das ist ja genau das problem von hüppi. er hätte eigentlich einige gute ansätze, aber wenn er gleich umkippt, wenn die kks mal neben ihm sitzt, dann ist er schlicht eine windfahne ohne rückgrat (naja, windfahnen mit rückgrat wär auch komisch). bevor er sich nicht öffentlich entschuldigt, bleibt er für mich ein verlogener idiot.
Aus dem Forum der Fans des FC St.Gallen

Man kann den Präsidenten des FC St. Gallen nach wir vor schlecht reden wegen dem Choreoverbot. Man könnte aber auch einen Schritt zurück machen und die Sache mit anderen Augen betrachten, etwa seine Aussagen im WOZ-Interview zwischen den Zeilen lesen: Spätestens, wenn man erfährt, dass es ausgerechnet jener Choreoverbots-Hüppi war, der zusammen mit FCB-Vize Bernhard Heusler die repressiven Vorschläge, die am Freitag von der Konferenz der Kantonalen Justiz- und PolizeidirektorInnen präsentiert werden, zusammengestutzt hat (mehr als Empfehlungen konnten Hüppi und Heusler dabei nicht abgeben), sollte man sich einer Sache bewusst werden: Am Ruder ist jetzt die Politik. Für liberale Stimmen wie Bernhard Heusler, der einst gar eine Pyro-Legalisierung forderte, wird es jetzt sehr schwer. Auch FCSG-Hüppi spricht sich im WOZ-Interview gegen weitere repressive Massnahmen aus. Da wird der Fall ziemlich klar: Das Choreoverbot scheint ein völlig hilfloser und im Signal verheerender Versuch gewesen zu sein, das Druckventil etwas zu öffnen. Man kann den Präsidenten jetzt weiter daran aufhängen. Man sollte sich stattdessen bewusst werden, welche Stunde es geschlagen hat.

Spielt der FC St. Gallen gegen den FC Luzern, ist ein Grossaufgebot der Polizei vor Ort, weil die Polizei das Spiel als «Hochrisikospiel» einstuft. Hüppi würde die Gästefans zwar lieber mit Bier und Bratwurst begrüssen, die Polizei aber begrüsst mit Absperrgitter und Gummischrotflinten. Zwar bleibt dann wie am Sonntag alles friedlich, aber der FC erhält dennoch eine Rechnung von 100000 Franken – 60 Prozent der Vollkosten für den Polizeieinsatz. Und diese Kosten drohen dem Verein das Genick zu brechen. Die Lokalpolitiker werden zwar nicht den Mut und wohl auch nicht den Willen haben, einen Verein wie den FCSG (oder auch Xamax), die beide diese Rechnungen nicht mehr bezahlen, wegen Sicherheitskosten an die Wand zu fahren. Sie werden aber massiv Druck aufbauen, damit diese Kosten runtergehen. Wenn es im jetzigen Ton, mit den jetzigen Feindbildern, so weitergeht, wird es sehr bald heissen: Ultras oder Fussball? Und welche Massnahmen sich die Vereine dann vorschreiben lassen, um die Kurven unter Kontrolle zu bringen um finanziell nicht abzusaufen, will man sich nicht ausmalen. Der KKJPD schweben mitunter reine Sitzplatzstadien vor – und zwar mit personalisierten Sitzplätzen. Dieser Punkt wird morgen in Bern nicht präsentiert, man behält ihn sich aber vor.

Die Ultras in St. Gallen betrachten den Verein nun als Gegner. Die Politik wiederum wirft den Vereinen vor, wegzuschauen, wenn Ultras Feuerwerk zünden. Dass hier ein paar Sachen, die wenig miteinander zu tun haben, vermischt werden, will derzeit niemand hören. Dass etwa Bussen für Pyro nichts mit den Sicherheitskosten zu tun haben, welche die öffentliche Hand belasten. Die Pyrobussen sind verhältnismässig gering. Der Verein zahlt sie selbst. Ein einziges Hochrisikospiel kostet den Verein mehr als Bussen für Pyro in einer ganzen Saison. Und liegt es eigentlich, mal ein anderer Blick, wirklich an den Sicherheitskosten, dass es etwa dem FCSG so schlecht geht, oder spielen da auch andere Gründe mit, wie der Journalist Andreas Kneubühler heute im Blog des Ostschweizer Kulturmagazins Saiten schreibt, etwa das Unvermögen alter Geister.

Pyro ist auf jeden Fall zum Sinnbild dafür geworden, dass die Stadien unsichere Räume sind, dass die Sicherheitskosten explodieren, dass hunderte von Polizisten Überstunden anhäufen müssen. Und das wird sich so schnell nicht ändern, denn Pryo wird seit Jahren von Politik und Medien mit Gewalt gleichgesetzt. Aus falsch wird zwar auch nach der hundertsten Wiederholung nicht richtig, aber das falsche Bild ist trotzdem haften geblieben. Auch deshalb, weil Ultras aufgrund drohender Stadionverbote vermummt zünden, was selten freudig, sondern häufig bedrohlich wirkt.

Wenn sich ein liberaler Präsident wie Hüppi durch Druck von allen Seiten in eine derart missliche Lage manövriert, sagt das viel darüber aus, wo der superkommerzialisierte Super-League-Fussball derzeit steht: Unter massivem Druck der Politik, der Justiz, der Polizei. Und der Druck wird zunehmen. Dazu muss man sich nicht mal sonderlich informieren, sondern nur das Klima fühlen. Ich führte in den letzten zwei Wochen viele Gespräche mit Leuten aus Politik und Justiz, und zwar mit Leuten, die in dieser Sache gewaltig Druck machen. Und sie haben nicht vor, das zu ändern. Das klingt dann etwa so: «Warum soll die Öffentlichkeit einem privaten Veranstalter hunderttausende Franken an die Sicherheitskosten bezahlen?» Oder so: «Diese Ultras sind militante Gruppen.» Oder so: «Die Deltas mögen aggressiv sein. Aber wer ein Fussballspiel besucht, kann ja mit eigenen Augen sehen, von wem die Aggression ausgeht: Von den Fans.»

Am Freitag stellt die KKJPD eine Mustervereinbarung vor, welche sie den lokalen Behörden zur Umsetzung empfiehlt: Je mehr ein Verein kooperiert, desto kulanter wird die öffentliche Hand bei der Übernahme der Sicherheitskosten. In den Augen von Leuten der KKJPD leiden einige Fanarbeiter am «Stockholm-Syndrom». Das ist der Ton. Und dabei muss man sich bewusst werden: Die Leute, die sich nun exponieren, tun dies nicht wegen des Karrierismus, sondern weil sie davon überzeugt sind, dass Stadien zu rechtsfreien Räumen geworden sind, die indirekt – weil es an Spieltagen offenbar so viele Polizisten braucht – die öffentliche Ordnung gefährden. Die Stossrichtung dabei ist inzwischen klar: Repression bis Ruhe ist.

 

One Response to Die Ultras, die Clubs und das Geld

  1. freddy_fresh sagt:

    es ist einfach nur noch mühsam. da wird man auf einer normalen auswärtsfahrt jetzt schon wie ein schwerverbrecher behandelt und nun sprechen die noch von “schraueb anziehen”.

    es wird leider immer noch am falschen ort angepackt.

    Pyrotechnik-ist-kein-Verbrechen.at sollte von allen schweizer ultra gruppierungen auch unterstützt werden, damit dieser (traditionelle und schöne) teil der fankultur nicht verlorengeht.

    Schiedsrichterbeleidigungen werden niemals eingedämmt werden können. Pfeift der schiri schwach, pfeiffe ich lautstark und beleidige ihn – what else ?

    das taten schon mein vater und dessen vater….

    schade wird die fankultur so mit füssen getreten, nur um die gewalt (welche ja meist ausserhalb der stadien stattfindet) einzudämmen. wirklich lächerlich diese ansätze…

    PRO PYRO! PRO BIER MIT ca.5% ALKOHOL! PRO CAPOS! PRO FAHNEN ETC!