Carlsberg Hooligans
(drrr.) rüülps, gut, ich bin von den heissen whiskys gegen meine erkältung betrunken jetzt. das passt. denn heute, auf dem heimweg von basel, dort zwecks reportage, noch schnelll vorbei im medienzentrum bundeshaus. dort pressekonferenz von bundesrat ueli maurer und kkjpd wegen den hooligans. st.galler regierungsrätin karin keller-sutter war überraschend nicht dort, und sie haben das präsentierte als wahnsinnig knallharte massnahme verkauft: lightbeer in allen stadien der nla und nlb, also super league und challenge league, soll es in zukunft geben, wegen den paar hooligans, die sowieso nicht ins stadion kommen wegen stadionverbot.
wenn ich also in zukunft winterthur gegen thun gucke, kann ich meinen finnischen begleiter, der sich nicht sonderlich für fussball interessiert, nicht mehr mit bier bei laune halten. sondern nur noch mit lightbeer. sprich: doppelt schlechte stimmung. man will die clubs in die pflicht nehmen mit verträgen, sagt der kkjpd vetreter an der pressekonferenz am freitag, weil sonst rumsdibums, volle abwälzung der sicherheitskosten. und dann bankrott. zwangsrelegation. aus. fc wettingen-style. ABER ich werde euch, sobald erkältung weg, und der heisse whisky auch nicht mehr wirkt, und der kopf wieder zack, zack, voll auf pronto, BEWEISEN, dass karin keller-sutter voll auf die schnauze gefallen ist. drum war sie nämlich auch nicht da, weil auf kurz zumindest: aus die maus, der hooligan-populismus. denn damals, im august 2009, luden sie vor unzähligen journalisten zur sauwichtigen pressekonferenz in zürich, verpulverten zehntausende von steuerfranken für eine reise ins ausland, um uns ihre erkenntnisse, also massnahmen zu präsentieren: kein fahnenschwenken in den kurven, gar kein alkohol in und um die stadien, keine stehplätze, kein jubel, kein gar nichts.
schon damals war klar: das ist schrott, weil komplett weltfremd und absolut UNUMSETZBAR für die vereine! man, da musst du jetzt kein extremist oder sowas sein, sondern nur: gesunder menschenverstand. und was hat fahnen schwenken mit krawall zu tun? oder ein feierabendbier? und jetzt also, das hat an der pressekonferenz so niemand gesagt, aber jetzt, ein halbes jahr später, ist von den damals von karin keller-sutter uns journalisten als heilmittel präsentierten lösungen KEINE EINZIGE ÜBRIG GEBLIEBEN. nicht mal das alkoholverbot haben sie durchbekommen, nur so ein lächerliches lightbeer-erlässchen, wo der protest jeder lokalbrauerei auf sicher ist, weil das ist ja wohl totale wettbewerbsverzerrung. oder sollen wir in zukunft alle feldschlösschen light und bud light und carlsberg kampfsaufen?
ich will mein stadtbier, sag ich dir jetzt schon. und ich bin nicht der einzige, der so denkt. marc furrer denkt auch so. und der ist immerhin verwaltungsrat vom schweizerischen eishockeyverband (der verband hat jetzt so einen englischen namen, den ich aber betrunken nicht fehlerfrei schreiben kann). auf jeden fall hat furrer an der pressekonferenz am freitag, 22.01.10, im medienzentrum zu bern gesagt: «diese vorschläge von karin keller-sutter sind uns total in den falschen hals gekommen. was soll das? die diktieren uns von oben und wir sollen nicht umsetzbares umsetzen?» und dann hat der mann folgendes gesagt: «und was wollen wir in langnau mit leichtbier? das gibt es dort nicht! oder in der beschaulichen kurve in ajoie? sollen wir den paar leuten, die dort an einem dienstag abend kommen, sagen: ihr dürft nicht stehen und das lokale bier ist hier verboten? darum haben wir der kkjpd gesagt: da machen wir nicht mit.»
dann, im gespräch unter vier augen, sagte marc furrer noch: «wissen sie, ich bin kein experte, aber ich hörte, dieses leichtbier schmeckt wie abgestandenes bier, das man mit ganz viel mineralwasser aufgefüllt hat.»
ueli maurer hat den carlsberg-lightbeer-befehl freudig abgenickt. also kommt ihr svp-ler mir ja nicht auf die lokalpatriotentour beim nächsten mal! das leichtbier ist auch ueli maurers bier! und ich muss sagen, eishockey hat mich nie wirklich interessiert, aber den zweiten heissen whisky heute abend hab ich dann auf marc furrer getrunken.
6 Responses to Carlsberg Hooligans
Neuste Kommentare
- ed bei Eine tödliche Unfallserie in Anführungszeichen
- Senorschwarz bei Monday Night: Gangsta Gibbs, wieder und wieder
- Doktor Röntgen bei Monday Night: Gangsta Gibbs, wieder und wieder
Knapp daneben – Fussball & Alltag- Schlechte Karten? Nicht bei uns! 17. Mai 2012
- Ein Titel für Frank Sidebottom 15. Mai 2012
- Klubnamen Glückssache 13. Mai 2012
Blogs
- «A daily look at war, sports, and everything in between» – Der New-Yorker-Blog von Amy Davidson (englisch)
- Crownpropellers Blog: Jump, Jazz, Jive, Vintage R'n'B
- Jens Weinreich – Blog des investigativen Sportjournalisten
- Matt Taibbi – Der Politreporter des Rolling Stone (englisch)
- When Saturday Comes – The Half Decent Football Magazine




in wintherthur gibts ja zum glueck im winter nebst bier auch noch rum punsch, und zwar mit, und zwar mit ziemlich viel wenn man nett fragt. im ernstfall waere die einfuehrung des pseudobiers zumindest in winterthur kein grosses problem… prost
Gut, das stimmt alles. Aber der Marc Furrer sollte sich seine Beispiele ein bisschen besser aussuchen. Bei Ajoie schenken sie – ich hab mich noch gewundert, als ich neulich dort war – Calanda aus, und die haben ein Leichtbier. Und Sponsor der SCL Tigers ist Feldschlösschen (Carlsberg). Bin immer für Polemik. Aber gut zielen wäre von Vorteil.
@ Hans Maisgold: Ich weiss nicht, ob es hier wirklich darum geht, gut zu zielen. Die besseren Beispiele zu haben, die Genauigkeit vorzulegen, wo jetzt welches Leichtbier doch möglich ist oder welcher Sponsor und wie und man es tun könnte oder nicht. Mich stört es überhaupt nicht, was Furrer hier sagt, treffendes oder nicht treffendes Beispiel hin oder her. Denn ich glaube eher, dass es doch um das schlechte Gefühl geht, das man (in diesem Fall: Furrer) hier bekommt. Um die Massnahme als solche, eine Art Splatter-Kollektivstrafe: Leichtbier für alle und überall wegen den Hooligans?
@drrr: Ich sag ja: stimmt alles. Nur: Sind wir nicht auch so wahnsinnig empfindlich auf Fehler der Gegenseite? Sind wir da nicht auch sehr präzis? Wenn die KKS von ihrer Reise zurückkommt und ihre keine Ahnung kundtut? Und beim Bier bin ich halt sensibel. Kein A- oder B-Klub hat einen Vertrag mit einer Klein- oder Mittelbrauerei. Sie sind samt und sonders bei den Grossen. Das mein ich: Heul, Furrer, heul, aber richtig!
@ Hans Maisgold: Da Sie für gut zielen sind, hier noch die Erklärung von Marc Furrer, dessen Langnau-Vergleich sie kritisierten. Furrer sagt im Interview mit der WOZ: «An Heimspielen der Langnau Tigers wird etwa Bier von Egger ausgeschenkt – die brauen kein Leichtbier.»
[...] Den alle unsere Hit-Erwartungen sprengenden Eintrag «Carlsberg Hooligans» gibt es hier. [...]