Dada-Hauses genau gleich schon weit früher formulierten, von denen ich erst später erfuhr. Es meldete sich nach der Veröffentlichung in der WoZ eine alternative Betriebsgruppe des Cabaret Voltaire bei mir.

Diese Kritiker störten sich unter anderem daran, dass im Dada-Haus Konrad Hummlers Monatshefte aufliegen, die übrigens auch eine Medienpartnerschaft mit Models rebell.teevau eingegangen sind. Dr.Model sitzt ausserdem im Stiftungsrat des rechtsliberalen Think-Tanks Liberales Institut, das Christoph Blocher derart gut findet, dass er es auch schon- allerdings erfolglos – zu übernehmen trachtete. Der Kodirektor des Dadahauses Adrian Notz assistierte Daniel Model bei der offiziellen Ankündigung des Baus eines Regierungspalastes in Müllheim.

Die Begründer von Dada wollten der bürgerlichen Kunst eine Antikunst entgegenstellen. Kultur besass bis anhin die Aufgabe, in ziemlich verlogener Art und Weise das Bürgertum des 19. Jahrhunderts als beste aller Welten darzustellen. Wir wissen heute, wo das hinführte, die Dadaisten und später die Surrealisten haben das in Echtzeit gemerkt, konnten es aber nicht verhindern. Der deutsche Filmemacher Alexander Kluge sagte kürzlich im Interview im Dossier über den Surrealismus des Tageanzeiger Magazins:

«Wenn wir wissen dass das 20. Jahrhundert aus einer globalen Blüte heraus entgleiste, wer sagt uns eigentlich, dass das 21. Jahrhundert nicht entgleisen kann? Die Hager Landkriegsdebatte 1907 sah ähnlich aus wie jetzt die Konferenz in Kopenhagen: Uneinigkeit aller Parteien. Man könnte sogar behaupten, die Antwortlsigkeit ist im 21. Jahrhundert noch grösser als im 20 Jahrhundert. Dennoch nehmen wir alle an, dass es schon irgendwie gut geht.

Frage: Das 21. jahrhundert könnte also die Katastrophen des 20. Jahrhunderts wiederholen?

Richtig. Deshalb brauchen wir die Erfahrung aus dem Alchemistenlabor etwa des Surrealismus, die auf den Weltkrieg und die Folgekosten reagierten, heute wie das liebe Brot. Wenn ich von Weltkrieg und Entgleisung des Jahrhunderts spreche, dann spreche ich davon, dass 1918 dieser krieg ja gar nicht beendet ist, sondern mit vielen Übergängen und Krisen bis 1939 führt und eigentlich einen 31-jährigen Krieg darstellt.»

Eigentlich können uns hier in der Ostschweiz diese seltsamen Irrungen und Wirrungen um das Dadahaus und die Zweifel um Art und Weise des Umganges der jetzigen Direktion mit dem Erbe des Dadaismus egal sein. Allerdings steht uns hier, wie aus der Zeitung zu entnehmen ist, in St.Gallen eine Kunsthochschule bevor – sofern die nötige Anzahl Teilnehmender zustande kommt – mit Adrian Notz vom Cabaret Voltaire als Leiter, dessen Chef an der Schule für Gestaltung Felix Ebneter zuvor im Branding unter anderem von Automarken tätig war. Meine Bedenken: Hier geht es um ein Verständnis von Kunst, dessen Aufgabe es ist, die Einzigartigkeit der Marktwirtschaft in der neoliberalen Welt zu preisen. Währenddessen rotieren die toten DadaistInnen in ihren Gräbern pausenlos. Eine nächste Antikunstbewegung ist angesagt.

Die Ahnenreihe der Avantgardekunst im 20. Jahrhundert geht von Dada über den Surrealismus zur Künstlergruppe der Situationisten, die ihrerseits verantwortlich waren für die berühmte Forderung «Die Fantasie an die Macht» des Pariser Studentenaufstandes vom Mai 68. Ein Merkmal der  radikalliberalen Exponenten in und um das rebell.teevau von Seydel ist jedoch die Kritik an der 68er Bewegung. Blog-Besucher haben Seydels Lektion gut gelernt und scheinen das zum Teil verinnerlicht zu haben. k_d_r  schreibt als Kommentar auf die WoZ-Kritik an rebell.teevau folgendes im rebell.tv-Blog:

WoZ von Zureich vs. Stefan M. Seydel

Nach dem Kampf auf der Straße
hat es die linke Alt-68er Gilde
in die Partei-Vorstände, in die Wirtschafts-Schaltzentralen
und in die Presse-Redaktions-Stuben geschafft.

Von dort predigt die einst rote Radikale dem Volk intellektuelles Valium für alle.

Und jetzt kommt dieser Stefan M. Seydel, versetzt alles in Unruhe und hinterfrägt
die neue linke Gleichschaltung
des Volkes durch die rote Alt-68er-Elite.
Die Antwort kam zum Glück postwendend von jemandem, der noch alle Sinne beisammen hat und trotzdem bei rebell.teevau hineinschaut – unter dem Titel:

Men who stare at goats

««die neue linke gleichschaltung

des volkes durch die rote alt-68er-elite.»»

Klar Bundesrat Merz, Herr Ex-Bundesrat Blocher allesamt Rote Alt-68er!!! So ist es! Und die Woz liest jedes schwein! Genau! Und niemand das Revoluzzer-Blatt von Köppel, der sich für die wirklich ‘Armen’ einsetzt; die armen Boni-Bezüger die von der bösen Presse und den bösen bösen Journalisten die ganze Zeit durch den Dreck gezogen werden. Zum Glück haben die jetzt Rebell.TV, wo sie in Ruhe gelassen endlich der modernen Kunst fröhnen können und nachhilfe bekommen wie man mit dadaismus noch besser köppeln kann! Bravo.

koenig_der_ratten

Dem ist nichts beizufügen.

Avantgardekunst war immer links mit Ausnahme des Faschisten Marinetti & Co. Und Daniel Model ist weder links noch Mitte, das sollten sich Phillip Meier, Adrian Notz und Konsorten hinter die Ohren schreiben und ihren Umgang etwas sorgfältiger aussuchen. Wenn etwas die politische Heimat des Dr.Model verdeutlich, so ist das seine Haltung zu den Rechten der ArbeiterInnen seiner Fabriken. Dazu schob die WoZ meinem Artikel einen Bericht mit dem Titel «Der knallharte Dr.Model» nach, der erschütternd ist. Da werden Massenentlassungen in Models Firmenkonglomerat ohne Sozialplan ausgesprochen. Das Betriebsklima ist autoritär, die Gewerkschaften stossen bei Model auf knallharte Ablehnung, und Entlassene müssen ihre Rechte vor Gericht durchsetzen.

Die Nebel von Müllheim rücken den Thurgauer Unternehmer und damit eben sein ganzes Netzwerk in die Nähe des Nationalsozialismus.  Ich fragte Daniel Model am Telefon nach seiner Beziehung zur rechtsextremen Avalon-Gemeinschaft, er gab nur ausweichend Antwort und distanzierte sich nicht.

Ich verglich den geplanten, neoklassizistischen, von Urs Strähl, dem Gründer der Bildhauerschule entworfenen Bau des Regierungspalastes  in Müllheim mit Albert Speers Architektur in Nazideutschland. Das war nicht polemisch gemeint sondern sachlich fundiert aufgrund einer Gegenüberstellung des Müllheimer Architektur-Modells, das ich persönlich in der Bildhauerschule besichtigte, mit Speers Entwürfen für Hitlers neue Hauptstadt Germania. Einzig in der Monumentalität gibt es logischerweise einen Unterschied.

Insbesondere was die Bildhauerschule betrifft, in deren Stiftungsrat Model sitzt, sind die Vorwürfe des Kokettierens mit Naziästhetik alles andere als aus der Luft gegriffen. Absolventen von Bildhauerkursen schilderten mir ein autoritäres Regime in der Schule, antisemitische Bemerkungen wären da gefallen, zumindest eine Person des Lehrkörpers fiel wegen Sympathien zu Nazisymbolen auf.

Müllheim und Umgebung ist nun alles andere als eine in Neonazibelangen unbescholtene Gegend. Nicht vergessen ist der Angriff zweier Skins im nahen Frauenfeld auf den Rasta-Fan Dominik, der deswegen fürs Leben mit einer Behinderung gezeichnet ist. Hanspeter Bossert, der zwar als Lehrer inzwischen aus der Bildhauerschule ausgetreten ist, aber immer noch im Stiftungsrat eingetragen ist, wurde in der WoZ schon einschlägig erwähnt.  Bossert, sogar zeitweise Prorektor der Bildhauerschule, wetterte im privaten Kreis gern gegen das 1993 per Volksabstimmung eingeführte Antirassismus-Gesetz und war als Gastreferent in der Schule des rechtsextremen Revisionisten Bernhard Schaub vorgesehen.

Kurz nachdem ich Bernhard Schaub auf Youtube in einem Film gegen das seiner Meinung nach von den 68ern verluderte Schulsystem polemisieren sah, hatte ich ein Telefongespräch mit Daniel Model, der beim Thema Schule tönte, wie wenn er gerade aus einem Vortrag Schaubs gekommen wäre.

Mangels einer wirklich kritischen Presse outen sich radikal-liberale Exponenten öfter mal in demonstrativer Uncorrectness, und da ist dann eben vor allem Nebel angesagt wie in Müllheim – oder auch in St.Gallen. Ein Beispiel dafür ist Konrad Hummlers Vorwort zum Katalog der Unterwäscheausstellung im Textilmuseum vor 2 Jahren. Das ist dann mein kleiner Beitrag zur längst fälligen Hummlerdebatte hierzustadt. Meines Wissens wurde der Text aus dem Dessous-Katalog nie kritisch gewürdigt, dabei offenbart Hummler, wie er den Bogen spannt Vergleich von Steuerhinterziehung und Geldwäscherei zur Unterwäsche, neben einiger Schlüpfrigkeit ziemliche Unverfrorenheit. Es ist zu vermuten, dass Hummler so heute nicht mehr  schreiben würde. Heute steht er mit dem Rücken zur Wand und muss dem «Ausland» Brocken in Milliardenhöhe zuwerfen, um einigermassen heil aus dem Schlamassel zu kommen, wie man in den letzten Tagen erfahren konnte.

Bevor ich Hummlers Vorwort zum Katalog der Unterwäscheausstellung vorlese noch eine Verständnishilfe: Achtung, beim Wort «Dessous» ist die Luxusunterwäsche junger Damen gemeint und nicht etwa die verschissenen Unterhosen von durch die sozialen Netze gefallenen Arbeitslosen!

Secrets – Im Widerspruch zum Zeitgeist

Der Zeitgeist will Transparenz. Verborgenes, Verstecktes und Geheimes sind verpönt. Ein Terrorist, ein Drogenhändler oder wenigstens ein Steuerhinterzieher – eben jeder, der sich gegen Offenlegung wehrt. Eine Unternehmung hat Ad-hoc-Informationen von sich zu geben, wenn sie bei sich ein Problem entdeckt hat. Ansonsten verstösst sie gegen die so unumstrittene und ubestreitbare ‚Good Governance’. Ermessensentscheide von Richtern und Behörden sollen von objektivierbaren Kriterien unterlegt sein, alles andere sähe nach Willkürherrschaft aus. Kriterien hier, Checklisten da, revisionsfähige Paper-Trails allüberall – wie schön ist doch unsere Brave New World der Transparenz geworden! Schön? Vielleicht eher auch einfach ziemlich öde, geisttötend und unkreativ. Ein Pseudoparadies für Buchhalter und andere Erbsenzähler dieser Welt.

Mit ‚Secrets’ wird ein charmanter und diskreter Kontrapunkt gegen den Transparenz-Fetischismus gesetzt. ‚Secrets’ lässt die Schönheit dessen aufleuchten, was selten gezeigt wird. Seit dem Feigenblatt, dem ersten Dessous der Menschheitsgeschichte, gibt es eine Ästhetik der Abdeckung. Ohne diese Ästhetik wäre das Intime der Banalisierung ausgesetzt…….

Beim Hummlerschen Gejammer über die öde Transparenz in der demokratischen Schweiz, die nur seine Kreativität hemmt und völlig geisttötend ist, kommt mir doch sofort auch wieder der Dr.Model hoch, der sich für seinen Freistaat als Regierungsform eine Meritokratie vorstellt. Das bedeutet eine Herrschaft der Fähigsten und da nur sehr subjektiv feststellbar ist, wer denn die Fähigen sind, dürfte das wohl auf das Erbprinzip herauskommen, was doch vor 200 Jahren überwunden schien.

Das heisst so oder so: Bei Hummlers absolutistischen Allüren und bei Models Meritokratie finden wir uns so ca. im Barockzeitalter wieder. Oder noch weiter zurück in der Antike mit Sklavenwirtschaft und einer Akademie im Müllheimer Apfelgarten.

Nachdem das St.Galler Tagblatt, der WoZ-Berichterstattung folgend, anfangs März auch nicht besonders freundlich über Avalon berichtet hatte, schreibt rebell.teevau-Seydel  seinem Verleger Model in einem offenen Brief in vollendetem Eso-Kitsch: «Wenn ein keltischer architekt den daniel model im thurgau besucht hätte, er würde sein regierungsgebäude in roh zugeschlagenen steinquadern errichten lassen: eine hohe burg, in mitten seinem walde. und der nebel würde das teil umhüllen und apfelbäumchen würden im burghof gepflanzt. und wäre ihm ein zimmermann begegnet, welcher vorgeschlagen hätte, rohes Rundholz zu einem Fort zu verbauen… himml… schurnalisten schlagen zeilen, während der daniel model seinen drängenden gedanken mittels einem haus einen denk_raum verschafft und diesen mit «avalon» übertitelt.»

Apfelbäumchen im Burghof!

Tatsächlich bleibt die Sache unheimlich, und das Lavieren hin und her zwischen reaktionären Staatsideen und linkem Kulturschick sollte weiter beobachtet werden. Darauf möchte ich abschliessend hinweisen. Die Tendenzen zur Entsolidarisierung, die neoliberale Demontage von sozialen Errungenschaften dürfen wir nicht zulassen und schon gar nicht noch -wie gezeigt- in diesem nebulösen Umfeld à la Avalon unterstützen.

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12 Responses to Konrad Hummler: «Sie sind geistig vorzeitig pensioniert!» Neues Licht in den Nebeln des Dr.Model

  1. an anderer stelle in diesem blog hast du dich beschwert, weil keiner mit den «hooligans» ein bier trinken geht und stattdessen alle unwissend mit artikeln auf sie einprügeln. und jetzt macht ihr hier genau das: haben steiger oder du je mit stefan m. seydel ein bier getrunken? ich habe diverse versuche unternommen, mit dir einen kafi trinken zu gehen. ach, ich kann das einfach nicht mehr ernst nehmen…, sorry! schreibt doch weiter und redet mit niemandem. das kommt gut. so könnt ihr eure vorurteile am besten schüren…;)))

  2. D.R. sagt:

    welche vorurteile? einen vortrag in seinem blog veröffentlichen, nennst du «vorurteile pflegen»? in dem fall: sorry. das nächste mal frage ich dich natürlich vorher, ob das genehm ist. na ja, wenn ich es mir zwar recht überlege: nein, doch nicht.

  3. «welche vorurteile?» diese frage zeigt, dass du nicht wirklich liest, was ich hier in die kommentare schreibe.
    also; ich wiederhole mich. gerne sogar, weil ich dich mag, (eigentlich;).
    du fragst «welche vorurteile?»: wir werden sehr offensiv und immer wieder in die nähe von model gerückt.
    wir kooperieren auf unterschiedlichen ebenen jährlich mit über hundert künstlern, institutionen, gestaltern, wissenschaftlern und so weiter. wir haben somit in den letzten 5 1/2 jahren mit rund mindestens 600 leuten in irgendeiner form zusammengearbeitet. model war also einer von 600 leuten. soll ich nun auch noch die finanziellen verhältnisse aufzeigen? model zahlte meines wissens chf 1’500.- an diese «butterschifffart» (bei welcher übrigens eigens von uns initiiert eine künstlergruppe sehr aufwendig inszeniert den bodensee annektierte, was jedoch scheinbar viel zu wenig interessant ist). diese chf 1’500.- stehen im verhältnis zu rund chf 5’000’000.-, die wir in den letzten gut fünf jahren ins haus und in (andere) kunstprojekte steckten. und dann schreibt steiger, dass er fakten liebe. das ist ein hohn! nochmals: euch interessiert scheinbar nicht wirklich, was wir machen. euch interessiert, eure meinung bestätigt zu erhalten. drum nützt es eigentlich auch nix, wenn ich mich hier erkläre, denn ihr analysiert unsere arbeit nur durch eure brille. das killergame mit bundesrat merz, das wir nächste woche präsentieren, oder der echte(!) christlich-orthodoxe erzbischoff, der nächste woche hugo ball gedichte vortragen wird?! alle diese anderen inhalte gehen euch scheinbar am arsch vorbei. hauptsache ihr könnt schreiben, dass der neue präsident des trägervereins ein ganz böser marken- und brandingmanager ist (aber vorsicht: redet möglichst nie mit ihm, sonst müsstet ihr allenfalls noch euer vorurteil revidieren…;)
    ich schreibe hier und schreibe hier im wissen darum, dass es keinen interessiert und schreibe trotzdem weiter weil mir weder die woz noch der ryser am arsch vorbei geht. weil ich die banz mag; und ich den journalismus wichtig finde…; jedoch nicht diese arrogante «schreiben wie es ist» attitüde; denn ich sehe es bestimmt anders, als du, und wer soll dann bestimmen dürfen «wie es ist»? nur der journi? gott ist glücklicherweise tot! ;) ))
    verdammt! lass uns endlich mal ein bier trinken…:)

  4. D.R. sagt:

    dass mit dem «nie mit dem model reden», das ist ja eigentlich die ZENTRALE kritik an steiger, und die ist einfach nicht fair, weil sie nicht stimmt, weil model sich ja geweigert hat, mit steiger wirklich zu reden. von einer «schreiben wie es ist-attitüde» kann doch keine rede sein, sonst wäre die kommentar-funktion nämlich geschlossen.

  5. Ugugu sagt:

    1. Ich verstehe leider immer noch nicht genau was diesen Model um- oder antreibt? Das hingegen wäre für mich zwingend notwendig, um sein Mäzenatentum bei rebell.tv einigermassen vernünftig einordnen zu können.

    2. Von dem was ich auf rebell.tv bislang zu Themen wie Umbau des (Sozial-)Staates mitgekriegt habe, bewegt er sich so ziemlich genau auf WoZ-Line. Kann mich aber auch täuschen. Etwa die Kritik an staatlichen Quersubventionen von gewinnorientierten Unternehmen mittels Zwangsmassnahmen aka Beschäftigungsprogramme.

    3. Was soll dieser mittelmässig lustige diminuitiv “rebell.teevau” genau bezwecken?

    4. Ich hol dann schon mal Popcorn.

  6. /sms ;-) sagt:

    auf grund des letzten abschnitts: “…Tatsächlich bleibt die Sache unheimlich, und das Lavieren hin und her zwischen reaktionären Staatsideen und linkem Kulturschick sollte weiter beobachtet werden…”

    darf ich http://nationofswine.ch als den offiziellen watch-blog von http://rebell.tv bezeichnen?

    (logo: würde euch dann offiziell in der rechten spalte verlinken ;-)

  7. “2. Von dem was ich auf rebell.tv bislang zu Themen wie Umbau des (Sozial-)Sta…”…

    2. Von dem was ich auf rebell.tv bislang zu Themen wie Umbau des (Sozial-)Staates mitgekriegt habe, bewegt er sich so ziemlich genau auf WoZ-Line. Kann mich aber auch täuschen. Etwa die Kritik an staatlichen Quersubventionen von gewinnorientierten Unte…

  8. /sms ;-) sagt:

    @ugugu: d!a!n!k!e ;-) ))

    @watchblogofrebell.tvAu!Au!Au!: eure nicht-unterscheidung zwischen “kommentare” und automatisch reingesaugten track-backs: hexenhammer? – subtraktionistenhammr!

    habe mir grad popcorn bestellt: scheint ja ganz grosses kino zu werden ;-) ))

  9. @d.r.: ich habe euch in diesem thread nicht vorgeworfen, dass ihr nie mit model redet. ich habe euch vorgeworfen, dass ihr nie mit mir redet. ich beziehe mich auf die grösstenteils konstruierten(!) zusammenhänge zwischen model und dem cabaret voltaire, die ständig wiederholt werden. ich weiss, dass durch ständiges wiederholen wahrheit entstehen kann. deshalb wehre ich mich mit aller macht dagegen!
    oder konkreter; das ist falsch: «Meine Recherchen für den Artikel in der WoZ zeigten nun die engen Verbindungen des Dadahauses zum rechtsliberalen Klüngel um Daniel Model.» wo bleiben die beweise für die ENGEN(w.t.f.?!) verbindungen?! (oder andersrum: oskar freysinger trat mal als «sänger» im cabaret voltaire auf und mit mauro tuena habe ich einmal ein bier getrunken. deshalb bin ich wohl gleich ein svp-sympathisant. das ist doch nur lächerlich;)))

    des weiteren ist es extrem peinlich, wenn sich ein journalist folgendermassen beschreibt «der den Fakten verpflichtet ist und möglichst nahe an die Wahrheit heran kommt.» und im gegenzug meinen namen ständig falsch schreibt (nochmals; auch das habe ich andernorts in diesem blog schon mal geschrieben: mir geht die rechtschreibung am arsch vorbei. ich möchte jemanden verstehen, jemandem folgen, möglichst dran!sparent; dafür brauche ich keine rechtschreibekenntnisse. aber wenn einer die ganze zeit suggeriert, dass er hart an der wahrheit segelt, dann ist das einfach nur peinlich…!)

    ich bestelle mir zum popcorn noch n’bier:)))

  10. /sms ;-) sagt:

    - mein name wurde auch falsch copy/pasted!
    - ich will auch, dass mit mir geredet wird!
    - ich will zudem, dass “backtracks” nicht als “kommentare” reingesogen werden!

    (langnese: colapop. demnächst in ihrem kino!)

  11. [...] grossen vorbild nach? die linke und unnette WOZ? – die huch!professionellen woz-schurnalisten bei nationofswine.ch (vergl. kommentar 6) zeigen, wie double-bind-bashing funktioniert. der woz-journalist kaspar surber in heft 04/2010 [...]

  12. Dieser hier auch zitierte “k_d_r”
    steckt viel mehr im “braunen Sumpf” fest,
    als Stefan M. Seydel hier im Blog
    beschuldigt wird.
    Ob aber “k_d_r” im “Avalon-Sumpf”
    nur recherchierft oder sogar ein
    Ultra-Rcehter ist, inzieht sich meiner
    Kenntnis.
    Ausserdem kennt “k_d_r” die Materie
    über die hier Daniel Rieser schreibt,
    wenn er “Bernhard Schaub und weitere”
    ausmalt.

    mfG!
    rebell.tv.kritiker@gmail.com