«Ich bin der Präsident, ich darf das»
Neues vom Sportdesk: «Immer Ärger mit Hassan», schreibt die Süddeutsche Zeitung zum neusten Abgang beim Internationalen Handballverband (IHF). Der 67-Jährige IHF-Sportdirektor Ekke Hoffmann tritt zurück. Als Grund für seinen Rücktritt nannte Hoffmann «Differenzen mit dem Präsidenten Hassan Moustafa». Aufmerksame und sportinteressierte WOZ-Leser kennen Hassan Moustafa bereits. Ich habe letztes Jahr einen ausführlichen Artikel darüber geschrieben, wie der Pharao den Internationalen Handballverband (mit Sitz in Basel) führt. Seit dem letzten IHF-Kongress vergangenen Juni in Kairo haben immerhin sechs Leute den IHF-Sitz in Basel verlassen. Die «seltsame Abwanderungswelle» (SZ) passt nur zu gut zu Moustafas ziemlich schrägem Weg, der mit Skandalen gepflastert ist.
Von Carlos Hanimann
Der frühere deutsche Frauen-Nationaltrainer Ekke Hoffmann tritt als Sportdirektor des Handball-Weltverbandes IHF zum 31. Mai zurück, teilte der 67-Jährige am Sonntag mit. Grund seien Differenzen mit dem umstrittenen IHF-Präsidenten Hassan Moustafa. “Wenn man sich über wichtige Entscheidungen nicht mehr einig ist, ist es für mich nur logisch, die Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten”, sagte Hoffmann.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Dr. Hassan Moustafa gehört – neben Sepp Blatter und Kompanie – zu den derzeit wohl umstrittensten Sportfunktionären der Welt. Seit 2000 ist der Ägypter Präsident des IHF. An seiner Person lassen sich sämtliche Skandale aufzeigen, die in den vergangenen Jahren die Handballgemeinschaft erschütterten: Korruption, Bestechung, Schiebung, Doping … Hassan Moustafa hatte mit allem zu tun. Fast jeder, den ich bei der Recherche über Moustafa anrief oder traf, wusste ein paar Ungereimtheiten über Moustafa zu erzählen. Teilweise waren es nur Gerüchte, aber über die wollen wir hier nicht sprechen, denn es gibt genügend Fakten. Zum Beispiel die:
- Der IHF-Präsident war höchstpersönlich am Bestechungsskandal der asiatischen Olympia-Qualifikation für 2008 beteiligt. Er verlangte kurz vor dem Spiel Kuweit gegen Südkorea die Absetzung zweier deutscher Schiedsrichter (die übrigens in diesen Tagen ihren Rücktritt erklärten) und ersetzte sie durch zwei unbekannte jordanische Unparteiische. Wobei: Unparteiisch ist in diesem Fall vielleicht der falsche Begriff. Denn die Schiedsrichter verpfiffen das Spiel: Korea verlor das Spiel mit 28:20. Zum Vergleich: Das ist in etwa so, als würde der FC Kriens den FC Basel im kommenden Cup-Halbfinal mit 6:0 besiegen. Das Internationale Sportgericht in Lausanne (CAS) bestätigte in einem Urteil, dass der Präsident direkt an der Einsetzung der gekauften Schiedsrichter beteiligt war.
- In den Jahren 2000 bis 2007 rechnete der Pharao alle Flugspesen ohne Belege ab. Damit kassierte er für seine First-Class-Reisen um die Welt über 600000 Franken. Oder um bei der Wahrheit zu bleiben: Hassan Moustafa wies manchmal sogar Belege vor. Einige dieser «Belege» – handgeschriebene Zettel mit Abkürzungen und ein paar Zahlen – liegen mir vor und vielleicht lade ich sie bei Gelegenheit mal auf den Blog, damit man sieht, was der Pharao unter einem «Beleg» versteht. Auf seine exorbitanten Flugspesen angesprochen, antwortete der Pharao einem Journalisten trocken: «Ich bin der Präsident, ich darf das.»
- Auch was die Bekämpfung von Doping angeht, hat Hassan Moustafa etwas eigenwillige Methoden. Vor rund einem Jahr wurde bekannt, dass der Handballverband unter Moustafa noch nie eine Trainingskontrolle angeordnet habe. Das sagten zumindest Mediziner des Verbands. Moustafa soll ihnen gesagt haben, Dopingkontrollen seien «rausgeworfenes Geld». Nach grosser Aufregung und einem angedrohten Ausschluss aus der olympischen Familie hat Moustafa seine Meinung offensichtlich geändert. Auf der Verbandswebsite informierte er kürzlich: Handball is free of doping.
- Die Basler Staatsanwaltschaft ist Moustafa noch immer auf den Fersen: Der Pharao organisierte 1999 – damals als Präsident des ägyptischen Handballverbands – die Weltmeisterschaft in Kairo. Er versäumte es die 1,6 Millionen Franken Gewinn dem ägyptischen Verband zu überweisen, stattdessen landete das Geld auf einem Konto in Strassburg. Wo das Geld jetzt liegt, ist unklar.
Die Liste liesse sich fortführen… Aber das muss für den Anfang genügen. Ich glaube es zeigt in etwa, wie Moustafa sein Präsidentenamt interpretiert.
Lange hält man es mit dem Pharao offensichtlich nicht aus. Sportdirektor Ekke Hoffmann jedenfalls hat sich nach zwei Jahren vom Hauptsitz in Basel verabschiedet, seit letztem Sommer ist er der sechste Mitarbeiter, der die IHF verlässt. «Ich habe versucht, Strukturen in die IHF zu bekommen, die vorher eher ein Gemischtwarenladen waren.»
Es sieht so aus, als ob das die IHF noch eine Weile bleiben wird.
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