Fussball und Gewalt – Gefährlicher Wandel?
News vom Hooligan-Desk: Daniel Ryser wagt einen ersten kurzen Ausblick auf die Rückrunde der aktuellen Fussballmeisterschaft. Anlass ist ein Artikel in der «Süddeutschen Zeitung» von heute, der vor «italienischen Verhältnissen» warnt, gemeint: Gewaltbereite Fankurven könnten in den Vereinen das Zepter übernehmen.
Von Daniel Ryser
Es geht rund. Es ist nicht gut, so wie es ist. Und es wird weiter eskalieren. So zusammenfassen könnte man die Stimmungslage nach der Hinrunde der Fussballsaison 2009/2010 in der Schweiz. Es knallt und knallt und knallt. Und niemand genau weiss, wie es eigentlich zur Eskalation gekommen ist. Ob die Gewalt wirklich zugenommen hat, oder in erster Linie die Berichterstattung darüber (diese Frage stellt sich kein weltfremder Blogger, sondern Christoph Vögeli, Leiter Zentralstelle Hooliganismus, in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger). Fakt ist: Zumindest hat sich die Sicht der Politik gefestigt. Gab es vorübergehend Anzeichen, es werde mehr Prävention geben, stehen alle Zeichen auf harte Hand. Die St.Galler Justiz- und Polizeidirektorin Karin Keller-Sutter (FDP) hat das Zepter übernommen. Die Antwort ist ein Bericht der Konferenz der Justiz- und PolizeidirektorInnen. Es ist ein Hardliner-Katalog. In der Schweiz sollen englische Verhältnisse einkehren: Absolute Ruhe in den Stadien. Kein Alkohol. Keine Stimmung. Teure Tickets. Die nächsten Monate werden das Thema wohl weiter anheizen: Die Rückrunde beginnt in drei Wochen. Wir bleiben dran. Mitunter mit einem Buch über Zürcher Hooligans, das am 1.Februar erscheint. Dazu gleich mehr.
Doch jetzt, zuerst, den Blick ganz anders herum gedreht: Der deutsche Fussballjournalist Ronny Blaschke schreibt in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch, 13. Januar 2010: «Im deutschen Fußball nehmen die Spannungen zwischen Fans, Polizei und Klubs zu – Fanbetreuer beklagen die Hilflosigkeit der Politik, der DFB die gesunkene Hemmschwelle der Anhänger.» Blaschke schreibt über die Situation in Rostock: «Eine Fan-Gruppe, in deren Reihen Gewaltbereite und Rassisten stehen (…), bestimmte die Regeln und drehte die Machtverhältnisse. Ist der Verein erpressbar?» Rebellionen in den Anhängerschaften seien nicht neu, «doch nie zuvor wurde eine Hinrunde so sehr von Fanprotesten geprägt wie die vergangene.» Laut Blaschke haben Gewalt und Gewaltbereitschaft zugenommen. Und die Kapitulation vor der Gewalt: Der Autor verweist auf Stuttgart, wo 150 Fans den Teambus blockiert hatten, verbunden mit Todesdrohungen. Und auf Bochum, wo Fans Marcel Kollers Auto zerkratzten und Fahnen mit seinem Konterfei verbrannten. «Kurz darauf wurde er seines Postens enthoben.» Den ganzen Artikel gibt es hier.
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