Credit Suisse: 88% Steuerhinterzieher?
(ch.) Wir haben ziemlich lange darauf warten müssen, aber heute ist es endlich soweit: Wir gründen die neue Kategorie «Credit Suisse». Einige Leserinnen und Leser dieses Blogs werden es schon länger vermutet haben – und ehrlichgesagt habe ich selber auch nie an die These geglaubt, dass es nur einige wenige schwarze Schafe bei der UBS waren, die mit dem Steuerhinterziehungsgeschäft Geld verdienten – aber jetzt haben wir laut Süddeutscher Zeitung offiziell eine weitere (mutmasslich) kriminelle Bank: Die Steuerhinterzieher-CD, die die deutschen Behörden gekauft haben, beinhaltet Namen von deutschen Kunden der Schweizer Grossbank Credit Suisse.
«Die interne Credit-Suisse-Präsentation aus dem Jahr 2004 lässt vermuten, dass 88 Prozent der Deutschen, die in den Schweizer Filialen ihr Geld anlegen, Steuerhinterzieher sind. Die Bank erklärte auf Anfrage, sie kenne die Steuersituation ihrer Kunden nicht.»
Quelle: SZ
Jetzt mal abgesehen davon, dass die Zahl 88 ziemlich unsympathisch ist: 88 Prozent?! Da bleiben aber nicht mehr viele steuerehrliche Kunden übrig. Und wenn wir schon bei Zahlen sind: Der SZ liegen bankinterne Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass die Credit Suisse 2004 von 100’000 Kunden ausging, die insgesamt 34 Milliarden Franken in der Schweiz versteckten. Da die Kacke weltweit ziemlich ordentlich am dampfen ist und die Staaten weltweit ihre Banken mit Milliardenpaketen retten mussten, suchen eben diese Staaten jetzt natürlich überall nach Geld. Naheliegend, dass sie zuerst einmal das Geld einsammeln, das ihnen sowieso zugestanden hätte: Steuergeld. Die Deutschen haben jetzt also eine Steuerhinterzieher-CD für mehrere Millionen Euro gekauft und hoffen dadurch, rund 1500 Steuersünder zu entlarven und so rund 400 Millionen Euro zu kassieren.
Einen äusserst lesenswerten Kommentar zur ganzen Geschichte lieferte heute einmal mehr Heribert Prantl von der Süddeutschen: Die Bank als Täterin hinter dem Täter. Er erklärt, warum die Bank nicht nur Beihilfe zur Steuerhinterziehung leistete, sondern vielmehr Täterin war und die Steuerdelinquenten zum ihrem Handeln – ja, ich glaube das kann man so sagen – anstiftete. Er schliesst mit dem schönen Satz: «In den USA entzieht man solchen Banken die Lizenz.»
Und in der Schweiz?
PS: Fast noch vergessen: Das amerikanische Whistleblower-Center findet übrigens, man müsse den Deutschen applaudieren.
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