Auch Deutsche unter den Opfern, Teil 3
Manchmal ist der Zufall wie ein kräftiger Tritt in die Eier. Ja, so geht das … Kürzlich habe ich Benjamin von Stuckrad-Barres «Auch Deutsche unter den Opfern» gelesen – und mit gemischten Gefühlen beiseite gelegt. Viel gibt es dazu nicht mehr zu sagen, Kollege dr. hat sich hier und hier bereits dazu geäussert. Allerdings, und das meine ich mit dem Tritt, hab ich mich gleich danach auf Joachim Lottmanns «Auf der Borderline nachts um halb eins» gestürzt (WAS FÜR EIN TITEL!), ein Band über Lottmanns Leben als «Deutschlandreporter», wie Stuckrad-Barre im KiWi-Verlag erschienen, aber bereits vor drei Jahren. Der erste Text: «Vom Pop-Schriftsteller zum Deutschlandreporter oder Mein Leben mit Stuckrad-Barre».
Lottmanns «erster Text als Nicht-Popautor» ist eine Lobeshymne auf Stuckrad-Barre, man sollte ihn aber vielleicht eher als eine Reaktion auf «die Mode des Stuckrad-Dissens auf Avantgarde-Partys» lesen. «Warum wird Benjamin von Stuckrad-Barre so gehasst?», fragt Lottmann. «Warum erkennt man nicht, dass Soloalbum einer der zehn besten Romane der Bundesrepublik ist und Deutsches Theater das klügste Buch, das zur Zeit auf den Ramschtischen der Buchläden liegt?» Der Text erschien 2003 online (und/oder gedruckt) in der deutschen Wochenzeitung Jungle World.
Überhaupt, und das war ja der ursprüngliche Anlass für diesen Blogeintrag: Die Parallelen zwischen Lottmann und Stuckrad-Barre sind unübersehbar. Lottmann tut in diesem Buch das, was Stuckrad-Barre jetzt auch getan hat: Er geht raus, schaut und erzählt – nur: Nach der Lottmann-Lektüre war meine Laune irgendwie besser.
PS: Lottmanns Buch gibt es hier. Zu seinem gleichnamigen Blog bei der taz geht es hierlang. Erstmals aufgefallen ist mir Lottmann übrigens hier, als er über Kuba schrieb.
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